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Leben mit körperlicher Behinderung und Beeinträchtigung

Rollstuhlfahrer paralympics

Eine körperliche Behinderung bedeutet immer eine Einschränkung. Die Lebensqualität und die Lebensfreude müssen nicht zwangsläufig unter einer Behinderung leiden.

Wir können das Leben mit einer Behinderung nochmals neu lernen. Bild © Shariff Che'Lah - Fotolia.com

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

"Sie haben Diabetes, müssen sehr genau auf Ihre Ernährung achten und kommen in Zukunft ohne Tabletten oder Spritzen nicht mehr aus". "Ihr Herz ist stark geschädigt. Sie werden nicht mehr arbeiten gehen und keinen Sport mehr machen können". "Sie werden sich darauf einstellen müssen, dass jede Bewegung Ihnen Schmerzen bereiten wird".

Wenn wir solche Diagnosen und Prognosen hören, dann bricht für viele von uns eine Welt zusammen. Wir müssen mit unseren körperlichen Beeinträchtigungen leben und lernen, uns seelisch darauf einzustellen.

Wenn alles nicht mehr ist, wie es einmal war

Wir streben danach, Kontrolle über unser Leben zu haben und möglichst wenig körperlichen und seelischen Schmerz zu erleben.

Diagnostiziert der Arzt eine chronische Erkrankung oder eine bleibende Behinderung ist es verständlich, dass wir am liebsten nicht wahrhaben wollen, was wir gerade gehört haben.

Wir müssen, wie bei jeder Anpassung an eine veränderte Situation, verschiedene Phasen der Bewältigung durchlaufen.

Die Phasen der Bewältigung einer Behinderung

Nicht-Wahr-Haben-Wollen und Verleugnung
Wir wehren uns gegen eine Veränderung, wollen nicht wahrhaben, dass es nicht mehr so werden kann, wie es einmal war. Entgegen des ärztlichen Verbots von Zigaretten oder Zucker, rauchen wir weiter und essen unsere Schokolade und unser Gebäck.

Statt uns zu schonen, stürzen wir uns in den Alltagstrott. Wir verschweigen die Diagnose oder wiegeln ab, wenn andere uns daran erinnern, was wir nicht mehr tun sollen.

Wir weigern uns die notwendigen Medikamente einzunehmen oder nehmen sie nur unregelmäßig ein.

Um uns vor dem Schmerz zu schützen, von bestimmten Gewohnheiten und Lebensträumen Abschied nehmen zu müssen, verleugnen wir die Realität.

Wir brauchen noch Zeit, um uns auf die neue Situation einzustellen.

Aufbrechende Gefühle
Nun ist uns die Realität voll bewusst, ja wir neigen sogar dazu, die schmerzlichen Konsequenzen zu übertreiben.

Einen Großteil der Zeit beschäftigen wir uns damit, was wir zukünftig nicht mehr tun können und wie sich unser Alltag zum Negativen verändern wird. Wir sehen nur den Verlust und die Beeinträchtigung.

Wie soll ich nur damit leben? Wird mein Partner mich noch lieben? Werde ich meinen Haushalt alleine weiterführen können? Wird meine Rente ausreichen? Wie werden meine Kinder und Freunde darauf reagieren?

All diese Gedanken machen uns traurig und hoffnungslos. Vielleicht hadern wir mit dem Schicksal und bedauern, früher nicht mehr aus unserem Leben gemacht zu haben.

Angst vor der Zukunft, vor möglichen Schmerzen, vor der Verschlechterung unseres Zustandes begleiten uns.

Auch Selbstvorwürfe, zu ausschweifend gelebt, zu wenig Rücksicht auf unseren Körper genommen zu haben, zu spät zum Arzt gegangen zu sein oder nicht früher auf den Rat des Arztes gehört zu haben, sind die Regel.

Unsere Traurigkeit wechselt sich ab mit der Wut, dass uns so etwas passiert ist, wo wir doch niemanden etwas zuleide getan haben oder schon genug Schlimmes erleben mußten.

Gedanken, jetzt ein Krüppel oder minderwertiger Mensch zu sein, gehen uns durch den Kopf.

Langsames Akzeptieren und Neuorientierung
So langsam akzeptieren wir den Gedanken, körperlich behindert zu sein oder eine chronische Erkrankung zu haben.

Es gibt Zeiten, in denen wir unsere Aufmerksamkeit wieder auf Dinge außerhalb unserer Person lenken können. Wir können uns ab und zu wieder freuen, uns wieder mit Ruhe einer Fernsehsendung widmen oder ein Buch lesen.

