Selbstsicherheit beginnt im Kopf

Kapitel 6 Ratgeber: Selbstbewusstsein

© Autor: Dr. Rolf Merkle, Psychotherapeut

Nichts und niemand kann Ihre Gefühle verletzen, Sie deprimieren oder Ihnen schlechte Gefühle machen. Dies kann nur ein einziger Mensch: Sie.

Ich weiß, auf den ersten Blick klingt das möglicherweise wenig aufmunternd. Nun sollen Sie auch noch daran Schuld haben, wie Sie sich fühlen.

Doch was für ein Glück, daß dem so ist. Denn nur, wenn Sie sich selbst Ihre negativen Gefühle machen, nur wenn Sie es sind, der sich selbst schüchtern und all die Hemmungen macht, nur dann können Sie auch etwas daran ändern. Richtig?

Wenn es andererseits so wäre, daß die anderen Ihnen schlechte Gefühle machen könnten, ja, dann bliebe Ihnen doch nichts anderes übrig, als wie das Kaninchen vor der Schlange zu sitzen und zu hoffen, daß die anderen Sie nicht "beißen”. Aber das ist ja genau die Lage, in der Sie sich seit langem befinden, und aus der Sie sich befreien wollen, oder?

Daß Sie sich selbst all Ihre schlechten, wie guten Gefühle machen ist also Ihre große Chance, Ihr Lebensretter. So besehen ist die Tatsache, daß Sie für Ihre Gefühle selbst verantwortlich sind, doch etwas sehr Positives, über das Sie sich freuen können.

Endlich können Sie aufatmen und Hoffnung schöpfen. Schauen wir uns einige Beispiele an, die Ihnen zeigen, was es mit diesem <Sie fühlen, wie Sie denken> auf sich hat.

Beate, eine 25-jährige Patientin kam wegen depressiver Verstimmungen und Eifersuchtsproblemen in meine Praxis. Auf meine Frage, worüber sie deprimiert sei, antwortete sie: "Ich weiß auch nicht. Ich komme mir so häßlich vor”. (In meinen Augen war sie eine attraktive Frau, die die Blicke der Männer auf sich lenken mußte, wo immer sie auftrat.)

Also fragte ich sie, wie sie darauf käme, häßlich zu sein. "Mein Gesicht ist häßlich, vor allem meine Nase. Die ist viel zu groß. Überhaupt, meine Augen sind zu klein und meine Mundwinkel sind heruntergezogen”. Wieder konnte ich an ihrer Nase oder ihren Augen nichts Auffälliges feststellen. Für mich waren sie völlig normal.

Und dennoch war diese junge Frau so davon überzeugt, häßlich zu sein, daß Sie, wenn überhaupt, nur flüchtig in den Spiegel schaute und sich vor sich selbst ekelte. Informationen zur Angst, hässlich zu sein.

Nun frage ich Sie: Ist es verwunderlich, daß diese Frau angesichts ihrer negativen Meinung von sich deprimiert ist? Nein, sie muß sich zwangsläufig so fühlen.

Würde sie sich bei diesem Bild, das sie von sich hat, gut fühlen, dann würde etwas nicht mit ihr stimmen. Sie reagierte aber gefühlsmäßig vollkommen normal, so eben, wie jemand, der von sich denkt, häßlich zu sein. Sie fühlte, wie sie dachte.

Peter kam wegen seiner Schüchternheit in meine Praxis. Er hatte keine Freundin, weil er große Schwierigkeiten hatte, auf Frauen zuzugehen. Auf meine Frage, wovor er Angst habe, in der Disco eine Frau anzusprechen, antwortete er: "Bestimmt gibt sie mir einen Korb. Das könnte ich nicht ertragen.

Einmal habe ich all meinen Mut zusammengenommen und prompt eine Abfuhr bekommen. Das war mir sowas von peinlich. Am liebsten hätte ich mich in Luft aufgelöst. Ich stand da wie ein begossener Pudel. Ich konnte richtig sehen, wie die anderen Männer sich über mich lustig gemacht haben. Die hat es richtig gefreut, daß sie mich hat abblitzen lassen, die dumme Kuh.”

Auf meine Frage, wie er darauf kommt, daß ihm das beim nächsten Mal auch passieren würde, antwortete er: "Ich bin einfach nicht der Typ, auf den die Frauen stehen. Was habe ich schon vorzuweisen? Wer will jemand wie mich zum Freund haben?”

Verständlich, daß Peter große Angst hatte, einen zweiten Anlauf zu nehmen. Er redete sich ein, noch ein "nein” nicht ertragen zu können. Was aber noch schlimmer ist, und was letztlich für seine Schüchternheit verantwortlich war, war seine schlechte Meinung von sich.

Er redete sich ein, nicht der Typ zu sein, auf den Frauen stehen, und nichts vorzuweisen zu haben, was ihn interessant macht. Die erste Ablehnung hatte ihn in seiner schlechten Meinung - kein Frauentyp zu sein und nichts vorzuweisen zu haben - von sich bestärkt.

