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Konflikte - Ihre Ursachen & Auswirkungen

Tauziehen Symbol Konflikte

Konflikte gehören zum Alltag. Gleichgültig wie wir uns verhalten, werden wir immer wieder in Konflikte geraten, sei es in der Familie, bei der Arbeit, in Organisationen, in der Politik. Bild © BillionPhotos.com - Fotolia

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Konfliktarten

I. Äußere Konflikte

Äußere Konflikte entstehen, wenn Menschen unterschiedlicher Meinung sind und zumindest einer der Beteiligten darunter leidet.

II. Innere Konflikte

Wie der Begriff sagt, spielt sich der Konflikt im Innern einer Person ab. Diese ist hin- und hergerissen. Sie muss eine Entscheidung treffen,

a) für etwas Positives, was aber auch negative Konsequenzen hat. (Bsp. Karriere verbunden mit Wochenendbeziehung)

b) für eine von zwei negativen Alternativen (Bsp. Kündigung/ Ungewissheit oder in der Firma bleiben, aber schlechtes Arbeitsklima).

c) für eine von zwei gleichstarken positiven Alternativen (Qual der Wahl).

Innere Konflikte spielen sich häufig nur in der Phantasie ab.

Wir malen uns beispielsweise aus, wie schlimm etwas in der Zukunft sein wird, dass eine Katastrophe auf uns zukommen würde, wenn wir der Kollegin die Meinung sagen, und handeln nicht.

Strategien der Konfliktbewältigung

Von klein auf begleiten uns Konflikte. Früher ging es nur darum, wer mit welchem Spielzeug spielen darf, wann wir ins Bett müssen, und dass die Mutter uns kein Eis kauft, obwohl wir es so sehr begehren.

Als Erwachsene geht es um die Aufteilung der Alltagspflichten in der Partnerschaft, berufliches Vorankommen, Erbstreitigkeiten mit den Geschwistern, etc.

Bereits als Kinder mussten wir uns etwas einfallen lassen, um Konflikte zu lösen.

Drei Grundmodelle der Konfliktlösung

Menschen, die sich in einem Konflikt befinden, reagieren entweder

1. Kampf und aggressives Verhalten

Menschen, die in Konfliktsituationen aggressiv reagieren, bedrohen andere körperlich, machen sie schlecht, beschimpfen sie, machen Vorwürfe und spitze Bemerkungen, tyrannisieren andere und kommandieren sie herum, machen sie lächerlich, rebellieren und trotzen, rächen sich.

Auch indirekt aggressives Verhalten gehört in diese Kategorie: In Konfliktsituationen wird hinter dem Rücken getratscht, intrigiert, gelogen, werden Bündnisse gegen andere geschlossen, wird arrogant, zynisch und abweisend reagiert.

Dazu gehörige Gefühle und Körperreaktionen sind: Wut, Hass, Zorn, Ärger, Feindseligkeit, Anspannung, laute heftige Stimme, ausladende Körperbewegungen, schneidende, kalte Blicke.

Dazu gehörige Einstellungen: „Dem werde ich es zeigen.“ „Mit mir kann man so nicht umgehen!“ „Ich habe Recht, das muss der andere doch einsehen!“ „Er hat etwas gegen mich, das wird er büßen.“

Folgen dieses Verhaltens

Kurzfristig kann dieses Verhalten zum Erfolg führen, denn die eigenen Interessen können durchgesetzt werden.

Langfristig führt dieses Verhalten meist zu einer emotionalen Ablehnung durch andere und Isolation, wenn keine Klärung erfolgt.

Konflikte sollte man nicht vermeiden,
sondern lösen.Helmut Glaßl

2. Flucht und Vermeidung

Menschen, die in Konfliktsituationen mit Flucht und Vermeidung reagieren, ziehen sich zurück, drücken eigene Ansichten nicht aus und nehmen eigene Rechte nicht wahr.

Sie buhlen um die Gunst anderer, schmeicheln sich ein, schieben Klärungen hinaus.

Sie lassen sich verleugnen und flüchten sich zu Alkohol, Tabletten und übermäßigem Essen, reagieren mit psychosomatischen Erkrankungen.

Dazu gehörige Gefühle und Körperreaktionen sind: Depressionen, Angst, Unsicherheit; die Stimme wird leise oder es verschlägt die Stimme.

