Wie Kränkungen entstehen und sich seltener gekränkt fühlen?

Kränkungen und seelische Verletzungen – woher rühren sie? In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie mit verletzten Gefühlen umgehen und sie heilen können, und bekommen Hilfen für die verletzte Seele.

Wie Kränkungen entstehen und sich seltener gekränkt fühlen?
© Luis Galvez, unsplash.com

Wenn wir Worte anderer persönlich nehmen, dann fühlen wir uns schnell gekränkt und gedemütigt. Wir spielen dann die beleidigte Leberwurst, sind eingeschnappt oder sinnen nach Rache. Wie mit Kränkungen und verletzten Gefühlen umgehen? Was tun, wenn man sich ständig kritisiert fühlt? Wie mit Erniedrigung umgehen? Wie sich nicht als ganze Person abgewertet fühlen?

Kränkungen, Geringschätzung, seelische Verletzungen und Demütigungen können sehr schmerzhaft sein. Wenn Menschen sich sehr oft gekränkt, verletzt und zurückgewiesen fühlen, dann kann dies zu psychosomatischen Beschwerden bis hin zu einer Verbitterungsstörung führen. Häufige Kränkungen und lang andauernde seelische Verletzungen machen körperlich krank! Schauen wir uns an, was uns leicht verwundbar und empfindlich macht.

Wovon hängt es ab, ob wir uns gekränkt fühlen und beleidigt sind?

von der Stärke unseres Selbstwertgefühls
Je geringer unser Selbstwertgefühl ist, umso schneller fühlen wir uns durch Kritik, Nichtbeachtung und Ablehnung durch andere verletzt, gekränkt und entwertet. Ist unser Selbstwertgefühl gering, dann sehen wir eine Kritik, Entwertung oder Ablehnung, wo gar keine ist.

Die Kritik der anderen hat mich so tief getroffen, weil sie meinen eigenen Zweifeln entsprachen.

Max Schmeling

von unserer körperlichen und seelischen Verfassung
Je stärker wir körperlich geschwächt oder emotional angeschlagen sind, umso weniger haben wir z. B. den negativen Kommentaren anderer etwas entgegenzusetzen.

vom Ort und Zeitpunkt des Geschehens
Meist verstärkt die Gegenwart anderer uns wichtiger Menschen das Ausmaß unserer Kränkung.

von unseren Erfahrungen in ähnlichen Situationen
Haben wie bereits wunde Punkte, dann sind wir gefährdet, Kommentare zu diesem Punkt als besonders verletzend zu erleben.

von unserem Geschlecht
Frauen fühlen sich gewöhnlich schneller verletzt als Männer.

von den Gründen, die wir hinter dem Verhalten des Gegenübers vermuten
Vermuten wir einen gezielten Angriff auf unsere Würde, dann fühlen wir uns stärker verletzt, als wenn wir überzeugt sind, der andere wisse oder könne es nicht besser.

von unseren Erwartungen an den anderen
Je höher unsere Erwartungen an andere sind, umso mehr geben wir ihnen die Chance, uns dadurch zu verletzen, dass sie unsere Erwartungen nicht erfüllen.

Was tun, um sich weniger gekränkt zu fühlen?

Kränkungsgefühle entstehen, wenn ein anderer etwas tut oder sagt und wir sein Verhalten oder seine Worte als Demütigung oder Ablehnung bewerten, uns persönlich angegriffen, ignoriert und in unserer Ehre verletzt fühlen. Wir sehen uns also unmittelbar bedroht und benötigen Strategien, diese Bedrohung abzubauen.

TIPP 1: Bringen Sie Ihren Körper in die Entspannung

  • Atmen Sie ganz bewusst tief und langsam ein und lassen den Atem dann langsam durch die Nase ausströmen.
  • Spannen Sie für einen kurzen Moment alle Muskeln Ihres Körpers an und lassen Sie dann wieder locker.
  • Nehmen Sie eine aufrechte, selbstbewusste Körperhaltung ein. So verhindern Sie, dass Sie sich gefühlsmäßig "klein fühlen".

TIPP 2: Korrigieren Sie Ihre Gedanken
Erinnern Sie sich daran: Was der andere sagt oder tut, ist nur seine persönliche Meinung. Diese hat nichts mit Ihnen zu tun. Wie er reagiert ist abhängig von seiner momentanen Stimmung, seinen persönlichen Problemen und seiner Lebensgeschichte.

