Gibt es ein Heilmittel gegen Unzufriedenheit?

Unzufriedenheit entsteht, wenn unser Leben nicht so verläuft, wie wir es erhoffen. Zufriedener werden können wir deshalb nur, wenn wir unsere Erwartungen und Einstellungen zu uns und anderen ändern. 10 Tipps helfen Ihnen dabei.

Gibt es ein Heilmittel gegen Unzufriedenheit?
© Mihai Surdu, unsplash.com

Wenn es doch nur so einfach wäre, Unzufriedenheit in Zufriedenheit zu verwandeln, indem man nur die Vorsilbe "Un" weglässt. Leider ist es nicht ganz so einfach, einen besseren Umgang mit der Unzufriedenheit hinzubekommen, aber in diesem Beitrag erhalten Sie wertvolle Tipps, wie es Ihnen dennoch gelingen kann.

Unzufriedenheit: Was sind typische Symptome?

Sie sind unzufrieden mit Ihrem Leben? Vielleicht wissen Sie nicht so recht, woher Ihre Unzufriedenheit kommt, aber Sie spüren sie ganz deutlich. Sie sind mürrisch und gereizt, Sie stört die Fliege an der Wand. Vielleicht reagieren Sie auch empfindlich auf die Geräusche, die Sie umgeben. Auch Ihre Mitmenschen bekommen Ihre Unzufriedenheit vielleicht zu spüren. Sie sind ungeduldig, ungnädig und teilen aus, weil auch Sie nicht bekommen, was Sie wollen. In Ihrem Körper macht sich Ihre Unzufriedenheit in Form von Anspannung und Druck bemerkbar. Vielleicht können Sie sich auch nicht so gut konzentrieren, Ihre Leistungsfähigkeit ist eingeschränkt.

Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, nagt die Unzufriedenheit schon stark an Ihnen, vielleicht schon seit Ihrer Kindheit.

Was sind die Ursachen für ständige Unzufriedenheit?

Die Ursachen liegen in uns selbst, in unseren Einstellungen. Wir haben in unserer Kindheit gelernt, unseren Blick mehr auf Fehler und Schwächen zu lenken.

Ein gängiges Erziehungsprinzip ist es, wenig zu loben und viel zu kritisieren. Die Eltern vergleichen uns mit anderen Kindern, sich selbst mit Nachbarn und den Freunden. Unsere Gesellschaft orientiert sich stark am Leistungsprinzip. Erfolgreich ist und Anerkennung bekommt, wer gut und jugendlich aussieht, viele Freunde (real oder in sozialen Netzwerken) hat, viel leistet, erreicht und sich leisten kann.

Wir lernen nicht, uns so anzunehmen, wie wir sind, und mit dem zufrieden zu sein, was wir haben. Ständig fühlen wir uns gedrängt, mehr zu leisten, mehr zu kaufen und zu besitzen, mehr aus uns zu machen. Das Motto lautet: besser, weiter, höher, schneller. Das führt zwangsläufig zu innerer Unzufriedenheit.

Warum fällt es uns leichter, Defizite zu erkennen, als Erfolge zu genießen?

Weil wir …

  • gelernt haben, den Blick auf die Defizite zu lenken.
  • glauben, Eigenlob stinkt.
  • glauben, wenn man zufrieden ist, dann würde man sich nicht mehr anstrengen.
  • glauben, kein Lob verdient zu haben, und uns selbst ablehnen.
  • gelernt haben, uns mit anderen zu vergleichen, und es natürlich immer Menschen gibt, die in bestimmten Bereichen besser und erfolgreicher sind.
  • perfektionistische und extrem hohe Anforderungen an uns und das Leben stellen und deshalb nie etwas als Erfolg bewerten (nach dem Motto: „Erst wenn ich alles zu 100 Prozent erreicht habe, habe ich Lob verdient.“).

Unzufriedenheit loswerden: Wie können wir mit dem zufrieden sein, was wir haben?