Die Betreffenden werden „kopflos“, machen sich „klein“, die Körperhaltung wird gebeugt, Blickkontakt wird vermieden.

Dazu gehörige Einstellungen: „Sich zu wehren, ist gefährlich, führt zu Ablehnung.“ „Ich habe es nicht nötig, mich wegen solcher Kleinigkeiten zu streiten.“ „Meine Bedürfnisse sind unwichtig, andere sind wichtiger.“ „Ich muss dafür sorgen, dass andere sich gut fühlen.“ „Bevor ich etwas falsch mache, mache ich lieber garnichts“.

Folgen dieses Verhaltens: Kurzfristig kann die Angst vor der Reaktion des anderen abgebaut werden, langfristig bleiben die Probleme jedoch ungeklärt. Dies führt zu Depressionen.

Konfliktlösungsstrategien können nicht erlernt werden. Die Betreffenden werden von anderen ausgenutzt.

Es besteht wenig Offenheit und Nähe, sodass dies von anderen auch als Anlass genommen werden kann, die Betreffenden abzulehnen.

3. Selbstsicheres Verhalten

Menschen, die in Konfliktsituationen selbstsicher reagieren, wissen um ihre eigenen Meinungen und Erwartungen und entscheiden situationsbezogen, ob sie diese äußern oder nicht. 

Sie zeigen ihre Gefühle, wenn es der Situation angemessen ist.

Sie interessieren sich für die Meinung anderer und berücksichtigen diese. Sie akzeptieren ihr Gegenüber als Person.

Dazu gehörige Gefühle und Körperreaktionen: Ruhe und leichte Anspannung, Konzentration.

Dazu gehörige Einstellungen: „Ich habe ein Recht darauf, meine Meinungen und Wünsche zu äußeren, andere auch. Ich kann es ertragen, wenn andere nicht mit mir übereinstimmen.“

Folgen dieses Verhaltens: Der Betreffende hat den Eindruck, Kontrolle zu haben. Sein Gegenüber fühlt sich ernst genommen. Probleme werden angesprochen und haben die Chance, geklärt zu werden.

Grundsätzlich ist es erstrebenswert, die Wahl zwischen den drei Konfliktlösungsmodellen zu haben.

Selbstsicheres Verhalten schließt auch die Entscheidung für Kampf oder Flucht ein - dann wenn es der Situation angemessen ist. 

Manchmal kann es notwendig sein, ein Konfliktgespräch abzubrechen - dann wenn es unsachlich wird oder in Gewalt zu eskalieren droht.

Viele Menschen beherrschen nur die beiden ersten Modelle. Sie schlucken beispielsweise lange und platzen dann sehr heftig mit Vorwürfen heraus.

Oder aber sie werden sehr aggressiv und ziehen sich dann trotzig zurück.

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Schwierigkeiten bei der Konfliktlösung: ihre Ursachen

Schwierigkeiten im Umgang mit Konflikten entstehen:

1. wenn Sie nicht gelernt haben, wie Sie Konflikte adäquat lösen können.

Eltern, wichtige andere Bezugspersonen waren Modelle für Sie, wie man mit Konflikten umgeht.

Sie haben Sie belohnt, getadelt oder mit Missachtung bestraft, je nachdem ob Sie sich in deren Sinne verhielten.

Manche Eltern ermuntern Kinder, sich nicht alles gefallen zu lassen, andere geben die Botschaft mit auf den Weg: „Du ziehst eh immer den kürzeren“ oder „Wichtig ist, dass du brav bist und dich nicht wehrst“ oder „Das Wichtigste ist, was andere von dir denken“.

2. wenn Sie ineffektive Strategien erlernt haben, um Konflikte zu lösen.

Zum Beispiel aggressives Verhalten oder Flucht, die langfristig zu Isolation oder auch Depression führen oder zu viel Kraft kosten.

3. wenn Ihr Selbstwertgefühl gering ist und Sie Konflikte aus Angst vor Ablehnung scheuen.

Wer ist Konfliktträger, wer Konfliktauslöser?

2 haben einen Konflikt

Bevor wir an die Lösung eines Konflikts gehen, ist es sinnvoll, sich zu fragen, ob man die Position des Konfliktträgers oder des Konfliktauslösers innehat.

Je nach Position müssen wir uns unterschiedlich auf das Konfliktgespräch vorbereiten.