Ab und zu, besonders in den Nächten, überfällt uns noch die Angst um die Zukunft, doch die Sorgengedanken halten nicht so lange an.

Unsere Schmerzen und die Arztbesuche erinnern uns natürlich immer wieder daran, dass sich unser Leben aufgrund der körperlichen Behinderung geändert hat.

Wir wissen, dass es nicht mehr so werden kann wie früher. Leichte Traurigkeit und Bedauern, Sehnsucht nach vergangenen Zeiten und eine Unzufriedenheit treten immer einmal wieder auf. Doch die tiefe Verzweiflung ist überwunden.

Nicht alle Menschen schaffen es, zumindest den überwiegenden Teil der Zeit ihre Erkrankung zu akzeptieren. Sie bleiben in einer der Phasen stecken. Sie weigern sich standhaft, die Diagnose anzuerkennen und sich auf die Veränderung ihres Körpers einzustellen.

Die Umstellung der Ernährung, der körperlichen Bewegung und regelmäßige ärztliche Kontrolle werden nicht wahrgenommen.

Oder aber sie bleiben in Selbstmitleid, Angst, Selbstvorwürfen und Hadern stecken. Sie sind überbesorgt und schränken sich mehr ein, als es krankheitsbedingt nötig wäre.

Aber wenn wir es geschafft haben, unsere körperliche Behinderung zu akzeptieren, kann eine Verschlechterung, eine zusätzliche Erkrankung oder der Tod eines Menschen mit derselben Erkrankung uns wieder dazu zwingen, uns neu zu arrangieren.

Wir benötigen wiederum Zeit, vom alten Zustand Abschied zu nehmen und uns auf die neue Situation einzustellen.

Warum es wichtig ist, eine körperliche Behinderung oder Erkrankung anzunehmen

Sowohl die Strategie, unseren Körper als Feind anzusehen, als auch zu resignieren, sind wenig hilfreich. Wenn wir unseren Körper hassen und ihm vorwerfen, dass er uns den Dienst versagt, dann erzeugen wir in uns Selbsthaß.

Unser Körper reagiert mit zusätzlicher Anspannung, unser Stoffwechsel verändert sich und unsere Abwehrkräfte nehmen ab.

Hoffnungslosigkeit und Schwarzsehen für die Zukunft führt zu einem Nachlassen der Lebensfreude und zu negativen körperlichen Veränderungen.

Behinderung und Sexualität

Behinderte Menschen haben ebenso ein Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Sexualität wie Nichtbehinderte. Viele körperlich behinderte Menschen sind jedoch beim Sex auf fremde Unterstützung angewiesen.

Um ihre sexuellen Bedürfnisse und Wünsche leben zu können, benötigen sie die tatkräftige Hilfe und das Verständnis von Pflegepersonal.

Das bedeutet, fremde Menschen in die Intimsphäre zu lassen und Scham beiseite zu schieben. Das erfordert Mut auf Seiten der Behinderten und eine offene und vorurteilsfreie Haltung des Pflegepersonals.

Wie eine körperliche Behinderung akzeptieren und mit ihr umgehen?

1. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit, indem Sie sich hilfreiche Fragen stellen.

Fragen wie: Warum nur ich? Womit habe ich das verdient? Warum habe ich früher nicht gesünder gelebt? Warum hat mir der Arzt das nicht früher gesagt? Werde ich die Schmerzen ertragen können? Was wird wohl noch alles Schlimmes auf mich zukommen? Wie lange werde ich noch leben? lenken Ihre Aufmersamkeit auf die Vergangenheit oder auf negative Ereignisse in der Zukunft.

Auch wenn Sie die Erkrankung nicht mehr rückgängig machen können, können Sie sich Fragen stellen, die Ihren Blick auf die verbliebenen Möglichkeiten richten: Was habe ich jetzt noch an Möglichkeiten, Freude zu empfinden? Wie kann ich meinen Körper entspannen und weniger Schmerzen verspüren? Wie kann ich mir und meinem Körper etwas Positives tun? Was könnte ich heute Schönes erleben? Wie kann ich meine Lebensqualität noch mehr steigern? "Welche Möglichkeiten habe ich, mein Leben trotz meiner Behinderung zu gestalten und zu genießen?

Wenn man nicht alle Möglichkeiten hat, dann kann man dennoch die verbliebenen zu 100 Prozent nutzen!

Das Geheimnis dieser Fragen ist, dass darin implizit eine Hoffnung verborgen ist: Ich kann noch Freude empfinden, Schönes erleben und etwas unternehmen. Ich kann mir und meinem Körper etwas Gutes tun.

