Ratgeber Selbstbewusstsein stärken

Einleitung

Es gibt Menschen, die haben es, und es gibt solche, die haben es nicht. Die es haben, geben uns mit einem festen Händedruck die Hand und schauen uns geradewegs in die Augen.

Diese Menschen scheinen ein Abonnement auf die guten Plätze des Lebens zu haben. Sie sagen, was sie denken und sie bekommen, was sie wollen - zumindest sehr oft.

Die, die es nicht haben, sind die ewigen Zweiten, die Zuhörer und Statisten. Sie verlassen ein Geschäft mit Kleidern, die sie nicht wollten, (weil die Verkäuferin sich so viel Mühe gegeben hat).

Sie ärgern sich nur still und leise, wenn sie im Urlaub statt des versprochenen Meeresblickes auf eine Baustelle schauen, und wenn sie auf der Straße angerempelt werden, dann entschuldigen sie sich demütig.

Haben Sie erraten, wovon die Rede ist? Die Rede ist vom selbstsicheren Auftreten. Wer von uns wünscht sich nicht, zu denen zu gehören, die sich ohne schlechtes Gewissen in eigener Sache stark machen können? Wer von uns könnte nicht etwas mehr Selbstbewußtsein vertragen?

Ich erinnere mich an eine Zeit in meinem Leben, in der ich zu den unsicheren und schüchternen Menschen gehörte.

In Gegenwart anderer fühlte ich mich meist sehr angespannt. Ich war stets sehr um mein Äußeres besorgt - daß ich korrekt gekleidet bin und daß meine Haare ordentlich liegen.

Ich beobachtete und kontrollierte mich, mein Verhalten und meine Worte. Ich lächelte häufig verlegen und lachte über die Witze anderer, auch wenn mir nicht zum Lachen zumute war.

Ich ließ mich bei berechtigten Ansprüchen in der Autowerkstatt, oder wenn es um die mangelhafte Qualität eines Kleidungsstücks ging, schnell abspeisen und überfahren.

Es war mir peinlich, zu einer Veranstaltung zu spät zu kommen. Ich hatte Angst vor den mißbilligenden Blicken der Anwesenden. Ich getraute mich nicht, Frauen in der Disco oder auf der Straße anzusprechen. Ich litt Todesqualen, wenn ich eine Frau ansprechen wollte.

Wenn ich auf der Straße ging, lief ich Schlangenlinien, da ich jedem auswich, der mir entgegenkam. Wenn ich jemanden auf der Straße nach dem Weg fragte, begann ich mit dem Wort "Entschuldigung”.

Einkaufen gehen war mir ein Greuel. Ich ließ mich von Verkäufern dazu überreden, mir Kleider zu kaufen, die mir nicht gefielen oder die mir zu teuer waren. Ich wollte nicht zugeben, daß ich nicht so viel Geld hatte, oder getraute mich nicht, als Modemuffel dazustehen.

In Restaurants habe ich so manchen Fraß verschlungen, weil ich mich nicht getraute, zu reklamieren. Hinterher sagte ich dann artig auf die Frage des Obers "War´s recht?” <Ja>.

Natürlich ging ich nicht mehr in das Lokal, in dem ich so eingegangen war, und ärgerte mich, daß ich so blöd war und mich nicht getraut hatte, den Mund aufzumachen.

Wenn sich andere in meiner Gegenwart beschwerten, war mir das sehr peinlich, und am liebsten hätte ich mich in Luft aufgelöst. Wenn mir jemand ein Kompliment machte, dann wurde ich verlegen, vielleicht auch rot und sagte: "Das ist nichts Besonderes”.

Ich ärgerte mich häufig über mich, daß ich so schüchtern bin, und ärgerte mich über meine Mitmenschen, daß diese so gemein, rücksichtslos und egoistisch waren.

Wenn ich mich mit jemandem unterhielt, stand ich ständig unter Anspannung, weil ich meinte, ich müsse dem anderen etwas bieten und ihn unterhalten.

Ich fühlte mich dafür verantwortlich, daß das Gespräch am Laufen blieb. Wenn mich jemand um einen Gefallen bat, sagte ich meist sofort ja und ärgerte mich hinterher, daß ich zugesagt hatte.

