Antipathie - Sympathie

Warum wir manchmal andere nicht riechen können

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Dr. Doris Wolf Dr. Doris Wolf - Diplom Psychologin, Psychotherapeutin

Da wurde Ihnen gerade Ihre neue Kollegin vorgestellt und bei Ihnen sträubten sich bereits beim ersten Anblick alle Haare. Sie wussten gleich, dass Sie mit ihr nicht klarkommen würden. Auch der neue Nachbar ist Ihnen nicht so geheuer. Sein arrogantes Getue können Sie nicht ausstehen. Ähnlich ergeht es Ihnen mit dem neuen Lebensgefährten Ihrer Freundin. Sie können mit ihm nicht so richtig warm werden, obwohl Ihrer Freundin sehr viel an einem guten Verhältnis liegt.

Sie wissen zwar, dass man keine Vorurteile haben und allen Menschen mit Toleranz begegnen sollte, doch es will Ihnen nicht so recht gelingen. Wir wollen uns deshalb einmal damit befassen, was sich hinter einer Antipathie verbergen kann.

Was verbirgt sich hinter einer spontanen Abneigung?

"Den kann ich nicht riechen", "Wenn ich den schon sehe, kommt mir die Galle hoch", "Wenn sie den Mund aufmacht, bin ich auf hundert", "In seiner Gegenwart läuft es mir eiskalt den Rücken herunter", so beschreiben wir in der Umgangssprache unsere Abneigung gegenüber einem Menschen. Wir spüren unsere Ablehnung körperlich. Es schüttelt uns, die Haare sträuben sich, wir fühlen uns von seinem Geruch unangenehm berührt, können seine Stimme nur schwer ertragen. Es scheint so, als ob unser Gegenüber eine große Macht über uns hätte und uns mit seiner Gegenwart aus dem Gleichgewicht bringen könnte.

Viele von uns meiden deshalb den Kontakt zu diesem Menschen. Falls die Meidung nicht möglich ist, reagieren wir distanziert, ablehnend, bisweilen auch unwirsch und ungehalten. Solange wir diesem Menschen nur einmal flüchtig auf der Straße oder im Supermarkt begegnen, ist diese Ablehnung nicht besonders tragisch. Schwierig wird es, wenn sich unsere Antipathie gegen einen Menschen richtet, mit dem wir häufig oder gar täglich zu tun haben. Dann sollten wir uns die Mühe machen, nach den Ursachen dieser Abneigung zu suchen und uns überlegen, wie wir trotzdem mit diesem Menschen besser auskommen können - unseretwillen.

Ursachen der Antipathie

1. Wir lehnen an anderen ab, was wir an uns selbst nicht mögen.
Kämpfen wir beispielsweise mit unserem Gewicht oder hassen unsere Falten, so erinnert uns ein Mensch mit Gewichtsproblemen oder einem faltigen Gesicht an unsere Schwächen. Er hält uns quasi einen Spiegel vor. Da wir diesen Anblick nicht ertragen können, finden wir diesen Menschen unsympathisch und meiden seine Nähe.

2. Wir lehnen an anderen ab, was wir selbst gerne haben möchten, aber nicht haben.
Unser Gegenüber hat beispielsweise eine gute Figur, eine befriedigende Partnerschaft oder kommt bei anderen gut an, während wir uns für zu dick halten, uns isoliert von anderen fühlen und das Feuer in unserer Partnerschaft längst erloschen ist. Der andere erinnert uns an unsere Schwächen, wir beneiden ihn und lehnen ihn deshalb ab.

3. Der andere erinnert uns an schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen
Unser Gehirn speichert alle negativen und positiven Erfahrungen. Wir speichern dabei nach vielen unterschiedlichen Merkmalen - beispielsweise nach Gerüchen, Merkmalen der Situation, dem Stimmklang, dem Dialekt, der Körperhaltung, Mimik, Gestik oder Kleidung eines Menschen. Erinnert uns unser Gegenüber an einen Menschen, mit dem wir schlechte Erfahrungen gemacht haben, hat er schlechte Karten. Ihn trifft ein Gefühl, das ihn im Grunde gar nichts angeht. Er ist ein Opfer unserer Vorurteile. Hatten Sie beispielsweise eine Freundin mit sanfter Stimme, die sich hinterher als Biest herausstellte, begegnen Sie wahrscheinlich allen Menschen mit sanfter Stimme skeptisch und misstrauisch.

