Ratgeber
zum Aufbau von Selbstbewusstsein

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Ängste verstehen und überwinden
Selbsthilfe Forum, in dem Sie sich mit anderen über Angst vor Ablehnung austauschen können. Angst Forum
Ängste verstehen und überwinden
Sorgen - wie mit ihnen umgehen?
Selbstvertrauen aufbauen und stärken
Dr. Doris Wolf, Diplom Psychologin
Wir leben in einer Zeit, in der wir sowohl im Privat- als auch im Berufsleben immer wieder auf einschneidende Veränderungen gefaßt sein müssen. Auch wenn wir aus eigener Initiative unsere Firma wechseln, treten meist Gefühle der Angst und Unsicherheit auf. Doch um einige Dimensionen größer sind unsere Unsicherheit und Angst, wenn der Auslöser von anderen ausgeht - wenn wir gekündigt bekommen oder auf eine andere Stelle versetzt werden. Deshalb wollen wir uns hier damit beschäftigen, wie wir unsere Angst vor neuen Arbeitssituationen in einem bewältigbaren Rahmen halten können.
Sofern Sie nicht zu denjenigen gehören, für die Angst ein Zeichen für eine Herausforderung darstellt, das sie zu Höchstleistungen anspornt, und die freiwillig Gefahrensituationen heraufbeschwören oder aussuchen, ist die Angst vor neuen Situationen zunächst einmal angemessen und normal. Bei dem Wechsel des Arbeitsplatzes, Chefs oder der Firma kommen schließlich neue Situationen auf Sie zu, die Sie nicht so genau einschätzen können. Alles, was für uns unbekannt ist, kann jedoch auch Gefahren in sich bergen. Die Angst zeigt uns an, daß wir aus unseren Gewohnheiten herausgerissen werden und unsicher sind, ob Besseres nachkommen wird. Bei vielen Menschen steigert sich die Angst jedoch in Panik und wirkt sich körperlich aus. Sie leiden unter Schlafstörungen, Appetitverlust, oder Eßzwang, innerer Unruhe und Gereiztheit. Sie bekommen Herz- oder Magenbeschwerden, Schweißausbrüche und vieles mehr.
Die Angst entsteht, wie Sie inzwischen bereits ahnen werden, durch angstauslösende Gedanken. Hinter ihr verstecken sich Gedanken wie: "Es wäre schrecklich, wenn ich am neuen Arbeitsplatz versagen würde." "Ich könnte es nicht ertragen, wenn der neue Chef mich für unfähig halten würde". "Bestimmt komme ich mit neuen Kolleginnen nicht klar und sie werden mich ablehnen". "Bestimmt werde ich entlassen und bekomme nie mehr einen Arbeitsplatz".
Wir erzählen uns, daß bestimmt eine Katastrophe auf uns zukommen würde, die wir nicht bewältigen können, und erzeugen damit Panik. Verspüren wir nur leichte Angst und Anspannung, so laufen uns Gedanken durch den Kopf wie etwa: "Ich weiß noch nicht, was auf mich zukommen wird. Ich bin unsicher, ob ich es bewältigen kann." Erkennen Sie den Unterschied? Starke lähmende Angst entsteht, wenn wir uns erzählen, daß bestimmt etwas Schlimmes auf uns zukommen wird und wir nicht damit umgehen können. Wir überschätzen die Wahrscheinlichkeit des Eintretens einer Gefahr und unterschätzen gleichzeitig unsere Möglichkeiten, für diese Situation eine Lösung zu finden. Leichte Angst empfinden wir dann, wenn wir uns sagen, daß Veränderungen eintreten werden und wir nicht wissen, ob sie uns schaden oder nützen.
Ziel ist es nicht, angstfrei zu leben, sondern zu lernen,
- die Angst vor nicht existierenden Gefahren zu überwinden,
- die Angst vor unwahrscheinlichen Gefahren zu überwinden,
- die Angst vor unkontrollierbaren tatsächlichen Gefahren zu überwinden,
- die Angst vor wirklichen, wahrscheinlichen Gefahren als Hinweis zur Suche nach Lösungen zu nehmen und nicht vor Angst überwältigt zu sein.
Ziel ist es, solche Ängste zu überwinden, die uns an der Verwirklichung unserer Ziele hindern und uns schaden, und den Umgang mit solchen Ängsten zu lernen, die uns alarmieren und zur Wachsamkeit vor Gefahren rufen.
Schauen wir uns Szenen aus dem Alltag an und suchen nach Lösungen, die Angst zu verringern.
Szene 1: Wenn der neue Chef kommt ...
"dann werde ich seinen Vorstellungen nicht gewachsen sein und er wird mich über kurz oder lang entlassen. Das wäre eine Katastrophe".