Wir müssen unseren Blick und unsere Einstellungen ändern:

  • Unseren Blick auf unsere Stärken lenken: Was habe ich gut gemacht? Was kann ich gut? Womit kann ich zufrieden sein?
  • Uns darin trainieren, danach zu fragen, wofür wir dankbar sein können
  • Uns klar machen, welche "Reichtümer" wir besitzen: zum Beispiel unsere Sinne: denken, fühlen, lesen, hören, schmecken können; gesund sein; eine:n liebevollen Partner:in haben usw.
  • Unzufriedenheit nicht als persönliches Versagen ansehen
  • Uns weigern, uns ständig mit anderen zu vergleichen
  • Eigene Wertmaßstäbe entwickeln, was UNS wichtig ist, statt fremde Anforderungen zu übernehmen
  • Akzeptieren, dass Menschen, also auch wir, nicht perfekt sein können
  • Uns loben, wenn wir etwas gut gemacht haben
  • Unsere Definition von Misserfolg ändern, z.B. so: Misserfolg habe ich nur, wenn ich es gar nicht versuche.
  • Einen Fehler nur als einen Fehler sehen und uns deshalb nicht gleich als Versager fühlen.

Muss man für die Zufriedenheit seine Ziele aufgeben?

Zufriedensein bedeutet nicht, keinen Ehrgeiz mehr zu haben, es nicht weiterbringen zu wollen, nichts mehr erreichen zu wollen. Wir können mit dem zufrieden sein, was wir haben und besitzen, und uns gleichzeitig für die Zukunft Ziele stecken.

Entscheidend ist die Motivation für unsere Ziele. Wenn wir uns Ziele setzen, weil es uns Spaß macht, etwas zu erschaffen und wir den Prozess des Erschaffens genießen, dann ist das in Ordnung. Problematisch sind Ziele nur, wenn wir uns diese stecken, um andere zu beeindrucken, um es anderen recht zu machen, um das Gefühl zu haben, "wer" zu sein.

Berechtigte Unzufriedenheit oder überzogene Ansprüche?

Wo ist der Unterschied zwischen Dingen, über die man zu Recht unzufrieden ist und überzogenen Ansprüchen?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Zunächst einmal muss man sich seine Werte bewusst machen. Epikur kann uns dabei helfen:

Zerstöre deine Freude an dem, was du bereits besitzt, nicht dadurch, dass du nach Dingen verlangst, die du nicht hast. Aber erinnere dich daran, dass das, was du heute besitzt, einmal zu den Dingen gehörte, die du dir erhofft hast.
Epikur

Was ist für mich wichtig im Leben? Wie würde ich die Situation in fünf Jahren beurteilen? Wie würde ich es am Ende meines Lebens beurteilen, wenn ich das nicht gehabt hätte? Könnte ich das Bedürfnis, was ich jetzt nicht erfüllt habe, durch etwas anderes erfüllen?

Manchen hilft auch der Vergleich zu anderen Menschen, ein Gespräch mit Freunden. Man kann natürlich auch auf die fundamentale Frage zurückgehen: Bin ich wirklich in Lebensgefahr, wenn ich es nicht habe?

Wenn das, was man anstrebt, für uns sehr wichtig ist, dann können wir uns konkrete Schritte zu diesem Ziel überlegen. Dadurch vermeiden wir allzu große Unzufriedenheit.

Weniger Unzufriedenheit: Gibt es konkrete Tipps für die Bereiche Geld, Karriere, Partnerschaft, Freunde?

Nein, denn hierzu wäre es notwendig, die Werte jedes Einzelnen zu kennen. Das Problem der Unzufriedenheit sind unsere Einstellungen, nicht die Situationen und Bereiche. Wir glauben, etwas unbedingt zu benötigen. Erst dann – so glauben wir – können wir glücklich sein.

Beispielsweise: Erst wenn ich einen Partner oder eine Partnerin habe, ein Kind habe, ein Haus besitze, meinen Traumjob habe, dann kann ich zufrieden sein. Eine solche Einstellung macht dauerhaft unglücklich und unzufrieden, da es immer etwas gibt, das wir gerne hätten. Wir leben dann in einem ständigen Mangel und fühlen uns minderwertig.

