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Neid und Missgunst - was tun?

Neid zwischen 2 Jungs

Wenn wir andere beneiden und diesen etwas nicht gönnen, dann machen wir deren Glück zu unserem Unglück. Wir leiden und zerstören unsere Zufriedenheit. Tipps für den Umgang mit Neid und Missgunst. Bild © S.Kobold - Fotolia

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Neid kann unter Freunden, Geschwistern, Nachbarn und Kollegen aufkommen. Wir können auf vieles neidisch sein: auf den materiellen Besitz, das Aussehen, die seelische und körperliche Gesundheit, musikalische, geistige, sportliche oder persönliche Fähigkeiten, die sozialen Kontakte und Freundschaften, die Beliebtheit bei anderen, das selbstbewusste Auftreten, die Anerkennung durch andere, den (beruflichen) Erfolg.

Neidisch wollen die wenigsten Menschen sein, weil sie wissen, dass Neidgefühle kein gutes Licht auf sie werfen. Es ist verpönt, missgünstig und neidisch zu sein. Im christlichen Glauben zählt Neid zu den 7 Todsünden.

Wohl jeder ist ab und zu neidisch. Solange der Neid nur gelegentlich aufkommt, schadet er nicht. Anders, wenn Neidgefühle unsere ständigen Begleiter sind.

Sie möchten wissen, wie neidisch Sie sind? Machen Sie den Neid Test.

Die Auswirkungen von Neid

Das Vergleichen und ständiger Neid führen zu unguten Gefühlen. Man bemitleidet sich.

Man fühlt sich dem anderen unterlegen, hat Minderwertigkeitskomplexe, das Selbstwertgefühl, das Selbstvertrauen und die Zufriedenheit leiden.

Wer neiderfüllt ist und anderen etwas nicht gönnt, verspürt Gefühle wie Ärger bis hin zu Wut, Hass und Feindseligkeit.

Ein Betroffener sagte: Ich hatte richtige Hassgefühle, wenn ich ein glückliches und verliebtes Paar gesehen habe. Die hatten etwas, was ich auch haben wollte und nicht haben konnte. Dafür habe ich mich selbst gehasst.

Glauben Betroffene das Objekt der Begierde, um das sie den anderen beneiden, nicht bekommen zu können, dann kommt Traurigkeit hoch.

Wenn man beim Vergleichen permanent schlecht abschneidet und sich deshalb als Versager ansieht, dann können auch Depressionen aufkommen.

Manche Neider haben Schuldgefühle, weil sie sich für ihre Neidgefühle verurteilen. Auch Krankheiten wie Schlafstörungen können die Folge permanenter Neidgefühle sein.

Neid führt oft zu feindseligen Verhaltensweisen, angefangen von Sticheleien und abwertenden Bemerkungen, Verleumdung bis hin zu Mobbing und Aggressionen.

Der Bruder macht seine Schwester mit Worten klein und hackt auf ihr herum, weil er sie um ihren beruflichen Erfolg beneidet.

Der Nachbar streut Nägel unter den neuen Wagen seines Nachbars. Er hofft, dass der Nachbar einen Platten bekommt.

Weil die Schwester glaubt, dass ihr Bruder von den Eltern bevorzugt wird, hat sie den Kontakt zu ihrem Bruder abgebrochen.

Neid führt oft dazu, dass man Schadenfreude empfindet, wenn dem Beneideten etwas Negatives zustößt. Nicht umsonst heißt es: Schadenfreude ist die schönste Freude.

Neid ist bei Eifersucht im Spiel. Wer eifersüchtig ist, vergleicht sich mit seinen (vermeintlichen) Rivalen. Er beneidet diese um das vemeintlich bessere Aussehen oder ihre Beliebtheit.

Sind Sie gerne neidisch?

Wer zugibt, neidisch zu sein, verteidigt seine Neidgefühle als berechtigt oder schämt sich deswegen.

Ob Neid angemessen oder berechtigt ist, ob man sich erlauben darf, missgünstig zu sein, ob es eine Todsünde ist, neidisch zu sein, darüber möchte ich nicht diskutieren.

Die Frage ist, ob Neid sich gut anfühlt und ob Sie gerne neidisch sind.

Die meisten Menschen erleben Neid als eine giftige, nagende Stimme, die ihnen zuflüstert, dass sie zu kurz kommen und benachteiligt sind.