Ich hatte Angst, etwas Persönliches von mir zu erzählen, da ich befürchtete, mein Gegenüber könnte mich auslachen, sich lächerlich über mich machen und mich ablehnen, wenn er erführe, was ich für ein Mensch bin.

Ich fühlte mich sehr oft einsam und schlenderte mit einem Gefühl des Isoliertseins und Alleinseins wie ein sträunender Kater durch die Straßen in der Hoffnung, eine Märchenfee würde mich ansprechen und mich von meinem Elend erlösen. Doch natürlich geschah nichts dergleichen.

Und dabei tat ich doch alles, um mich interessant zu machen. Ich rauchte Pfeife, kleidete mich gut, drückte mich gewählt aus und legte mir verschiedene Accessoires wie z.B. ein Handtäschchen zu.

Meine Mitmenschen hielten mich - wie sie mir später gestanden - für sehr selbstsicher, manche auch für arrogant. Sie deuteten meine distanzierte Art, die in Wirklichkeit nur Ausdruck meiner Hemmungen war, als Selbstsicherheit.

Sie konnten ja nicht in mich hineinschauen und sehen, für welch kleines und unsicheres Wesen ich mich tatsächlich hielt.

All das war vor ca. 30 Jahren. Dieser Zustand dauerte bis etwa zu meinem 30. Lebensjahr an. Ab da begann ich, eine Wandlung durchzumachen, genauer gesagt, ich begann, mich zu ändern. Heute bin ich ein anderer Mensch, und ich möchte um keinen Preis der Welt noch einmal so sein, wie ich es damals war.

Wie geht es mir heute?

Heute fühle ich mich die meiste Zeit in Gegenwart anderer entspannt und locker. Ich mache mir kaum noch Gedanken um mein Äußeres und wie ich auf andere wirke.

Nicht daß ich heute schlampig herumlaufe. Nein, aber ich kleide mich so, wie es mir gefällt, und verschwende meist keinen Gedanken daran, ob ich durch meine Kleidung bei anderen ankomme oder nicht.

Ich beobachte und kontrolliere mich, mein Verhalten und meine Worte nicht mehr dauernd. Ich lache nicht mehr über die Witze anderer, wenn mir nicht danach zumute ist.

Wenn eine Bedienung wiederholt unfreundlich zu mir ist, sage ich ihr das und frage sie, ob sie nicht sich und mir den Gefallen tun will und sich einen anderen Job suchen will, der ihr mehr Freude macht.

Umgekehrt mache ich Menschen aber auch Komplimente, wenn sie sehr freundlich und zuvorkommend sind, etwa bei Bedienungen, die einem trotz sehr viel Betrieb immer noch das Gefühl geben, ein willkommener Gast zu sein. Bei berechtigten Beanstandungen bestehe ich auf mein Recht als Kunde und bleibe hart.

Ich kann zu einer Veranstaltung zu spät kommen und habe keine Angst mehr vor den etwaigen mißbilligenden Blicken und der vollen Aufmerksamkeit der Anwesenden.

Ich getraue mich, Frauen anzulächeln und mit ihnen ein Gespräch zu beginnen. Ich habe keine Probleme damit, einer Frau zu sagen, daß ich sie attraktiv finde.

Wenn ich auf der Straße laufe, halte ich meinen Kurs, ohne dabei im Zick-Zack zu laufen. Die anderen sind es, die mir ausweichen. Nicht, daß ich es bewußt darauf anlege oder rücksichtslos wäre. Nein, ich gehe einfach meinen Weg, und die anderen wissen, woran sie sind.

Wenn ich jemanden auf der Straße nach dem Weg frage, beginne ich ohne Umschweife mit den Worten "Guten Tag, ich suche ...”. Einkaufengehen macht mir Spaß.

Ich kaufe, was mir gefällt, und wenn mir ein Verkäufer auf den Wecker geht, weil er meint, er müsse mir sagen, ob mir etwas steht, und er mir etwas aufschwatzen will, dann gebe ich ihm höflich, aber bestimmt zu verstehen, daß er sich raushalten soll.

