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Dr. Rolf Merkle - Diplom Psychologe, Psychotherapeut
Man schätzt, dass etwa eine Million Berufstätige in Deutschland unter Mobbing leiden. Mobbing findet man in Unternehmen, in der Schule, im öffentlichen Dienst, in der Altenpflege, ja selbst in der Familie.
Der Begriff Mobbing wurde aus dem Englischen übernommen und bedeutet: jemanden bedrängen, anpöbeln, über ihn herfallen. Ein vorübergehendes schlechtes Betriebsklima, eine kurzfristige Verstimmung oder ein kurz aufflammender Konflikt sind damit nicht gemeint.
Nach der Definition müssen Mobbingopfer mindestens einmal wöchentlich über einen Zeitraum von einem halben Jahr hinweg unqualifiziert angegriffen, angefeindet, schikaniert oder diskriminiert werden. Es werden üble Gerüchte verbreitet, wichtige Unterlagen verschwinden, man redet nicht mehr mit einem, bekommt abschätzige Blicke zugeworfen, kleine Versäumnisse werden aufgebauscht, usw.
Jede Frau und jeder Mann kann Opfer solcher Angriffe und von Psychoterror werden. Mobbingopfern wird nach der Definition die Möglichkeit genommen, sinnvoll zu kommunizieren.
Das Handwerkszeug von "Mobbern" reicht von Kontakt- und Informationsverweigerung, über Angriffe auf das An- und Aussehen und die Leistungsfähigkeit bis hin zu Androhung körperlicher Gewalt.
Kontakt- und Informationsverweigerung
Das Opfer wird wie Luft behandelt. Es wird nicht mehr gegrüßt, man geht ihm aus dem Weg, gibt ihm deutlich zu verstehen, dass es unerwünscht ist.
Angriffe auf das Ansehen und die Leistungsfähigkeit
Es werden Gerüchte über das Opfer verbreitet, etwa es sei in psychiatrischer Behandlung, es wird vor anderen lächerlich gemacht und respektlos behandelt. Über persönliche und körperliche Schwächen machen sich die Mobber lustig, indem sie z.B. über einen besonderen Akzent oder eine krumme Nase in Gegenwart des Opfers Witze machen. Mobber stellen die Leistungsfähigkeit infrage, stellen extrem hohe Anforderungen, bei denen das Opfer versagen muss, oder setzen es unter einen enormen psychischen Druck, indem sie seine Arbeit ständig kritisieren. Man droht mit sexuellen oder körperlichen Handgreiflichkeiten, rempelt das Opfer an, kündigt "Denkzettel" an oder zersticht Autoreifen.
* Gespräche verstummen plötzlich, wenn Sie dazukommen.
* Sie werden nicht mehr gegrüßt bzw. Ihr Gruß wird nicht mehr erwidert.
* Es werden unsachliche Andeutungen gemacht und gezielt Gerüchte in Umlauf gebracht.
* Man lässt Sie links liegen, geht Ihnen bewusst aus dem Weg.
* Sie werden nicht mehr über betriebliche Belange informiert, sodass Sie immer häufiger aufgrund von Unwissenheit "dumm" dastehen.
* Ihre Aussagen werden verfälscht wiedergegeben.
* Die Zusammenarbeit mit Ihnen wird boykottiert.
* Kleine Versäumnisse werden aufgebauscht.
* Hinter Ihrem Rücken oder auch offen wird über Sie getratscht.
* Sie merken, wie gegen Sie eine Art unsichtbare Mauer errichtet wird; es kommt zu Front- und Parteienbildungen.
* Kleine Fehler und Versäumnisse werden aufgebauscht.
Wenn Sie von Mobbing betroffen sind, sollten Sie sich nicht in die Opferrolle fügen! Handeln Sie! Werden Sie aktiv!
Über Gehässigkeiten oder Sabotageakte, die sich wiederholen, einfach hinwegzusehen, führt bei den Kollegen meist dazu, sich besonders Gemeines einfallen zu lassen. Auch besondere Freundlichkeit ist hier fehl am Platze. Es bestärkt die Kollegen in ihrem Verhalten, Sie "fertigzumachen". Bei Ihnen selbst erzeugt der Versuch, "einfach darüber hinwegzusehen", starke innere Anspannung und auch Hilflosigkeitsgefühle. Und viele Betroffene sehen schließlich in der Kündigung den letzten Ausweg aus ihrer qualvollen Situation.
Rechtliche Schritte sind momentan noch nicht sehr erfolgversprechend. Richter an den Arbeitsgerichten sagen, dass bislang nur in ganz wenigen Fällen Mobbing-Opfer Aussicht hatten, zu ihrem Recht zu kommen. Die Beweislast liegt beim Mobbing-Opfer. Es muss nachweisen, dass sein Persönlichkeitsrecht und seine Würde verletzt wurden - und zwar systematisch. Hier stehen dann meist Aussage gegen Aussage. Die Kollegen sind selten bereit, sich mit dem Mobbing-Opfer zu solidarisieren.
Und wenn diese Strategien nicht weiterhelfen?
Dann müssen Sie stärkere Geschütze auffahren:
© 1999-2010 PAL Verlag - Mobbing am Arbeitsplatz - Was kann man gegen Mobbing tun? Wie wehrt man sich als Mobbing Opfer? Mobbing Hilfe
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