Wenn wir neidisch sind, dann zerstören wir unsere Zufriedenheit und können nicht schätzen und genießen, was wir besitzen.

ein Fisch ist neidisch auf den anderen

Wenn Sie Ihre Neidgefühle überwinden und anderen gönnen wollen, was diese haben oder sind, dann möchte ich Ihnen 8 Strategien zeigen, die Ihnen helfen, weniger missgünstig zu sein.

Wenn Sie weniger neiderfüllt und missgünstig sind, können Sie mehr inneren Frieden und Zufriedenheit spüren. Schauen Sie sich die Tipps für mehr Zufriedenheit von Rolf Merkle an.

Videohilfe zum Thema Neid

Tipps, um Neid und Missgunst zu überwinden

TIPP 1. Konzentrieren Sie sich darauf, was Sie besitzen.

Sich mit anderen zu vergleichen ist menschlich und kann helfen, sich weiterzuentwickeln. Wenn Sie sich jedoch ständig mit anderen vergleichen und dabei schlecht abschneiden, dann übersehen Sie Ihren Reichtum und sind chronisch unzufrieden.

Es gibt immer jemanden, der mehr von einer Sache hat oder in einer Sache besser ist als Sie. Sie können niemals gewinnen.

Besser ist es, wenn Sie sich nur mit sich vergleichen. Was haben Sie bisher in Ihrem Leben erreicht und gelernt?

Honorieren Sie Ihre Erfolge, Ihre Erkenntnisse, Ihre Leistungen und Ihren Lebensweg.

Das steigert Ihre Zufriedenheit mit sich und Ihrem Leben.

Sieh deinen Neid als Hinweis, dass du deine eigenen Stärken übersiehst.

TIPP 2. Nutzen Sie Ihren Neid als Ansporn, das zu erreichen und zu besitzen, worum Sie andere beneiden.

Sich mit anderen vergleichen ist grundsätzlich nicht schlecht oder schädlich. Ob das mit anderen vergleichen schädlich für uns ist, hängt von den Schlussfolgerungen ab, die wir aus dem Vergleich ziehen.

Wenn wir andere beneiden, dann machen wir deren Glück zu unserem Unglück.

Wenn ich sehe, ein anderer hat mehr Besitztümer, Geld, Ansehen oder Erfolg, dann kann ich mich bedauern und bemitleiden. Ich kann den anderen beneiden, mich über mich ärgern, dass ich es nicht so weit gebracht habe.

Ich kann mich darüber beklagen, dass das Leben und das Schicksal ungerecht ist, deprimiert sein, an mir zweifeln, mich dafür ablehnen und verurteilen, mich als Versager sehen.

neidische eierschale

Ich kann mich vom Erfolg und der Anerkennung des anderen aber auch angespornt fühlen und mich fragen: Wie macht der andere das? Was kann ich tun, um mehr Erfolg und Ansehen zu bekommen? Was muss ich lernen und tun, um das zu erreichen, was der andere hat?

Werden Sie also aktiv und tun, was notwendig ist, um sich Ihr Stück vom Kuchen zu holen!

TIPP 3. Seien Sie dankbar.

Überlegen Sie jeden Tag, wofür Sie dankbar sein können. Legen Sie ein Notizbuch an, in dem Sie täglich 5 Dinge notieren, für die Sie sich bedanken.

Das kann z.B. ein nettes Gespräch, das Lächeln eines anderen, eine schöne Blume am Straßenrand, eine gute Tat oder eine Aufgabe, die Sie erledigt haben, sein.

Wenn Sie sich bewusst machen, wie "reich" Sie sind, dann sind Sie weniger neidisch.

TIPP 4. Gönnen Sie anderen deren Besitz und Fähigkeiten.

Neid entsteht, wenn Sie dem anderen nicht gönnen, was er hat. Sie verbieten ihm das, worum Sie ihn beneiden, aus dem einfachen Grund, weil Sie es selbst nicht haben oder weil Sie es für ungerecht halten.

Durch Ihre Missgunst können Sie das Objekt Ihrer Begierde nicht herbeizaubern, sondern bestrafen sich doppelt, indem Sie sich Ihrer Lebensfreude berauben.

Begegnen Sie deshalb dem anderen mit der Haltung: „Es ist schön, dass du ... hast. Ich gönne es dir, auch wenn ich es gerne auch hätte.“

TIPP 5. Überlegen Sie, welche Vorteile es für Sie hat, das nicht zu besitzen, worauf Sie neidisch sind.