  • Geben Sie Ihrem Gegenüber die Erlaubnis, sich "falsch" zu verhalten.
  • Prüfen Sie, ob er wirklich das meint, was Sie aus seinen Worten und seinem Verhalten "herausgehört" haben. Fragen Sie bei Ihrem Gegenüber genau nach.
  • Suchen Sie nach alternativen Gründen für sein Verhalten. Könnten hinter seinem Verhalten andere Motive stehen - außer, dass er Sie klein machen, kränken und verletzen will? Etwa Neid, Unzufriedenheit, sich nicht wichtig genommen fühlen?

TIPP 3: Stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl
Der beste Schutz gegen Kränkungen und seelische Verletzungen sind ein positives Selbstwertgefühl und ein gesundes Selbstvertrauen. Je stärker unser Selbstwertgefühl ist, umso weniger nehmen wir die Worte anderer persönlich, umso weniger fühlen wir uns verletzt, zurückgewiesen und gekränkt. Mit einem guten Selbstwertgefühl können Sie souverän so reagieren: Deine Worte mögen den guten Geschmack verletzen, nicht aber mich. Wenn Sie überzeugt sind, liebenswert zu sein, beziehen Sie Worte und Verhalten anderer nicht auf Ihre Person: Sie fühlen sich nicht angesprochen und damit auch nicht verletzt. Verwundbar sind Sie nur, wenn Sie gering von sich denken!

Leserfrage zum Thema Kränkung

Eine Leserin schreibt: "Seit 15 Jahren sind meine Freundin und ich ein Herz und eine Seele. Nun hat sie mich zu meinem 50. Geburtstag sehr verletzt. Ich habe eine große Feier veranstaltet und sie natürlich auch schriftlich dazu eingeladen. Sie blieb ohne Absage fern. Jeder hat mich nach ihr gefragt und die Situation war mir sehr peinlich. Wie kann sie mir nur so etwas antun? Soll ich ihr das verzeihen?"

Dr. Doris Wolf antwortet: "Ich kann verstehen, dass Sie sich verletzt und gekränkt fühlen. Sie hatten sich gewünscht, Ihren runden Festtag mit ihr zu feiern. Außerdem haben Ihre Freunde voll in die Wunde gestoßen, als diese Sie nach der Freundin fragten und Sie ihr Verhalten nicht erklären konnten. Wenn Ihre Freundschaft schon so lange besteht und aus Ihrer Sicht vor Ihrem Geburtstag auch noch gut funktioniert hat, dann wäre es gut, wenn sie beide sich aussprechen.

Für mich stellt sich die Frage, ob es bereits vor dem Geburtstag etwas gab, was zwischen ihnen beiden stand. Könnte Ihre Freundin ärgerlich, enttäuscht oder neidisch auf Sie sein?

Machen Sie den ersten Schritt und schlagen Sie einen Gesprächstermin vor. Betonen Sie, dass Sie um die Freundschaft kämpfen möchten. Lehnt die Freundin ein Treffen ab, dann können Sie immer noch in einem Brief über Ihre Enttäuschung und Ihr Nicht-Verstehen-Können schreiben. Versuchen Sie auch, Ihren Ärger auf sie abzubauen. Das Verhalten Ihrer Freundin spricht dafür, dass sie sich von Ihnen in irgendeiner Form bedroht und angegriffen gefühlt hat, und nicht, dass sie Sie angegriffen hat.

Sie hat sich selbst um ein schönes Fest gebracht. Verzeihen sollten Sie ihr auf jeden Fall, denn die Wut auf sie schadet nur Ihnen – nicht Ihrer Freundin. Das Verzeihen muss nicht dazu führen, dass Sie die Freundschaft zu ihr aufrechterhalten!"

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Mona schreibt am 12.06.2020

Hallo,mein Vater übt nun schon seit Jahren verbale Gewalt gegen mich aus. Ich weiß, dass ich nicht das bin was er mich heißt.Mein Problem liegt wo anders:Ich habe einen festen Freund der mich liebt und unterstützt. Er ist sehr verletzt, weil ich mich nicht von meinem Vater lossagen kann und dieser mich weiter verbal angeht.Was kann ich tun, um meinem Freund zu vermitteln, dass ich mich nicht gegen ihn (mein Freund) entscheide?Wie kann ich den Schmerz den er empfindet, wenn mir jemand Schmerzen zuführt, lindern?

