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Gelassen bleiben oder sich ärgern? Entscheiden Sie sich

Kapitel 10: Gefühle verstehen, Probleme bewältigen

© Autor: Dr. Rolf Merkle, Psychotherapeut

Wenn es Ihnen wie den meisten Menschen geht, dann vergeht kein Tag, ohne dass Sie sich über Ihre Mitmenschen oder sich selbst ärgern.

Halten Sie das jedoch für ein ernsthaftes Problem, gegen das Sie etwas unternehmen müssten? Vermutlich nicht.

In meiner 30-jährigen Tätigkeit als Psychotherapeut hat mich kein Klient aufgesucht, weil er sich häufig geärgert hat.

Ärger, Empörung und Wut sind Gefühle, bei denen man den Eindruck hat, man verspüre sie völlig zu Recht. Und deshalb scheint es uns auch völlig angemessen, Vergeltung und Rache üben zu wollen.

Denn schließlich kann man sich doch nicht alles gefallen oder sich zum Narren machen lassen, oder? Man muss den anderen doch zeigen, dass diese nicht so mit einem umspringen können, richtig? Man kann doch keine gute Miene zum bösen Spiel machen, oder?

Solange man sich nur gelegentlich ärgert, der Ärger nur Sekunden anhält und schnell wieder verraucht ist, besteht sicherlich kein Anlass, sich ernsthaft mit dem Thema Ärger zu beschäftigen.

Zum Problem werden Ärger und Wut nur, wenn wir diese Gefühle tagtäglich verspüren und/oder stunden-, tage- oder gar wochenlang mit uns herumtragen.

Dann vergiften sie unsere Seele, unseren Körper und unsere Beziehungen. Sie zerstören unsere Lebensfreude.

Die häufigsten Ursachen von Ärger und Wut

1. Wir fühlen uns persönlich angegriffen.

Denken Sie an das letzte Mal zurück, als Sie sich über einen anderen Menschen geärgert haben. Was für eine Situation war das, und was hat sich da abgespielt?

Wenn Sie bei sich ganz genau hinschauen, werden Sie feststellen, dass Sie sich durch die Worte oder das Verhalten des anderen verletzt, persönlich angegriffen oder respektlos behandelt fühlten.

Sie fühlten sich entweder nicht ernst oder wichtig genommen oder glaubten, der andere wolle Sie als dumm oder unfähig hinstellen.

Hinter dem Verhalten des anderen vermuteten Sie also eine feindselige, niederträchtige, gemeine und böse Absicht.

Es gingen Ihnen Gedanken durch den Kopf wie: Der denkt wohl, ich bin blöd. Für wie dumm hält die mich eigentlich. Ich lass mich doch nicht zum Hampelmann machen. Er hat kein Recht, so etwas zu sagen! Er hätte das nicht tun dürfen! So eine Unverschämtheit. Dem werd ich´s zeigen! Der denkt wohl, er kann mit mir machen, was er will!

Nur warum fühlen Sie sich persönlich angegriffen, gekränkt und nicht ernst genommen, wenn Sie jemand kritisiert, Ihnen die Vorfahrt nimmt, Ihnen die Parklücke vor der Nase wegschnappt, Sie im Geschäft nicht bedient, Sie warten lässt, wenn Ihr Partner den Hochzeitstag vergisst oder mehr Zeit mit seinem Hobby als mit Ihnen verbringt?

Offensichtlich hat der andere bei Ihnen einen Nerv, einen wunden Punkt getroffen. Welcher könnte das sein?

Wir alle haben das starke Bedürfnis, anerkannt und gemocht zu werden. Dieses Bedürfnis ist umso größer, je geringer unsere Selbstachtung und unser Selbstwertgefühl sind.

Je geringer unser Selbstwertgefühl ist, umso leichter fühlen wir uns angegriffen, bedroht und verletzt und umso schneller unterstellen wir anderen, diese behandeln uns mit Absicht respektlos und abfällig.

Wie gehen Sie mit sich um, wenn Sie etwas falsch gemacht haben? Haben Sie mit sich Nachsicht und verzeihen sich diesen Fehler? Oder ärgern Sie sich über sich selbst, machen sich Vorwürfe und lassen kein gutes Haar an sich?

Sehr wahrscheinlich nehmen Sie sich Ihre eigenen Fehler sehr übel. Ihre Fehler und Schwächen wollen Sie sich nicht zugestehen und ärgern sich deshalb häufig über sich selbst, dass Sie nicht so sind, wie Sie denken, sein zu müssen.

Sie halten sich selbst für dumm, blöd und all die anderen Dinge, die Sie aus den Worten des anderen heraushören.