4. Wir lehnen den anderen ab, weil er vollkommen anders ist als wir.
Sie leben beispielsweise nach den Prinzipien: "Sparsamkeit und keine Schulden" und "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen". Ihr Nachbar macht Schulden und gibt sein Geld mit vollen Händen aus. Statt sich auch mal um den Vorgarten vor seinem Haus zu kümmern, sitzt er in seinem Liegestuhl und trinkt genüsslich ein Gläschen Wein. Sie fühlen sich von ihm in Ihren Grundsätzen bedroht und lehnen ihn ab.

5. Wir fühlen uns von dem anderen abgelehnt.
Manchmal deuten wir bestimmte Signale unseres Gegenübers als Arroganz oder Ablehnung. "Der will was Besseres sein", "Der kann mich nicht leiden", oder "Der will nichts mit mir zu tun haben" so lauten unsere Bewertungen. Nicht immer ist dies jedoch der Fall. Hinter einem distanzierten arroganten Verhalten verbergen sich meist selbstunsichere und schüchterne Menschen.

Sie haben bei der Auflistung der Ursachen sicher gemerkt, dass wir immer unseren Teil dazutun, damit eine Antipathie gegenüber einem anderen Menschen entsteht. Ein anderer kann niemals ohne unser Zutun unsere Chemie aus dem Gleichgewicht bringen - es sei denn er würde uns tatsächlich körperlich bedrohen.

Leider setzt unsere erste Abneigung - ob angemessen oder nicht - häufig eine Spirale in Gang. Wir lehnen unser Gegenüber ab. Dieser fühlt sich abgelehnt und reagiert wiederum mit Ablehnung oder Rückzug. Wir fühlen uns dann bestätitgt, dass wir mit unserer negativen meinung über ihn Recht hatten. Selbsterfüllende Prophezeiung nennt man das in der Psychologie.

Wie Sie Ihre Antipathien beeinflussen können

1. Nehmen Sie den ersten Eindruck bewusst wahr, aber achten Sie darauf, Ihr Urteil nochmals zu überprüfen.

2. Fragen Sie sich, wann immer Sie einen Menschen nicht riechen können: "Was stört mich an ihm?" "Weshalb stört es mich?"

3. Erinnert Sie Ihr Gegenüber an schlimme Erfahrungen aus Ihrer Vergangenheit, die nichts mit ihm zu tun haben, dann machen Sie sich deutlich: "Dieser Mensch hat nichts damit zu tun. Ich will ihm eine Chance geben".

4. Besitzt er Eigenschaften oder Merkmale, die Sie bei sich nicht ausstehen können, können Sie daran arbeiten, diese zunächst bei sich zu akzeptieren. Wenn Sie sich so annehmen, wie Sie sind, können Sie auch andere Menschen mit diesen Eigenschaften annehmen.

5. Fordern Sie, dass andere so sein sollten, wie Sie es sich wünschen, dann können Sie lernen, toleranter zu sein. Entwickeln Sie die Einstellung: "Er hat das Recht so zu sein, auch wenn es mir nicht gefällt."

6. Lenken Sie Ihren Blick ganz gezielt auf positive Eigenschaften Ihres Gegenübers.

7. Entwickeln Sie Verständnis für Ihr Gegenüber. Suchen Sie nach Gründen, weshalb der andere so geworden ist, wie er ist.

Ich wünsche Ihnen die Begegnung mit vielen Menschen, die Sie sympathisch finden, und die Fähigkeit, mehr Menschen so annehmen zu können, wie sie sind.

© 1999-2010 PAL Verlag - Sympathie - Antipathie
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