Als Konfliktträger wird die Person bezeichnet, die unter dem Konflikt leidet.

Der Konfliktauslöser bietet dagegen den Anlass für den Konflikt. An ihm entzündet sich das Problem.

Manchmal kann es jedoch ganz schön schwierig sein, zwischen diesen beiden Positionen zu unterscheiden, bzw. beide Beteiligten sehen sich als Konfliktträger und dien Schuld für den Konflikt beim jeweils anderen.

Wenn Sie der Konfliktträger sind:

Dann sollten Sie Ihre Zeit nicht damit verbringen, sich in Wut und Anspannung zu bringen, durch Gedanken wie: „Wie kann sie nur so mit mir umgehen. Das ist unfair, ungerecht, rücksichtslos ...“

Wut erschwert Ihnen ein ruhiges Gespräch. Beschäftigen Sie sich stattdessen damit

Wenn Sie Konfliktauslöser sind

Dann stehen Sie wahrscheinlich zunächst einmal nicht unter Leidensdruck.

In diesem Fall ist es dennoch Ihre Aufgabe, Ihren Teil zur positiven Konfliktlösung beizutragen, indem Sie überlegen,

Unterscheidung zwischen einem Konflikt auf der Sach- oder Beziehungsebene

Eine weitere wichtige Frage, die wir uns stellen müssen, ist: Handelt es sich um einen Konflikt auf der Sach- oder Beziehungsebene?

Wenn Ihr Gegenüber ein persönliches Problem mit Ihnen hat, dann kommen Sie mit sachlichen Argumenten nicht weiter und vergeuden Ihre Energie.

Bei Sachkonflikten geht es um inhaltliche Fragen und einen Austausch von sachlichen Argumenten.

Bei Beziehungskonflikten geht es darum, mit Hilfe der Sache Gefühle auszuleben, einem anderen Menschen etwas Gutes oder Schlechtes zukommen zu lassen.

Die Sache wird beispielsweise benutzt, um Antipathie auszudrücken oder sich selbst darzustellen.

Auslöser für Konflikte auf Beziehungsebene sind: Sachliche Kritik kommt als Verletzung an; mangelnde Anerkennung wird als Enttäuschung erlebt; unterschiedliche Wert- und Normsysteme prallen aufeinander.

Um die beiden Konfliktarten voneinander zu unterscheiden, ist folgendes Vorgehen hilfreich:

Stellen Sie sich vor, Sie hätten das gleiche Problem mit einer guten Freundin oder einem Menschen, dem Sie neutral gegenüberstehen.

Wie würde Ihre Konfliktklärung ablaufen? Welche Worte würden Sie wählen, welche Körperhaltung würden Sie einnehmen? Wie würde Ihre Stimme klingen?

Wenn das Gespräch mit Ihrem Konfliktpartner vollkommen anders verläuft als das mit Ihrer Freundin, ist zumindest auch Ihre Beziehung getrübt.

Mögliche Anzeichen dafür, dass die Beziehung gestört ist: Ihr Gegenüber

Wenn Ihr Gegenüber mehrere dieser Merkmale aufzeigt, dann gibt es wahrscheinlich ein Problem in ihrer zwischenmenschlichen Beziehung auf der Gefühlsebene.

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Was tun, wenn die Beziehung getrübt ist?

Dann sollten Sie das Gespräch auf jeden Fall zuerst auf die Klärung der Beziehung lenken.

Sie kommen auf der sachlichen Ebene nicht weiter, wenn starke Gefühle dazwischenstehen.

Unterbrechen Sie die Diskussion und teilen Sie mit, welchen Eindruck Sie von dem Gespräch haben und wie Sie Ihr Gegenüber und den Kontakt zu ihm erleben.

Beispielsweise: „Ich habe den Eindruck, wir reden aneinander vorbei“. „Ich habe den Eindruck, wir haben ein Problem miteinander, worüber ich gerne mit Ihnen reden möchte.“

Äußern Sie Ihren Eindruck und Ihre Wünsche und Gefühle in der Ich-Form.

Danach bitten Sie Ihr Gegenüber seinen Eindruck, seine Gefühle und seine Erwartungen zu formulieren.

Für Sie ist es wichtig, ihm zuzuhören und ihn zu verstehen.

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Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.

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Claudia Frey, Heidelberg
Diplom Psychologin

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