Schwierige Menschen: Wie können wir mit Nervensägen und komplizierten Mitmenschen besser umgehen?

Besserwisser, Nörglerinnen, Choleriker, Jammertanten – mit manchen Menschen ist es nicht leicht auszukommen. Diese 8 Tipps zeigen dir, wie du einen klugen Umgang mit schwierigen Menschen hinbekommst.

Schwierige Menschen: Wie können wir mit Nervensägen und komplizierten Mitmenschen besser umgehen?
© Tim Gouw, unsplash.com

„Haltet doch einfach einmal die Klappe!“, würden wir schwierigen Menschen gerne immer dann entgegenschmettern, wenn uns ihr Verhalten einfach nur noch nervt. Da ist zum Beispiel die besserwisserische Kollegin, die schon zum wiederholten Mal alle Funktionen der Kaffeemaschine erklärt, obwohl es uns überhaupt nicht interessiert. Der cholerische Chef hat auch schon wieder einen Wutanfall aus dem Nichts bekommen und uns vor versammelter Mannschaft zusammengebrüllt, und die eigene Mutter jammert uns die Ohren voll, dass sie so ein schweres Leben hat und man selbst daran nicht ganz unschuldig sei.

Da kann der Puls schon mal steigen, und wir denken dann schnell: „Die sind ja alle total gestört!“. Doch Vorsicht. Dieses vorschnelle und überharte Urteil über andere kann nicht nur negative Folgen für unsere Beziehung zum Gegenüber haben, sondern auch gefährlich für uns werden. Denn bei Licht betrachtet, sind diese Menschen höchstwahrscheinlich nicht "gestört". Nur etwa ein Prozent der Bevölkerung leidet unter einer pathologischen Persönlichkeitsstörung.

Aber unser Empfinden täuscht uns nicht: Es gibt natürlich komplizierte und anstrengende Menschen, auch wenn keine Störung vorliegt. Die Übergänge sind fließendend und auch die Macken von „normalen“ schwierigen Personen sind oft enervierend und erfordern viel Geduld von uns – vor allem wenn wir ihnen nicht aus dem Weg gehen können. Toxische Beziehungen und Menschen zu meiden, die uns nicht guttun, ist ein durchaus probates Mittel. Aber eben nicht immer möglich. Kann man sich seine Freunde aussuchen, ist das bei Familienmitgliedern oder Kolleginnen nicht möglich. Dann heißt es, einen guten und klugen Umgang zu finden, um auch in Situationen mit schwierigen Menschen nicht gestresst und genervt zu reagieren – und sich damit selbst am meisten zu schaden.

Welche Menschen empfinden wir als schwierig?

Die meisten von uns bezeichnen folgende Charaktere (sowohl männlich als auch weiblich) als anstrengend:

Doch „schwierig“ ist zunächst einmal eine Bewertung aus unserer eigenen Sicht: Aus irgendeinem Grund kommen wir mit diesen Menschen nicht klar. Unsere Strategien, mit Menschen umzugehen, greifen bei diesen Personen nicht. Sie reagieren vielleicht aggressiv, jammern ununterbrochen, wissen alles besser, geben uns keine Antwort usw. Und wir stehen oft nur da, sind perplex oder werden wütend.

Oft suchen wir den Grund für das befremdliche Verhalten dann in der Persönlichkeit unseres Gegenübers. Doch oft sind es eher die Umstände, die zu dem problematischen Verhalten geführt haben. Auch wir sind nicht gefeit, unter bestimmten Umständen „schwierig“ zu reagieren und so wahrgenommen zu werden. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass zum Beispiel ein ruppiges, ungehobeltes Umfeld individuelles unangenehmes Verhalten fördert. Dass zunehmender Machtgewinn unsere Empathie schrumpfen lässt und dass Stress uns zu einem Verhalten verleitet, das wir selbst normalerweise als nervig bezeichnen würden. Wir kennen das alle: Oft sagen wir in Stresssituationen Dinge, die wir dann später bereuen.

Gemeinsamkeiten schwieriger Menschen: fehlende Selbstachtung und ein übersteigertes Bedürfnis nach Anerkennung

Um überhaupt einen positiven Umgang mit schwierigen Menschen zu erreichen, ist es zunächst sinnvoll, ihnen gegenüber ein Verständnis aufzubauen. Grundsätzlich haben schwierige Menschen etwas gemeinsam: mangelnde Selbstachtung und die (übersteigerte) Suche nach Anerkennung.

Wer in seiner Kindheit zum Beispiel immer gelobt wurde, wenn er oder sie etwas besser wusste als das Nachbarskind, ist sich auch als Erwachsene/r nicht bewusst, dass das besserwisserische Verhalten keine Sympathiepunkte gibt. Schließlich bekam man ja gerade beim Zeigen dieses Verhaltens eine Extra-Portion Liebe von den Eltern.

