Selbstbewusstsein stärken

Selbstbewusstsein kann man lernen und trainieren. In diesem ABC-Beitrag erfährst du, wie sich Selbstbewusstsein äußert und welche Voraussetzungen es für mehr Selbstbewusstsein braucht.

Selbstbewusstsein stärken

Was bedeutet es, Selbstbewusstsein zu haben? Woran erkennt man selbstsicheres Auftreten? Hat es Vorteile, nicht selbstbewusst zu sein? Wie kann man ein geringes oder fehlendes Selbstbewusstsein stärken und entwickeln? Antworten auf diese Fragen erhältst du in diesem Beitrag.

Definition: Wie äußert sich Selbstbewusstsein?

Selbstbewusstsein zu haben bedeutet, für sich, seine Rechte, seine Bedürfnisse und Wünsche zu kämpfen und die Rechte anderer zu respektieren.

Selbstsicheres Auftreten hat nichts damit zu tun, andere auszunutzen oder so zu manipulieren, dass sie nach unserer Pfeife tanzen. Es geht darum, sich frei nach den eigenen Wünschen entfalten zu können und die einem zustehenden Rechte in Anspruch nehmen zu können, ohne anderen Menschen dasselbe Recht zu verwehren!

Wenn wir selbstsicher sind, haben wir die Wahl, ob wir uns durchsetzen oder nachgeben. Selbstsicher zu sein bedeutet also, entscheiden zu können, wie wir uns verhalten wollen. Wenn wir uns dafür entscheiden, nachzugeben, dann nicht, weil wir Hemmungen oder Ängste haben, sondern weil wir es so wollen. Wenn wir uns dafür entscheiden, selbstsicher aufzutreten oder uns durchzusetzen, dann tun wir das ohne schlechtes Gewissen. 

Selbstsicher zu sein bedeutet, in Kontrolle zu sein und selbstbestimmt zu leben. Selbstunsicher zu sein bedeutet, Opfer zu sein und fremdbestimmt zu leben.

Ursachen: Warum ist man schüchtern und gehemmt?

Schüchternheit und mangelndes Selbstbewusstsein sind die Folgen zweier sehr weit verbreiteter Ängste, die aufgrund von Erfahrungen in der Kindheit entstehen können:

  1. der Angst vor Ablehnung
  2. der Angst zu versagen

Durch diese beiden Ängste verhalten wir uns schüchtern und lassen uns davon abhalten, selbstsicher und selbstbewusst aufzutreten. Denn selbstbewusstes Auftreten ist immer mit einem Risiko verbunden, nämlich mit dem Risiko, von anderen abgelehnt zu werden. Würden uns die Angst vor Ablehnung und die Angst zu versagen nicht einschränken, dann hätten wir auch weniger Hemmungen.

Wir könnten dann selbstbewusst denken, handeln und auftreten. Wir könnten Nein sagen, wenn es für uns wichtig wäre und wir könnten selbstsicher unsere Meinung vertreten, ohne Angst haben zu müssen, von anderen dafür belächelt oder kritisiert zu werden.

Merkmale: Woran erkennt man ein selbstbewusstes Auftreten?

Wer selbstbewusst ist, kann:

  • Forderungen stellen,
  • Wünsche äußern und sich durchsetzen,
  • Nein sagen,
  • Komplimente annehmen,
  • mit Kritik umgehen,
  • sich und anderen Fehler und Schwächen erlauben,
  • Kontakte knüpfen und auf andere zugehen und
  • die eigene Meinung sagen, ohne Angst haben zu müssen, dafür von anderen kritisiert oder abgelehnt zu werden.

Woher kommt die Angst vor Ablehnung?

Angst vor Ablehnung entwickeln wir meistens in unserer Kindheit. Durch Androhung von Liebesentzug und Strafen haben wir gelernt, dass Ungehorsam und Selbstbewusstsein bestraft werden. Nur wenn wir angepasst, brav und lieb waren, wenn wir keinen Ärger machten, nett waren und taten, was die Eltern von uns erwarteten, bekamen wir Zuwendung und wurden geliebt. Auch als Erwachsene steckt die Angst, bei anderen in Ungnade zu fallen, immer noch tief in uns.

Gedankenexperiment: Hat es Vorteile, nicht selbstbewusst zu sein?

Im Allgemeinen halten wir Hemmungen und Selbstunsicherheiten für nachteilig. Unsicher zu sein und sich nicht durchsetzen zu können, hat aber auch Vorteile. Diese Vorteile können so groß sein, dass man lieber schüchtern und unsicher bleibt, als sich zu ändern.

