Ratgeber Eifersucht Kapitel 3

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Ratgeber Eifersucht

Rolf Merkle
Eifersucht
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Eifersucht
zeugt nicht von Liebe,
sondern von Angst vor dem Verlust der Liebe.

Rolf Merkle

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Eifersucht Leseprobe aus Kapitel 3


Eifersucht
Woher sie kommt und wie wir sie überwinden können

Wie äußert sich Eifersucht?

Birgit war eine verheiratete Frau Ende 30. Sie machte auf mich einen sehr energischen Eindruck, als ich sie das erste Mal sah. Umso erstaunter war ich, als sie mir berichtete, daß sie unter starken Ängsten leide. Wie sich sehr schnell herausstellte, war ihr eigentliches Problem ein ganz anderes: Sie litt unter einer sehr starken und die Partnerschaft gefährdenden Eifersucht.

Birgit war eine der eifersüchtigsten Menschen, die ich je in meiner Praxis kennengelernt habe. Besonders schlimm war ihre Eifersucht, wenn sie und ihr Mann Herbert sich auf einer Party befanden. Bei solchen Anlässen stand Birgit Todesqualen aus. Sie ließ ihren Mann keinen Augenblick aus den Augen. Blickte er in die Richtung einer anderen Frau, kochte Birgit vor Wut. Am liebsten hätte sie ihm dann eine Szene gemacht und ihn vor allen Leuten zur Rede gestellt. Ihre Eifersucht steigerte sich noch, wenn ihr Mann sich mit einer anderen Frau unterhielt oder gar mit ihr tanzte. Im Anschluß an solche geselligen Treffen machte Birgit ihrem Mann regelmäßig bitterböse Vorhaltungen. Sie löcherte ihn mit Fragen, wer diese Frauen gewesen seien, seit wann er sie kenne, was er mit ihnen habe, usw. Sie warf ihm vor, daß er sie durch sein "Brunftverhalten” vor anderen lächerlich mache, sie vernachlässige und sich auf ihre Kosten amüsiere. Dabei wisse er doch ganz genau, wie sehr er ihr durch sein unmögliches Verhalten ihr Leben schwermache.

Birgit lebte ständig in der Angst, ihr Mann könne eine andere Frau attraktiver finden. Deshalb durchsuchte sie immer seine Kleider nach Notizen und anderen Beweisstücken. Von ihrem Mann verlangte sie ständig Rechenschaft, mit wem er wann und warum zusammenwar. Kam er später nach Hause, als er am Morgen gesagt hatte, dann konnte er sichergehen, daß Birgit ihn mit Fragen nach seinem Verbleiben bombardieren würde. Er wußte auch, daß Birgit keine seiner Erklärungen gelten lassen und ihm nicht glauben würde.

Birgit war auf alles und jeden eifersüchtig. Traf sich Herbert nach Feierabend mit Kollegen zu einem Bier, dann war Birgit auf seine Kollegen eifersüchtig. Bastelte er an seinem Wagen, dann war Birgit auf den Wagen eifersüchtig. Spielte er mit den Kindern und hatte dabei auch noch Spaß, dann war sie auf die Kinder eifersüchtig. Wenn er alleine seine Mutter besuchte, dann war Birgit auf sie eifersüchtig. Selbst auf den Hund war sie eifersüchtig, wenn er ihn ausführte. Wann immer ihr Mann sich für jemand anderen oder eine Sache Zeit nahm, reagierte Birgit eifersüchtig. Sie fühlte sich ausgeschlossen und glaubte, daß ihr Mann nur deshalb diese Zeit nicht mit ihr verbrachte, weil ihm nichts an ihr liege. Bei diesem Gedanken fühlte sich Birgit zutiefst verletzt und geriet in Panik.

Um den ständigen Vorwürfen seiner Frau zu entgehen, verzichtete Herbert im Laufe der Jahre immer mehr auf seine Vergnügungen. Er brach den Kontakt zu Freunden und Arbeitskollegen ab, ja, selbst Geschäftsreisen versuchte er weitgehend zu vermeiden. Das brachte ihm in seinem Beruf einige Nachteile ein, die er jedoch in Kauf nahm, da er seine Frau liebte. Je mehr Herbert aber aufgab, umso größer wurde seine Unzufriedenheit, und umso mehr machte er Birgit Vorwürfe, sie behandle ihn wie einen Sklaven.