So oder ähnlich könnten Ihre Gedanken lauten, die Sie in Panik versetzen. Bei solchen Gedanken müssen Sie in Panik geraten. Ihr Körper hat gar keine andere Chance, wenn Sie ihm erzählen, daß sicher eine Katastrophe auf Sie zukommen wird. Doch ist diese Einschätzung realistisch? Woher wissen Sie, was der neue Chef von Ihnen erwarten wird? Woher wissen Sie, daß er Sie entlassen wird? Sicher wäre es möglich, daß er seine Sekretärin bereits mitbringt oder im Zuge seiner neuen Ideen auch Ihren Arbeitsplatz anders gestalten möchte. Doch lohnt es sich, sich wegen einer bloßen Möglichkeit in Panik zu versetzen? Helfen Ihnen diese Gedanken, sich gut auf den neuen Chef einzustellen und ihn von Ihren Qualitäten zu überzeugen? Sicher nicht. So schwächen Sie lediglich Ihre Position, bringen sich in Anspannung und machen sich unsicher.
Bringen Sie stattdessen Ihre Einstellung zu Ihren Fähigkeiten auf Vordermann. Erinnern Sie sich daran, daß Sie Ihrem ehemaligen Chef jahrelang gute Dienste geleistet und sich voll engagiert haben. Sie haben das Büro durchorganisiert und er konnte sich auf Sie verlassen. Gleichgültig was der neue Chef von Ihnen halten wird, diese Qualitäten kann er nicht in Frage stellen. Sie haben den Vorteil, daß Sie sämtliche Geschäftskontakte kennen und wissen, wer in der Firma für was zuständig ist. Sie haben die Erfahrung und das Know how, wie bisher alles abgewickelt wurde. Hören Sie sich dennoch Vorschläge des neuen Chfes an, falls er sie anbringt, und überlegen Sie, ob sie auch Vorteile für Sie bringen. Doch Vorsicht vor Selbstabwertungen. Seine Neuerungen bedeuten nicht, daß alles, was bisher lief, Mist war.
Szene 2: Wenn ich an meine neue Arbeitsstelle komme ....
"werde ich unfähig sein, mich einzuarbeiten. Ich werde nicht mit der neuen Software zurechtkommen und mit den neuen Arbeitsabläufen nicht klarkommen", so könnten die Gedanken lauten, die Sie in Angst versetzen.
Auch hier gilt es wieder, herauszufiltern, ob diese Gedanken den Tatsachen sprechen und Ihnen helfen, sich ruhig und einigermaßen gelassen auf die neue Abteilung einzustellen. Wie ist die Prüfung ausgefallen? Woher wissen Sie jetzt schon, daß Sie sich nicht einarbeiten können, daß Sie zu dumm sind, Neues hinzuzulernen? Können Sie hellsehen? Wissen Sie überhaupt, was Sie genau an Arbeitsabläufen und Arbeitsschritten erwartet? Es ist in Ordnung sich innerlich zu sagen: "Ich weiß nicht genau, was auf mich zukommt und wie schnell ich es begreifen werde. Sicher wird mir einiges leicht, einiges aber auch schwerer fallen." Sicher ist es sinnvoll, von Perfektheitsansprüchen Abschied zu nehmen, und von der Rolle, alles gleich beim ersten Mal zu begreifen oder, ohne zu fragen, erledigen zu können. Doch woher nehmen Sie die Gewißheit, sich die Lernfähigkeit abzusprechen? Auch wenn Sie jetzt vielleicht einwenden, Sie hätten es doch nicht ganz so extrem gemeint. Sie haben es sich gedacht. Und wenn Sie sich solche Gedanken machen, dann reagiert Ihr Körper entsprechend. Er nimmt alles wörtlich und ernst, was Sie ihm sagen.
Wenn Sie mit weniger Anspannung und Angst in die neue Situation gehen möchten, dann müssen Sie sich das denken, was Sie auch wirklich meinen. Es genügt, sich zu sagen: "Ich habe mich in meiner bisherigen Abteilung einarbeiten können, also spricht zunächst nichts dagegen, daß ich es auch in der neuen Abteilung schaffen werde. Ich werde alle Energien einsetzen. Sollte es mir nicht gelingen oder mir die Arbeit möglicherweise keinen Spaß machen, dann kann ich immer noch nach einer anderen Abteilung oder einem anderen Aufgabenbereich Ausschau halten." Ehe Sie sich mit Spekulationen beschäftigen, welche Fähigkeiten Sie benötigen, sollten Sie den Kontakt zu den Kolleginnen aufnehmen und sich informieren. Vielleicht gibt es auch außerhalb der Firma einen Einführungskurs in diesen Bereich, so daß Sie sich einen zeitlichen Vorsprung sichern können.
