Hilflosigkeit

Hilflosigkeit macht uns handlungsunfähig und ohnmächtig. Sie kann erlernt und subjektiv oder objektiv und real begründet sein – je nachdem, ob wir denken, wenig Einflussmöglichkeiten zu haben, oder tatsächlich in einer ausweglosen Situation stecken.

Hilflosigkeit

Das Gefühl der Hilflosigkeit ist eines der schädlichsten Gefühle, die wir haben können. Aus Hilflosigkeit können Depressionen und Aggressionen sowie körperliche Probleme entstehen. Umgekehrt kann sich eine Depression auf das Gefühl der Hilflosigkeit auswirken.  Wir erleben, wenn wir uns hilflos fühlen, eine ungünstige oder negative Situation (zumindest vorübergehend) als aussichtslos, sehen uns als ohnmächtig an, können real oder gefühlt keine Hilfe gegenüber anderen oder uns selbst leisten oder erwarten selbst keine Hilfe. Dadurch erleben wir uns als abhängig von den tatsächlich oder vermeintlich unkontrollierbaren äußeren Umständen. Hilflosigkeit kann objektiv, aber auch subjektiv begründet sein, akut oder chronisch auftreten, vorübergehend oder anhaltend sein.

Wie entsteht das Gefühl der Hilflosigkeit?

Hilflosigkeit kann aufgrund von einmaligen, wiederholten, länger anhaltenden belastenden Begebenheiten entstehen und je nach Ausmaß und Belastungsgrad unterschiedlich stark ausgeprägt sein und sich unterschiedlich zeigen. Hilflosigkeit hat auch mit unserem Denken zu tun.

Das Gefühl der Hilflosigkeit kann entstehen, weil wir dieses Gefühl aufgrund wiederholter negativer und unkontrollierbarer Erfahrungen erlernt haben. In diesem Fall handelt es sich um eine erlernte Hilflosigkeit.

Akute oder chronische schwierige Bedingungen wie Arbeitslosigkeit, Stress, der Verlust eines Menschen, einer Beziehung oder der eigenen Gesundheit können Hilflosigkeit zur Folge haben. Menschen, die z.B. an einer schweren Krankheit leiden, etwa an Krebs, geht es in der Anfangsphase ihrer Erkrankung ähnlich. Sie fühlen sich ohnmächtig und der Krankheit ausgeliefert. Sie fragen sich häufig: Warum ich?

Psychische Störungen selbst können von einem Gefühl der Hilflosigkeit begleitet sein, z.B. wenn Ängste uns hemmen, vor die Türe zu gehen, oder wenn eine Depression uns handlungsunfähig macht.

Schwerwiegende gesellschaftliche Änderungen können kollektiv ein Gefühl der Hilflosigkeit auslösen.

Entscheidend ist auch unser Denken. So z.B. ob wir davon ausgehen, eine Situation grundsätzlich durch unser eigenes Tun kontrollieren zu können, oder ob wir meinen, die Umstände sind meist von äußeren Faktoren oder sogar vom Schicksal abhängig. Ein Beispiel ist auch, ob wir Erfolge dem Zufall und Missgeschicke uns selbst zuschreiben. Diese Denkmuster können z.B. mit einem geringen Selbstwertgefühl zusammenhängen und mit möglichen ungünstigen Bedingungen, die uns inneres Wachstum unmöglich gemacht oder erschwert haben. Zu denken, dass wir keinen Einfluss haben, kann auch mit der erwähnten erlernten Hilflosigkeit zu tun haben.

Folgen von Hilflosigkeit

Hilflosigkeit ist selbst ein Stressfaktor. Je nach Ausmaß der erlebten Hilflosigkeit, wirkt sie sich ungünstig auf unsere Gesundheit aus – so können Depressionen, Hoffnungslosigkeit, Grübeln, Apathie, Resignation, Untätigkeit, Verharrung, Unsicherheiten, Ängste, Frustrationen, Aggressionen, Wut, verringertes Selbstwertgefühl und -vertrauen oder körperliche Beschwerden entstehen.

Umgang mit Hilflosigkeit

Nach und nach zu lernen, dass wir zwar nicht alles kontrollieren, aber unsere Autonomie und Handlungsfähigkeit bewahren können, macht uns stärker. Manchmal benötigen wir dafür professionelle Unterstützung und Begleitung.

