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Dr. Doris Wolf - Diplom Psychologin, Psychotherapeutin
Viele von uns erwarten ihren Ruhestand sehnsüchtig. Endlich müssen wir keinen Wecker mehr stellen, uns nicht mehr durch den morgentlichen Stau quälen, nicht mehr mit sinnlosen Arbeiten beschäftigen, keine Zeit mehr in endlosen Besprechungen verbringen, uns nicht mehr mit den Kollegen oder dem Chef herumärgern ...
Und doch kann es passieren, dass wir uns, sind wir erst einmal im Ruhestand, nach unserer geregelten Arbeit sehnen. Bevor wir uns also damit beschäftigen, wie wir uns auf unseren Ruhestand vorbereiten bzw. unseren Ruhestand genießen können, lassen Sie uns nochmals einen Blick auf das gewohnte Arbeitsleben werfen.
Wie die Arbeit unser Leben bestimmen kann
Gehen wir einmal davon aus, dass wir bei einem Arbeitgeber angestellt sind oder waren. Bei Selbständigen kann es sein, dass manche der folgenden Punkte nicht oder nur eingeschränkt zutreffen. Als Angestellter oder Angestellte ist unsere Arbeit, wenn alles glatt läuft, für lange Jahre die bestimmende Größe in unserem Leben:
Unsere Arbeit beeinflusst uns also sehr stark. Dies bedeutet, dass uns im Ruhestand, wenn die Arbeit wegfällt, eine Menge neuer Aufgaben erwarten.
Über die finanziellen Veränderungen und mögliche Einbußen im Ruhestand möchte ich hier nicht sprechen. Dennoch können diese natürlich ganz stark auch unser Leben nach der Berentung beeinflussen. Auch der Zeitpunkt der Berentung, ob wir freiwillig gegangen sind oder entlassen wurden und in welcher gesundheitlichen Verfassung wir uns befinden, spielen eine Rolle. Hier soll unser Augenmerk auf den psychologischen und sozialen Veränderungen liegen, wenn wir ganz normal mit Erreichen der Altersgrenze in Rente gehen. Im Ruhestand müssen wir
Natürlich fallen uns die Veränderungen leichter, wenn wir uns zumindest bereits während der letzten Jahre unserer Berufstätigkeit schon damit beschäftigt haben - aber es ist nie zu spät, damit zu beginnen. Spätestens dann, wenn wir depressiv oder total unausgeglichen werden, ist es an der Zeit, aktiv zu analysieren, was wir benötigen, um zufrieden zu sein.
Beantworten Sie die folgenden Fragen und werden Sie aktiv:
Welche Aufgaben und Tätigkeiten am Arbeitsplatz geben oder gaben mir Befriedigung oder machen mir Spaß?
Der Ruhestand muss nicht unbedingt bedeuten, dass Sie nun nie mehr an den Computer sitzen oder ein Geschäftsgespräch führen. Was Ihnen Spaß macht, können Sie ruhig weitermachen. Fragen Sie sich deshalb:
Möchte ich bestimmte Tätigkeiten, die mir Spaß machen, in irgendeiner Form jetzt weiterführen?
Wenn ja, könnte ich in meiner Firma noch Urlaubsvertretung machen oder als Springer in Teilzeit arbeiten?
Wenn nicht in der alten Firma, in welchem Bereich oder in welcher Organisation könnte ich meine Fähigkeiten und mein Wissen einsetzen? Bezahlt oder ehrenamtlich? Will ich z.B. als Senior-Experte oder als Wirtschafts-Senior arbeiten?
Ehrenamtlich kann man beispielsweise im Sportverein, bei den Kirchen oder Wohlfahrtsverbänden arbeiten. Auch die Stadt oder Gemeinde hat ehrenamtliche Aufgaben zu vergeben wie z.B., dass man die Beleuchtung in den Stadtteilen überprüft. Heutzutage gibt es in den großen Städten und im Internet auch Kontaktstellen, die die Ehrenamtsarbeit organisieren.
Welche Hobbys wollte ich schon immer einmal machen oder habe ich in den letzten Jahren vernachlässigt?
Ihr Ruhestand bietet Ihnen die Chance, mehr in sich hineinzuhören und nach dem Lustprinzip vorzugehen. Sie dürfen nun nach Ihren Vorlieben und Wünschen gehen vorausgesetzt Ihre Partnerschaft wird dadurch nicht gefährdet. Fragen Sie sich deshalb:
Was hat mich schon immer interessiert? Welches Hobby würde mich ausfüllen?