Als Birgit in Therapie kam, war sie völlig verzweifelt. Ihr Mann hatte ihr ein Ultimatum gestellt. Entweder sie würde etwas gegen ihre krankhafte Eifersucht tun, oder er würde sich trennen. Dieses Mal werde er seine Drohung wahr machen. Jetzt habe er endgültig die Nase voll.

Birgit tat, was sie bei solchen Anlässen schon öfter getan hatte. Sie flehte ihn auf Knien an, ihr zu verzeihen. Sie versprach, sich ganz gewiß zu bessern. Ein paar Tage biß sie sich auf die Zunge und versuchte unter Aufbietung all ihrer Kräfte, sich zusammenzureißen. Doch dann eines Abends, als ihr Mann später nach Hause kam, platzte ihr der Kragen und sie vergaß alle ihre guten Vorsätze. Vorwürfe über Vorwürfe prasselten über Herbert herein. Nun riß Herbert der Geduldsfaden. Er zog zu Freunden und trennte sich von Birgit.

Es mag sein, daß Sie nicht so eifersüchtig wie Birgit reagieren. Ich habe jedoch Birgits Fall gewählt, da ihr Verhalten in vielerlei Hinsicht für einen eifersüchtigen Menschen charakteristisch ist.

So machte Birgit, wie viele eifersüchtige Menschen, nach außen den Eindruck eines selbstsicheren und selbstbewußten Menschen. Sie wußte genau, was sie wollte, und kämpfte verbissen darum. Sie behandelte ihren Mann wie einen Sklaven, dem man befiehlt und der zu gehorchen hat, bedingungslos und ohne Widerrede. Nichteinhaltung der Regeln bestrafte Birgit mit Verweigerung im Bett oder mit tagelangem eisigen Schweigen. Durch nichts, aber auch gar nichts, war Birgit davon zu überzeugen, daß ihr Mißtrauen grundlos und ihre Vorwürfe unbegründet waren. Sie wußte es besser. Sie wußte genau, was gespielt wurde.

Birgit wußte ihre Eifersucht immer zu entschuldigen. Sie treffe keine Schuld. Wenn Herbert sich anders verhalten würde, dann wäre alles in Ordnung. Er sei der Schuldige. Sie müsse zwangsläufig so reagieren, wenn er sich so rücksichtslos verhalte.

Lag es tatsächlich an Herbert, daß Birgit so eifersüchtig reagierte? War er tatsächlich an den ganzen Eifersuchtsszenen seiner Frau schuld? Nein. Herbert traf keine Schuld. Die Ursache für Birgits Eifersucht lag einzig und allein bei ihr. Wenn sie etwas Abstand hatte und nüchtern darüber nachdachte, gestand sie sich das auch ein:

"Ich weiß ja, wie lächerlich ich mich manchmal benehme. Aber bei mir brennt dann einfach die Sicherung durch. Hinterher mache ich mir bittere Vorwürfe, daß ich so ungerecht zu meinem Mann war. Aber es hilft nichts. Ich tue es immer wieder”.

Warum durchwühlte Birgit, eine erfolgreiche Abteilungsleiterin und Mutter zweier Kinder, Abfalleimer und Mülltonnen, um darin vermeintliche Beweise für die Untreue ihres Mannes zu finden? Warum zeigte sie immer wieder dasselbe Verhalten, das sie selbst als ziemlich erniedrigend empfand, für das sie sich schämte und das sie selbst schon als falsch erkannt hatte?

Birgit wußte sich, wie alle eifersüchtigen Menschen, nicht anders zu helfen. Sie verspürte in den Augenblicken, in denen sie eifersüchtig reagierte, eine panische Angst, ihren Mann an eine andere Frau zu verlieren. Sie befürchtete, ihr Mann könne eine andere Frau attraktiver finden und sie dann verlassen.

Weitere Leseproben aus dem Eifersucht Ratgeber:

Einleitung

Kapitel 1
Was ist Eifersucht?