KiKi schreibt am 09.06.2020

Guten Tag,ich habe Ihren Beitrag mehrfach gelesen. Eine bedeutende Dimension fehlt mir hierbei jedoch: das Bewusstsein dafür, dass in bestimmten Bereichen kränkbar zu sein nicht "weg-gedoktort" werden muss, sondern dass dies ein Wesensmerkmal des Menschlichen ist. Nämlich dann wenn ANDERE Menschen, oft Nahestehende, pathologische Zustände haben und in normalen, alltäglichen Begegnungen immer mal wieder ihr Gegenüber kränken "müssen". Was man als betroffene Verwandte/Freundin/Kollegin auf längere Sicht damit macht ist eine andere und weiterführende Sache. Aber dass es Menschen gibt, die andere immer mal wieder (aus eignen schwierigen Zuständen heraus) beabsichtigt kränken, ist eine wichtige Tatsche. Und in dem Fall liegt es nicht am Gegenüber und dieses wäre auch vollkommen falsch beraten, an sich herumpfuschen zu wollen. Es geht zuerst einmal um annehmende und einfühlsame Stütze und Begleitung der Menschen, die betroffen sind, einen "Kränker" in ihrem Umfeld zu haben. Einen Menschen in SEINER Störung benennen zu dürfen, welcher eine Charakterpathologie hat - und nicht die Betroffenen (Kollegen, Nachbarn, Verwandten) im Sinne einer "gleichmäßigen Umverteilung" in eine Mitschuld nehmen. Deren Trauer erkennen und mittragen, dass solch ein Mensch (der sicher selbst große Schwierigkeiten innerhalb der Persönlichkeit hat) unter ihnen lebt und sich immer mal wieder sehr verletzend verhält.

Xavier schreibt am 02.05.2020

Hallo Steward, nach vier sehr bewegten Jahren, besuchte ich gerade wieder einmal diese nützliche Seite und las diesen Artikel. Mich hat das Verhalten von Frauen als Mann auch mehrfach massiv gekränkt. Heute kann ich sagen, dass ich (bestimmte) Frauen nach wie vor sehr mag, sogar mehr als je zuvor. Aber vor allem habe ich nach einem sehr langen, harten Selbststudium und der Lektüre vieler Bücher und Gesprächen mit ehrlichen und reifen Männern und Frauen begriffen, dass es am Wichtigsten ist, gut zu sich selbst zu sein. Sich selbst freundlich zu behandeln wie eine Pflanze und die eigene, innere Heiterkeit zu entfalten. Ich bin älter als Sie und kann Ihnen nur dazu gratulieren, dass Sie jetzt mit 20 in dieser Krise stecken, auch wenn das jetzt hart klingen mag. Es ist aber gar nicht so gemeint. Denn je früher Sie für sich selbst da sind, desto besser wird Ihr Leben und desto schönere Begegnungen mit Frauen werden sie bald haben, mit Frauen, mit denen Sie das Glück auf diesem Planeten genießen werden. In gegenseitiger Achtsamkeit. Denn nur so funktioniert es und das Leben ist zu kurz, um sich selbst schlecht zu behandeln, andere schlecht zu behandeln oder schlechte Behandlung zu akzeptieren.Behandeln Sie sich gut. Entwicklen Sie etwas Eigenes.

Steward Klaus schreibt am 30.03.2020

Hallo, ich heiße Steward bin 20 Jahre alt. Vorletztes Jahr wurde ich von meiner Mutter im Stich gelassen alleine zurückgelassen in einer leeren Wohnung ohne Perspektive und ohne Plan. Ich wurde zuvor nie so verletzt. Aus der Situation kam ich dank Hilfe anderer raus und wohne nun alleine. Zudem kommt das ich mich 2 mal darauffolgend sehr sehr stark verliebt habe, was leider nur einseitig war und mich komplett runtergezogen hat. Vor ca 3 Monaten habe ich mich in eine Frau verliebt mit der ich zusammen gekommen bin, allerdings bröckelt die Beziehung schon am Anfang so sehr und ich werde von ihr echt wie dreck behandelt. Sie sagt sie liebt mich, ignoriert mich aber, schenkt mir keine Aufmerksamkeit und zeigt kein Interesse an meinem Leben. Ich bin am Boden zerstört weil ich echt nach und nach nur verletzt werde und einfach nicht weiter weiß. Ich würde mich freuen wenn sich das jemand durchliest und mir vielleicht etwas hinterlässt. Schöne Grüße

Biggi schreibt am 15.02.2020

Ich wurde 20 Jahre gekränkt. Daraus resultierte letztendlich ein Verlust des Selbstwertgefühls, der körperlichen Kraft und viele triggernde Situationen.
Auslöser war eine toxische Mitarbeiterin, die letztendlich nach meinen körperlichen Zusammenbruch versetzt wurde.
Die Genesung zieht sich schon 2 Jahre hin und geht mit einer Erwerbsminderung einher. Gibt es toxische Personen im Umfeld entweder öffentlich machen oder aber meiden oder den Kündigungsgrund mit dem Arbeitgeber verhandel und gehen. Das erhält das Selbstwertgefühl.

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