Weitere Informationen zu Gehen oder bleiben
Dr. Doris Wolf - Diplom Psychologin, Psychotherapeutin
In allen Partnerschaften gibt es Hochs und Tiefs. Streit, Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen gehören zum Beziehungsalltag und sind völlig normal. Solange die Partner wieder zu einander finden und wieder positive Gefühle für einander verspüren, sind Streitereien nicht beziehungsfeindlich.
Wenn jedoch die schlechten Zeiten überwiegen, wenn man sich auseinandergelebt und nichts mehr zu sagen hat, wenn die Beziehung nur noch Stress ist, dann stellt sich immer öfter die Frage: Gehen oder bleiben, soll ich mich trennen? Oder: Weiterquälen? Aufstecken? Kämpfen? Resignieren? Den Kopf in den Sand stecken? Dieser Test kann Ihnen diese Fragen nicht beantworten. Die müssen und können nur Sie sich selbst beantworten. Dieser Test kann Ihnen jedoch vielleicht eine kleine Hilfe bei der Entscheidungsfindung sein.
Schritt 1: Überlegen Sie, was für das Bleiben spricht.
Auswertung
Wenn Sie 10 und mehr Punkte haben, dann haben Sie und Ihr Partner noch viel gemeinsam. Es verbindet sie beide mehr, als sie beide trennt. Das heißt nicht, dass Sie immer und mit allem in Ihrer Partnerschaft zufrieden sind. Ihre Beziehung steht jedoch auf einem guten Fundament. Die Frage "Soll ich mich trennen?" stellt sich Ihnen vermutlich nicht. Es lohnt sich vielmehr, Zeit und Energie in Ihre Beziehung zu investieren. Schauen Sie sich die Feststellungen an, die Sie nicht angekreuzt haben und überlegen sich, wie Sie diese in Ihrer Beziehung mehr berücksichtigen können.
Wenn Sie 5 bis 9 Punkte haben, dann hat sich Ihre Beziehung sehr wahrscheinlich verschlechtert und die Frage "Gehen oder bleiben" stellt sich Ihnen immer mal wieder. Vielleicht mangelt es Ihnen an Respekt oder Zuneigung, vielleicht streiten sie sich öfter als früher. Ob Sie in einer Beziehungskrise stecken, die Zweifel an der Beziehung aufkommen lassen, können nur Sie entscheiden. Andererseits sollten Sie die Jahre, die Sie gemeinsam verbracht haben, nicht einfach so wegwerfen wie einen alten Waschlappen. Kämpfen Sie um die Beziehung, statt zu flüchten, nur weil Sie vielleicht im Moment keine konkrete Idee haben, was sich ändern ließe. Wenn im Augenblick von außen viele belastende Ereignisse auf sie beide einströmen, könnte dies ebenfalls ein Grund für vermehrte Konflikte sein. Miteinander reden lernen kann Ihre Beziehung retten. Vielleicht gelingt Ihnen das besser, wenn Sie zusammen eine Paarberatung machen.
Wenn Sie weniger als 4 Punkte haben, dann gibt es kaum noch etwas, das Sie mit Ihrem Partner verbindet und das für ein Fortbestehen Ihrer Beziehung spricht. Vermutlich haben Sie innerlich schon gekündigt oder haben resigniert. Vermutlich kennen Sie die Antwort auf die Frage "Soll ich mich trennen?" schon: Sie lautet "gehen".
Was hindert Sie daran? Wovor haben Sie Angst? Befürchten Sie, nach der Trennung keinen Partner mehr zu finden? Haben Sie Angst, Ihre Trennung könnte sich als der größte Fehler Ihres Lebens herausstellen? Befürchten Sie, von Hartz IV leben zu müssen? Hätten Sie Schuldgefühle gegenüber Ihrem Partner oder den Kindern?
Schritt 2: Überlegen Sie, was für das Gehen spricht.
