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Eine Leserin schreibt:
... habe vor drei Monaten meinen Mann durch einen tragischen Unfall verloren. Zu Ihrem Buch bin ich durch Freunde gekommen, die mir helfen wollten. Dieses Buch ist für mich Alles. Ich bezeichne es immer als meine Bibel. Wann immer ich unten bin, und das ist noch sehr oft, greife ich zu diesem Buch und finde Trost und Verständnis. Dieses Buch gibt mir das Gefühl, als ob Sie nur für mich geschrieben haben und wir uns schon ewig kennen. Wie eine gute Freundin eben.
Den Tod eines geliebten Menschen bewältigen
Neue Partnerschaft nach dem Tod des Partners
Selbstvorwürfe nach dem Tod des Partners
Angst vor Wochenenden und Feiertagen nach dem Tod des Partners
Ich habe mich entschlossen, ein Buch zum Thema Tod und Trauer zu schreiben, weil ich jeden Tag in meiner Praxis erlebe, wie hilflos wir Menschen bei diesem Thema sind. Der Tod verbindet uns Menschen miteinander, denn jeder von uns wird einmal sterben, aber gleichzeitig trennt er uns auch. Wenn wir einen nahen Angehörigen verlieren, fühlen wir uns meist sehr allein. Keiner kann unseren Schmerz verstehen und nachempfinden. Um uns herum läuft die Welt weiter, als ob nichts geschehen wäre, während für uns die Welt stehen zu bleiben scheint.

Ich selbst wurde schon mehrmals mit dem Tod in unmittelbarer Nähe konfrontiert. Als ich 10 Jahre alt war, starb mein Vater an Krebs. Ich erlebte, wie hilflos man sich fühlt, wenn man einen lieben Menschen verliert, und ich erlebte die Hilflosigkeit meiner Mutter, mit ihrer Trauer und der ihrer Kinder umzugehen. Wie dankbar wäre ich gewesen, jemand hätte mir damals beigestanden und mir erklärt, was in einem vorgeht, wenn man trauert. Später verstarb der Schwiegervater sehr plötzlich an einem Herzinfarkt, was in mir erneuten Schmerz und auch nochmals viele Erinnerungen an den Tod meines Vaters wachrief.
Um Trauer zu empfinden, muß der Tote jedoch nicht zu den nächsten Familienangehörigen gehören. Jeder Mensch, der für uns wichtig ist, den wir in unser Herz geschlossen haben, hinterläßt, wenn er geht, eine Lücke, die für uns schmerzhaft ist und uns Kraft kostet, zu schließen. Ja, sogar der Mensch, den wir hassen, hinterläßt nach seinem Tod in unseren Gefühlen eine Spur.
Ich weiß nicht, ob Ihr Verlust schon viele Monate zurückliegt oder gerade erst vor kurzem eingetreten ist. Ich weiß nicht, ob Sie Ihren Partner, Ihr Kind, Ihren Freund oder Ihre Freundin, Mutter oder Vater, einen Schulkameraden oder Geschäftskollegen verloren haben.
Ich möchte hier nicht so tun, als wüßte ich, wie Sie sich fühlen. Sie sind der einzige Mensch, der wirklich weiß, wie sich Ihre Trauer anfühlt. Trauer ist eine einzigartige Reaktion, die sich bei jedem Menschen anders äußert. So kann ich Ihnen nur sagen, daß ich weiß, wie sich meine Trauer anfühlt, und daß eine Zeit kommen wird, in der an die Stelle Ihrer Verzweiflung ein neues Lebensgefühl treten wird.
Ich möchte Ihnen mit meinem Ratgeber helfen, Ihre Gefühle und Ihr Verhalten besser zu verstehen. Ich begleite Sie durch die verschiedenen Phasen, die jeder vom tiefsten Schmerz bis zu langsam wieder erwachender neuer Lebensfreude durchläuft.
Ich kann Ihnen Ihre Trauer nicht ersparen, abnehmen oder wegnehmen. Ich möchte Ihnen nur helfen, Ihre Gefühle, die Sie überwältigen, zu verstehen und zu akzeptieren, und Ihnen ein wenig zur Seite stehen. Sie dürfen traurig sein. Ihre Trauer ist normal und menschlich.
