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Einsamkeit im Alter - wie damit umgehen?

Dr. Doris Wolf, Expertin für Einsamkeit Dr. Doris Wolf - Diplom Psychologin, Psychotherapeutin

Einsamkeit kann uns von Kindheit an bis ins hohe Alter begegnen. Wenn wir uns einsam fühlen, dann fühlen wir uns ausgeschlossen, ungeliebt und für niemanden wichtig.

Vor allem vor der Einsamkeit, die entsteht, wenn sich unsere Lebenssituation plötzlich verändert, sind wir alle nicht sicher. Wenn wir in ein bestimmtes Alter kommen, ist die Wahrscheinlichkeit umso größer, dass sich grundlegende Veränderungen in unserem Leben ereignen. So verlieren wir vielleicht unseren Partner oder unsere beste Freundin. Unsere Kinder ziehen in eine weit entfernte Stadt, sodass sie uns nur selten besuchen kommen. Vielleicht ziehen wir in eine kleinere Wohnung oder ins Seniorenstift. Wir bekommen eine chronische Erkrankung, die die Möglichkeiten, unser Leben aktiv zu gestalten, einschränkt oder aber unser Partner erkrankt schwer.

Mit diesen Veränderungen müssen wir uns erst arrangieren. Dabei verspüren wir gewöhnlich die unterschiedlichsten Gefühle. Wir hadern vielleicht mit dem Schicksal, sind verzweifelt, haben Angst vor der Zukunft und fühlen uns einsam. Diese Gefühle zeigen uns an, dass wichtige Bedürfnisse von uns nicht mehr erfüllt werden. Sie sollen uns motivieren, nach neuen Wegen suchen, wie wir trotz allem unsere Bedürfnisse befriedigen können.

Wege aus der Einsamkeit im Alter

Das Alter ist kein Grund dafür, sich einsam zu fühlen. Es kann jedoch aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen schwieriger sein, mit anderen in Kontakt zu bleiben. Heute haben wir jedoch durch das Internet weit mehr Möglichkeiten als früher. Wir brauchen nicht mehr aus dem Haus zu gehen und können doch weltweit Kontakte pflegen.

Ob wir uns im Alter einsam fühlen, hängt viel mit unseren Einstellungen und Verhaltensgewohnheiten zusammen, die wir uns im Laufe unseres Lebens zugelegt haben. Wenn wir beispielsweise sehr hohe Erwartungen an andere stellen, uns vor Ablehnung und Konflikten fürchten oder uns selbst nicht für liebenswert halten, dann werden wir uns schwer tun. Eine neugierige, offene Einstellung anderen Menschen gegenüber wird uns hingegen den Kontakt zu neuen Menschen erleichtern. Haben wir bereits unser gesamtes Leben einen Freundeskreis und Interessen gepflegt, dann können wir im Alter darauf zurückgreifen.

Einsamkeit entsteht in uns selbst und durch unsere Einstellungen. Wir sehen uns z.B. als ungeliebt, überflüssig und zu nichts mehr nutze. Deshalb können wir auch selbst etwas tun, um uns aus der Isolation zu befreien.

Natürlich ist es am besten, wenn man zeitlebens schon gesellig und aktiv war. Doch auch dann, wenn man sich nie besonders um einen Freundeskreis bemüht hat oder sich nie eigene Interessen aufgebaut hat, weil einem der Partner und die Kinder genug waren, muss man sich im Alter nicht einsam fühlen.

Analysieren Sie Ihre Situation.

Womit sind Sie zufrieden? Was fehlt Ihnen, um sich wohl und zugehörig zu fühlen?

Verschaffen Sie sich einen Überblick über die möglichen Lösungen für Ihr Problem.

Welche unterschiedlichen Möglichkeiten stehen Ihnen offen, das, was Ihnen fehlt, zu bekommen?

Notieren Sie sich die Lösungen schriftlich. Schreiben Sie alles auf, was Ihnen einfällt - ohne gleich zu verwerfen, was auf Ihre Situation nicht passen könnte.

Bedenken Sie dabei: Um zufriedener zu werden, müssen Sie nicht unbedingt Kontakt zu anderen Menschen aufnehmen. Eigene Interessen zu verfolgen, ist auch eine Möglichkeit.