Szene 3: Wenn ich in dem Großraumbüro arbeiten werde ...
"dann werde ich bestimmt mit meinen Kolleginnen nicht klarkommen", so könnten Ihre angsterzeugenden Gedanken lauten.
Auch hier gilt wieder die Frage: Woher wissen Sie das? Selbst wenn Sie schon einschlägige negative Erfahrungen mit dem Teamgeist in einem Großraumbüro gemacht haben, wissen Sie nicht, welches Arbeitsklima Sie in der neuen Firma erwarten wird. Sie sollten auch noch einmal generell Ihre Erwartungen bezüglich des Arbeitsklimas überprüfen. Sicher ist es unrealistisch zu erwarten, daß Sie alle Kolleginnen sympathisch finden werden und daß alle Kolleginnen Sie nett finden werden. Es genügt, wenn die Atmosphäre friedlich ist und Sie vielleicht noch die eine oder andere Kollegin finden werden, mit der Sie auf gleicher Wellenlänge sind.
Wenn Sie keine Freundin haben, die in der neuen Abteilung arbeitet, können Sie vorab wahrscheinlich wenig über das Klima herausfinden. Dann ist es aber auch nicht sinnvoll, negative Prognosen abzugeben. Sie haben sich für die neue Firma entschieden und es wäre gut mit folgender Einstellung dem Tag X entgegenzusehen: "Ich lasse es auf mich zukommen, was mich erwartet. Wahrscheinlich wird es Kolleginnen geben, die ich wenig sympathisch finde, und solche, die ich nett finde. Den neuen Kolleginnen wird es mit mir ähnlich gehen. Ich kann damit leben, selbst wenn es Intrigen in der Firma gibt. Ich habe meinen Freundeskreis außerhalb der Firma und benötige dort nicht unbedingt eine Freundin. Sollte es mir gar nicht gefallen, so habe ich die Probezeit, um mir einen anderen Arbeitsplatz zu suchen."
1. Sie haben Ihre Gedanken bisher auf ihren Tatsachengehalt hin überprüft und angstauslösende Gedanken durch realistische Gedanken ersetzt. Gut ist es, sich die neuen hilfreichen Gedanken aufzuschreiben.
Eine weitergehende Möglichkeit ist es, sich auf das Schlimmstmögliche innerlich vorzubereiten. Man nennt diese Strategie auch Immunisierung. "Was wäre, wenn das Schlimmstmögliche passieren würde? "Was hätte ich dann noch an Lösungsmöglichkeiten?" Notieren Sie die Antworten auf diese Frage in einer Liste. Schreiben Sie alle Lösungsvorschläge auf, ohne sie zu bewerten: Beispielsweise, "Wenn ich arbeitslos würde, könnte ich als Tippelbruder gehen, ins Kloster gehen, auswandern, vom Arbeitslosengeld leben". Selbst wenn Sie diesen Alternativen niemals nachgehen werden, ist es für Ihr Gehirn wichtig, Alternativen zu haben, - zu wissen, es geht weiter, es besteht keine Lebensgefahr.
2. Viele Menschen setzen in "unsicheren Zeiten" Beruhigungstabletten, Nikotin oder Alkohol ein, um sich zu entspannen. Davon möchte ich Ihnen abraten. Sie fühlen sich zwar kurz nach dem Konsum des Suchtmittels ruhiger, doch Ihre negativen Gedanken und Gefühle kommen wieder. Es besteht die Gefahr der Abhängigkeit. Trinken Sie stattdessen abends einen Baldrian- oder Johanniskrauttee und bauen Sie Ihre Spannung durch körperliche Bewegung oder eine Entspannungsmethode wie die Muskelentspannung nach Jacobson ab.
3. Setzen Sie den Gedankenstopp ein. Wann immer Sie sich beim Grübeln und dem negativen Film, wie schlimm alles ausgehen wird, ertappen, rufen Sie sich innerlich "Stopp" zu und ersetzen Sie die Gedanken durch Ihre neu erarbeiteten Gedanken. Sollten Sie die Grübelgedanken mitten in der Nacht überraschen, genügt es, sich "Stopp" zu sagen und "Morgen werde ich mich damit beschäftigen".
4. Sprechen Sie mit Freunden und Freundinnen über Ihre Ängste. Sie werden Ihnen ebenfalls dabei helfen können, Ihren Blick wieder in die realistische Richtung zu rücken. Meiden Sie solche Bekannten, die darauf spezialisiert sind, Ihnen Horrorgeschichten zu erzählen.
5. Unternehmen Sie alles, um möglichst viele Informationen zu bekommen, die die Angst vor dem Neuen reduzieren. Wenn wir wissen, was auf uns zukommt, können wir uns vorbereiten.
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