Schau dir die folgende Liste an und prüfe, ob du dir auch den einen oder anderen Vorteil deiner Unsicherheit zunutze machst.

1. Vorteil: Du hast einen Sündenbock, wenn du aus Angst vor Ablehnung nachgibst 

Die anderen bzw. deine Hemmungen sind Schuld daran, dass du vom Leben benachteiligt wirst. Dadurch bist du scheinbar der Verantwortung enthoben, etwas gegen deine Unsicherheit tun zu müssen, was mit Risiken verbunden wäre und was bedeuten würde, dass du die Verantwortung für deine Probleme übernehmen müsstest.

2. Vorteil: Du kannst dich an andere (stärkere) Menschen anlehnen 

Dadurch bist du zwar von anderen abhängig, ihnen ausgeliefert und lebst wahrscheinlich in ständiger Angst, von anderen verlassen zu werden und hilflos und alleine dazustehen, aber du musst nicht das Risiko eingehen, Verantwortung für dein eigenes Leben übernehmen zu müssen. 

3. Vorteil: Wenn du andere Menschen über dich bestimmen lässt, mögen diese dich

Dafür musst du zwar auf deine Wünsche und Bedürfnisse verzichten und sie hinten anstellen, aber du wirst wenigstens für einen netten, zurückhaltenden, stillen, anspruchslosen und bescheidenen Menschen gehalten. 

4. Vorteil: Du kannst dich wie eine Märtyrerin oder ein Märtyrer fühlen

Du kannst dich selbst bemitleiden und wirst (vielleicht) von anderen bemitleidet, denen du dein Leid klagen kannst.

5. Vorteil:Du kannst andere kontrollieren

Indem du andere Personen regelmäßig daran erinnerst, was du alles für sie geopfert hast und was sie dir schulden, kannst du diese manipulieren und bekommst sogar manchmal, was du möchtest.

6. Vorteil:Du gehst Konflikten aus dem Weg

Wenn du Konflikten aus dem Weg gehst, wirst du das Gefühl, zu kurz zu kommen und ausgenutzt zu werden, erst einmal runterspielen und dadurch kaum noch wahrnehmen. Du solltest aber aufpassen, denn irgendwann wird all der Ärger und der Frust aus dir herausbrechen. Dann explodierst du und jeder um dich herum fragt sich verständnislos, was denn in dich gefahren ist.

7. Vorteil:Du vermeidest Schuldgefühle 

Wenn du dich durchsetzen würdest, könnten andere dir vorwerfen, egoistisch zu sein und dich vielleicht sogar nicht mehr mögen. Indem du auf deine eigenen Wünsche und Bedürfnisse verzichtest, kannst du diesen Schuldgefühlen aus dem Weg gehen. 

Diese vermeintlichen Vorteile haben fast alle einen entscheidenden Nachteil. Sie erzeugen die gefährliche Illusion, dass es besser ist, sich nicht zu ändern und alles beim Alten zu lassen. Diese Illusion ist deshalb gefährlich, da die vermeintlichen Vorteile keine Entschädigung für die entgangene Zufriedenheit sind. Wenn wir um des lieben Friedens willen nachgeben und uns immer hinten anstellen, dann zahlen wir einen sehr hohen Preis.

Wie werde ich selbstbewusster?

Mangelndes Selbstbewusstsein können wir stärken, wenn wir die Angst vor Ablehnung und Versagen besiegen. Hierfür müssen wir an unserem Selbstvertrauen und vor allem an unserem Selbstwertgefühl ansetzen, den beiden wichtigsten Säulen für ein gesundes und starkes Selbstbewusstsein. Wer etwas auf sich hält, lässt sich nämlich nicht herumkommandieren oder zum Opfer von Manipulationen machen.

Wer sich ihrer oder seiner sicher ist, der hat keine Angst, für selbstbewusstes Auftreten von anderen abgelehnt oder verurteilt zu werden. Dadurch fällt es leichter, selbstsicherer aufzutreten.

Gesundes Selbstbewusstsein setzt eine gesunde Selbstachtung voraus

Stärke also zuerst deine Selbstachtung. Denn: Wer gering von sich denkt und sich als nicht wertvoll ansieht, wird es schwer haben, für die eigenen Rechte einzutreten und respektvoll behandelt zu werden.

Eine gesunde Selbstachtung ist die Basis für ein starkes und gesundes Selbstbewusstsein.

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