Auswertung
Wenn Sie 12 und mehr Punkte haben, dann stellt sich die Frage, warum Sie noch bei Ihrem Partner sind. Welche Vorstellungen einer Beziehung sind noch verwirklicht, wenn Ihr Partner Ihnen gegenüber gewalttätig ist, wenn er Sie bei wichtigen, Ihrer beider Zukunft betreffender Dinge, immer wieder übergeht oder hintergeht, wenn er bereits mehrmals fremdgegangen ist, wenn Ihr Partner Ihnen keinerlei Respekt mehr entgegenbringt, Sie permanent demütigt, usw.? Worauf hoffen Sie noch? Was befürchten Sie bei einer Trennung? Sind Sie abhängig von ihm? Haben Sie Angst vor den schmerzlichen Konsequenzen einer Trennung? Haben Sie so wenig Selbstachtung, dass Sie bereitwillig den Fußabtreter spielen? Wenn Ihnen der Mut für eine Trennung fehlt, wenden Sie sich an einen Psychotherapeuten oder eine Beratungsstelle - heute noch. Machen Sie noch heute den ersten Schritt. Es geht um Ihr Leben. Sie haben ein Recht auf menschenwürdige Behandlung und ein erfülltes Leben. Lassen Sie sich nicht von Ihrem Partner Ihr Leben verderben. Das haben Sie nicht verdient.
Wenn Sie 8 bis 12 Punkte haben, dann müssen Sie zunächst klären, ob es Verhaltensweisen gibt, die gegen Ihre persönliche Würde gehen. Bedroht Ihr Partner Sie z.B. körperlich, schlägt, demütigt oder misshandelt er Sie sexuell? Dann gibt es kaum noch Gründe, in der Beziehung zu bleiben. Es spielt dabei keine Rolle, warum er sich so verhält, ob er Alkoholiker ist oder aus einem Land kommt, in dem Männer meinen, Frauen seien minderwertig. Bei anderen Verhaltensweisen des Partners wie z.B. ständigem Nörgeln, Gereiztheit, Vorwürfen oder mangelnder Bereitschaft, sich zu ändern, gibt es vielleicht noch eine Chance für Ihre Beziehung - wenn Ihr Partner zumindest ein Minimum an Bereitschaft mitbringt, die Beziehung am Leben zu erhalten. In diesem Fall könnten Sie gemeinsam in einer Paartherapie prüfen, welche Möglichkeiten Sie beide haben, mehr auf die Bedürfnisse und Wünsche des anderen einzugehen und ihn zu achten. Und jeder von Ihnen könnte lernen, mit sich selbst mehr ins Reine zu kommen, sprich seine persönlichen Probleme besser in den Griff zu bekommen. Denn meist sind es persönliche Probleme, die verhindern, dass man beziehungsfähig ist. Wenn Sie Ihre Beziehung retten wollen, greifen Sie auf die Hilfe von außen zu - oder trennen Sie sich. So, wie Ihre Beziehung im Moment läuft, ist sie zu unbefriedigend, um sie weitere Jahre oder Jahrzehnte künstlich am Leben zu erhalten.
Wenn Sie 1 bis 7 Punkte haben, dann bestehen gute Chancen für den Erhalt Ihrer Partnerschaft - vorausgesetzt Sie beide gehen wieder mehr aufeinander zu und lernen, miteinander zu reden - über Ihre Erwartungen und Bedürfnisse, über Ihre Enttäuschungen und Verletzungen der Vergangenheit. Wenn Ihnen das zu zweit nicht gelingt, weil jeder von Ihnen gleich in die Verteidigung und Rechtfertigung geht oder sich angegriffen fühlt, dann nehmen Sie Hilfe in Form einer Paartherapie in Anspruch. Ein Versuch ist es wert.
© 1999-2010 PAL Verlag - zusammen bleiben oder gehen? Soll ich mich trennen oder bleiben?
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