Dieser Vorschlag mag absurd klingen. Sie haben bisher nur den Vorteil gesehen, den der andere hat. Es gibt jedoch immer eine Rückseite der Medaille.

Beispielsweise könnte es sein, dass der Beneidete kaum Zeit für seine Familie hat, weil er 10 und mehr Stunden täglich arbeitet. Oder der Bruder, der von den Eltern bevorzugt wird, muss ständige Telefonate und Bevormundung durch die Eltern ertragen. Alles hat seinen Preis.

Was könnte die Rückseite Ihrer Medaille sein? Was könnte Ihr Gewinn sein? Unterstützung von Freunden, weniger Verantwortung, mehr Freizeit, ...?

TIPP 6. Entwickeln Sie die Einstellung, dass Sie ein Stück vom Kuchen haben können.

Neid ist deshalb so bedrohlich, weil Sie davon ausgehen, dass der andere etwas hat, was Sie nie und nimmer bekommen können. Ist dies wirklich so?

Der Neid ist sein eigener
Folterknecht. Sprichwort

Konzentrieren Sie sich nicht darauf, was Ihnen fehlt oder entgangen ist, sondern darauf, welche Möglichkeiten Ihnen offen stehen.

Suchen Sie nach Wegen, wie Sie ebenfalls von dem verlockenden "Apfelbaum" naschen können. Es gibt z.B. immer neue berufliche Möglichkeiten und Menschen zum Kennenlernen.

TIPP 7. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Leben ausgefüllt ist.

Wenn Sie mit sich und dem Erreichten zufrieden sind, können Sie das, was andere haben, neidlos anerkennen.

Wenn Sie unzufrieden und untätig herumsitzen, dann sind die Chancen groß, dass Sie die Menschen beneiden, denen es aus Ihrer Sicht besser geht.

Überlegen Sie deshalb, mit welchen Menschen und Aktivitäten Sie Ihr Leben bereichern können.

Wie können Sie mehr Zufriedenheit, Spaß und Freude in Ihr Leben bringen? Was konkret können Sie dafür tun?

Übernehmen Sie Verantwortung für Ihr Leben. Werden Sie aktiv und gestalten Sie Ihr Leben. Dann haben Sie auch keinen Anlass mehr für Neid und Missgunst.

Eine starke Aufforderung, aktiv zu werden


neid.html

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TIPP 8. Ein gesundes Selbstvertrauen schützt vor Neid.

Ein idealer Nährboden für Neid sind Minderwertigkeitsgefühle und das Gefühl, nicht in Ordnung zu sein.

Je mehr Sie Ihr Selbstwertgefühl und Ihr Selbstvertrauen stärken, desto weniger sind Sie missgünstig und neidisch.

Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen gelingt, anderen deren Glück zu gönnen. Wenn es Ihnen gar gelingt, sich für andere zu freuen, dass diese es leichter und besser haben als Sie, dann haben Sie einen gewaltigen Schritt zu innerem Frieden getan.

Leserfrage zum Neid

Ich bin vor kurzem befördert worden. Darüber freue ich mich sehr. Nur seit ich den tollen, neuen Job habe, ist meine Freundin immer abweisender zu mir.

Sie ruft mich nicht mehr so oft an und macht abfällige Bemerkungen wegen meiner Beförderung.

Ich befürchte, sie ist neidisch auf mich. Wie soll ich am besten darauf reagieren, um unsere Freundschaft zu erhalten?

Ich habe geantwortet:

Neidgefühle entstehen, wenn wir uns mit anderen vergleichen und glauben, benachteiligt zu sein oder zu kurz zu kommen. 

Gedanken sind z.B.: „Der andere hat etwas, was ich nicht oder nicht mehr habe ..." Es mag also durchaus sein, dass Ihre Freundin wegen Ihrer neuen Position neidisch auf Sie ist.

Finden Sie es heraus, indem Sie Ihre Freundin auf ihre Veränderung ansprechen. Lassen Sie ihr dabei Raum für Erklärungen und geben Sie keine Mutmaßungen ab wie etwa „Ich glaube, du bist neidisch auf mich“.

Beschreiben Sie einfach Ihre Beobachtungen: „In letzter Zeit erlebe ich dich ...  Du machst weniger ... und mehr ... Ich mache  mir Gedanken darüber, womit dies zu tun haben könnte? Hat dies mit mir zu tun? Gibt es etwas, was ich wissen muss?“ 

Neid ist ein Gefühl, das wir nicht gerne zugeben. Es könnte sein, dass Ihre Freundin nicht über Neidgefühle spricht, obwohl sie wegen Ihres neuen Jobs neidisch ist.

