Scham – was hat es damit auf sich? Warum empfinden wir Schamgefühle? Was ist Fremdschämen und wie lassen sich Schamgefühle überwinden? In diesem ABC-Beitrag erhältst du wissenswerte und hilfreiche Informationen.
Hast du als Kind auch von deinen Eltern öfters "Schäm dich!" gehört, wenn du dich daneben benommen hast? Damit bist du nicht allein. Das Problem dabei ist, dass dir das wahrscheinlich – wie den meisten Menschen – bis heute im Gedächtnis geblieben ist und dein Denken, Empfinden und Verhalten auch im Erwachsenenleben beeinflusst.
Schamgefühle entstehen, wenn wir etwas tun oder tun wollen, das wir als Schwäche, einen Fehler oder Makel bewerten und dies als peinlich und anstößig empfinden. Wir haben Angst abgelehnt oder verurteilt zu werden. Was wir aber als peinlich bewerten, hängt von unserer ganz persönlichen Sichtweise ab.
Kommen Schamgefühle über uns, dann steigt uns die sprichwörtliche Schamröte ins Gesicht, wir senken den Blick und würden am liebsten im Boden versinken oder unsichtbar werden. Oder wir fühlen uns bloßgestellt und schämen uns schlimmstensfalls sogar fürs Schämen selbst und seine Anzeichen, weil wir denken, es würde uns als Schwäche ausgelegt werden.
Tatsächlich gibt kaum etwas, für das wir uns nicht schämen können. Wir können uns auch schämen, dass wir
Und natürlich können wir uns auch für unsere Herkunft oder ethnische Zugehörigkeit schämen – übrigens unabhängig davon, ob wir reich oder arm, ansässig oder migriert sind. Ja, wir können uns sogar für andere schämen, wenn sie etwas tun, das wir für peinlich und beschämend halten. Im Sprachgebrauch wird das Fremdschämen genannt.
Wichtig zu wissen: Die Bewertung, wofür wir uns schämen, lernen wir zwar als Kinder und Jugendliche von außen – in der Erziehung, durch Erwachsene oder in der Bezugsgruppe –, aber später im Erwachsenenleben geht diese vor allem von uns selbst aus. Nicht selten gibt es eine große Kluft zwischen unserer Selbsteinschätzung und dem, was andere über uns denken. Die gute Nachricht ist: Deshalb haben wir es auch selbst in der Hand, die eigene Scham zu überwinden.
Besonders in Bezug auf ihr sexuelles Verhalten und ihre Nacktheit haben viele Menschen große Schamgefühle. So schämen sich manche Menschen, wenn sie sich selbst befriedigen oder dabei ertappt werden, wenn andere sie nackt sehen oder bei etwas erwischt werden, das sie für anstößig halten.
Schamgefühle können auch verhindern, dass wir uns in Gegenwart der Partnerin oder des Partners selbst befriedigen oder bei offener Klotür urinieren. Manche Menschen schämen sich für ihr Aussehen und haben deshalb Probleme, sich auch vor dem Menschen, den sie lieben und begehren, nackt zu zeigen. Nicht selten erwächst daraus auch eine Angst, Nähe zuzulassen. Und das wiederum kann auf Dauer die Beziehung gefährden.
Doch auch hier entsteht die Scham aus einem falschen Selbstbild, das keine Fehler zulässt. Dabei ist gerade eine Partnerschaft der beste Ort, einen Umgang mit der Scham zu finden und sich von ihr zu befreien, wenn sie einschränkend ist. Denn in einer erfüllten Zweierbeziehung akzeptieren beide die Grenzen und Schamgefühle der oder des anderen. Sie machen sich nicht lustig über ihr Gegenüber und fordern auch nicht, dass es sich ändern muss. Und so wächst die Bereitschaft, die eigene Schamgrenze zu überspringen – aus Liebe und Verlangen und nicht infolge von Druck.
Der Trick ist, die eigene Schamgrenzen Stück für Stück zu verschieben. So lernst du, dich nicht mehr für alles zu schämen und erlebst stattdessen eine ungeahnte Freiheit im Denken und Verhalten. Das gelingt dir, indem du beschließt, von nun an eine bestimmte Handlung, ein Körperteil, ein Verhalten von dir, das du bislang als peinlich und beschämend angesehen hast, für eine kurze Zeitspanne als einen Teil von dir akzeptierst, der dich in deinem ganzen Sein ausmacht.
Beginne mit fünf Minuten, in denen du bewusst den Blick auf dich änderst. Du kannst dir helfen, indem du dir selbstbewusste Menschen zum Vorbild nimmst, die mit einem ähnlichen Makel, für den du dich schämen würdest, auf positive Art und Weise umgehen. Reflektiere nach den fünf Minuten, was sich in dir geändert hat. Nichts? Na, dann kannst du es ja etwas länger ausprobieren. So begegnest du deinen Schamgrenzen auf spielerische Art und Weise und auch das nimmt dir enorm Druck und deiner Scham die Kraft.
Selbstmitgefühl zu haben bedeutet, Verständnis für sich und seine Fehler aufzubringen und sich Missgeschicke und Schwächen zu verzeihen. Statt dich dafür zu verurteilen, dass du dich schämst, rede dir selbst gut zu und sag dir einfach immer wieder den Satz:
"Kein Grund, mich dafür zu schämen. Ich bin nicht perfekt. Ich habe Fehler und Schwächen wie jeder Mensch. Ich bin selbst dann okay, auch wenn ich mich daneben benommen oder versagt habe."
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