Ist Unzufriedenheit generell schlecht?

Nein. Wenn durch unsere Unzufriedenheit unser Ehrgeiz geweckt wird, dann kann Unzufriedenheit ein starker Motor sein, um mehr das zu sein oder zu erreichen, was wir sein oder haben wollen. Wenn wir die Energie der Unzufriedenheit nutzen, dann fällt es uns leichter, etwas zu verbessern und zu verändern.

Wichtig zu wissen: Unzufriedenheit wirkt sich nur dann negativ auf unser seelisches und körperliches Wohlbefinden aus, wenn wir ständig unzufrieden sind und mit nichts zufrieden sind.

Rezept für mehr Zufriedenheit (Täglich morgens und abends zubereiten und einnehmen): 
Konzentriere dich auf das, was du besitzt, statt an das zu denken, was du nicht hast. 
Schätze, was dir geblieben ist, statt an das zu denken, was du verloren hast. 
Erinnere dich, was du gut gemacht hast, statt an deine Fehler zu denken. 
Überlege, was du aus dir machen kannst, statt daran zu denken, wer du nicht bist.

10 Tipps, wie Sie mit Ihrer Unzufriedenheit besser umgehen können

Tipp 1: Nehmen Sie Ihre Unzufriedenheit für den Augenblick an

Unzufriedenheit ist zwar unangenehm und lästig, aber Sie haben sie selbst hervorgerufen. Sie will Sie alarmieren, dass etwas nicht so läuft, wie Sie es möchten. Im Grunde genommen ist sie Ihr Freund. Also versuchen Sie, Ihre Unzufriedenheit wahrzunehmen und erstmal zu akzeptieren.

Tipp 2: Machen Sie sich Ihre Unzufriedenheit zum Verbündeten

Überlegen Sie, weshalb Sie unzufrieden sind. Was stört Sie jetzt im Moment oder generell in Ihrem Leben?

Tipp 3: Erstellen Sie einen Plan, um Ihre Unzufriedenheit anzugehen

Überlegen Sie sich folgendes: Wie genau könnten Sie Ihr Leben wieder mit Ihren Vorstellungen in Einklang bringen? Wer oder was könnte Ihnen dabei helfen? Welche Schritte könnten Sie jetzt gleich machen?

Tipp 4: Setzen Sie Ihre Anspannung in Bewegung um

Vielleicht können Sie im Augenblick gar nichts gegen Ihre Unzufriedenheit tun. Dann können Sie aber zumindest Ihre Spannung abbauen. Laufen Sie ein paar Treppen auf und ab oder einmal um den Block oder machen Sie ein paar Kniebeugen am offenen Fenster. Sich bewegen können Sie auch, wenn Sie nicht auf den Auslöser Ihrer Unzufriedenheit kommen.

Tipp 5: Lenken Sie sich von ihrer Unzufriedenheit ab

Manchmal starren wie wir die Maus auf die Schlange und sind handlungsunfähig. Wenn Sie auch in diesem Dilemma stecken, dann hilft es Ihnen, wenn Sie erst einmal aus der Situation gehen und sich mit etwas ganz anderem beschäftigen.

Tipp 6: Erinnern Sie sich daran, was in Ihrem Leben gut läuft

Wenn Sie sich Ihre Erfolge vor Augen führen, dann werden Sie mehr Kraft zur Lösung Ihres Problems haben. Sie werden sich daran erinnern, dass Sie schon viel erreicht haben und viele Einflussmöglichkeiten auf Ihr Leben haben.

Tipp 7: Prüfen Sie, ob das, was Sie stört, wirklich so wichtig ist

Denken Sie einmal so: Vielleicht wäre es nur schön, wenn klappen würde, was Sie sich vorstellen, aber Sie können ganz gut auch ohne es auskommen. Was würde sich ändern, wenn Sie so dächten?

