Wünsche äußern, Nein sagen

Kapitel 12: Ratgeber Selbstbewusstsein

© Autor: Dr. Rolf Merkle, Psychotherapeut

Bei den Übungen aus dem vorangegangenen Kapitel haben Sie bereits geübt, auf andere Menschen zuzugehen, diese anzusprechen und ein Gespräch mit ihnen zu führen. Nun wollen wir uns anschauen, wie Sie sich in alltäglichen Situationen verhalten können, in denen ein selbstsicheres Auftreten Voraussetzung ist, um zu Ihrem Recht zu kommen.

Wenn es Ihnen schwerfällt, nein zu sagen oder Forderungen zu stellen, dann genügt es nicht, wenn Sie die folgenden Beispiele lediglich durchlesen. Ihr altes selbstunsicheres Denk- und Verhaltensprogramm ist so eingefahren, daß Sie sich nur anders verhalten können, wenn Sie Ihr neues Verhalten üben. Machen Sie deshalb von den Vorstellungsübungen Gebrauch, die ich Ihnen in Kapitel 7 vorgestellt habe.

Gehen Sie wie nach einem Drehbuch vor. In einem Drehbuch stehen nicht nur die Dialoge für die Schauspieler. Darin steht auch, wie diese vorgebracht werden sollen (laut, leise, ruhig, erregt, usw.). Wie ein Schauspieler müssen Sie sich Ihre selbstsicheren Selbstgespräche einprägen, bis sie Ihnen in Fleisch und Blut übergegangen sind. Sie müssen Redewendungen und Sätze, die Sie anderen gegenüber gebrauchen wollen, regelrecht einstudieren.

“Ich bin doch kein Schauspieler, der so tut, als sei er jemand anderes. Ich will nicht die Rolle von jemandem spielen, der ich nicht bin.” Dieses Argument bringen häufig die Teilnehmer unserer Selbstsicherheits-Trainings.

Darauf möchte ich Ihnen folgendes antworten: Ein guter Schauspieler spielt nicht die Rolle eines anderen. Er ist der andere. Er ist Hamlet oder eine andere Person, und zwar einfach nur dadurch, daß er sich in den anderen hineinversetzt und nachzuempfinden versucht, wie es der Figur in diesem Stück zumute sein muß.

Er  wiederholt die Worte immer und immer wieder, zunächst alleine und dann vor Publikum, und schließlich denkt, fühlt und handelt er tatsächlich so wie Hamlet. Wenn man lange und oft genug eine Rolle gespielt hat, dann ist man die Rolle.

Aufgesetzt ist ein Verhalten nur solange, wie es einem noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen ist. Je öfter Sie gewisse Redewendungen gebrauchen, umso natürlicher werden sie Ihnen vorkommen, und umso weniger werden Sie das Gefühl haben, Sie geben sich als jemand aus, der Sie nicht sind.

Manche der Dialoge mögen etwas steif und künstlich klingen. Das liegt zum einen daran, daß Sie ganz anders reagieren würden, zum anderen aber auch daran, daß die Sätze dieser Dialoge ziemlich knapp und prägnant sind. Dies ist jedoch bewußt so.

Ein Kennzeichen unsicheren Verhaltens ist nämlich, daß man weitschweifige Kommentare abgibt, daß man weit ausholt und mit vielen Worten sagt, was man auch in wenigen sagen könnte. Gewöhnen Sie sich an, kurz und prägnant zu sprechen, wenn Sie selbstsicher auftreten wollen.

Im Alltag gibt es eine Menge Situationen, in denen es wichtig ist, daß wir in der Lage sind, Wünsche zu äußern und Forderungen zu stellen. Tun wir das nicht, oder sind wir hierzu nicht in der Lage, dann ziehen wir leicht den kürzeren und haben das Nachsehen.

Es gibt eine sehr einfache und leicht zu erlernende Gesprächstechnik, <Die Schallplatte-mit-Sprung-Methode>, die Ihnen große Dienste leisten kann, wenn Sie gegenüber anderen berechtigte Bedürfnisse und Wünsche durchsetzen möchten, die diese Ihnen streitig machen wollen.

Diese Technik ist äußert nützlich, um sich auch dort durchzusetzen, wo man befürchtet, anderen unterlegen zu sein, weil diese besser argumentieren können.

Die Schallplatte-mit-Sprung-Methode

Warum meinen Sie, sind die anderen meist Sieger in Gesprächen, in denen Sie berechtigte Wünsche und Forderungen vorbringen? Warum kommen Sie in der Autowerkstatt nicht zu Ihrem Recht? Warum gelingt es Ihnen nicht, ein Kleid umzutauschen, das, wie Sie zu Hause feststellen, einen Flecken hat?