Beispielsweise könnte eine Liste von Lösungsmöglichkeiten so aussehen:

  • Besuch der Seniorentagesstätte
  • Seniorenstudium oder Fernstudium machen
  • Ehrenamtliche Tätigkeit
  • Besuch des Seniorentreffs der Kirche
  • Beteiligung im Seniorenforum im Internet
  • Engagement in der Nachbarschaftshilfe z.B. als Leihoma
  • Ausleihen von Büchern aus der Stadtbücherei
  • Kontakt zu alten Freunden wieder aufnehmen
  • Ein Haustier zulegen oder regelmäßig einen Hund aus dem Tierheim ausführen
  • Altes Hobby wieder aufnehmen
  • Seine Lebensgeschichte niederschreiben
  • Teilnahme an geselligen Treffen im Heim
  • (Senioren)-Gymnastik an der Volkshochschule machen
  • Lernen, mit dem Computer umzugehen
  • Die Nachbarin einladen
  • Im Kirchenchor mitmachen

Entscheiden Sie sich für einen konkreten Weg.

Was genau wollen Sie tun, um das, was Ihnen fehlt, zu bekommen?

Überlegen Sie sich ganz konkrete Schritte, um Ihr Ziel zu erreichen.

Wann wollen Sie beginnen? (Am besten gleich!) Was ganz konkret wollen Sie zuerst tun? Wie könnte der nächste, der übernächste .... Schritt aussehen?

Bereiten Sie sich auf mögliche Hürden vor.

Überlegen Sie, welche Probleme es für Sie geben könnte, den von Ihnen ausgewählten Weg zu beschreiten. Bei der Beantwortung der Frage kann Ihnen die Überlegung helfen, weshalb Sie bisher Ihre Situation nicht verändert haben. Vielleicht haben auch Ihre Kinder schon oft versucht, Sie zu irgendeiner Aktivität zu überreden, und Sie haben sie immer mit irgendwelchen Argumenten abgelehnt.

Beispielsweise könnten Sie sich durch folgende negative Einstellungen daran hindern, aktiv zu werden:

  • Ich werde bei anderen Menschen doch nicht ankommen.
  • Ich weiß nicht, wie ich Kontakt aufnehmen soll.
  • Dafür bin ich zu alt.
  • Das lohnt sich für mich nicht mehr.
  • Allein schaffe ich das nicht, dort hinzugehen.
  • Das wird eh zu nichts führen.
  • Für meinen Gesundheitszustand gibt es nichts, was mir helfen könnte.
  • Ohne meinen Partner macht dies alles keinen Spaß.
  • Ihr habt alle gut reden. Wenn ihr in meiner Lage wärt, würde es euch genauso ergehen.
  • In meinem Alter kann man keine Freundschaften mehr schließen.
  • Es gibt nichts, was mir Spaß macht. Mein Leben ist gelaufen.
  • Von Menschen wird man nur enttäuscht.

Kommen Ihnen einige der Einstellungen vertraut vor? Das Gemeinsame an diesen Einstellungen ist, dass sie negativ sind. Diese machen Sie ängstlich, unsicher oder sogar depressiv. Mit diesen Gedanken übertreiben Sie höchstwahrscheinlich und prophezeien einen negativen Ausgang Ihres Handelns, den Sie gar nicht kennen können.

Umgekehrt können die folgenden positiven Einstellungen Sie motivieren und Ihr Selbstvertrauen stärken:

  • Ich kann noch etwas bewirken und beeinflussen.
  • Ich nehme Kontakt auf und schaue, was passiert.
  • Ich habe etwas anzubieten.
  • Was kann mir schon passieren? Schlechter wie jetzt kann es mir auch nicht gehen.
  • Ich habe früher auch Kontakte geknüpft und kann dies wieder tun.
  • Auch in meiner Lage gibt es noch Dinge, die ich tun kann, damit ich mich besser fühle.
  • Auch der Austausch über alltägliche Dinge kann Spaß machen. Daraus kann sich eine Freundschaft entwickeln.

Suchen Sie sich die auf Sie passenden positiven Einstellungen heraus und wiederholen Sie diese immer wieder.

Eine neue positive Einstellung stößt bei Ihnen höchstwahrscheinlich erst einmal auf Widerstand. Sie können diese nicht glauben. Je häufiger Sie diese jedoch wiederholen, umso eher können Sie diese glauben. Natürlich müssen Sie dabei auch aktiv werden und entsprechend der neuen Einstellung handeln.

© 2010 PAL Verlag - Einsamkeit im Alter
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