Ratgeber Gefühle verstehen Kapitel 6

SELBSTHILFE RATGEBER BÜCHER PSYCHOLOGIE

RATGEBER GEFÜHLE

Ratgeber Gefühle - wie Gefühle entstehen

Rolf Merkle/Doris Wolf
Gefühle verstehen, Probleme bewältigen
184 S., EUR (D) 12,80



34 positive Besprechungen bei Amazon Ratgeber Empfehlung Angst

Ein Leser schreibt:

Einfach genial ...,
"Mach mehr aus deinem Leben ..." mit dieser Einstellung habe ich mir dieses Buch gekauft und ich kann nur sagen, es ist einfach super-mega-oberklasse! Seit ich es das erste mal in die Hand genommen habe, lege ich es nicht mehr weg. Sofort habe ich mir auch all die anderen Bücher des Autors R. Merkle gekauft. Auch diese sind weltklasse. Ich bin einfach nur begeistert und kann allen raten, in diese Bücher reinzuschnuppern, auch wenn man der Meinung ist, recht gut im Leben zurecht zu kommen (dies war auch meine Einstellung). Alle Bücher sind zudem sehr verständlich und "einfach" geschrieben. Man(n) und auch Frau fühlt sich wirklich rundum angesprochen.

Einer der meistgekauften Angst Ratgeber
200.000 Exemplare


Angst und Panik abbauen mit dem Ratgeber Ängste verstehen und überwinden

42 positive Besprechungen bei Amazon Ratgeber Empfehlung Angst
Doris Wolf

Ängste verstehen und überwinden

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Ratgeber Gefühle Kapitel 6 -
Ängste und wie man sie überwindet

Gudrun ist 32 Jahre alt. Sie kam zu uns in Therapie, weil sie seit einem Jahr unter starken Ängsten litt. Sie hatte u.a. Angst aus dem Haus zu gehen, vor anderen Menschen, vor der Einsamkeit und zu versagen. Ständig fühlte sie sich unausgeglichen, unter innerer Anspannung und niedergeschlagen. Sie hatte häufig Schwindelgefühle, Herzklopfen, Panikgefühle, starkes Schwitzen und Zittern. Eine Zeitlang schaffte sie es, ihren Zustand durch Tabletten halbwegs erträglich zu machen. Von außen merkte während dieser Zeit niemand, wie es um sie stand. Doch als sie immer mehr Tabletten nehmen mußte, um ihren Pflichten nachkommen zu können, bekam sie Angst vor der Abhängigkeit von den Tabletten und entschloß sich, die Ursache ihrer Ängste herauszufinden und in Therapie zu gehen.

Gudrun ist eine von vielen Menschen, für die das Leben täglich zu einer lebensbedrohlichen Krisensituation geworden ist. Sie leben ständig in Habachtstellung und unter Anspannung. Die Fähigkeit unseres Körpers, Angst zu empfinden, wird dabei täglich überbeansprucht.

Angst ist eine Zeitkrankheit geworden. Millionen Menschen leiden unter Angst vor Ablehnung, Angst zu versagen, vor Krebs, vor dem Alleinsein, Angst vor der Zukunft, vor Aufzügen, Hunden, Angst vor der Angst, usw.

Was ist Angst eigentlich?

Alle Menschen haben die Fähigkeit, Angst zu empfinden. Angst kann lebenserhaltend sein und ist meist erlernt. Unsere Eltern verwenden viel Mühe darauf, um uns z. B. Angst vor vorbeifahrenden Autos, Feuer, Strom, Dunkelheit und dem Nikolaus beizubringen. Sie bringen uns mit Hilfe von Ermahnungen und Bestrafung bei, was gefährlich für uns ist. Außerdem sind sie für uns ein Modell, von dem wir uns als Kinder unsere Ängste abschauen.

Angst soll uns als seelisches Alarmsignal dienen, lebensgefährliche Situationen und Handlungen zu vermeiden oder aus ihnen zu fliehen. Bei den meisten Menschen hat die Angst körperliche Begleiterscheinungen wie Zittern, Schwindel, Erröten, Anspannung, Herzklopfen, Übelkeit, Harndrang, Atembeschwerden, usw. Angst entsteht nach dem ABC der Gefühle:

A: Situation
Wir laufen z.B. in der Dunkelheit nach Hause. Hinter uns läuft ein Mann.
B: Bewertung
Wir denken: Der will uns überfallen. Gefahr!
C: Gefühl und Verhalten
Wir bekommen Angst und laufen schneller.

Wenn wir etwas als gefährlich für uns ansehen, versetzen wir unseren Körper blitzschnell und automatisch in einen Zustand angespannter Aufmerksamkeit. Herz und Atem werden schneller, die Muskeln werden angespannt, die Hände werden feucht, wir werden rot oder blaß, der Blutdruck steigt, wir bekommen ein flaues Gefühl in der Magengegend. Wir mobilisieren alle Kräfte für den "Kampf" oder die "Flucht". Es geht um unser Überleben.

Angst ist dann sinnvoll, wenn die Situation tatsächlich gefährlich ist und wir durch sie in die Lage versetzt werden, richtig und lebenserhaltend zu reagieren. Manchmal übersteigt die Angst jedoch ein gewisses Maß an Erregung und dann sinkt die Leistungsfähigkeit ab. In diesem Fall blockiert und schadet uns die Angst. Es kommt zu Ohnmacht oder Panik.

Für die Steinzeitmenschen war es notwendig, dass sich ihr Körper für Kampf oder Flucht bereit machte. Nur so konnten sie sich wirksam verteidigen oder auf die Bäume flüchten.