Da Sie von sich selbst gering denken, sind Sie sehr hellhörig und vermuten hinter den Worten und dem Verhalten der anderen schnell einen Angriff auf Ihre Person.

2. Wir fordern, alles müsse so sein, wie wir es wollen.

Wir fordern, die anderen sollten gerecht sein, die anderen sollten sich nicht so dumm anstellen, die anderen sollten nicht so gedankenlos sein, wir sollten keine Nachteile haben, wir sollten bekommen, was wir wollen, die anderen sollten höflich und rücksichtsvoll sein, es sollte an unserem freien Tag, wenn wir raus in die Natur wollen, nicht regnen, usw.

Es sind keine Wünsche, die wir an die anderen oder das Leben haben, es sind Forderungen.

Würden wir uns nur wünschen, die anderen wären rücksichtsvoller und höflicher, würden wir uns nur wünschen, das Leben wäre gerechter und alles würde nach unseren Vorstellungen laufen, dann wären wir lediglich enttäuscht, wenn dem nicht so ist.

Die Tatsache, dass wir uns ärgern, wütend werden oder gar ausrasten, zeigt, dass wir knallharte Forderungen an die anderen und das Leben haben und wir darauf bestehen, dass diese erfüllt werden.

Jeder von uns hat da so seine eigenen Forderungen, die irgendwann in der Kindheit entstanden sind. Warum wir diese haben, braucht uns nicht zu interessieren, wenn wir gelassener werden wollen.

Wichtig ist nur, dass wir unsere Forderungen kennen und lernen, diese durch Wünsche zu ersetzen. Mehr darüber in den Tipps am Ende des Kapitels.

Ob wir auf die Palme klettern oder gelassen bleiben, das hängt von uns ab.

Wenn wir uns ärgern, dann weil der andere einen wunden Punkt von uns getroffen hat - hätten wir diesen nicht, würden wir uns nicht persönlich angegriffen und verletzt fühlen - oder weil wir Forderungen stellen, die andere nicht erfüllen wollen oder können.

D.h., nicht andere oder die Umstände machen uns ärgerlich und wütend. Und das ist gut so: Nur wenn wir uns selbst ärgerlich machen, wenn wir für unseren Ärger zuständig sind, können wir auch lernen, uns weniger oder nicht mehr zu ärgern.

Wir können unsere Mitmenschen und das Leben nicht ändern. Wir haben keine Kontrolle darüber, wie sich andere verhalten.

Wir haben nur die Kontrolle darüber, wie wir mit dem umgehen, was uns widerfährt. Sie erinnern sich an das ABC der Gefühle?

Wenn wir die Verantwortung für unseren Ärger übernehmen, dann befreien wir uns aus der Opferrolle und können lernen, anders mit den Menschen und den Umständen umzugehen.

Solange Sie daran festhalten, dass andere Sie ärgern und wütend machen können, solange machen Sie sich zum Opfer und müssen immer wieder in die Ärgerfalle tappen, die Sie selbst aufgestellt haben.

Soll man seinem Ärger Luft machen oder ihn runterschlucken?

Viele Jahre glaubte man, es sei gesünder, seinem Ärger Luft zu machen und sich abzureagieren, indem man z.B. laut vor sich hinschimpft, auf ein Kissen einschlägt oder seinen Ärger an anderen auslässt.

Es gibt jedoch in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Untersuchungen, die belegen, dass ein solcher Umgang mit Ärger diesen verstärkt und die Aggressionsbereitschaft steigert.

Ja, der amerikanische Herzspezialist W. Redford fand heraus, dass Menschen, die ihrem Ärger Luft machen, eine geringere Lebenserwartung haben als Menschen, die ihn für sich behalten.

Andererseits ist es auch nicht gesund, Ärger runterzuschlucken und in sich hineinzufressen. Ein solcher Umgang mit Ärger führt nicht nur dazu, dass wir schlechter Laune, gereizt, für andere unausstehlich sind und es auf Dauer zu körperlichen Beschwerden kommt.

Es besteht auch die Gefahr, dass wir irgendwann so viel Ärger und Wut in uns aufgestaut haben, dass wir einen Tobsuchtsanfall bekommen, explodieren und im Affekt Dinge tun und sagen, die wir hinterher bitter bereuen und die uns teuer zu stehen kommen.

Tipps für einen gesunden Umgang mit Ärger und Wut finden Sie am Ende dieses Kapitels. Hier zunächst noch zu den Bedenken, die Sie haben könnten.

Einwände und Fragen meiner Klienten

Soll man zu allem Ja und Amen sagen? Soll man alles gutheißen und hinnehmen, was andere tun und sagen?

Nein, das sollen Sie nicht. Ich sage nicht, dass Sie alles gut finden müssen, was andere Menschen tun. Ich sage lediglich: All Ihr Ärger ändert nichts am Verhalten Ihrer Mitmenschen.