Ich kann ohne Komplexe sagen, daß mir etwas zu teuer ist. Ich kann mir 20 Paar Schuhe zeigen lassen, und ohne etwas zu kaufen und ohne schlechtes Gewissen, wieder aus dem Geschäft gehen - nicht jedoch, ohne mich bei der Verkäuferin oder dem Verkäufer sehr freundlich für ihre/seine Geduld zu bedanken und ihr einen schönen Tag zu wünschen.

In Restaurants beschwere ich mich höflich, aber bestimmt und ohne Hemmungen, wenn das Essen nicht gut ist, und lasse es zurückgehen. Ich lasse mich nicht von so dummen Argumenten wie "Sie sind der erste, dem es nicht schmeckt. Es hat sich noch niemand beschwert” einschüchtern oder von meinem Urteil abbringen.

Auch akzeptiere ich nicht, daß man mich bei einem Essen, das 20 und mehr Euro kostet, als Wiedergutmachung mit einem Eis für 5 Euro abspeist. Ich bezahle das Essen nicht oder verlange einen gleichwertigen Ersatz.

Je nachdem, wie der Ober oder Geschäftsführer reagiert, gebe ich dem Restaurant eine zweite Chance. Wenn jemand anderer am Tisch sich beschwert, denke ich "recht so” und freue mich, daß es noch mehr Menschen gibt, die für ihr gutes Geld auch gute Ware verlangen.

Anhand meiner persönlichen Geschichte möchte ich Ihnen zweierlei zeigen:

1. Sie können sich ändern.
Hemmungen, Schüchternheit und unsicheres Verhalten sind erworbene Probleme, die wir deshalb auch überwinden können, wenn wir an ihnen arbeiten.

Als Psychotherapeut hat man es keineswegs leichter damit, wie Sie vielleicht vermuten. Man hat vielleicht ein besseres Verständnis und kann die Zusammenhänge seiner Probleme klarer sehen, aber glauben Sie mir: Auch wir Psychologen müssen an uns arbeiten, wenn wir ein Problem überwinden wollen. Wir tun uns genauso schwer damit, uns zu ändern, wie jeder andere auch.

Das, worauf es bei der Überwindung von Problemen ankommt, ist die Anwendung und Umsetzung des Wissens.

2. Man kann nicht immer und überall selbstsicher sein.
Wie Sie vielleicht an mancher Stelle meiner Lebensgeschichte gemerkt haben, habe ich auch heute noch gelegentlich Hemmungen und Unsicherheiten.

Ich bin also nicht in allen Lebenslagen und zu jeder Zeit ein vollkommen selbstsicherer Mensch. Meine Hemmungen behindern mich jedoch kaum mehr. Wenn sie auftreten, nehme ich sie zur Kenntnis - aber auch nicht mehr.

Ich verurteile mich nicht für sie, ärgere mich nicht darüber, daß ich immer noch unsicher bin, und komme mir deshalb auch nicht minderwertig vor.

Wenn es mir wichtig ist, arbeite ich daran, eine Unsicherheit in einer bestimmten Situation zu überwinden. Wenn nicht, lebe ich mit ihr. Ich habe gelernt, meine Schwächen und Fehler zu akzeptieren.

Ich habe auch heute noch manchmal in bestimmten Situationen Angst, aber ich versuche, mich nicht von ihr lähmen zu lassen.

Ich tue oftmals bewußt Dinge, vor denen ich Angst habe, um mir zu zeigen, daß ich keine Angst zu haben brauche, und ich gebe zu, wenn ich Angst habe.

In Interviews oder bei Vorträgen lasse ich meine Zuhörer oft gleich zu Anfang wissen, daß ich Schmetterlinge im Bauch habe und aufgeregt bin.

Weitere Leseproben

Kapitel 2
Warum sind wir schüchtern und unsicher?

Kapitel 6
Selbstsicherheit beginnt in Ihrem Kopf

Kapitel 12
Wünsche äußern und Forderungen stellen, Nein sagen und Kritik äußern

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Claudia Frey, Heidelberg
Diplom Psychologin

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