Angst vor Ablehnung und Verurteilung

Tipps zur Überwindung der Angst vor Ablehnung und sozialer Phobie. Woher kommt die Angst vor Ablehnung? Wie können Sie diese Angst überwinden?

Angst vor Ablehnung und Verurteilung
© Priscilla du Preez, unsplash.com

Die Angst vor Ablehnung und Zurückweisung ist die am häufigsten verbreitete Angst. Woher kommt die Angst, sich unbeliebt zu machen und nicht mehr gemocht zu werden? Wie können Sie die Angst vor Ablehnung überwinden? Millionen Menschen haben Angst, von anderen nicht gemocht, verurteilt und abgelehnt zu werden. Erfahren Sie, was es auf sich hat mit der Angst vor Ablehnung, die zu einer Angst vor Menschen führen kann.

Die Folgen der Angst vor Ablehnung

Aufgrund ihrer Angst vor Ablehnung trauen sich Betroffene nicht, Kontakt mit anderen aufzunehmen, sich mit anderen zu unterhalten, ihre Meinung zu sagen, vor einer Gruppe zu sprechen, im Mittelpunkt zu stehen, usw. Betroffene reagieren oft überempfindlich auf Kritik, sind schnell gekränkt, sind schüchtern und ihr Selbstbewusstsein ist gering.

Ein Betroffener berichtet: Ich entwickelte eine Reihe von Verteidigungsmechanismen, um unangreifbar zu sein und nicht abgelehnt zu werden. Dazu gehörte, Gefühle zu unterdrücken, speziell Wut und Trauer, da ich dafür von anderen am leichtesten aufgezogen wurde. Es dauerte nicht lange, bis ich anfing, mich zurückzuziehen. Ich wurde häufig krank, hatte dauernd Kopf- oder Magenschmerzen und ging immer seltener in die Schule. Ich hatte Angst vor die Tür zu gehen und mich mit Mitschülern und Lehrern zu unterhalten. Ich verkroch mich zuhause, brütete über meinen Gedanken und flüchtete mich durch Videospiele in andere Welten. Ich fühlte mich wie in einer Glocke gefangen.

Die Angst vor Ablehnung kann so groß sein, dass manche Menschen alles tun, um sie zu vermeiden: ja, sie geben sogar ihre ganze Selbstachtung auf. Sie fühlen sich stets verpflichtet, das zu tun, was die anderen von ihnen erwarten, und stecken selbst zurück. Sie glauben, nur auf diese Weise vermeiden zu können, dass sie abgelehnt werden. Sie sind davon überzeugt, Liebe und Anerkennung von anderen ebenso dringend zu benötigen, wie sie die Luft zum Leben brauchen.

Auf diese Weise werden sie zu Opportunisten, drehen ihr Fähnlein ständig im Wind und übersehen dabei, dass sie sich damit auch Ablehnung einhandeln können. Diese Menschen lassen außer acht, dass Liebe und Anerkennung zwar angenehm, aber nicht unbedingt (lebens-)notwendig sind. Sie übersehen, dass es unmöglich ist, von allen gemocht zu werden. Davon handelt auch die Lebensweisheit: Es allen Recht machen wollen

Die Angst, andere könnten etwas Schlechtes in einem entdecken

Die Angst vor Ablehnung geht einher mit der Angst, andere könnten etwas Schlechtes und Ablehnenswertes in einem entdecken. Betroffene leben in der ständigen Angst, andere könnten ihr wahres (schlechtes) Wesen entdecken.

Wenn andere etwas Positives sagen, denken Betroffene sofort, die anderen wollen nur höflich sein und sie nicht kränken. Oder aber die Betroffenen denken, der andere müsse sie nur besser kennen, dann würde er das Schlechte in ihnen erkennen und sie sitzen lassen. Sie können oft nicht sagen, was das Schlechte in ihnen ist. Sie haben nur das diffuse und ungute Gefühl, etwas stimme mit ihnen nicht. Das führt uns zu den Ursachen der Angst vor Ablehnung.

Ursachen der Angst vor Ablehnung

Wir können von anderen abgelehnt werden und uns dennoch selbst anerkennen! Wir haben den Wert, den wir uns selbst geben.

Nur wenn wir uns selbst ablehnen, haben wir Angst vor Ablehnung.

Dann wird die Anerkennung der anderen zum Gradmesser für unseren Wert. Wir tappen dabei in eine von uns selbst aufgestellte Falle: Von anderen geliebt zu werden, sagt nichts über unsere Person aus, sondern nur über die Meinung und Vorliebe dessen, der uns beurteilt. Außerdem kann der, der uns mag, uns im nächsten Augenblick schon nicht mehr mögen. Was machen wir dann? Sind wir dann auf einmal wertlos?

