Perfektion überfordert - auch Frauen

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RATGEBER KRÄNKUNG

Auflage 43.000 Exemplare

Ratgeber Kränkungen

Doris Wolf
Ab heute kränkt mich niemand mehr
248 S., EUR (D) 14,80

Ratgeber Kränkungen

INFORMATIONEN ZU PERFEKTION, EIGENE WÜNSCHE ÄUßERN, SICH VERANTWORTLICH FÜHLEN

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Warum wollen Frauen perfekt sein?

Dr. Doris Wolf, Expertin für persönliche Probleme Dr. Doris Wolf - Diplom Psychologin, Psychotherapeutin

Frauen lernen früh im Leben, sich von der Anerkennung anderer abhängig zu machen. Sie glauben, nur gemocht zu werden, wenn sie perfekt sind und Leistung bringen. Häufig hatten sie eine Mutter, die zuhause war und sich ganz der Kindererziehung gewidmet hat. Ein Modell, Berufstätigkeit und Hausfrauentätigkeit miteinander zu verbinden, fehlte. So lernten die Frauen nur, was man als „perfekte“ Hausfrau tut. Auch wenn sie vom Kopf her wissen, dass es nicht funktionieren kann, gleichzeitig eine perfekte Hausfrau und perfekte Arbeitnehmerin zu sein, fordern sie unbewusst diese Perfektion von sich.

Diese innere - meist unbewusste - Einstellung wird häufig unterstützt durch die Erwartungen des Partners bzw. der Gesellschaft. Die Gesellschaft anerkennt weder die Erziehungsleistung der Frau, noch die berufliche Tätigkeit. Aber auch eine Entscheidung für die Karriere und gegen Kinder wird von der Gesellschaft nicht akzeptiert.

Frauen lernen in ihrer Kindheit, auf die Bedürfnisse anderer einzugehen und eigene Bedürfnisse hintenanzustellen. Als Folge davon, scheuen sie sich, Nein zu sagen, und überfordern sich so.

Hinter der Sucht nach Perfektion verbirgt sich der Versuch, negative Gefühle - in der Hauptsäche Ängste - zu vermeiden.

- Angst vor Ablehnung: „Wenn ich nicht perfekt bin, mag mich der andere nicht mehr.“

- Angst vor Konflikten: „Wenn ich nicht perfekt bin, gibt es Ärger.“

-  Angst vor Fehlern: „Wenn ich nicht perfekt bin, dann habe ich Nachteile, werde abgelehnt und kann mich selbst nicht leiden.“

- Minderwertigkeitsgefühle: „Wenn ich perfekt bin, dann merken andere nicht, dass ich nicht in Ordnung bin.“

- zu starkes Verantwortungsgefühl für andere Menschen: „Wenn ich nicht perfekt bin, dann geht es dem anderen schlecht.“

In welchen Bereichen fordern Frauen von sich Perfektion?

Es gibt kaum Bereiche, die nicht von der Sucht nach Perfektion betroffen sein können. Allen voran diese:

a) Sexualität: Sie fordern von sich, mehr Lust auf Sex zu haben, einen Orgasmus zu verspüren, oder ihren Partner zu befriedigen.

b) Körper und Auftreten: Sie fordern z.B. von sich einen schönen, makellosen, jugendlichen Körper, ...

c) Haushalt: Sie fordern von sich, eine perfekte Gastgeberin zu sein, dass die Wohnung super gepflegt und sauber ist, ...

d) Kindererziehung: Sie fordern von sich, dass sie die Kinder gut erziehen, sie gesund sind, schulisch erfolgreich sind, Freunde haben, ein Hobby und vielseitige Interessen haben, ...

e) Beruf: Sie fordern von sich, besser als männliche Kollegen sein zu müssen, einen Beruf ausüben, der Prestige verspricht, ...

f) Intellekt: Sie fordern von sich, überall mitreden zu können

g) Weiterbildung und eigene Interessen: Sie fordern von sich, sich weiterzubilden, eigene  Interessen zu haben, ...

h) soziale Kompetenz: Sie fordern, dass sie sich in andere einfühlen können, immer für diese da sind, sich sozial engagieren, ...

Die Forderungen entsprechen immer der Struktur: Ich muss ... tun oder sein, sonst kann ich mich nicht akzeptieren, bin ich nicht in Ordnung und könnte abgelehnt werden.

Machen Sie den Test Überfordere ich mich?

10 Tipps, wie Sie sich aus der Perfektheitsfalle lösen

1. Schätzen Sie Ihren Einsatz richtig ein.
Erstellen Sie eine Liste mit den Leistungen, die Sie vollbringen. Viele Ihrer alltäglichen Verrichtungen machen Sie rein automatisch und betrachten dies als normal. Würden Sie ausfallen, müssten diese Aufgaben teuer bezahlt werden. Ihre Serviceleistungen sind nicht selbstverständlich.

2. Lösen Sie sich vom Schönheitswahn.
Lenken Sie Ihren Blick auf die Körperteile, die Ihnen gefallen. Lernen Sie, die anderen Teile zu akzeptieren. Ihr Wert als Mensch ist unabhängig von einem kleinen oder großen Busen, Falten oder grauen Haaren.

3. Stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl.
Begrüßen Sie sich z.B. im Spiegel mit den Worten: „Du bist o.k., so wie du bist.“ Lenken Sie Ihren Blick auf die positiven Erfahrungen in Ihrem Leben.

4. Erlauben Sie sich, Nein sagen zu dürfen.
Sie können es aushalten, wenn der andere enttäuscht oder für kurze Zeit verärgert ist. Wenn Sie die Zuwendung nur bekommen, wenn Sie nach dessen Vorstellung funktionieren, ist die Beziehung im Ungleichgewicht.

5. Sie sind nicht für alles verantwortlich.
Manchmal verordnet man sich Aufgaben, die man delegieren kann oder die zu diesem Zeitpunkt gar nicht erledigt werden müssen. Stellen Sie sich hierzu die Fragen:
„Muss ich es wirklich tun?“
„Bin ich die Einzige, die es tun kann?“
„Wenn ja, muss ich es jetzt tun?“

6. Gönnen Sie sich Auszeiten.
Auf Dauer können Sie nur gesund bleiben, wenn Sie sich auch Entspannung gönnen – und zwar auch dann, wenn noch nicht ALLES erledigt ist. Setzen Sie ein Entspannungsverfahren ein oder bauen Sie Ihre Anspannung durch eine sportliche Aktivität ab.

ratgeber Angst vorm Rotwerden7. Gestehen Sie sich eigene Wünsche zu.
In einer Partnerschaft oder Freundschaft hat jeder der beiden Partner das Recht, Wünsche zu äußern.

8. Lernen Sie, zu delegieren.
Auch wenn ein anderer die Arbeit nicht so hundertprozentig wie Sie macht oder sie nur widerwillig tut, sollten Sie sich angewöhnen, Arbeit abzugeben. Der andere kann nur besser werden, wenn er sich darin übt. Ihnen macht die Arbeit auch nicht immer Spaß und Sie erledigen sie dennoch.

9. Geben Sie die Selbstaufopferung auf.
Im günstigsten Fall bekommen Sie dafür ein Lob oder Anerkennung. Häufiger werden Sie dafür jedoch ausgenutzt und bekommen nichts.

10. Mittelmäßig bis gut reicht aus.
Reduzieren Sie Ihre Anforderungen. Für die meisten Arbeiten genügt es, sie durchschnittlich oder gut zu erledigen

© 1999-2011 PAL Verlag - Die Sucht nach Perfektion bei Frauen - Überforderung der Frauen
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