Was für einen Grund hätte die Frau sonst auch haben sollen, ihn abblitzen zu lassen? Auch Peter fühlte, wie er dachte.

Selbstsicherheit setzt selbstsicheres Denken voraus

Die Probleme, die Beate, Hans und Peter hatten, waren alle selbst verursacht. Wie Sie vielleicht bemerkt haben, hatten alle ein sehr negatives Bild von sich, das dafür verantwortlich war, daß sie Ängste und Hemmungen hatten.

Die Lösung für ihre Probleme bestand darin, daß sie lernten, ihr Selbstwertgefühl zu steigern. Sie mußten damit aufhören, sich für minderwertig zu halten. Doch mehr darüber später.

Im Moment kommt es mir darauf an, daß Sie erkennen, daß zwischen Ihrem Denken und damit, wie Sie sich fühlen und verhalten, ein enger Zusammenhang besteht. Diesen Zusammenhang bezeichnen wir als das ABC der Gefühle.

A steht für die Situation, in der Sie selbstsicher auftreten möchten.
B steht für Ihre Gedanken, Einstellungen und Bewertungen.
C steht für Ihre Gefühle und Verhaltensweisen.

Selbstsicherheit beginnt in Ihrem Kopf

Damit Sie sich erfolgreich gegen manipulative Äußerungen wie "Du machst mich traurig”, "Du hast mich gekränkt” oder "Wegen dir geht es mir schlecht” zur Wehr setzen und ein selbstbestimmtes Leben führen können, müssen Sie wissen, welche Verantwortung Sie in bezug auf Ihre eigenen Gefühle und die Gefühle der anderen haben.

Die Zielsetzung dieses Kapitels ist, Sie damit vertraut zu machen, wie Gefühle entstehen und wie sie beeinflußt werden können. Dieses Wissen wird Ihnen nicht nur helfen, Ihre eigenen Gefühle zu verstehen und besser in den Griff zu bekommen, es ermöglicht Ihnen auch, selbstsicherer aufzutreten.

Glauben Sie, andere können Ihnen Angst einjagen, Sie deprimieren oder ärgerlich machen? Oder glauben Sie, die Gefühle anderer verletzen oder diese kränken zu können?

Dann sitzen Sie in der Falle. Nicht nur, daß Sie sich dann anderen Menschen ausgeliefert fühlen und denen die Macht geben, über Ihr seelisches Befinden zu entscheiden. Sie fühlen sich dann auch dafür verantwortlich, wie es anderen geht, und sind dadurch leicht von diesen manipulierbar.

Diese brauchen Ihnen nur sagen, daß Sie ihre Gefühle verletzt haben oder sie traurig gemacht haben, und schon fühlen Sie sich schuldig und getrauen sich nicht mehr, das zu tun, was Sie für richtig halten.

Durch diese Denkweise machen Sie sich zum Opfer, geben Ihr Leben und Ihr Glück aus der Hand und haben keinen Einfluß darauf, etwas daran zu ändern. Sie sind vollkommen von den anderen abhängig, sind denen ausgeliefert.

Dieses Gefühl des Ausgeliefertseins und Hilflosseins werden Sie nur zu gut kennen, und wenn es Ihnen wie den meisten Menschen geht, dann sind Sie darüber ziemlich verärgert. Vielleicht aber haben Sie sich und die Hoffnung, daß es noch einmal anders werden könnte, schon aufgegeben und haben resigniert.

Ich habe eine gute Nachricht für Sie. All dem können Sie ein Ende bereiten. Sie können das Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins gegen den Gedanken "Ich bin der Steuermann meiner Gefühle” und "Ich führe in meinem Leben selbst Regie” eintauschen.

Sie können lernen, sich so zu fühlen und so zu verhalten, wie Sie möchten, unabhängig davon, was andere sagen oder tun, oder wie die Umstände sind.

>>> Weiterlesen im Ratgeber Lass Dir nicht alles gefallen

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Einleitung

Kapitel 2
Warum sind wir schüchtern und unsicher?

Kapitel 12
Wünsche äußern und Forderungen stellen, Nein sagen und Kritik äußern

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Ich bin Rolf Merkle unendlich dankbar für dieses wunderbare Buch.

Seit ich damit intensiv arbeite, hat sich sehr viel in meinem Leben geändert. So habe ich mich z.B. gewehrt als ich beim Bankautomaten einfach übergangen wurde, vom Kellner das falsche Getränk bekam.

Bei der Arbeit habe ich mich meiner Cheffin gegenüber selbstsicher verhalten, obwohl diese sehr sturrköpfig ist.

Sabine K.

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Claudia Frey, Heidelberg
Diplom Psychologin

Ich empfehle meinen Patienten die PAL Ratgeber, weil sie wichtige Informationen in einer die Therapie unterstützenden Weise vermitteln. In der Wartezeit auf einen Therapieplatz sind die Bücher eine große Hilfe.

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