Abgesehen von unsicheren Gedanken, mit denen Sie sich in Angst versetzen, von Ihrem Recht Gebrauch zu machen, gibt es noch einen weiteren Grund: Sie geben zu früh auf.

Wenn Ihnen der andere nicht beim ersten Anlauf Ihren Wunsch erfüllt, dann resignieren Sie und denken sich vielleicht: “Was soll´s. Kann man nichts machen. Ich komm´ gegen ihn nicht an”. Sie sind dann zwar verärgert, aber Sie halten den anderen für stärker, bzw. können sich nicht so recht gegen seine Argumente wehren und verlassen das Feld als Verlierer.

Wenn Sie zu Ihrem Recht kommen möchten, dann müssen Sie hartnäckig bleiben. Wenn Ihr Gegenüber drei Mal “nein” gesagt hat, dann müssen Sie eins draufsetzen und zum 4. Mal sagen: “Ich will mein Recht”. Und sagt der andere zum 10. Mal “nein”, dann müssen Sie eben zum 11. Mal sagen: “Ich will mein Recht”.

Dieses Spiel - und es kann durchaus ein Spiel werden, bei dem Sie plötzlich der sportliche Ehrgeiz packt, wer von Ihnen beiden der Stärkere ist - müssen Sie solange fortführen, bis sich der andere geschlagen gibt oder Sie beide einen Kompromiß ausgehandelt haben, der für Sie akzeptabel ist.

Verkäufer werden in speziellen Verkaufsschulungen darauf getrimmt, im Interesse der Firma zu handeln, sprich, möglichst viel zu verkaufen. Im Interesse der Firma ist es natürlich auch, daß die Kosten gering gehalten werden.

Also lautet die Parole, die an die Angestellten ausgegeben wird: Nicht nachgeben. Forderungen erst einmal abwimmeln. Jeder versucht eben möglichst viel für sich herauszuholen. Deshalb ist es enorm wichtig, stur sein zu können und keinen Millimeter von seinen Forderungen abzuweichen.

Hierbei kann Ihnen die Schallplatte-mit-Sprung-Methode des Amerikaners Dr. Zev Wanderer wertvolle Dienste leisten. Sie ist simpel, aber äußert wirkungsvoll. Sie besteht darin, daß Sie stur und unabhängig von den Argumenten des Verkäufers Ihren Wunsch auf Umtausch wiederholen. Sie gehen also nicht auf die Argumente des Verkäufers ein, sondern sagen immer wieder, - mit einigen Variationen - was Sie möchten.

Wenn Sie sich auf eine Diskussion einlassen, wenn Sie versuchen, die Argumente des Verkäufers zu entkräften, wenn Sie versuchen, Ihren Wunsch zu rechtfertigen, dann hat der andere möglicherweise leichtes Spiel mit Ihnen, wenn er rhetorisch gewandter ist.

Außerdem müssen Sie bedenken, daß Sie nicht der erste Kunde sind, der reklamiert. Der Verkäufer hat also schon einige Erfahrung im Abwimmeln von Reklamationen. Er ist darin geübt und hat entsprechende Argumente auf Lager, um Sie einzuschüchtern und zum Aufgeben zu bewegen.

Deshalb bringt es oft nichts, sich auf eine Diskussion einzulassen. Das Beste ist dann, wie eine Schallplatte zu sprechen, die einen Sprung hat. Lassen Sie uns ein Beispiel anschauen, wie das aussehen könnte.

>>> Weiterlesen im Ratgeber Lass Dir nicht alles gefallen

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Ich bin Rolf Merkle unendlich dankbar für dieses wunderbare Buch.

Seit ich damit intensiv arbeite, hat sich sehr viel in meinem Leben geändert. So habe ich mich z.B. gewehrt als ich beim Bankautomaten einfach übergangen wurde, vom Kellner das falsche Getränk bekam.

Bei der Arbeit habe ich mich meiner Cheffin gegenüber selbstsicher verhalten, obwohl diese sehr sturrköpfig ist.

Sabine K.

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Claudia Frey, Heidelberg
Diplom Psychologin

Ich empfehle meinen Patienten die PAL Ratgeber, weil sie wichtige Informationen in einer die Therapie unterstützenden Weise vermitteln. In der Wartezeit auf einen Therapieplatz sind die Bücher eine große Hilfe.

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