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Frieden schließen mit den Eltern und sich mit ihnen aussöhnen


Dr. Doris Wolf - Expertin für Persönlichkeitsentwicklung Dr. Doris Wolf, Diplom Psychologin

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihren Eltern? Sind Sie gerne mit diesen zusammen oder halten Sie Abstand? Viele bereits erwachsene Kinder haben ein gestörtes Verhältnis zu den Eltern, weil sie vielleicht viele seelische Verletzungen in der Kindheit haben hinnehmen müssen oder weil die Eltern sie immer noch bevormunden oder durch Schuldgefühle Druck machen.

Andererseits sind Eltern die wichtigsten Bezugspersonen in unserem Leben und in der Regel haben wir ihnen viel zu verdanken. Mit ihnen Frieden zu schließen und sich mit ihnen auszusöhnen ist nicht nur für unsere Beziehung zu ihnen wichtig, sondern auch für unser Seelenheil.

Wie sich die Beziehung zwischen Eltern und Kindern im Laufe des Lebens verändert

Auf dem Weg von unserer Kindheit zum erwachsenen Menschen durchlaufen wir gewöhnlich drei Phasen.

I. Phase
Wenn wir klein sind, sind die Eltern für uns alles. Sie wissen alles, können alles und wir bewundern sie maßlos. Wir ahmen sie nach und verteidigen sie anderen gegenüber. Mit zunehmender Reife holen wir unsere Eltern dann langsam vom Podest. Wir entdecken, dass sie nicht alles wissen, Fehler machen und uns manchmal auch etwas vormachen.

II. Phase
In der Pubertät sind die Eltern für uns schließlich die letzten Versager, unsere Feinde, die uns nur Schlechtes wollen. Wir können kein Quäntchen Positives an ihnen erkennen und glauben, alles besser zu wissen.

III. Phase
Als reife Erwachsene gelangen wir schließlich an den Punkt, an dem wir

Wir gelangen zu einer gleichberechtigten Beziehung, in der keiner den anderen schlecht machen, verurteilen oder bevormunden muss, in der keiner den anderen  für sein körperliches und seelisches Überleben benötigt.

Manchmal folgt auch noch eine IV. Phase, in der wir bei unseren Eltern die Rolle eines Elternteiles übernehmen, dann wenn die Eltern z.B. pflegebedürftig werden.

Der Weg bis hin zur III. Phase ist manchmal sehr dornig und schwierig. Manche Menschen verharren ihr Leben lang in der 2. Stufe. Sie machen ihren Eltern Vorwürfe, dass diese in der Erziehung alles falsch gemacht haben und deshalb ihr Leben nun verpfuscht ist. Andere verharren in der I. Phase, schaffen es nicht, nach ihren eigenen Vorstellungen zu leben.

Um zur III. Phase zu gelangen, müssen wir uns mit unseren Eltern auseinandersetzen und mit ihnen Frieden schließen: Wir müssen

Warum ist es so wichtig, uns mit unseren Eltern auseinanderzusetzen?

Das Gespräch mit den Eltern ist sehr wichtig, um die Wurzeln vieler unserer Verhaltensweisen und Gefühlsreaktionen zu verstehen.

Lebensweisheiten im Lebensfreude Kalender, Kalender BestsellerViele Verhaltensweisen und Einstellungen haben wir uns von den Eltern abgeschaut. Viele Verhaltensweisen und Einstellungen haben wir aus einer Protesthaltung den Eltern gegenüber heraus entwickelt. Vieles haben wir aus Angst vor Ablehnung gegen unseren Willen gemacht. Vieles  haben wir aus Angst vor Schuldgefühlen gegen unseren Willen gemacht.

Also sowohl Anpassung als auch Rebellion können ein Zeichen von Unfreiheit sein.

Erst wenn wir die III. Phase erreicht haben,, können wir frei entscheiden, ein Gefühl der Liebe entwickeln, sie gerne besuchen oder gar liebevoll pflegen.

Warum ist es häufig so schwer, mit den Eltern zu reden?

Wenn wir uns mit unseren Eltern unterhalten wollen, so können sowohl von unserer Seite, als auch der Seite der Eltern Fehler passieren.

a) Wir können folgendes ungeeignetes Verhalten zeigen:

Nach dem Psychotherapeuten Bloomfield sind bei einem Gespräch mit einem Elternteil immer vier Personen anwesend:

1. unsere Vorstellung der Eltern davon, wie sie sein sollten.

2. wie die Eltern tatsächlich sind.

3. die Vorstellung der Eltern davon, wie wir sein sollten.

4. wie wir tatsächlich sind.

b) Unsere Eltern könnten ungeeignetes Verhalten zeigen:

Welche Probleme können sich ergeben, wenn wir keinen Frieden mit den Eltern schließen?