Reflexion und Bewusstsein

Wenn wir denken, wir haben etwas nicht unter Kontrolle oder können etwas nicht positiv verändern, können wir uns bewusst machen, ob die dahinterliegenden Überzeugungen aktuell wirklich der Wahrheit entsprechen oder wir sie uns einfach angeeignet haben. Wir können bewusst lernen, unsere Interpretationen zu hinterfragen und sie langsam verändern.

Mut zu Schwäche und Fehlern

Schwäche ist zugleich eine Stärke. Wenn wir uns hilflos und schwach fühlen, und uns damit an andere wenden, zeigen wir uns zutiefst menschlich. Wir berühren damit und erinnern daran, dass wir alle nicht perfekt sind. Wir machen deutlich, dass wir sensibel sind und auf unsere Außenwelt reagieren, und wir haben Strategien, um uns selbst zu schützen. Das anzuerkennen ist der erste Schritt zu innerem Wachstum.

Wenn wir uns zugestehen, Fehler zu machen, können wir eigentlich nichts falsch machen. Wenn wir lernen, dass Fehler uns weiterbringen und das Resultat einer Handlung nicht immer so entscheidend ist wie die Handlung selbst, können wir leichter erste Schritte machen. Wenn wir äußerlich im Handeln blockiert werden oder meinen, blockiert zu sein, können wir vorsichtig unsere Handlungsoptionen ausloten und uns dabei bewusst auch an die eigenen Erfolge erinnern.

Akzeptanz der Unkontrollierbarkeit

Nicht alles im Leben ist beeinflussbar. Tatsächlich gibt es Ereignisse, die uns auch heute noch als Erwachsene hilflos machen. Es bleibt uns dann zunächst anzunehmen, was wir nicht beeinflussen können. Das kann sehr schmerzhaft sein, insbesondere bei Verlusterfahrungen. Es kann aber auch befreiend sein, wenn wir erkennen, dass wir auch Verantwortung abgeben dürfen für alles, was außerhalb unseres Einflussbereichs geschieht. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir uns wehrlos einer untragbaren Situation hingeben oder sie leugnen. Es bedeutet auch, dass wir uns klar machen, welchen Handlungsspielraum wir noch haben.

Vertrauen in sich selbst und ins Leben

Auch wenn wir Schweres durchlebt haben oder durchleben, ist ein Grundvertrauen ins Leben entscheidend dafür, ob wir uns dem Lebensfluss anvertrauen oder daran zerbrechen. Manche finden Vertrauen im Glauben oder in der Dankbarkeit. Nicht zuletzt will auch der Glaube an, das Vertrauen in und die Liebe zu uns selbst gelebt werden – gerade unter schwierigen Bedingungen. Dabei gilt es auch, uns klar zu machen, wie wir leben möchten, welche Ressourcen wir haben, und wie wir sie stärken und ausbauen können.

Psychische und körperliche Stabilisierung

Da sich Körper und Geist wechselseitig beeinflussen, ist es wichtig, sie in Balance zu halten. Negative Gefühle verstärken sich gegenseitig, der Körper wiederum wirkt auf unsere Psyche und umgekehrt. Demzufolge ist es wichtig, auch erste Anzeichen von Hilflosigkeit wahrzunehmen und bewusst auf eine Stabilisierung, z.B. durch Entspannung, hinzuarbeiten.

Ein Unterstützungsnetzwerk

Gerade wenn wir unsicher sind und uns hilflos fühlen, brauchen wir Menschen, die uns ermutigen, stabilisieren und uns als Vorbild dienen. Sie helfen dabei, unsere Sichtweisen zu korrigieren, mutig zu handeln, neue Erfahrungen zu machen, uns selbst zu lieben und nachsichtig mit uns zu sein.

Nicht aufgeben

Hoffnung ist entscheidend dafür, dass wir handlungsfähig bleiben. Nicht aufzugeben oder zu resignieren und stattdessen weiterzumachen, ist wichtig für unser Leben und Überleben. Jeden Tag davon auszugehen, dass es heute anders und besser sein kann als gestern, gibt uns neuen Mut. Die Hoffnung und der Glaube, dass wir uns behutsam selbst jeden Tag erneuern können, gibt uns Kraft.

Ein standhaftes Herz überwindet alle Schicksalsschläge.

Miguel de Cervantes

Wenn man alles, was einem begegnet, als Möglichkeit zu innerem Wachstum ansieht, gewinnt man innere Stärke.

Jetsün Milarepa

 

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