Schwache Nerven

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AKTUELL


Dr. Doris Wolf
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Doris Wolf
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Schwache Nerven - warum wir manchmal so sensibel sind


Dr. Doris Wolf - Diplom Psychologin, Psychotherapeutin

Vielleicht haben Sie auch schon mal die Charakterisierung einer Person gehört: "Sie hat es an den Nerven." Oder aber Sie haben sich selbst schon einmal mit diesen Worten "ich habe schlechte Nerven" beschrieben.

Obwohl es keine Diagnose "schwache oder schlechte Nerven" gibt, wird die Beschreibung im Alltag oft verwendet. In diesem Zusammenhang spricht man dann auch oft von einem "Nervenzusammenbruch", den es im medizinischen Sinne ebenfalls nicht gibt.

Was meinen wir mit der Beschreibung "schwache Nerven"?

Der Begriff "schwache Nerven" bedeutet nicht, dass das Nervensystem nicht in Ordnung ist. Er wird meist auch nicht verwendet, wenn Betroffene nur in einer momentanen Krise und aus dem Gleichgewicht sind, sondern wird als überdauerndes Merkmal verwandt.

Manchmal können Betroffene genau beschreiben, wann ihre "schwachen Nerven" begonnen haben – z.B. nach einer Scheidung, einem traumatischen Erlebnis oder Mobbing in der Firma. Manchmal gab es auch eine schleichende Entwicklung oder die Betroffenen fühlen sich schon immer so.

Letztendlich hat jeder seine persönliche Vorstellung davon, was schwache Nerven sind. Schwache Nerven sind oft auf eine Kombination der folgenden Faktoren zurückzuführen:

- negative Kindheitserfahrungen
Häufig berichten Betroffene von einer schwierigen Kindheit. Z.B. hatten sie Eltern, die sie vernachlässigten oder zu denen sie kein Vertrauen aufbauen konnten. Sie lernten nicht, mit Problemen und Konflikten umzugehen. Auch sexueller Missbrauch, eine Suchtmittelabhängigkeit oder psychische Erkrankung eines Elternteils oder eine Scheidung können zu der generellen Empfindsamkeit beigetragen haben.

- andauernde Befürchtungen, die mit Angst und starker Anspannung einhergehen
Betroffene sind quasi immer in einer Hab-Acht-Stellung – immer in der Erwartung, dass etwas Schlimmes in Ihrem Leben passieren könnte, dem sie nicht gewachsen sein könnten. Ihnen fehlt das Vertrauen in sich und auch in andere Menschen. Sie kommen schnell und leicht aus dem Gleichgewicht, fühlen sich leicht verwundbar wie ein Schmetterling. Äußerlich können sich die schwachen Nerven dadurch bemerkbar machen, dass Betroffene nah am Wasser gebaut sind, zittern oder ausrasten.

- große Stressbelastung über einen längeren Zeitraum
Betroffene haben meist über einen längeren Zeitraum schwere Belastungen erlebt, die sie als bedrohlich erlebt haben – z.B. eine schwere Erkrankung, Missbrauch, emotionale Erpressung in der Partnerschaft, eine Naturkatastrophe oder ein Schicksalsschlag. Von diesen Belastungen konnten sich die Betroffenen nicht mehr erholen, sondern diese haben zu einer generellen Schwächung geführt.

- Depressionen und eine Angststörung
Betroffene leiden unter einer Depression oder Angststörung, in deren Rahmen dann der Eindruck entsteht, schwache Nerven zu haben.

- geringes Selbstwertgefühl
Betroffene sehen sich als im Vergleich zu anderen als weniger stabil und unfähig, angemessen mit auftretenden Problemen umzugehen. Diese Einschätzung führt zu Minderwertigkeitsgefühlen und Ängsten, welche dann wiederum grundsätzliche Auswirkungen auf ihr Leben haben. Sie trauen sich weniger zu, nehmen bestimmte Aufgaben erst gar nicht in Angriff, usw.

- wenig soziale Unterstützung
Betroffene haben ein starkes Bedürfnis danach, Unterstützung und Ermutigung durch andere zu erhalten. Gleichzeitig aber haben sie wenige oder keine emotional stabilen Freunde, die sie unterstützen können. Partnerschaften brechen oft auseinander.

- ungeeignete Bewältigungsstrategien
Den Betroffenen fehlen Bewältigungsstrategien oder sie beherrschen nur ungeeignete Strategien (z.B. Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenkonsum, Kaufsucht, Gewalt, Flucht, Meidung, Rückzug), um anstehende Probleme zu bewältigen und Stress abzubauen.

- Häufung von Alltagsbelastungen und Konflikten
Betroffene haben aufgrund ihrer eingeschränkten Bewältigungsstrategien Probleme bei den Finanzen, im Job, mit den Kinder, Partnern, Angehörigen, usw. Diese führen dann wiederum dazu, dass sie sich überfordert oder zu schwach fühlen.

Gleichgültig, welche Ursachen sich hinter schwachen Nerven verbergen, wir können auf jeden Fall Bewältigungsstrategien erlernen und so Ihre Nerven beruhigen.

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