Wenn wir keinen Frieden mit den Eltern schließen, dann werden wir

All dies muss nicht unbedingt passieren, aber die Chancen dafür sind groß.

8 Tipps, wie Sie Frieden mit den Eltern schließen und sich aussöhnen können

1. Erwarten Sie nicht, dass Ihre Eltern sich noch ändern. Sie haben ihr Leben so gelebt, wie sie dachten, dass es richtig sei.

2. Auch wenn Ihre Eltern gestorben sind, können Sie noch Frieden mit ihnen schließen. In Ihrem Innern leben Ihre Eltern noch und haben noch Einfluss auf Ihre Gefühle und Ihr Verhalten.

3. Sie brauchen Ihr Verhalten den Eltern gegenüber nicht unbedingt zu verändern. Die Veränderung muss in Ihren Einstellungen stattfinden.

Machen Sie Ihren Eltern Vorwürfe? Lehnen Sie es ab, Ihre Eltern zu sehen? Sehen Sie sich Forderungen von den Eltern ausgesetzt? Denken Sie, es den Eltern nie Recht machen zu können? Möchten Sie sich auf keinen Fall wie Ihre Eltern verhalten?

Dann werden Sie jedes Mal, wenn Sie an Ihre Eltern denken, Hass, Angst und Schuldgefühle verspüren.

Wenn Sie dies ändern möchten, dann schreiben Sie einen Brief an den Elternteil, mit dem Sie die meisten Probleme haben. Schicken Sie den Brief nicht ab, aber schreiben Sie ihn so, als ob Sie ihn abschicken wollten.

An Mutter/Vater:

Was ich dir schon immer sagen wollte, wenn ich mich getraut hätte ...

Führen Sie in diesem Brief alle wichtigen Vorwürfe und Enttäuschungen auf. Schreiben Sie auf, wie Sie sich gefühlt haben, als Ihre Mutter/Vater sich ... verhalten hat.

Schließen Sie den Brief mit dem Satz: Ich bin bereit, dir zu verzeihen. Du hast das getan, was dir aufgrund deiner Lebensgeschichte möglich war. Du bist genau wie ich nur ein Mensch mit Stärken und Schwächen.

4. Bringen Sie in Erfahrung, wie Ihre Mutter und Ihr Vater aufgewachsen sind. Fragen Sie Verwandte, Geschwister oder die Eltern selbst. Sie brauchen mehr Wissen über die Kindheit und die Lebensgeschichte der Eltern, um deren Verhalten verstehen zu können. Es geht bei diesen Übungen nicht darum, gutzuheißen, was die Eltern getan haben, sondern es zu verstehen. Die Eltern sind selbst "Opfer" ihrer Eltern.

5. Befreien Sie sich von Ihren Schuldgefühlen. Solange die Eltern noch für sich selbst sorgen können, haben Sie das Recht, Wünsche abzuschlagen, Erwartungen nicht zu erfüllen, das zu tun, was Ihnen gut tut. Die Eltern haben das Recht, darüber enttäuscht zu sein. Doch sind nicht Sie schuld an der Enttäuschung, sondern die Eltern, die diese Erwartung haben.

6. Behandeln Sie Ihre Eltern wie Erwachsene, nicht wie Eltern. Begegnen Sie Ihnen mit der gleichen Höflichkeit, Diplomatie oder Zurückhaltung wie einem Freund oder einer Kollegin. Hören Sie deren Ratschläge an, dann können Sie entscheiden, was Sie übernehmen.

7. Setzen Sie im Konfliktfall nicht defensive Verhaltensweisen den Eltern gegenüber ein. Damit können Sie den Kreis aus Angriff, Rückzug, Verteidigung und Eskalation durchbrechen: Z.B.

„Oh?“, „Ach so“., „Das ist interessant.“ „Du hast ein Recht auf eine eigene Meinung.“ „Es tut mir leid, dass dir das nicht gefällt.“ „Lass mich darüber nachdenken.“ „Warum reden wir nicht darüber, wenn du nicht mehr so aufgeregt bist.“ „Es tut mir leid, dass du verletzt (aufgeregt, enttäuscht) bist.“

Bei nicht defensiven Verhaltensweisen bitten Sie um nichts und geben somit auch Ihre Macht nicht aus der Hand. Wenn Sie dagegen argumentieren, entschuldigen, erklären oder versuchen, die Meinung des anderen zu ändern, hat er die Kontrolle.

8. Lernen Sie, sich zu akzeptieren, wie Sie sind. Auch wenn Ihre Eltern immer der Meinung bleiben sollten, dass Sie nicht in Ordnung sind, können Sie lernen, sich selbst anzunehmen.

© 2010-2011 PAL Verlag - Sich mit den Eltern aussöhnen - Frieden schließen mit den Eltern
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