Möglicherweise müssen Sie auch erst verschiedene Aktivitäten ausprobieren, weil Sie gar nicht so recht wissen, was Ihnen Spaß machen könnte. Beispielsweise bieten hier die Volkshochschulen die unterschiedlichsten Kurse an, auch die Seniorenuniversität ist eine Möglichkeit für Sie, tiefer in ein Thema einzusteigen.
Wie möchte ich im Ruhestand meinen Tagesablauf gestalten?
Ihr Ruhestand bietet Ihnen die Möglichkeit, ein Leben ohne Wecker und Zeitplan zu leben. Doch müssen Sie für sich ausprobieren, ob Ihnen auf Dauer Tage ohne irgendeine Struktur gut tun. Fragen Sie sich:
Möchte ich z.B. immer zu einer bestimmten Zeit aufstehen, morgens nach dem Aufstehen regelmäßig Gymnastik machen, ausführlich die Zeitung lesen, usw.? Zu welchen Zeiten möchte ich essen, fernsehen und wann schlafen gehen? Tut es mir gut, wenn ich mir bestimmte Ziele setze und sie erfülle?
Rituale sind für die meisten Menschen hilfreich.
Welche Kontakte zu Freunden will ich wieder beleben oder intensivieren? Wo kann ich neue Kontakte knüpfen?
Neben Aktivitäten und Aufgaben, die uns erfüllen, gehört der Kontakt zu anderen Menschen, Zugehörigkeit zu einer Gruppe und gemeinsamen Spaß zu den Faktoren, die uns dabei helfen, uns im Ruhestand wohlzufühlen. Nehmen Sie also Ihr Adressbuch zur Hand und kämmen Sie es einmal durch. Höchstwahrscheinlich finden Sie dort Adressen von Menschen, von denen Sie schon ewig nichts mehr gehört haben. Rufen Sie an oder streichen Sie diese aus. Sollte dort niemand zu finden sein, mit dem Sie noch etwas zu tun haben möchten, stellen Sie sich die Frage: Wo finde ich Menschen, die ähnliche Interessen wie ich haben? Am einfachsten findet man nämlich zu Menschen über ein bestimmte Aktivität oder ein Hobby Kontakt.
Wie stellt sich mein Partner bzw. meine Partnerin die Zeit vor, wenn ich im Ruhestand bin und wir zusammen zuhause sind?
Im Laufe der Jahre haben Sie und Ihr Partner viele Rituale entwickelt, wer welche Familienaufgaben übernimmt, wie häufig man sich Zeit füreinander nimmt und sich unterhält, wer über das Fernsehprogramm bestimmt, den Kontakt zu Freunden hält, für die Finanzen zuständig ist, kocht, wäscht, usw. Der Ruhestand bietet die Möglichkeit, neue „Reviere“ festzulegen. Sprechen Sie also mit Ihrem Partner darüber: Wer übernimmt welche Aufgaben und Pflichten? Welche Aktivitäten macht jeder für sich alleine? Welche Wünsche von jedem Einzelnen können nun erfüllt werden?
Was möchte ich für meine Gesundheit tun?
Nun, da Sie im Ruhestand sind, können Sie auch Ihr körperliches Wohlbefinden stärker in den Mittelpunkt stellen. Sie haben mehr Zeit, in sich hineinzuhören, und können sich auch mehr Zeit nehmen, den Körper zu pflegen. Fragen Sie sich:
Wie viel Bewegung oder Sport möchte ich in meinen Alltag einbauen? Möchte ich meine Ernährung umstellen? Was möchte ich tun, um mich mit mir wohl zu fühlen?
Beispielsweise könnten Sie ein Entspannungsverfahren oder meditieren lernen. Sie könnten auch eine Lachyoga-Gruppe besuchen.
Jetzt habe ich Ihnen eine ganze Liste von Fragen vorgeschlagen und Sie denken vielleicht, so viel Arbeit will ich mir nicht machen. Nun, dies ist Arbeit, aber auch eine Chance: Sie können Ihr Leben nun mehr nach Ihren Vorstellungen gestalten und Neues über sich kennenzulernen. Ebenso wie Sie viel wahrscheinlich viel Zeit und Energie in Ihre Ausbildung gesteckt haben, geht es nun darum, Ihr Leben nach der Berentung zu gestalten.
Ihr Leben besteht aus 5 Säulen, die Sie neu justieren müssen: 1. Arbeit und Beschäftigung, 2. Materielle Sicherheit, 3. Lebenssinn und Werte, 4. Beziehungen und Freundeskreis und 5. Körper und seelisches Wohlbefinden.
In Rente gehen ist eine wunderbare Sache, wenn man etwas mit der Zeit und den Möglichkeiten des Ruhestandes anfangen kann.
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