Ratgeber Gefühle verstehen Kapitel 5

SELBSTHILFE RATGEBER BÜCHER PSYCHOLOGIE

RATGEBER GEFÜHLE

Ratgeber Gefühle - wie Gefühle entstehen

Rolf Merkle/Doris Wolf
Gefühle verstehen, Probleme bewältigen
184 S., EUR (D) 12,80



34 positive Besprechungen bei Amazon Ratgeber Empfehlung Angst

Ein Leser schreibt:

Einfach genial ...,
"Mach mehr aus deinem Leben ..." mit dieser Einstellung habe ich mir dieses Buch gekauft und ich kann nur sagen, es ist einfach super-mega-oberklasse! Seit ich es das erste mal in die Hand genommen habe, lege ich es nicht mehr weg. Sofort habe ich mir auch all die anderen Bücher des Autors R. Merkle gekauft. Auch diese sind weltklasse. Ich bin einfach nur begeistert und kann allen raten, in diese Bücher reinzuschnuppern, auch wenn man der Meinung ist, recht gut im Leben zurecht zu kommen (dies war auch meine Einstellung). Alle Bücher sind zudem sehr verständlich und "einfach" geschrieben. Man(n) und auch Frau fühlt sich wirklich rundum angesprochen.

WEITERE HILFEN ZUM THEMA GEFÜHLE

Weitere Tipps für den Umgang mit negativen Gefühlen finden Sie in den Selbsthilfe Strategien


Ratgeber Gefühle Kapitel 5

Machen Sie Schluss mit Ihren Minderwertigkeitsgefühlen

Es gibt etwas in Ihrem Leben, das Sie nicht kaufen können und das Ihnen kein anderer Mensch geben kann. Dennoch ist es das Wertvollste, was Sie in Ihrem Leben besitzen können: Selbstachtung. Wie der Name schon sagt, können nur Sie sich dieses Geschenk machen.

Michaela ist 22 Jahre alt. Sie kam in Therapie wegen verschiedenster Probleme: starken Depressionen, Selbstmordgedanken, Hemmungen, Unsicherkeiten und Erröten. Begonnen hatten ihre Probleme im Alter von 14 Jahren. Michaela war damals nicht mit ihrem Äußeren zufrieden und hatte Hemmungen, sich mit anderen, insbesondere Gleichaltrigen, zu treffen.

Kam sie an ihrer Arbeitsstelle mit Männern in Kontakt, traute sie sich nicht zu, mit diesen ein Gespräch zu führen. Zeigte ein Mann Interesse an ihr, dann verhielt sie sich abweisend und unnahbar. Sie tat das nicht etwa, weil sie sich keinen Kontakt wünschte. Nein. Sie wünschte sich sehr den Kontakt zu einem Mann. Sie hatte jedoch Angst, dieser würde sie ablehnen und könnte erkennen, daß sie der minderwertige und unattraktive Mensch ist, für den sie sich selbst hielt.

Vor sich selbst rechtfertigte sie ihre abweisende Haltung damit, daß sie sich sagte: "Der kann nur keine Bessere finden” oder "Der will ja nur das eine”. Auf diese Weise verbaute sich Michaela jede Beziehung zu einem Mann und fühlte sich sehr einsam.

Was bedeutet es, sich selbst zu achten?

Es bedeutet, sich als wertvoll und liebenswert anzusehen, ungeachtet der großen und kleinen Fehler und Schwächen, die man hat. Es bedeutet, sich zu akzeptieren, ungeachtet seines Äußeren, seines Erfolgs oder der Anerkennung durch andere.

Sich zu achten, bedeutet aber auch, Verantwortung für sich und seine Fehler zu übernehmen, d. h., zu ihnen zu stehen. Das kann man jedoch nur dann, wenn man sich nicht für sie abwertet und verurteilt.

Wahre Selbstachtung hat nichts mit Eigenliebe zu tun. Sie sollen nicht wie ein Pfau umhergehen, von sich eingenommen sein oder gar auf andere herabschauen. Es geht nicht darum, daß Sie in den Spiegel schauen und fragen: "Spieglein, Spieglein an der Wand. Wer ist der Schönste und Beste im ganzen Land?” Es geht nicht darum, daß Sie anderen vorführen, was für ein toller Mensch Sie sind. Es geht auch nicht darum, zu prahlen und sich als etwas Besonderes hinzustellen.

Warum Menschen sich ablehnen

Es gibt Tausende von Gründen, warum Menschen sich ablehnen: weil sie zu groß oder zu klein, zu dick oder zu dünn sind; weil sie zu viele oder zu wenig Haare haben; weil sie nicht intelligent genug sind; weil sie nicht erfolgreich sind; weil sie nicht von allen ihnen wichtigen Menschen anerkannt und akzeptiert werden; weil sie eine schwarze oder gelbe Hautfarbe haben; weil sie körperlich behindert sind; weil sie körperlich krank sind und, und ....

