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Was macht eine gute Partnerschaft aus?
Was stärkt, was schwächt eine Beziehung?


Dr. Doris Wolf
Dr. Doris Wolf - Diplom Psychologin, Psychotherapeutin,
gibt Antwort auf häufig gestellte Fragen zum Beziehungsalltag
und Beziehungsproblemen.

Wie wichtig ist Humor/gemeinsames Lachen?
Absolut wichtig.
- Gemeinsame positive Erfahrungen stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl
und den Wunsch, Zeit miteinander zu verbringen.
Die positiven Gefühle werden
mit dem Partner assoziiert und Positives streben wir immer wieder an.
- Gemeinsames Lachen entspannt und hilft auch dabei,
Konflikte zu entschärfen.
- fördert die Gesundheit und kommt beiden zugute.

++++

Wie wichtig ist es für die Partnerschaft,
eine eigene Privatsphäre zu haben?

Absolut wichtig.
- beide Partner machen voneinander unabhängig Erfahrungen,
die sie wieder interessant für den anderen machen
- Sehnsucht nach dem anderen kann in der Abwesenheit entstehen
- die Partner erleben ihre Unabhängigkeit, stärken ihr Selbstvertrauen
und können sich bewusst wieder für das Zusammenleben entscheiden
- ein wenig Geheimnis und Unbekanntes fördert das Interesse
- beide können Aktivitäten nachgehen, die dem anderen nicht so liegen.

++++

Wie wichtig ist Sex?
Dies ist abhängig von den Bedürfnissen und Absprachen der beiden Partner.
Nähe und körperliche Berührung sind es auf jeden Fall.
Die Partnerschaft steht auf drei Säulen: emotionale Nähe, intellektueller Austausch
und Sexualität. Jedes Paar mixt sich seinen eigenen "Cocktail" daraus.
Wenn beide Partner keine so starken sexuellen Bedürfnisse haben,
kann die Partnerschaft durchaus auch stabil sein. Schwierig wird es,
wenn einer immer mehr möchte, als der andere gibt.

++++

Warum sollten Paare gemeinsame Projekte haben?
(nur dann, wenn das Projekt gut verläuft und nicht neue Konflikte bringt
(z.B: Hausbau in Eigenleistung, der Partner ist nur noch am Bau, vernachlässigt die Partnerin)
Gemeinsame Projekte stabilisieren die Partnerschaft.
Man hat ein gemeinsames Ziel,
um das man kämpft und über das man sich unterhalten kann.
Die Energien werden in eine Richtung gelenkt.
Jeder gemeinsame Erfolg bestätigt das Team.
Erfolgreich bewältigte Krisen bestärken ebenfalls die Partner,
eine gute Wahl mit dem Partner getroffen zu haben und sich auf ihn verlassen zu können.
Jeder hat in diesem Projekt seine Aufgabe und Rolle.
Nach außen werden beide als Paar wahrgenommen.

++++

Wie spricht man richtig miteinander in der Partnerschaft?
- in der Ich-Form, so dass man die Verantwortung für seine Denken,
seine Gefühle und sein Verhalten übernimmt, statt Du ... und Vorwürfe.
- sachlich, auf konkrete Situationen bezogen, so dass der andere etwas
mit den Aussagen anfangen kann, statt "immer machst, nie tust du ...,
- dann wenn der andere Zeit hat,
- mit Rückfragen, was bei ihm angekommen ist
- den anderen ausreden lassen,
- ehrliches Interesse an seiner Person und mit Achtung,
- ohne indirekt zu manipulieren: deutliches Nein, um Grenzen zu setzen,
wo man nicht mit einverstanden oder überfordert ist. Klare Wünsche äußern
- Kompromisse anbieten,
- Schwächen und Fehler zugeben und sich entschuldigen.

++++

Wenn Kinder da sind - wie verhindert man,
statt Paar nur noch Eltern zu sein?

- indem man sich mit dem Vornamen anspricht und nicht mit Mama, Papa,
- indem man sich auch kinderfreie Zeit nimmt und einen Babysitter engagiert
oder mit anderen Eltern wechselseitig die Kinder beaufsichtigt,
- indem man sich ganz bewußt auch über andere Themen als die Kinder unterhält,
- indem man am Wochenende mal alleine wegfährt,
- indem man dafür sorgt, dass die Kinder abends ins Bett gehen
und man noch Zeit füreinander hat,
- indem man sich mit anderen Paaren trifft, die keine Kinder haben
und ganz bewußt andere Aktivitäten und Themen wählt.

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Wie sieht Streiten aus, das die Partnerschaft belebt?
- bezieht sich auf konkrete Ereignisse,
- die generelle Wertschätzung bleibt erhalten,
- das Gegenüber wird geachtet,
- nach dem Streit lenkt jeder den Blick wieder auf das Positive in der Partnerschaft und verzeiht,
- der Streit wird in der Ich-Form geführt,
- Verallgemeinerungen wie "immer, nie ..." werden vermieden,
- nonverbale Signale: noch angenehme Lautstärke, keine aggressive Mimik und Gestik,
- Streit wird bis zum Ende geführt
(Partner verläßt nicht vorher den Raum),
- man hört dem anderen zu,
- man gibt dem anderen das Gefühl, ihn zu verstehen,
- die Partner haben das Gefühl, vom Partner verstanden zu werden.

++++

Wie sieht Streiten aus, das der Partnerschaft eher schadet?
- die Du-Form wird verwendet: Du hast ...,
- man bombardiert mit Vorwürfen,
- es geht um Recht haben und Macht,
- Kramen in der Vergangenheitskiste,
- verallgemeinernde Kritik,
- missachtend und abwertend, auf Schwächen und wunde Punkte zielen,
- nonverbale Signale: schreiend, drohen mit Faust, "finstere" Mimik, evtl. Einsatz körperlicher Gewalt,
- ein Partner unterbricht und flüchtet,
- ein Partner lässt den anderen nicht zu Wort kommen,
- keine Versöhnung nach dem Streit, sondern immer wieder Stochern im Konfliktbereich.

++++

Müssen Paare alles gemeinsam machen?
Absolut Nein. Im Gegenteil, es ist eher schädlich,
da die Paare sich dann meist
als Paar verhalten und sich an ihre vereinbarten Rollen halten.
Auch das Umfeld verhält sich einem Paar gegenüber anders
als einer Einzelperson. Getrennte Aktivitäten fördern die Attraktivität für den Partner,
weil es am Partner immer wieder was Neues zu entdecken gibt.
Die Partnerschaft bekommt neue Impulse, der Partner bleibt spannend.
Der Partner bekommt die Bestätigung, auch alleine zufrieden
sein zu können und alleine überlebensfähig zu sein.
Wenn man alleine etwas macht, lernt man,
ganz auf sich selbst zu hören,
und kann eigene Wünsche erfüllen.
Man lernt, sich selbst zu behaupten und seine Meinung zu vertreten.
Natürlich ist das Gegenteil, alles alleine zu machen, genauso wenig förderlich wie das permanente Zusammenglucken.

© 1999-2011 PAL Verlag - Was stärkt eine Beziehung? Was schwächt eine Partnerschaft? - Doris Wolf gibt Antwort
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