2. Unterbrechen Sie Gedanken, die sich mit der Vergangenheit befassen. Es genügt, wenn Sie sich kurze Zeit damit befassen, wie es zu der heutigen Situation kommen konnte.

Vorwürfe, Hadern und Warum-Fragen machen Ihnen negative Gefühle und helfen Ihnen nicht, mit Ihrer Behinderung umzugehen!

Endgültig und erschöpfend können Sie die Warum-Fragen vermutlich ohnehin nicht beantworten.

Verwenden Sie Ihre Energie stattdessen auf das, was Sie JETZT tun können, um Ihre Situation und Ihr seelisches und körperliches Befinden zu verbessern.

3. Nehmen Sie Kontakt zu Menschen auf, die ebenfalls erkrankt sind. Bei der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) können Sie die Adresse einer Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe erfragen.

Dort bekommen Sie auch gute Tips, wie man besser mit der körperlichen Behinderung umgehen kann, welche Ärzte in der Umgebung auf diese Form der Behinderung spezialisiert sind und welche Medikamente empfehlenswert sind.

4. Suchen Sie nach Menschen, die die Krankheit bewältigt haben, statt sich einzureden, dass Sie es nicht ertragen können. Sagen Sie sich: "Ich kann es ertragen. Ich werde das Beste daraus machen".

Positive Vorbilder für die Bewältigung von körperlichen Behinderungen finden Sie in Leben mit Behinderung.


Leben-mit-Behinderung.html

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5. Suchen Sie nach den Chancen, die Ihnen die Krankheit bietet. Ergründen Sie den Sinn, den die Krankheit für Ihr Leben haben könnte.

Viele Menschen nehmen beispielsweise ihre Krankheit zum Anlaß, zu überprüfen, was ihnen wirklich wichtig im Leben ist und gewinnen so, trotz ihrer Behinderung, an Lebensqualität.

Sie geben ihr Geschäft auf, erlauben sich, mehr an sich selbst zu denken, oder helfen anderen.

Anregungen hierzu können Sie in Erfahrungsberichten von Behinderten in der Buchhandlung finden.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich mit Ihrem Körper arrangieren und ihn weiter als Ihren Freund und Begleiter ansehen.

Sie haben nur dieses eine Zuhause für Ihren Körper. Behandeln Sie ihn also so gut es Ihnen möglich ist.

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Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.

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  1. Leserkommentar G schreibt am 16.09.2016, 15.28 Uhr

    Seit ich klein bin begleitet mich die Krankheit "Osteomyleitis" jeden Tag. Mein linke Hüfte ist völlig durchlöchert und sehr wahrscheinlich bekomme ich im späteren Alter ein künstliches Hüftgelenk. In meiner Diplomarbeit schreibe ich über körperliche Beeinträchtigungen. Ich wäre froh, wenn ich noch passende Interview-Partner finde, die mir Ihre Geschichte erzählen, wie Sie mit allem umgehen. Besten Dank

  2. Leserkommentar anonymeperson schreibt am 12.07.2016, 21.38 Uhr

    Ich habe starke Depressionen, aber das ist nicht das einzige. Ich habe eine Knieverletzung, die trotz OP nicht besser wird. Meine Beugung beläuft sich auf max. 90 Grad und bei der Streckung fehlen immer noch 10 Grad. Das ist vielleicht noch nicht so schlimm, wenn ich doch bloß normal laufen könnte, aber ohne meine Gehhilfen klappt gar nichts, da ich ansonsten einknicke und Schmerzen habe. Ich werde auch ständig angesprochen, weil ich erst 27 bin und neben Mitleid ernte ich noch Fragen, wie: Ist es immer noch nicht besser? Alle wundern sich. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Mein allerliebstes Hobby Radfahren kann ich nicht mehr ausüben.

  3. Leserkommentar Christian Wulff schreibt am 17.02.2016, 13.59 Uhr

    Ich kenne mich mit solchen Abstürzen aus. Tja Tourette Syndrom

  4. Leserkommentar Guido Knopp schreibt am 17.02.2016, 10.39 Uhr

    Ja Joachim mir gehts ähnlich. Nur habs ich im Kopfe.

  5. Leserkommentar Joachim Gauck schreibt am 17.02.2016, 10.22 Uhr

    Ja, auch ich leide unvorstellbar unter meiner Behinderung (fehlen beider Arme)! Doch leider hilft mir der Text nicht weiter! Erst gestern hat man mir eine fortgeschrittene Depression diagnostiziert.Ich weiß nicht was ich noch tun soll. Bitte um Hilfe.

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