Auflage 52.000 Exemplare

Nicolas Hoffmann
Wenn Zwänge das Leben einengen
128 S., EUR (D) 12,80
beim Verlag vergriffen!!!
Informationen zu Zwangshandlungen und Zwangsgedanken
Informationen zum Waschzwang
Fühlen Sie sich Ihren Gefühlen ausgeliefert? Ärgern Sie sich manchmal, wo Sie lieber die Ruhe bewahren würden? Fühlen Sie sich manchmal verletzt, wo Sie gerne gelassen bleiben würden?
In ihrer Gebrauchsanleitung für Gefühle zeigen die Psychologen Wolf und Merkle wie man seine Gefühle beeinflussen kann.
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Wir alle kennen harmlose Formen des Zwangs aus unserem täglichen Leben. Wir erledigen Dinge immer in derselben Reihenfolge, hüten uns vor "Unglückssymbolen" wie der schwarzen Katze, ohne die Angelegenheit übermäßig ernst zu nehmen. Wir werden auch gelegentlich von Gedanken belästigt, die uns eigentlich unsinnig vorkommen und die wir dennoch schwer loswerden. Solche Phänomene sind uns vertraut, behindern uns kaum und erscheinen uns weder außergewöhnlich noch fremd.
Wir kennen auch Menschen, denen wir recht zwiespältig gegenüberstehen. Sie beeindrucken uns durch Ernsthaftigkeit, Verläßlichkeit, Genauigkeit und Tüchtigkeit, doch wir finden auch übertriebene Vorsicht, mangelnde Flexibilität, ja sogar Eigensinn und Sturheit. Ihre ganze Persönlichkeit kommt uns etwas zwanghaft vor. Doch auch sie sind uns noch vertraut. Vielleicht entdecken wir einige dieser Züge auch an uns selbst.
Wer aber das erste Mal mit einem Zwangskranken zusammentrifft, hat Eindrücke, die eher ungewöhnlich sind. Da ist einmal Erstaunen, ja gelegentlich Unglauben über das, worüber sie berichten. Ein Mann, der als erfolgreicher Manager in der Industrie tätig ist, kann geschäftlichen Besprechungen kaum mehr folgen, weil er unentwegt den entsetzlichen Gedanken hat, der Bürodiener könne beim Ausleeren der Aschenbecher ein "hilfloses Lebewesen” versehentlich in den Abfall befördern und somit unwiederbringlich vernichten. Eine andere Patientin hat Schwierigkeiten, sich irgendwo hinzusetzen oder die Kleidung anderer Men-schen zu streifen. Sie ist von der quälenden Angst wie besessen, dadurch mit einer schrecklichen Krankheit, nämlich Tollwut, infiziert zu werden. Später im Gespräch erfährt man, daß sie Ärztin ist, mit großer Kompetenz und viel Engagement eine Klinikstation leitet und mit ihrem Verstand die Möglichkeit einer Ansteckung auf diese Art natürlich völlig ausschließt.
Dies sind zwei Beispiele von sehr schweren Erkrankungen. Alle von Zwängen betroffenen Menschen schildern Ängste, die so ungewöhnlich anmuten, daß man zuerst einmal Mühe hat, sie zu verstehen. Besonders fremd kommt einem die Art vor, in der sie sich mitteilen: Mit großer Sorgfalt und Genauigkeit, meist wie für einen wissenschaftlichen Vortrag vorstrukturiert und gegliedert, treffsicher in der Wortwahl, oft ohne die Anzeichen einer Gefühlsregung, offenbart sich die Geschichte eines extrem eingeengten Lebens.
Können von Zwängen Betroffene ihren Verstand, der anderswo so erfolgreich ist, einsetzen, um sich selbst zu helfen? Kaum. Wir glauben zu wissen, daß ihre Ängste überflüssig sind. Beruhigt sie das so, daß sie die Angst verlieren? Offensichtlich nicht.
Wenn wir ehrlich sind, müssen wir diesen so ernst wirkenden Menschen auch eine gewisse Inkonsequenz vorwerfen. Warnt die Ärztin ihre Patienten davor, sich hinzusetzen? Erläßt der Manager in der Firma ein Rundschreiben über Vorsichtsmaßnahmen beim Ausleeren von Aschenbechern? Sicherlich nicht. Zwanghafte Menschen erweisen sich in der Regel als Meister im Verbergen ihrer vom Zwang beherrschten inneren Welt. Sie lassen letzten Endes ihre Umgebung über ihre wahren Motive im unklaren und leben so nie ganz mit uns. Sie bloß auf diese Widersprüche hinzuweisen, würde nichts Gutes bewirken. Der Betroffene würde uns zurechtweisen und uns entgegnen, daß das alles nicht neu für ihn sei. Was wir schwer verstehen, ist, daß der innere Zwang ihn so gefangenhält, daß er ihm unter Umständen sein ganzes Leben unterordnen muß. Letztlich wird er, wenn auch vielleicht mit der nötigen Höflichkeit, so behandelt, wie jemand, der in eine Welt eindringt, dessen Gesetze er nicht versteht. Mit gutem Willen allein oder gar mit Druck ist also niemand von uns in der Lage, einem Zwangskranken zu helfen. Und dennoch bräuchte er so dringend Hilfe.
Wenn ich am Anfang dieses Buches auf den zwiespältigen Eindruck aufmerksam mache, der sich häufig aus dem Umgang mit Zwangskranken ergibt, so erinnere ich mich dabei an die Schwierigkeiten, die ich selbst zu Beginn meiner therapeutischen Tätigkeit mit solchen Patienten hatte. Aber bald lernte ich die schrecklichen Ängste dieser Menschen und die Einschränkungen, denen ihr Leben unterworfen ist, besser kennen und verstehen. Von Anfang an hat mich die gnadenlose innere Logik der Krankheit sehr stark beeindruckt, die trotz aller scheinbarer <Verrücktheit> diese Krankheit beherrscht. Ich will versuchen, sie aufzuzeigen, um die verschiedenen Formen der Störung besser verständlich zu machen. Vor allem aber will ich schildern, welche Therapiemöglichkeiten die moderne Psychotherapie anbietet, und ich möchte Ihnen, lieber Leser, der Sie unter Zwängen leiden, zeigen, welche Möglichkeiten der Selbsthilfe es gibt, und wie Sie beginnen können, Ihre Zwänge abzubauen. Ich werde Ihnen erprobte Wege vorstellen, die schon vielen meiner Patienten geholfen haben. Ich möchte aber auch eine Warnung aussprechen: Wenn Sie unter sehr starken Zwängen leiden, dann wird es Ihnen nicht gelingen, mit Hilfe dieses Buches Ihre Zwänge zu überwinden. In diesem Fall benötigen Sie die Hilfe eines erfahrenen Therapeuten.
Wenn Sie es nicht schaffen, mit Hilfe dieses Buches Ihre Zwänge abzulegen, dann liegt das nicht an Ihnen, sondern in der Natur der Zwänge. Mehr über die Grenzen der Selbsthilfe erfahren Sie in den weiteren Kapiteln. Resignieren Sie also nicht, sondern suchen Sie die Hilfe eines Therapeuten.
Weitere Leseproben
Kapitel 2
Möglichkeiten der Selbsthilfe
Kapitel 5
Berührungsängste und Waschzwang
© 1999-2012 PAL Verlag - Ratgeber Zwangsgedanken und Zwangshandlungen Einleitung
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