Schwierige Menschen haben nicht gelernt, andere Werkzeuge zur Kommunikation einzusetzen als ihre nervenden Strategien, für die sie Anerkennung, Wertschätzung und Liebe erhielten.

Ihnen fehlt meist der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Sie nehmen Situationen oft sehr selbstreferentiell wahr. In ihrer Ich-Bezogenheit kommen sie nicht auf die Idee, die Bedürfnisse und Beweggründe des Umfelds und der anderen Agierenden zu analysieren und in ihr Verhalten miteinzubeziehen. Sie agieren dann egoistisch, für andere unangenehm bis unerträglich – und merken es selbst oft nicht.

Wenn wir mit schwierigen Menschen besser auskommen wollen, müssen wir also selbst aktiv werden und klug agieren, indem wir genau entgegengesetzt handeln, wie es ein schwieriger Mensch tun würde:

Wir versetzen uns in die Lage des anderen und finden heraus, ob etwas Wahres an dem ist, was unser Gegenüber sagt. Dann stimmen wir diesem Teil des Gesagten zu. Der oder die andere wird sich dann weniger abwehrend verhalten und eher bereit sein, uns zuzuhören. Diese Vorgehensweise führt dazu, dass das Gegenüber das Gesicht wahren kann – und ist somit gesprächsbereiter und offener für das, was wir möchten.

8 Tipps, um besser und gelassener mit schwierigen Menschen umzugehen

Schwierigen Menschen aus dem Weg zu gehen ist eine gute Taktik für das eigene Wohlbefinden. Allerdings ist das im Alltag nicht immer möglich und sinnvoll. Dennoch: Versuche die komplizierten Kontakte möglichst kurz und selten zu halten. Wenn es dann aber doch zu einem direkten Aufeinandertreffen kommt, helfen dir folgende konkrete Tipps, um besser mit dem schwierigen Gegenüber klarzukommen.

Tipp 1: Sei dir deiner Gefühle bewusst und wahre emotionale Distanz

Situationen mit schwierigen Menschen bergen ein hohes Potenzial an emotionalem Sprengstoff. Wir werden wütend, ärgern uns und wollen am liebsten gleich mit allen (verbalen) Waffen zurückschlagen. Das ist aber keine gute Idee. Besser ist es, das nervige Verhalten des Gegenübers zu ignorieren und nicht darauf einzugehen. Wenn wir uns unserer Gefühle bewusst sind, müssen wir uns nicht in einen Gefühlsstrudel ziehen lassen, sondern können unsere Grenzen bewusst setzen und klug emotionale Distanz walten lassen und die Situation mit Abstand betrachten.

Tipp 2: Nimm nichts persönlich und bleib gelassen

Wichtig ist, dass du auch in emotional schwierigen Situationen versuchst, einen kühlen Kopf und Ruhe und Gelassenheit zu bewahren. Lasse dich nicht dazu verleiten, Dinge zu sagen, die dir im Nachhinein leidtun. So behältst du die Kontrolle über die Situation. Nimm Verbalattacken von schwierigen Menschen nie persönlich. Nörgler, Pessimisten und Besserwisser wollen, dass andere mitleiden oder sich dumm vorkommen. Lass das nicht zu, sondern konzentriere dich lieber auf eine konstruktive Problemlösung.

Tipp 3: Versetze dich in die andere Person hinein und zeige Mitgefühl

Auch wenn es dir wahrscheinlich schwerfällt, versuche, dich in dein kompliziertes Gegenüber hineinzuversetzen. Wenn du Mitgefühl und Empathie an den Tag legst, hilft das, auch schwieriges Verhalten zu tolerieren – was nicht heißt, dass du es akzeptieren musst. Denke einfach daran, dass auch du manchmal schlechte Tage hast und dann ein für andere unangenehmes Verhalten zeigst, dann kannst du auch mehr Toleranz und Gelassenheit anderen gegenüber aufbringen.

Einem Menschen, der zum Beispiel andauernd jammert, wie schlimm das Leben sei, wie schlecht die Menschen sind und wie schwer er es habe, kannst du antworten: „Ich verstehe, dass für dich alles sehr schwierig erscheint, wenn das und das passiert ...". Dann hast du deinen Standpunkt dabei nicht aufgegeben, sondern dich lediglich in seine Situation mit seinen Gedanken hineinversetzt.