Während nach dem Tod eines lieben Menschen draußen das Leben normal weiterläuft, erscheint im eigenen Leben alles sinn- und hoffnungslos. Man glaubt, nie mehr Lebensfreude und Gefühle von Geborgenheit und Sicherheit verspüren zu können. Von Angehörigen und Freunden fühlt man sich unverstanden und allein gelassen.
In dieser schweren Zeit möchte ich Ihnen beistehen. In meinem Ratgeber zeige ich Ihnen, welche Phasen des Abschiednehmens Sie in der Zeit Ihrer Trauer durchlaufen und weshalb Verzweiflung, Hass, Alpträume, Herz- und Magenprobleme, Schlaf- und Essstörungen in dieser Zeit völlig normal sind.
Ich möchte Sie begleiten, wenn Sie von all den schönen Erlebnissen und den gemeinsam geschmiedeten Plänen, die Sie mit dem verstorbenen Menschen verbinden, Abschied nehmen müssen, wenn Sie mit Gott und dem Schicksal hadern, wenn Ihr Leben seinen Sinn verloren hat und Sie in Schmerz, Angst, Einsamkeit und Wut aufgehen.
In vielen kleinen Schritten will dieses Buch eine Trauerhilfe sein, die Ihnen die Trauerarbeit erleichtern kann. Es hilft Ihnen, Ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben und Ihr Leben ohne den Partner zu gestalten.
Eine Trauerbewältigung ist wie eine Bergbesteigung.
Wir müssen unten im Tal beginnen
und uns langsam in unserem individuellen Tempo
nach oben arbeiten, bis wir für uns wieder
eine neue Lebensperspektive erkennen können.
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Dr. Doris Wolf spricht zum Thema Trauerbewältigung
Trauerbewältigung
Leseproben aus dem Trauerratgeber
Leserfrage
Der Mann meiner Freundin ist vor einigen Jahren unerwartet und plötzlich verstorben. Ich wohne leider weiter weg von ihr und so muss ich aus der Ferne mitansehen, wie sie den Tod ihres Mannes nicht verkraften kann und unter Einsamkeit leidet. Da sie gesundheitlich nicht auf dem Posten ist und immer mehr abbaut, möchte ich gerne helfen. Eine psychologische Betreuung lehnt sie mit den Worten ab, alt genug zu sein und ihr Problem selbst in den Griff bekommen zu müssen. Was kann ich für Sie tun?
Ich habe ihr geantwortet:
Wann immer wir unseren Lebenspartner verlieren, stehen wir vor vielen großen Aufgaben. Wir müssen u.a. lernen, den Verlust unseres Partners zu akzeptieren, danach suchen, wie wir ein neues seelisches Gleichgewicht finden können und unserem Leben einen neuen Sinn zu geben. Diese Aufgaben können uns von niemandem abgenommen werden, aber es kann hilfreich sein, dabei von Freunden unterstützt zu werden. Ich denke, dass Sie Ihrer Freundin schon alleine durch Ihren Kontakt helfen, sich nicht so allein zu fühlen. Da Sie nicht vor Ort wohnen, entfallen leider alle Möglichkeiten, sie spontan zu besuchen und zu einer Aktivität anzustiften. Doch können Sie mit ihr die Möglichkeiten vor Ort ausloten, wo sie Kontakte finden könnte. Gehört sie z.B. einer Kirche an, könnten Sie sie beauftragen, bei der Gemeinde nach einem Frauenkreis, etc. nachzufragen. Vielleicht gibt es an ihrem Wohnort auch einen Seniorenkreis, den sie besuchen könnte. Fragen Sie die Freundin nach ihren Interessen und überlegen Sie mit ihr, wie diese verfolgt werden können. Manche Menschen finden auch eine Erfüllung darin, ihr Leben für die Kinder niederzuschreiben. Vielleicht gibt es auch Menschen, für die ihre Freundin hilfreich sein kann z.B. wenn sie ab und zu ein Kind betreut oder einen kranken Nachbarn besucht. Bei all den Aktivitäten ist es wichtig, dass die Freundin nicht darauf wartet, bis sie Lust dazu hat, sondern sich dazu aufrafft. Sprechen Sie mit Ihrer Freundin auch darüber, dass die Trauer immer alleine bewältigt werden muss auch wenn man zum Therapeuten geht. Er könnte ihr aber durch seine Begleitung dabei helfen.
© 1999-2010 PAL Verlag - Trauer bewältigen - den Tod eines geliebten Menschen bewältigen
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