Einfühlsamer Trauerhilfebegleiter für die Bewältigung von Verlusten

Doris Wolf
Einen geliebten Menschen verlieren
Neue Partnerschaft nach dem Tod des Partners
Selbstvorwürfe nach dem Tod des Partners
Dr. Doris Wolf - Diplom Psychologin, Psychotherapeutin
Wer seinen Partner durch Tod verloren hat, hat in den ersten Monaten, in dem ersten Jahr oder sogar in den folgenden Jahren meist große Angst vor Wochenenden und Feiertagen. Es ist die Zeit, die traditionell für die Familie, für gemeinsame Aktivitäten mit dem Partner reserviert ist. Am Wochenende kommt der Alltag zum Erliegen, die Geschäfte und Firmen haben geschlossen. Es gibt wenige Möglichkeiten, sich durch Routinetätigkeiten und Verpflichtungen abzulenken.
Schauen wir aus dem Fenster oder gehen wir nach draußen, scheinen wir nur glücklichen Familien und Frischverliebten zu begegnen. Dieser Anblick erinnert uns schmerzhaft an unseren Verlust, an das, was wir nie mehr mit unserem Partner oder Angehörigen erleben dürfen.
Vielleicht entscheiden wir uns deshalb dafür, uns in er Wohnung hinter geschlossenen Jalousien zu verbarrikadieren, und nur die Hoffnung hält uns aufrecht, dass irgendwann dass Wochenende vorbei sein wird. Eine Steigerung stellen dann noch die Feiertage wie Ostern, Weihnachten und Neujahr sowie unser Geburtstag und Hochzeitstag dar. Unsere mit unserem Partner verbundenen Rituale erscheinen uns jetzt, nach seinem Tod, sinnlos. Wir fühlen uns einsam und aussortiert. Alle um uns scheinen glücklich und genießen die Festtage. Wie sollen wir deren Gesellschaft ertragen mit den Bildern unserer glücklichen Vergangenheit vor Augen?
Jeder von uns hat seine ganz eigene Art, mit seiner Trauer umzugehen. Auch für die Wochenenden und Feiertage muss jeder seinen eigenen Weg finden. Beide Extreme: so zu tun, als ob sich nichts verändert hätte, oder sich so zu verhalten, als ob es kein Weiterleben mehr ohne den verstorbenen Menschen gäbe, sind nicht hilfreich.
Hilfreich ist, dass wir ehrlich zu uns und anderen sind und dazu stehen, wie wir uns fühlen. Wir brauchen keine Ausflüchte suchen, weshalb wir eine Einladung nicht annehmen oder erst kurz zuvor entscheiden können, ob wir kommen oder nicht. Wir sind in einer Ausnahmesituation, in der wir auch von anderen Rechten Gebrauch machen dürfen als sonst üblich.
Für manche Menschen ist es hilfreich, neue Rituale zu entwickeln, um den Schmerz ein wenig abzupuffern z.B. bescheren sie an Weihnachten Kinder im Waisenhaus oder buchen über ihren Geburtstag eine Reise. Andere bitten die Familienmitglieder, die Festtagsaktivitäten neu zu gestalten, sodass die Erinnerung weniger stark auftaucht. Wieder andere laden all ihre Freunde zum Geburtstag ein, um zu spüren, dass sie nicht alleine sind. Oder aber es gibt Menschen, die kurzerhand entscheiden, überhaupt keine Festtage mehr feiern zu wollen. Dieser Vorsatz hat nur ein Problem: Um sie herum feiern die anderen Menschen, vor Weihnachten sind die Geschäfte dekoriert und dies bleibt nicht ohne Auswirkungen auf sie: Die Erinnerung an vergangene schöne Zeiten taucht dennoch auf.
Es gibt aber auch Menschen, die Wochenenden und Festtage für die Erinnerung an den verlorenen Menschen reservieren. Sie nehmen sich ein Fotoalbum oder alte Liebesbriefe und tauchen ein in die schmerzlichen Gefühle. Manche schreiben auch Tagebuch über ihre Erinnerungen und Gefühle. Wenn dies eine bewusste Entscheidung ist, dann ist das gut allerdings sollte nicht jedes Wochenende nur auf Erinnerungen basieren.
Eine andere Möglichkeit ist, sich einer Trauerbewältigungsgruppe anzuschließen und zusammen mit anderen Betroffenen zumindest einen Teil der Festtage oder der Wochenenden zu verbringen. Auch das Internet bietet Möglichkeiten, sich dann, wenn uns die Decke auf den Kopf fällt, mit anderen Betroffenen auszutauschen.
Wir können uns auch ganz bewusst daran machen, unsere Einstellungen zu verändern. Unsere Gedanken, mit denen wir diesen kritischen Tagen begegnen, können unsere Gefühle und unser Verhalten wesentlich beeinflussen. Wir können z.B. negative Gedanken durch eher neutrale oder hoffnungsvolle Gedanken ersetzen:
Negativer Gedanke:
„Ohne ihn/sie kann ich nie mehr einen schönen Geburtstag erleben oder Weihnachten feiern.“
Neutraler/Positiver Gedanke:
„Ich bin traurig, dass er/sie nicht mehr da ist. Mein Geburtstag oder Weihnachten wird anders sein. Ich überlege mir, wie ich dennoch ein wenig Freude verspüren oder diese Tage für mich lebenswert gestalten kann.“
Negativer Gedanke:
„Diese Wochenenden sind blanker Horror für mich. Ich hasse sie.“
Neutraler/Positiver Gedanke:
„Die Wochenenden sind zurzeit schwierig für mich. Ich überlege mir, welche Aufgaben oder Aktivitäten ich mir einplanen möchte.“
Negativer Gedanke:
„Alle Menschen sind in dieser Zeit glücklich nur ich nicht.“
Neutraler/Positiver Gedanke:
„Sicher sind auch noch viele andere Menschen unglücklich. Statt mich mit anderen zu vergleichen, überlege ich mir, was ich tun kann, damit es mir besser geht.“
Wochenenden und Festtage müssen nicht auf Dauer schwierig und belastend für uns sein.
Viele Menschen suchen sich langfristig eine neue Aufgabe, durch die sie wieder einen Sinn in ihrem Leben sehen. Sie arbeiten ehrenamtlich, begleiten z.B. neue Patienten im Krankenhaus, besuchen Kranke oder machen Babysitting. Eine neue Aufgabe verschafft Ablenkung, lenkt den Blick auf Menschen, denen es auch schlecht oder noch schlechter als uns geht, und gibt uns eine neue Erfüllung.
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