Dann haben Sie ihr zumindest die Möglichkeit gegeben, darüber zu sprechen. Darüber hinaus tut es Ihrer Freundin wahrscheinlich gut, wenn Sie ihren Blick auf ihre Stärken lenken und ihr öfter ein Kompliment machen.

Hilfreich ist es auch, wenn Sie darüber sprechen, was in Ihrem neuen Job nicht so gut läuft und welche negativen Seiten es gibt.

Sie könnten mit der Freundin auch darüber sprechen, was sie tun  könnte, um beruflich voranzukommen.

Möglicherweise befürchtet Ihre Freundin auch, Sie zu verlieren. Dem können Sie entgegensteuern, indem Sie betonen, wie wichtig Ihnen die Freundschaft mit ihr ist.

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Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.

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  1. Leserkommentar steffi schreibt am 21.11.2016, 16.03 Uhr

    Sie deinen Hinweis auf Neid das du deine Stärken übersiehst. Diesen Spruch werde ich mehr ab jetzt mehrmals täglich sagen und aufschreiben .

  2. Leserkommentar Peter-R. Bert schreibt am 01.11.2016, 09.56 Uhr

    Ein sehr konstruktiver Bei- trag für alle die unter dem Neid-Gefühl leiden!! Sie sollten nicht aufhören daran zu arbeiten!! Vielen Dank!!!

  3. Leserkommentar Elisabeth schreibt am 23.10.2016, 19.14 Uhr

    Neid kann ein Hinweis darauf sein, dass ich etwas haben möchte, das ich nicht habe und dafür etwas tun muss, vielleicht manchmal mehr als jemand anders. Aber es gibt auch Dinge, die man nicht erreichen kann aus welchen Gründen auch immer. Dann muss man lernen, dass zu akzeptieren. Denn Neid ist dazu fähig, gute Beziehungen zu zerstören. Das ist sehr traurig. Man könnte immer auf jemanden neidisch sein. Es gibt immer jemanden auf dieser Welt sein, der mehr hat, mehr kann, besser aussieht, erfolgreicher ist...., aber es gibt auch immer Menschen, die weniger haben. Das vergessen wir oft. Und vor allem vergessen wir, was wir eigentlich schon alles haben und das ist oft ganz schön viel (auch wenn man meint, man halt vieles nicht, was andere haben). Wenn man das erkennt, bewusst wahrnimmt, ist man selbst zufrieden mit seinem Leben. Ich habe selbst die Agressionen und Feinseligkeiten erlebt, die aus Neid entstehen. Das war für mich sehr erschreckend , denn ich hätte das nie für möglich gehalten. Aber vor allem finde ich es sehr sehr traurig.

  4. Leserkommentar Tina schreibt am 05.10.2016, 11.08 Uhr

    Ich bin neidisch auf jeden, der Familie und Kinder hat. Ich habe in einer Ehe mit psychischer Gewalt gelebt. Habe mich letztes Jahr daraus befreit. Und habe alles verloren. Mein einziges Kind wollte in der Heimat und bei ihrem Vater bleiben. Freunde entpuppten sich als falsche Freunde. Verständnis und Unterstützung gab es nicht. Ich konnte nur fliehen. Ich bin ruiniert. Ganz unten angekommen. Keine Wohnung mehr. Keine Familie. Kein Job, weil keine Kraft zum arbeiten. Wie soll man da noch dankbar sein? Oder mit was zufrieden? Wenn einem alles genommen wird...

  5. Leserkommentar Jana schreibt am 15.09.2016, 14.32 Uhr

    Ich bin neidisch auf meinen Partner. Durch die Unterstützung seiner Eltern kommt es mir so vor als hätte er es immer leichter im Leben. Er kann sich finanziell viel mehr leisten als ich und selbst die Jobsuche nehmen seine Eltern selbst in die Hand und besorgen dem Sohnemann einem Job in der eigenen Firma. Ich mache oftmals abwertende Kommentare wie unselbstständig er doch sei und mache ihn manchmal sogar dafür verantwortlich, dass ich unglücklich bin. Dabei bin ich einfach nur furchtbar neidisch und stehe mir selbst im Weg.

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