Tipp 4: Vorwürfe, aggressive Verbalattacken oder Fluchen helfen nichts

Um eine verfahrene Gesprächssituation nicht eskalieren zu lassen, ist es wichtig, dass du ruhig und sachlich bleibst. Das hat oberste Priorität. Greif die Person nicht an, mach keine Vorwürfe und beschimpfe sie nicht. Damit bringst du dich nur in eine schwächere Position und gibst dem Gegenüber das Gefühl, dass du die Kontrolle verloren hast.

Tipp 5: Achte auf Ihre Körpersprache

Auch deine Gestik und Mimik solltest du versuchen, unter Kontrolle zu halten. Ein aggressiver oder vorwurfsvoller (Unter-)Ton bringt dich nicht weiter. Auch gehässige Blicke oder eindeutig abwertende Gesten tragen nicht zu einer Lösung des Konflikts bei. Sprich stattdessen möglichst normal mit dem schwierigen Menschen und wahre eine neutrale Stimmung.

Tipp 6: Frage dich, was die schwierige Person mit ihrem Verhalten eigentlich bezwecken will

Um eine bessere Beziehung zu schwierigen Menschen aufzubauen, ist es zielführender, nach dem Zweck für das Verhalten anstatt nach der Kausalität zu fragen. Wenn wir verstehen, was der schwierige Mensch mit seinem Verhalten wirklich bewirken will, welche Bedürfnisse er damit befriedigen will und welche emotionalen Ziele er verfolgt, können wir besser darauf eingehen und im Idealfall gemeinsam eine Lösung finden. Das mag nicht leicht und nicht auf Anhieb oder beim ersten Mal umzusetzen sein und es verlangt uns eine Menge ab. Doch wenn wir vorurteilsfrei an die Beziehung gehen, haben wir die Chance, sie nachhaltig zu verbessern – und das ist vor allem zu unserem eigenen Vorteil.

Tipp 7: Mach dich nicht klein und bleib deinen Zielen treu

Stehe zu dir und deinen Positionen und ziehe Grenzen, wo sie nötig sind. Mach dich nicht klein und zeige Stärke, indem du innerlich ruhig und sachlich mit der Situation umgehst. Das fördert dein Selbstbewusstsein und du bist schwierigen Menschen weniger ausgeliefert.

Tipp 8: Überdenke deine eigenen Projektionen

„Er sollte sich wirklich nicht dauernd so in Vordergrund spielen“, „Sie sollte gewissenhafter arbeiten“, „Er sollte mal weniger rumjammern“: Solche „Sollen-Sätze“, die uns in unserem Ärger überfallen, sagen viel mehr über uns aus als über unser Gegenüber. Denn sie sind oft Projektionen, also Eigenschaften, die wir zwar anderen zuschreiben, aber eigentlich unseren eigenen geheimen Wünsche und Bedürfnisse entstammen. Deshalb sollten wir uns immer wieder die Frage stellen, ob gerade die Eigenschaften, die uns an schwierigen Menschen am meisten nerven, nicht vielleicht unsere eigenen Triggerpunkte sind. Denn oft lehnen wir genau das Verhalten bei anderen ab, das wir auch bei uns als defizitär empfinden.

So ist es gut möglich, dass der „Sollen-Satz“ wie „sie sollte bessere Arbeit abliefern“ uns eigentlich unseren Wunsch vor Augen führt: „Ich darf auch mal pünktlich nachhause gehen und muss nicht immer alles perfekt machen.“ Insofern können Kontakte zu schwierigen Menschen auch hilfreich sein – nämlich dann, wenn sie uns die Chance bieten, an unseren eigenen Schwachstellen zu arbeiten.

Oberstes Prinzip bei dieser Art von Kommunikation ist es, dass du dem anderen signalisierst, dass du ihn in seiner Ansicht und seinen Gefühlen verstehst, jedoch deine eigenen Ziele und Bedürfnisse nicht aufgibst. Es geht nicht darum, wer Recht hat, oder wer der Gewinner und der Verlierer ist. Das erfordert natürlich ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen
Rolf Merkle

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Denise Corban-Koyka schreibt am 29.05.2022

Bei der Nachbearbeitung dieses Artikels fällt mir auf, dass ich eben gerade diese Menschen in ihrer Ansicht & ihren Gefühlen NICHT verstehe!
Ihnen das Gegenteil zu signalisieren erschien mir verlogen u. genauso manipulativ, auch wenn ich jahrzehntelang, genau wie sie, nichts anderes gelernt hatte.
Seit Januar habe ich mit Alexandra Webers " Beziehungsglück" u. dem von ihr perfektionierten Quantensprung-Prozess gelernt, DIE URSACHE JEDES NEGATIVEN GEFÜHLS ZUERST IN MIR (meiner Kindheit) zu suchen u. durch eben jenen Quantensprung-Prozess zügig per Quickie abzumildern oder mit ca. 1 Stunde Zeit vollständig aufzulösen.


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