Jetzt in der 15. überarbeiteten Auflage

Rolf Merkle
Wenn das Leben zur Last wird
128 Seiten, EURO 12,80
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Eine Leserin schreibt:
Das beste Buch über Depressionen. Erst Ihr Buch hat mir wieder Hoffnung gegeben. Als ich es las, erschien es mir, als ob ich ein Buch über mich selbst las. Sie haben so genau und treffend all meine Gedanken, Zweifel und Gefühle beschrieben, dass es fast unheimlich war. Endlich Erkennung und Anerkennung meiner Probleme. Endlich auch konkrete Anweisungen und Ratschläge, ja eine Routenbeschreibung, wie ich aus meiner Depression herausfinden kann.
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Einleitung
Depressionen
Depressionen - die Folge ungenügender Bewältigungsstrategien
Wie gut wir unser Leben meistern und wie gut wir mit Problemen fertig werden, hängt in erster Linie davon ab, über welche Bewältigungsstrategien wir verfügen. Depressionen sind immer auf mangelnde Bewältigungsstrategien zurückzuführen. Schauen wir uns deshalb einmal an, was es damit auf sich hat.
Was sind Bewältigungsstrategien?
Darunter versteht man Fertigkeiten, die es Ihnen erlauben, Probleme und Schwierigkeiten zu meistern, anstatt an ihnen zu zerbrechen. Gute und gesunde Bewältigungsstrategien bewahren Sie beispielsweise davor, bei Ablehnung oder Versagen in Depressionen zu verfallen. Es gibt vor allem drei Bewältigungsstrategien, die für Sie und die Überwindung Ihrer Depressionen wichtig sind.
1. Selbstbewußtsein und Durchsetzungsvermögen
Claudia und Ingeborg sind miteinander befreundet. Beide gehen öfters zusammen aus. Claudia, die bei mir wegen depressiver Verstimmungen in Therapie war, berichtete mir folgende Begebenheit:
"Ingeborg erzählte mir, daß sie sich neulich ein sündhaft teures Kleid gekauft hat. Als sie es zuhause auspackte, merkte sie, daß es einen Flecken hatte. Sie ging einfach in das Geschäft zurück und hat darauf bestanden, entweder ein einwandfreies Kleid zu bekommen oder das Geld zurückzubekommen. Das hätte ich nicht gekonnt. Ich hätte mich nur geärgert, daß ich so blöd bin und mir so etwas gefallen lasse und wieder mal die Dumme bin und nur mir so etwas passiert. Ich hätte es mich nicht getraut, das Kleid zurückzubringen. Am Ende hätten die noch gesagt, ich hätte den Fleck reingemacht, und was hätte ich dann sagen sollen?"
An diesem Beispiel sehen Sie, daß Ingeborg über eine Bewältigungsstrategie verfügt, die Claudia nicht hat. Ingeborg kann sich wehren, hat keine Angst vor negativen Reaktionen bzw. läßt sich dadurch nicht abhalten, ihr Recht zu verlangen. Sie bleibt nicht frustriert zurück, sondern achtet darauf, daß sie zu ihrem Recht kommt und daß ihre Bedürfnisse befriedigt werden. Claudia fehlt diese Fertigkeit. Aus Angst vor Ablehnung getraut sie sich nicht zu reklamieren. Stattdessen ärgert sie sich über sich, macht sich klein, indem sie sich für blöd erklärt und bleibt enttäuscht zurück. Ein idealer Nährboden für depressive Verstimmungen. Kennen Sie ein solches Verhalten von sich auch? Würden Sie auch eher wie Claudia reagieren?
Ihre Depressionen sind besiegbar.
Sich wehren können, selbstbewußt auftreten und darauf achten, daß man nicht zu kurz kommt, das sind wichtige Bewältigungsstrategien, die einen davor bewahren, depressiv zu werden. Wenn Sie bei sich nachschauen, werden Sie feststellen, daß Sie bisher sehr häufig aus Angst vor Ablehnung zurückgesteckt haben. Sie haben sich und Ihre Bedürfnisse nie so wichtig genommen, haben anderen den Vortritt gelassen, haben "Ja" gesagt, wo Sie viel lieber "Nein" gesagt hätten, sind oft zu kurz gekommen oder gar leer ausgegangen, haben anderen erlaubt, auf Ihrer Nase herumzutanzen, kurzum: Sie waren noch nie sehr selbstsicher und durchsetzungsfähig. Diese Bewältigungsstrategie hat Ihnen gefehlt.
Wenn Sie Ihre Depressionen überwinden möchten, dann müssen Sie lernen, daß Sie und Ihre Bedürfnisse wichtig sind und Sie deshalb auch ein Recht darauf haben, sie zu befriedigen. Sie müssen also lernen, selbstbewußt aufzutreten. Dazu gehört auch, auf andere Menschen zugehen und mit denen Kontakt aufnehmen zu können. Wenn man sich aus Angst vor Ablehnung nicht aus seinem Schneckenhaus getraut, dann lebt man zwar recht sicher und geschützt, aber das Leben und die Menschen gehen an einem vorbei.
2. Positives Selbstbild und Selbstwertgefühl
Eine sehr wichtige Bewältigungsstrategie besteht darin, sich selbst annehmen zu können, statt sich klein zu machen oder herunterzuputzen. Wie oft am Tag machen Sie sich Selbstvorwürfe, werfen sich häßliche Worte wie Idiot und Versager an den Kopf oder erklären sich für minderwertig und wertlos? Mit anderen Worten: Ihr Selbstwertgefühl ist sehr gering - und das nicht erst seit Sie deprimiert sind. Menschen, denen es an der Fähigkeit mangelt, sich selbst den Rücken zu stärken, die sich schwertun, sich unabhängig von dem, was sie sind und leisten, für wertvoll und wichtig zu halten, diese Menschen sind in hohem Maße für Depressionen anfällig.
Wenn man gering von sich denkt, dann programmiert man viele Mißerfolge im Leben vor, und diese sind dann erst recht Anlaß für einen, umso schlechter von sich zu denken. Um Ihre Depressionen überwinden zu können und frei davon zu bleiben, müssen Sie also lernen, eine bessere Meinung von sich zu bekommen.
3. Gesundes und realitätsorientiertes Denken
Die wichtigste Bewältigungsstrategie von allen ist das gesunde und realitätsorientierte Denken. Menschen, die für Depressionen anfällig sind, dramatisieren und übertreiben, was sie erleben. Das Haar in der Suppe empfinden sie als Katastrophe oder sie denken sich, daß nur sie Pech im Leben haben, während alle anderen Glückspilze sind. Sie sehen nur die schlechten Seiten, nie die guten, und sie rechnen immer mit dem Schlimmsten. Das negative Denken ist das hervorstechendste Merkmal aller Depressionen. Seine Depressionen zu besiegen bedeutet immer, sich in seinem Denken umzustellen, sprich gesünder und realitätsorientierter zu denken. Wie das geht, erfahren Sie in diesem Buch.
Fassen wir die wichtigsten Fertigkeiten für ein Leben ohne Depressionen nochmals zusammen. Es sind:
1. ein gesundes und realitätsorientiertes Denken
2. ein positives Selbstwertgefühl und
3. ein gesundes Selbstbewußtsein.
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