Fühlen Sie sich Ihren Gefühlen ausgeliefert? Ärgern Sie sich manchmal, wo Sie lieber die Ruhe bewahren würden? Fühlen Sie sich manchmal verletzt, wo Sie gerne gelassen bleiben würden?
In ihrer Gebrauchsanleitung für Gefühle zeigen die Psychologen Wolf und Merkle wie man seine Gefühle beeinflussen kann.
Werden Sie Ihr eigener Psychologe!
Dr. Rolf Merkle, Diplom Psychologe, Psychotherapeut
So führst du das Experiment durch
Stelle dir vor, du hast vor dir eine wunderschöne gelbe und saftige Zitrone liegen. Stelle dir weiter vor, du nimmst diese in die Hand und riechst daran. Du kannst durch die Schale hindurch schon das Säuerliche riechen. Nun schneidest du in deiner Vorstellung die Zitrone in zwei Hälften. Der Zitronensaft quillt heraus. Du nimmst die eine Hälfte in die Hand und riechst wieder daran. Nun kannst du schon sehr viel deutlicher die Säure riechen. Und nun stellst du dir vor, du beißt herzhaft in die Zitrone.
Mache nun bitte diese kleine Vorstellungsübung. Schließe die Augen und stelle dir das oben Beschriebene vor.
Welche Selbsterkenntnis hast du gewonnen?
Wenn du dir dies in deiner Vorstellung bildhaft ausgemalt hast, dann hast du bei dir zwei Dinge festgestellt:
1. dein Mund hat vermehrt Speichel produziert und
2. du hast dein Gesicht verzogen.
Dieses kleine Experiment zeigt dir zweierlei:
1. Deine Gedanken und Phantasien sind Kräfte, die deinen Körper veranlassen, zu reagieren. Dein Körper und deine Gesichtsmuskulatur haben so reagiert, als hättest du tatsächlich in die Zitrone gebissen. Du hast dich so gefühlt, als hättest du das getan, was du dir in Wahrheit nur eingebildet hast.
Merke: Jeder Gedanke, jede Vorstellung, ob positiv oder negativ, hat einen Einfluss auf dein seelisches und körperliches Befinden.
2. Du kannst ferner sehen, dass dein Gehirn nicht unterscheiden kann, ob du tatsächlich etwas erlebst oder ob du dir nur einbildest, etwas zu erleben. Obwohl du selbst ganz genau weißt, dass du dir das Ganze nur eingebildet hast, für dein Gehirn war deine Einbildung Realität.
Daran kannst du erkennen: Dein Gehirn ist ein guter und zuverlässiger Diener, aber ein schlechter Herr.
Merke: Dein Gehirn verrichtet stumpfsinnig seine Arbeit wie ein Computer. Es kümmert sich nicht darum, ob etwas Realität oder Einbildung ist. Es verarbeitet jede Information so, als sei sie real.
In der Computersprache sagt man: garbage in, garbage out - was so viel heißt wie: wenn du Müll eingibst, kann nichts Sinnvolles dabei herauskommen.
Achte auf deine Gedanken und Vorstellungen.
Da dein Gehirn sich nicht darum kümmert, ob etwas Realität oder Einbildung ist, musst du diese Aufgabe übernehmen.
Du musst überprüfen, ob deine Gedanken und Vorstellungen der Realität entsprechen.
Du fühlst seelisch und körperlich, was du denkst und dir einbildest.
Entweder du kontrollierst dein Denken und deine Gedanken,
oder diese kontrollieren dich.
Wenn du Angst hast, dann deshalb, weil du dir vorstellst und einredest, in Gefahr zu sein. Dein Gehirn verarbeitet deine ängstlichen Gedanken und Vorstellungen, als seist du tatsächlich in Gefahr, wo du dir vermutlich nur einbildest oder einredest, in Gefahr zu sein.
Da dein Gehirn also nicht entscheiden kann, ob du in Gefahr bist oder ob du dir nur einbildest in Gefahr zu sein, musst du ihm Entwarnung geben, indem du ihm z.B. sagst: "Ich bin sicher. Es ist alles gut." Dein Gehirn ist ein zuverlässiger Diener, aber ein miserabler Herr, d.h. du musst ihm klarmachen, was Realität und Einbildung ist.
Achte also gut auf deine Gedanken und Vorstellungen. Du kannst nicht vermeiden, dass negative Gedanken über deinem Haupt kreisen, aber du kannst verhindern, dass sie sich bei dir einnisten und dir dauerhaft negative Gefühle machen.
Du kannst diese Selbsterkenntnis aber auch zu deinem Wohl nutzen. Wenn du dich an schöne Momente erinnerst, die du zusammen mit deinem Partner erlebt hast, dann löst die Erinnerung an diese Momente dieselben positiven Körperreaktionen hervor wie damals. Es werden Glückshormone ausgeschüttet und du fühlst dich mit deinem Partner verbunden.
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© 1999-2012 PAL Verlag - Selbsterkenntnis Experiment 1
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