Tipp 8: Erinnern Sie sich daran, dass Fehler zum Leben gehören

Wir alle machen Fehler, das ist ganz normal. Und es tut Ihnen besser, wenn Sie diese Tatsache akzeptieren. Wenn Sie sich Vorwürfe wegen eines Fehlers machen und dadurch mit sich unzufrieden sind, dann machen Sie ihn mit diesem Verhalten nicht ungeschehen. Konzentrieren Sie sich lieber darauf, wie Sie ihn in Zukunft vermeiden bzw. wie Sie das Problem lösen können.

Tipp 9: Prüfen Sie, ob das, was Sie von anderen oder der Situation fordern, realistisch ist

Möglicherweise beruht Ihre Unzufriedenheit auf einem Irrtum. Sie fordern etwas, was unerreichbar oder nicht in Ihrer Kontrolle ist. In einem solchen Fall können Sie Ihre Zufriedenheit zurückgewinnen, indem Sie Ihre Forderung aufgeben.

Tipp 10: Nutzen Sie Ihre Unzufriedenheit als Motor

Wenn Sie mit Ihrem Leben unzufrieden sind, dann nutzen Sie die Unzufriedenheit als Antrieb, etwas in Ihrem Leben zu verändern. Unzufriedenheit kann ein starker Motor sein. Machen Sie von dieser Kraft Gebrauch und steigern Sie so Ihre Zufriedenheit.

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Mara schreibt am 28.03.2022

ich bin unzufrieden in meiner Ehe. Beispiel. Ich bin vor 1 Woche an der Wirbelsäule operiert worden. Jeden Tag hat mich mein Mann eine Stunde besucht. Am 5. Tag konnte ich nach Hause. Ich muss noch viel liegen, ich bekomme keinen Besuch von meinem Mann in unserer Wohnung obwohl er nur 1 Zimmer weiter ist und wir essen, 10 Min, das gilt als Besuchszeit???? Habe ich zu hohe Erwartungen?


Marita schreibt am 23.02.2020

Ich bin 73 Jahre alt und habe im Laufe meines Lehrerdaseins gespürt,dass ich junge Menschen mit meiner Art sehr gut motivieren kann,indem ich sie ernst nehme und sie wert schätze .Deshalb bin ich sehr zufrieden mit meinem Tun als Lehrerin,auch noch heute. Mit dem Verhältnis zu meinen drei Töchtern bin ich eher unzufrieden,weil keine von ihnen unsere Nähe sucht.Sie leben ihr Leben,sind wervolle Menschen ,haben selbst Kinder,pflegen aber nicht unbedingt regelmäßige Kontakte zu uns.Ich bin damit unzufrieden.


Sabine schreibt am 03.12.2019

Ich sehe was ich habe und nicht was mir fehlt, von Zeit zu Zeit überrollt mich eine Welle der Dankbarkeit


sabine schreibt am 08.03.2019

Die Welt wird unzufriedener wollen alles das was reiche haben


Daniel schreibt am 12.12.2018

Es trifft zweifelsohne zu, daß Leistungsdenken Unzufriedenheit fördert, zumal wenn es derart auf das Wirtschaftliche reduziert wird, wie dies gegenwärtig in der westlichen Welt der Fall ist. Leider haben Ihre Ausführungen einen Haken: Solange sich jemand in einer solchen Gesellschaft aufhält, kann er dem nicht entkommen, also auch nicht der Unzufriedenheit. Bleibt die kritische Frage, warum die meisten Auswanderer in sogenannte Entwicklungsländer doch wieder in das Reich der Unzufriedenheit zurückkehren. Vielleicht ist ein Teil jener Ohnmacht, die zu akzeptieren zufrieden macht, eben auch regelmäßig wiederkehrende Unzufriedenheit, gegen die es kein Mittel gibt. Zugegeben paradox.


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 Unzufriedenheit: Was sind typische Symptome?
 Was sind die Ursachen für ständige Unzufriedenheit?
 Unzufriedenheit loswerden: Wie können wir mit dem zufrieden sein, was wir haben?
 Muss man für die Zufriedenheit seine Ziele aufgeben?
 Berechtigte Unzufriedenheit oder überzogene Ansprüche?
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