Wir brauchen jedoch heute kaum noch diese Energien, um uns körperlich zu verteidigen. Tatsächlich lebensbedrohende Gefahren wie wilde Tiere, Hunger, Durst und Schutzlosigkeit gegenüber den Witterungsbedingungen treten in unseren Breitengraden so gut wie nicht auf.

Unsere modernen Ängste sehen anders aus: Angst vor Konflikten, vor Prüfungen; Angst vor Ablehnung; Angst, Fehler zu machen, Angst vor der Angst, Angst vor Krankheiten, usw. Wir haben es mit Hilfe unseres Gehirns tatsächlich geschafft, neue Situationen zu finden, in denen wir uns Angst machen können. Wir haben neue Situationen erfunden, die wir als lebensgefährlich ansehen.

Unwirksame Strategien, mit der Angst umzugehen

1. Vermeidung der Situation
Viele Menschen vermeiden die Situationen, in denen sie Angst empfinden. Kurzfristig erscheint dies als eine geniale Lösung, weil dadurch negative Gefühle und Ängste vermieden werden können. Langfristig erweist sich diese Strategie jedoch als sehr negativ. Der Bewegungsspielraum des einzelnen wird so immer mehr eingeschränkt. Er kann nicht erleben, daß er durchaus in der Lage ist, mit der Angst umzugehen. So haben z.B. viele Menschen Angst vor dem Fliegen und betreten niemals ein Flugzeug. Deshalb können sie auch nicht erkennen, daß Fliegen nicht so gefährlich ist, wie sie es sich vorstellen.
Wenn der einzelne eine Situation konsequent vermeidet, dann wird er sich allmählich vor immer mehr Dingen drücken. Das Vermeidungsverhalten dehnt sich auf immer mehr Bereiche aus. Die Angst wird also immer größer anstatt kleiner.

2. Kurzfristige Konfrontation mit der Situation
Einige Menschen setzen sich ganz bewußt der "furchterregenden" Situation aus. Sie suchen die Situation auf, vor der sie sich fürchten. Diese Strategie ist eine harte und auch gefährliche Strategie zur Angstbewältigung. Sie sollte nur unter der Anleitung eines Therapeuten durchgeführt werden. Die Strategie ist dann sehr schädlich, wenn sie zu früh abgebrochen wird. Der einzelne muß solange in der Situation bleiben, bis er sich ruhig fühlt und die Angst verschwunden ist. Bricht er ab, bevor er sich an die Situation gewöhnt hat, wird er noch stärkere Angst als zuvor empfinden.

3. Angst überwinden durch Essen, Trinken und Tabletten
Viele Menschen trinken sich Mut an oder essen, um sich zu beruhigen. Kurzfristig funktioniert diese Strategie, denn die Angst wird gedämpft oder verschwindet. Langfristig können diese Strategien jedoch zu gesundheitlichen Schäden und Abhängigkeit führen. Die Ursache für die Ängste wird dadurch natürlich nicht beseitigt, sondern es werden lediglich die Symptome, d.h. unsere Ängste, betäubt.

4. Sich mit Sorgen und Grübeln beschäftigen
Viele Menschen beschäftigen sich damit, sich für zukünftige Situationen im Geiste schon die möglicherweise eintreffenden Katastrophen auszumalen. Gedanken wie "Es wäre schrecklich, wenn ...” sind an der Tagesordnung. Dadurch geraten sie in Anspannung, obwohl die Situation noch gar nicht eingetreten ist und vielleicht niemals so eintreten wird. Sie haben diese Strategie entwickelt, um "nicht enttäuscht zu sein”, wenn die Situation wirklich auf sie zukommt. Manche verknüpfen damit auch eine Art abergläubischen Denkens: "Wenn ich mir die Katastrophe nur genügend häufig ausmale und mir viele Sorgen darum mache, kann ich sie verhindern”.

5. Angst aushalten durch Ablenkung
Eine weitere Strategie ist es, sich in die Situation zu begeben, vor der man sich fürchtet, und sich abzulenken durch lautes Radiohören, Zeitunglesen, Zahlenkombinationen einprägen, usw. Gut an dieser Strategie ist, daß man in die Situation geht und sie nicht meidet. Der Nachteil ist, daß man, sofern man seine Einstellungen, die die Angst erzeugen, nicht ändert, immer auf diese Strategien angewiesen ist. Dies kann zu einem zwanghaften Verhalten führen, das bedeutet, man muß es immer so ausführen. Gibt es beispielsweise nicht die Möglichkeit, Radio zu hören, gerät man in Panik.

6. Angst vermindern durch Verbündete
Viele Menschen reduzieren ihre Angst, indem sie sich eine Begleitperson suchen, "falls etwas passiert ...”. Sie nehmen den Partner oder ihre Kinder mit zum Einkaufen, laden die Freundin zur Übernachtung ein, wenn der Partner auf Geschäftsreise ist. Auch hier hilft die Strategie kurzfristig, im Alltag noch zu funktionieren. Immer dann jedoch, wenn wir nur noch eine Alternative haben, wie wir etwas tun können, wird es gefährlich. Immer wenn wir denken "Ich brauche ..., Ohne ... geht es nicht”, werden wir abhängig. Wir werden immer unfähiger, alleine etwas zu tun.

7. die Angst verstecken
Angst wird von den meisten Menschen als negativ bewertet. Angst zu haben, bedeutet, schwach zu sein. Angst wird mit den Begriffen Feigling, Memme und Versager verknüpft. So ist es kein Wunder, daß wir uns bemühen, die Angst vor den anderen zu verstecken.

Weitere Leseproben:

Einleitung

Kapitel 1
Wie Ihre Gefühle entstehen

Kapitel 5
Machen Sie Schluss mit Ihren Minderwertigkeitsgefühlen

© 1999-2012 PAL Verlag - Gefühle verstehen lernen Kapitel 6 Ängste
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