Nehmen wir an, Sie gehen auf den Markt und kaufen dort immer nur eine bestimmte Sorte Äpfel. Heißt das dann, dass all die anderen Apfelsorten wertlos und minderwertig sind? Über wen sagt es etwas aus, wenn Sie immer nur eine bestimmte Sorte Äpfel kaufen? Über die Äpfel oder über Sie, den Käufer? Wenn Sie denken, Ihr Kaufverhalten sagt etwas über die Äpfel aus, dann sitzen Sie in der Falle. Tatsächlich sagt Ihr Verhalten nur etwas über Sie aus, nämlich welchen Geschmack Sie haben. Ihre ablehnende Haltung gegenüber den anderen Apfelsorten besagt lediglich, dass diese Ihrem Geschmack nicht entsprechen. Aber nur, weil Sie eine bestimmte Sorte bevorzugen, sind die anderen Apfelsorten deshalb nicht weniger wert oder gar minderwertig. Es gibt Menschen, die ganz andere Apfelsorten als Sie bevorzugen. Übertragen auf den Menschen heißt das:

Wenn ein anderer Sie ablehnt, dann sagt seine Ablehnung nichts über Sie aus, sondern nur über ihn!

Sein Urteil sagt etwas über seine Erwartungen und Vorstellungen aus, was er mag und was nicht. Über Sie sagt seine Ablehnung absolut nichts aus.

Man braucht vor niemand Angst zu haben. Wenn man jemanden fürchtet, dann kommt es daher, dass man diesem Jemand Macht über sich einräumt.

Wem räumen Sie Macht über sich ein? Wem geben Sie die Macht, mit seinem Urteil über Ihren Wert zu bestimmen? Wenn wir selbstsicher auftreten möchten, müssen wir lernen, von der Meinung der anderen nicht mehr abhängig zu sein. Wir müssen aufhören, anderen Macht über uns zu geben. Aber wie macht man das, anderen keine Macht über sich zu geben?

Angst vor Ablehnung überwinden

Stärken Sie sich selbst den Rücken und lernen, sich selbst anzunehmen.

Wir müssen bei uns und bei dem Bild beginnen, das wir von uns selbst haben. Solange wir selbst schlecht über uns denken, solange wir uns nicht leiden können, uns für jede Schwäche kritisieren und selbst für uns kein gutes Wort übrig haben, so lange haben wir Angst davor, dass andere nichts für uns übrig haben.

Gaby hat Kontaktschwierigkeiten. Auf Parties kommt sie sich verloren vor. Sie findet, dass ihr Busen zu klein ist und dass sie um die Hüften herum zu kräftig ist. Aufgrund ihrer vermeintlichen "Mängel" hält sie sich für unattraktiv und minderwertig. Niemand konnte sie bisher vom Gegenteil überzeugen, weder die Männer, die um sie wie Bienen um einen Honigkuchen schwärmen, noch ihre Freundinnen. Wenn Männer ihr sagen, dass sie attraktiv ist, denkt sie sich: "Das sagt er nur, weil er mir schmeicheln will. Das sagt er nur, um mir nicht weh zu tun." Sie unterstellt allen Männern also, dass diese unehrlich sind. Sie legt anderen das Urteil in den Mund, das sie bereits über sich selbst gefällt hat!

So wie man von sich selbst denkt, so glaubt man, dass auch andere von einem denken.

Wenn man sich für pervers, unattraktiv, nicht liebenswert, dumm und minderwertig hält, dann denkt man automatisch, dass auch andere so von einem denken. Und wenn man von sich selbst so schlecht denkt, dann ist es kein Wunder, wenn man Hemmungen hat, schüchtern ist und kein Selbstvertrauen hat.

Wenn Sie Ihre Angst vor Ablehnung überwinden möchten, dann müssen Sie bei der Meinung beginnen, die Sie von sich haben.

Sie müssen beginnen, sich anzunehmen, so wie Sie sind - mit Ihren Fehlern, Schwächen und Mängeln. Sie müssen das Bild, das Sie von sich haben, ändern. Solange Sie schlecht von sich denken, solange werden Sie schüchtern und gehemmt sein und Angst vor Ablehnung haben. Werfen Sie einen Blick in das Video Werde dein bester Freund. Erst wenn Sie selbst davon überzeugt sind, dass Ihre Fehler und Mängel nichts an Ihrem Wert als Mensch ändern, erst wenn Sie sich für liebenswert halten, dann berührt es Sie kaum, wie andere über Sie, Ihre Fehler und Schwächen denken.

Die beste Schutzimpfung gegen Angst vor Ablehnung und Kritik ist eine positive Selbstachtung.

