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Schüchternheit

Haben Sie Angst, im Mittelpunkt zu stehen? Lähmt Sie der Gedanke, was andere von Ihnen denken könnten?

Haben Sie Schwierigkeiten, Ihre Meinung zu äußern oder auf Ihr Recht zu pochen?

Werden Sie bei Komplimenten rot? Bekommen Sie bereits bei einer harmlosen Bitte um eine Gefälligkeit einen Schweißausbruch?

Fühlen Sie sich bei Veranstaltungen und in Gegenwart fremder Menschen unsicher?

Dann leiden Sie vermutlich unter Schüchternheit. Ein weiterer Begriff, der in diesem Zusammenhang oft fällt, ist soziale Angst - soziale Phobie.

Der Unterschied zwischen Schüchternheit und sozialer Phobie ist eher quantitativ.

Menschen, die unter einer sozialen Phobie leiden, sind noch stärker in ihrem Leben eingeschränkt als schüchterne Menschen.

Sie haben Schwierigkeiten, ihren Alltag zu bewältigen und leiden noch stärker unter ihren körperlichen Beschwerden, als dies schüchterne Menschen tun.

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Wie äußert sich Schüchternheit?

Schüchternheit zeigt sich in vier Bereichen:

In den Gedanken
Betroffene quälen sich mit der Sorge, dass andere schlecht über sie denken könnten. Sie fordern von sich Fehlerlosigkeit, sprich Perfektion.

Sie beschäftigen sich stark mit sich selbst, anstatt ihre Aufmerksamkeit dem momentanen Geschehen zu widmen. 

Sie haben eine schlechte Meinung von sich und glauben, sich mit ihrem Verhalten und ihrer Person lächerlich zu machen und haben deshalb Angst, abgelehnt zu werden.

In den Gefühlen
Betroffene verspüren Unsicherheit, Hemmungen und Angst.

In körperlichen Reaktionen
Da schüchterne Menschen ihre Mitmenschen als eine Bedrohung ansehen, reagiert ihr Körper mit Stressreaktionen:

Im Verhalten
Betroffene meiden Situationen, in denen sie befürchten, sich lächerlich machen zu können.

Sie verzichten auf Forderungen, halten mit ihrer Meinung hinter dem Berg, erzählen nichts von sich, verbergen ihre Gefühle, nehmen keinen Kontakt auf oder ziehen sich generell zurück.

Sie versuchen auch manchmal, ihre Unsicherheit hinter einer coolen Fassade zu verstecken und wirken dadurch arrogant und überheblich.

Wo liegen die Ursachen für Schüchternheit?

Der Erziehungsstil der Eltern und die Erfahrung mit Gleichaltrigen spielen eine große Rolle. Diese Lernerfahrungen speichern Betroffene in Form von negativen Einstellungen und Bildern.

Katastrophenerwartungen („Der andere wird mich ablehnen, das kann ich nicht ertragen“) und eine negatives Selbstbild („Ich bin nicht in Ordnung; mit mir stimmt etwas nicht") erzeugen Angst.

Als Folge der körperlichen Reaktionen beginnen Betroffene dann, soziale Situationen zu vermeiden.

Die Betroffenen geraten in einen Kreislauf: ein negatives Selbstbild und negative Erfahrungen führen zu Angst vor der Angst und zu Vermeidung.

Die Vermeidung stärkt das negative Selbstbild und verhindert, dass soziale Fähigkeiten erlernt und trainiert werden.

Kann man Schüchternheit überwinden?

Aus einem schüchternen Menschen wird nur selten ein arenafüllender Alleinunterhalter werden.

Doch können Schüchterne ihre sozialen Fähigkeiten erweitern und verbessern.

Sie können ihr Selbstvertrauen stärken und lernen, sich ungezwungerer in Gegenwart anderer zu fühlen, ihre Meinung zu äußern und ihre Rechte einzufordern.

6 Schritte aus der Schüchternheit

1. Überprüfen Sie Ihre Bewertungen
Denken Sie Ihre  Katastrophenerwartung bis zum Ende weiter: Was könnte schlimmstenfalls passieren? Bin ich wirklich in Lebensgefahr? Was könnte ich verlieren, wenn ich nicht in die Situation gehe, was könnten ich gewinnen? Kurzfristig und langfristig?

2. Stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl
In dem Maße, in dem Sie sich akzeptieren lernen, in dem Maße sind Sie auch weniger schüchtern.

Sie benötigen die Überzeugung, dass Sie anderen etwas anbieten können und ein liebenswerter Mensch sind.

3. Nutzen Sie Ihre Vorstellungskraft
Malen Sie sich möglichst lebendig aus, wie Sie ruhig auf andere zugehen und ein Gespräch beginnen.

Je besser Sie sich in der Rolle eines gelassenen und selbstbewussten Menschen sehen können, der auf andere selbstsicher zugeht, um so einfacher gelingt es Ihnen, selbstbewusst aufzutreten.

4. Achten Sie auf eine offene, entspannte Körpersprache
Nehmen Sie Blickkontakt auf und halten Sie diesen. Lächeln Sie immer einmal wieder freundlich.

So signalisieren Sie anderen, dass Sie Kontakt wünschen.

Sie selbst fühlen sich in der veränderten Körpersprache sicherer und wohler.

5.  Werden Sie aktiv und beginnen Sie mit kleinen Schritten
Stellen Sie sich kleine Aufgaben, die Sie dann auch ausführen. Nur durch Übung können Sie lernen, selbstbewusster aufzutreten.

6. Erlauben Sie sich, unsicher und schüchtern zu sein
Je mehr Sie sich schämen, schüchtern und verklemmt zu sein, je mehr Sie sich für Ihre Schüchternheit verurteilen, umso schüchterner und verkrampfter sind Sie.

Deshalb: lernen Sie, sich mit Ihrer Schüchternheit anzunehmen. Schüchtern zu sein ist keine Schande und nichts, wofür man sich verurteilen müsste.

Mit persönlichen Schwächen umgehen lernen.

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Autor des Beitrags:

Psychotherapeut
Dr. Rolf Merkle

Rolf Merkle

Dr. Rolf Merkle ist Experte für:

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