Hat all Ihr Ärger in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass Ihre Mitmenschen sich geändert haben, dass die Welt gerechter geworden ist? Nein, im Gegenteil.

Wenn Sie ärgerlich und wütend auf das Verhalten eines anderen Menschen reagieren und Ihre Wut rauslassen, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass dieser ebenfalls ärgerlich wird.

Ihre Beziehungen zum Partner, zu den Arbeitskollegen und den Freunden leiden darunter und gehen schlimmstenfalls in die Brüche.

Wenn ich mich nicht aufrege, dann meinen die anderen doch, sie könnten mit mir machen, was sie wollen.

Das ist ein Irrtum. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Wenn Sie wütend sind, dann sagen Sie dem anderen quasi: Schau her. Eben hast du einen wunden Punkt von mir getroffen. Der andere weiß nun, wie er Sie manipulieren kann.

Kinder sind Meister im Aufspüren wunder Punkte. Wissen sie erst einmal, wo sie ihre Eltern treffen können, dann machen sie sich nicht selten ein Spiel daraus, gerade das zu tun, was ihre Eltern nicht mögen. Reagieren die Eltern dann wütend, triumphieren die Kinder. Sie haben ihr Ziel erreicht.

Starker Ärger ist ein Gefühl, das lähmt und verhindert, dass man einen kühlen Kopf bewahrt und vernünftige Entscheidungen trifft.

Sich nicht zu ärgern, bedeutet nicht, dass man das Verhalten des anderen billigt, gutheißt oder klein beigibt. Indem Sie dem anderen in einem ruhigen, aber bestimmten Ton sagen, dass Sie sein Verhalten nicht billigen, erreichen Sie mehr als durch unkontrollierten Ärger.

Wenn Sie sich ärgern und sich sagen »Dem werd ich´s zeigen.«, dann sind Sie auf dem Holzweg. Dem einzigen Menschen, dem Sie es zeigen, sind Sie selbst. Sie bereiten sich eine Menge unguter Gefühle und vergiften Ihren Körper mit Wut.

Ihre Bestrafung, die Sie dem anderen zugedacht haben, fügen Sie sich selbst zu. Ihr Magen beginnt zu rebellieren und Ihr Herz schlägt schneller. Sie sind im Nacken- und Schulterbereich angespannt, zittern, laufen rot vor Wut an, usw.

Wie sagte einst Buddha: An seinem Ärger festzuhalten, ist genauso wie eine glühende Kohle in die Hand zu nehmen, um sie nach jemandem zu werfen; du bist derjenige, der sich verbrennt.

>>> weiterlesen im Ratgeber Gefühle verstehen, Probleme bewältigen

Weitere Leseproben:

Einleitung

Kapitel 1
Selbstgespräche - der Schlüssel zu Ihren Gefühlen

Kapitel 4
Selbstachtung und Selbstvertrauen stärken

Gefühle Kapitel 9
Liebe und Partnerschaft

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In ihrer Gebrauchsanleitung für Gefühle zeigen die Psychologen Wolf und Merkle wie man seine Gefühle beeinflussen kann.

Ratgeber Gefühle - wie sie entstehen - wie man sie beeinflussen kann

105 positive Empfehlungen Ratgeber Gefühle Bewertungen

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Leserstimme Luciana schreibt am 8.11.2015

Ich habe nie gedacht, dass ein Buch mein Leben so positiv ändern könnte. Dank dieses Buches kann ich heute mein Leben positiv und glücklich gestalten.

Das wichtigste für mich ist zu wissen, dass ich selber meine negativen Gefühle losbekommen kann. Diese ist die Botschaft, die mein Leben geändert hat.

Expertenempfehlung

Born

Dr. med. Kai Born
Facharzt für Psychosomatische Medizin, Wiesbaden

Ich empfehle die Ratgeber aus dem PAL Verlag, weil sie lebenspraktisch und inhaltlich auf den Punkt gebracht sind.

Leserstimme Leserstimme

Einfach genial ...,
"Mach mehr aus deinem Leben ..." mit dieser Einstellung habe ich mir dieses Buch gekauft und ich kann nur sagen, es ist super-mega-oberklasse!

Seit ich es das erste mal in die Hand genommen habe, lege ich es nicht mehr weg. Sofort habe ich mir auch all die anderen Bücher des Autors R. Merkle gekauft. Auch diese sind weltklasse.

Ich bin einfach nur begeistert und kann allen raten, in diese Bücher reinzuschnuppern, auch wenn man der Meinung ist, recht gut im Leben zurecht zu kommen (dies war auch meine Einstellung).

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