Monika, eine Patientin, antwortete auf die Frage, warum sie sich minderwertig bzw. anderen unterlegen fühle:
weil ich mich gegen andere nicht wehren kann,
weil ich mich nicht durchsetzen kann,
weil ich immer fürchte, daß Erwachsene mich nicht als Er-
wachsene ansehen,
weil ich glaube, daß mich niemand ernst nimmt,
weil niemand mit mir über seine persönlichen Probleme
sprechen will,
weil ich nicht wie andere freundlich, herzlich, verständnisvoll
wirke, sondern eher als arrogant eingestuft werde,
weil ich so viele Wissenslücken habe, daß ich ohnehin nicht
mitreden kann,
weil andere sowieso alles besser wissen, gescheiter sind und
sich besser ausdrücken können,
weil ich mich nicht für hübsch halte und mich dick finde,
weil ich nicht, wie die anderen aus meiner Klasse, einen Beruf
habe oder studiere,
weil ich noch gar nichts Besonderes erreicht habe und nur
anderen Leuten als Putzfrau den Dreck wegmache,
weil die anderen meine Angst bemerken könnten und mich
dann noch weniger ernst nehmen würden,
weil ich eine Frau bin.

Ist es verwunderlich, daß Monika depressiv ist, wenn sie keine Möglichkeit ausläßt, um sich abzuwerten?

Monika war 3 Jahre lang bei einem Analytiker in Behandlung, bei dem sie keinen Fortschritt machte. Kein Wunder. Ihr Psychotherapeut tat nichts anderes, als ihr nur zuzuhören. Kein einziges Mal forderte er Monika auf, über ihre Minderwertigkeitsgefühle zu sprechen. So hielt sie weiter daran fest, und es konnte sich nichts ändern. In nur 10 Sitzungen bei mir lernte sie, ihre Gründe für ihre vermeintliche Minderwertigkeit zu hinterfragen, und erkannte, daß sie absolut keinen Grund hatte, sich zu verurteilen. Damit hatte sie auch den ersten Schritt aus ihren depressiven Verstimmungen heraus getan. Danach benötigte sie noch einige Monate, bis sie ihre negative Angewohnheit, sich abzulehnen, weitgehend überwunden hatte, aber der Anfang war gemacht.

Allen Menschen, die sich ablehnen, ist gemeinsam, daß sie sich einen Maßstab ausgedacht haben, nach dem sie sich einstufen. Sie sind davon überzeugt, daß sie mit der Beurteilung ihrer Person vollkommen richtig liegen und daß die anderen sie auch so sehen und beurteilen. Als Folge davon vermeiden sie Situationen, in denen andere ihre vermeintliche Minderwertigkeit erkennen könnten. Wenn sie mit anderen Menschen zusammen sind, dann fühlen sie sich unsicher und gehemmt.

Menschen, die so mit sich umgehen, begehen einen schwerwiegenden Fehler. Sie setzen ihr Verhalten, ihr Äußeres oder ihre Eigenschaften mit ihrer Person gleich. Haben sie Pickel, eine große Nase oder Zahnlücken, dann halten sie sich für minderwertig. Tun sie etwas Schlechtes, dann sind sie auch schlecht. Verhalten sie sich gemein, dann halten sie sich für einen gemeinen und verabscheuungswürdigen Menschen. Sie trennen ihr Verhalten nicht von ihrem Wert als Mensch, sondern werfen beides in einen Topf.

Wenn Sie beispielsweise durch eine Prüfung fallen, dann ist es korrekt, zu sagen, daß Ihre Leistung schlecht war. Es wäre jedoch vollkommen irrational, wenn Sie sich deshalb einen Versager nennen würden oder sich für minderwertig hielten.

Würden Menschen lediglich ihr Verhalten beurteilen, d.h. dieses als gut oder schlecht einstufen, dann hätten sie kaum seelische Probleme. Schwere seelische Probleme bekommen Menschen erst dann, wenn sie die schlechte Beurteilung ihres Verhaltens auch auf ihre Person ausdehnen - dann wenn sie denken, ein Mensch, der einen Fehler macht, ist ein vollkommener Versager.

Hören Sie damit auf. Trennen Sie immer den Wert Ihres Verhaltens von dem Wert, den Sie als Mensch haben. Beurteilen Sie Ihr Verhalten, aber verurteilen Sie sich nicht als Mensch. Wenn es möglich ist, Ihre Fehler und Schwächen auszumerzen, dann tun Sie es. Können Sie Ihre Schwächen nicht ausmerzen, dann akzeptieren Sie sich als einen fehlerhaften Menschen, aber verurteilen sich nicht.

Weitere Leseproben:

Einleitung

Kapitel 1
Wie Ihre Gefühle entstehen

Kapitel 6
Wie Sie Ängste überwinden

© 1999-2012 PAL Verlag - Gefühle verstehen lernen Kapitel 5
Probleme - small talk - Entspannung - Selbstbewusstsein - Mobbing Test - Erfolg haben - Zufriedenheit Test - Sorgen - Gesundheitsratgeber