Erst wenn Sie Ihr Selbstbild ändern, sind Sie nicht mehr krampfhaft auf der Suche nach Bestätigung und Anerkennung. Erst dann haben Sie nichts zu verlieren, und niemand kann Ihnen etwas wegnehmen, denn dann sind Sie derjenige, der darüber entscheidet, wer und was Sie sind. Anerkennung ist nur ein Spiegel dessen, wie andere dich sehen und kein Gradmesser deines Wertes!

La Bruyere, ein Schriftsteller im 17. Jahrhundert, sagte über die Angst vor Ablehnung: Wir suchen unser Glück außerhalb von uns selbst, noch dazu im Urteil der Menschen, die wir als kriecherisch kennen und als wenig aufrichtig, als Menschen ohne Sinn für Gerechtigkeit, voller Missgunst, Launen und Vorurteile: wie absurd!

Höre auf, dich zu fragen, was andere über dich denken! Was andere über dich denken, ist nicht wichtig! Wichtig ist, was du über dich denkst!

Du bist nicht allmächtig! Deshalb kannst du nicht bestimmen, was andere über dich denken. Dein Job ist es, dies zu akzeptieren lernen! Reine Zeitverschwendung: Mach dir keine Gedanken über Dinge, die du nicht kontrollieren kannst.

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Kevin Hiss schreibt am 01.05.2021

Ich bin 18 Jahre alt und lebe schon seit ich 13 Jahre alt bin mit diesen Problem, auch wenn es mir erst vor circa nem Jahr aufgefallen ist.

Bis ich 12 war, war mein Leben eigentlich relativ normal, (hatte ein paar gute Freunde, ging auf eine normale Schule und hatte keine Kontaktschwierigkeiten.)
Doch ich war damals ein ziemliches Problemkind und flog von meiner Schule und kam dann über einige Umwege mit 12 Jahren auf einer Schule für Schwererziehbare Kinder, auf welcher ich dann in 3 Jahren meinen Hauptschulabschluss gemacht habe. Auf dieser Schule habe ich leider überhaupt keinen Anschluss gefunden und wurde teilweise auch gemobbt, weswegen ich mich ziemlich schnell zurückgezogen hatte.
Dazu kommt, dass wir parallel dazu umgezogen sind und somit meine bisherigen Freundschaften alle mehr oder weniger im Sande verlaufen sind.
Während dieser 3 Jahre habe ich sehr viel Zeit in meinem Zimmer verbracht und hatte kaum soziale Kontakte, es wurde dann besser als ich nach dieser Zeit auf ne weitere Schule ging um meinen Realschulabschluss nachzumachen, aber diese große Angst davor verurteilt zu werden und das fehlende Selbstbewusstsein steckt bis heute in mir. Jedes mal, wenn ich mit ner Person rede, habe ich Angst etwas unangenehmes oder dummed zu sagen, selbst wenn wir nur normalen Smalltalk führen, weswegen ich mich immer weiter zurückgezogen habe und aufgrunddessen nun ein starkes Einsamkeitsgefühl empfinde.
Ich bin jetzt 18 und werde nächstes Jahr mein Abi per Fernstudium nachholen, habe 2-3 Freunde, kann mich allerdings keinem so wirklich anvertrauen, weil ich Angst habe, dass sie mich danach komisch finden oder nichts mehr mit mir zu tun haben wollen. Bin wegen diesem Problem derzeit auf der Suche nach einem Therapeuten, hoffe dass es dann besser wird.

Hanna Teske schreibt am 08.08.2020

Ich kann gar nicht gut mit Ablehnung umgehen. Möchte dies aber unbedingt ändern, da es mein Leben wesentlich negativ beeinflusst. Könnt ihr mir Ein Buch empfehlen, dass mich weiter bringt?

David schreibt am 01.02.2020

Danke für diesen Beitrag! Man muss bei sich selbst anfangen. Ich habe auch gemerkt, dass selbst Menschen,die sehr schön,intelligent usw. sind trotzdem wenig Selbstwert haben, da sie sich selbst nicht wertschätzen oder lieben.Also bei sich anfangen. Dann ergibt sich alles andere.

Nicole schreibt am 26.01.2020

Mittlerweile gehe ich liebevoll mit mir um. Ich habe Verständnis für mich und dieses momentane Angstgefühl. Also setze ich mich hin, fühl hinein wo und wie ich es spüre. Meistens wird es da schon weniger. Dann denke ich, dass es egal ist, ob mich eine Person heute mag oder nicht und dass die Zeit alles bringt, wenn ich weiter an mir arbeite und an mich glaube. Mittlerweile spüre ich das Angstgefühl und ich spüre auch, dass es mir gut geht.

Elke schreibt am 04.01.2020

Ich bin Christ und Gottes Liebe und Annahme hat mich von Ablehnung frei gemacht.

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 Die Angst, andere könnten etwas Schlechtes in einem entdecken
 Ursachen der Angst vor Ablehnung
 Angst vor Ablehnung überwinden
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