Ratgeber Selbstvertrauen

Selbstmitleid - warum wir uns damit keinen Gefallen tun

selbstmitleid

Sich gelegentlich selbst zu bemitleiden, seine Wunden zu lecken, kann guttun. Bemitleiden wir uns jedoch regelmäßig und ständig, dann schaden wir uns. Bild © XtravaganT - Fotolia.com

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Wie das Wort schon sagt, geht es beim Selbstmitleid darum, dass wir uns selbst leid tun und uns bedauern.

Wir haben vielleicht eine unangenehme Erfahrung gemacht, eine Trennung oder Entlassung, fühlen uns betrogen und hintergangen, ungerecht behandelt und bedauern uns.

Unser Gedanken kreisen darum:

Aus dem Song "Selbstmitleid" von Herbert Grönemeyer
„... Alle Türen zugeschlagen
Keiner kann Dich ertragen
Du bist einfach ein Nichts
Tu dir leid
Tu dir leid ...“

Wenn wir uns selbst bemitleiden, dann lecken wir quasi unsere Wunden. Ab und zu mal eine Prise Selbstmitleid hilft, erlittenes Unrecht oder Ungerechtigkeiten besser zu verkraften.

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Wann schadet Selbstmitleid?

Versinken wir über längere Zeit in Selbstmitleid und beschäftigen uns nur noch mit unserem Leid, dann landen wir in einer Sackgasse.

Dadurch dass wir unsere schlimme Erfahrung immer wieder vor Augen führen, vielleicht auch anderen davon erzählen, verspüren wir immer wieder denselben Schmerz.

Es ist, wie wenn wir immer wieder in eine Wunde stechen, statt sie verheilen zu lassen.

Wohlgemeinte Ratschläge von anderen tun wir vielleicht damit ab, dass diese uns nicht verstehen können, weil sie nicht in unserer Situation sind: „Du hast gut reden.“

Wir machen uns quasi immun gegen eine Veränderung. Unser Ziel ist es, von anderen bedauert, getröstet und umsorgt zu werden.

Wenn wir uns bemitleiden, machen wir uns zum Opfer des Schicksals oder anderer Menschen, da wir diesen die Schuld für unsere Lage geben.

Und wenn andere oder das Schicksal für unser Leid verantwortlich sind, dann können wir schließlich nichts tun, damit es uns besser geht. Wir sitzen in der Opfer-Falle.

Selbstmitleid macht hilflos und führt dazu, dass sich nichts zum Besseren wendet.

Langfristig führt Selbstmitleid zu Stillstand und zu Depressionen.

Wir ziehen uns von Freunden und Mitmenschen zurück und werden träge. Es machen sich Gefühle breit wie Ohnmacht, Ärger und Angst.

Vielleicht greifen wir zu Suchtmitteln, um unsere negativen Gefühle besser ertragen zu können oder um uns etwas Gutes zu tun.

Daneben müssen wir mit körperlichen Beschwerden wie z.B. Kraftlosigkeit, Schlafstörungen und Appetitmangel kämpfen.

Sich selbst ständig zu bedauern und zu bemitleiden vergiftet das eigene Gefühlsleben.

Sich ständig zu bemitleiden ist, als ob man in eine versalzene Suppe noch mehr Salz hineinschüttet.

Ratgeber Gefühle verstehen

Was tun bei Selbstmitleid?

TIPP 1: Um unser Selbstmitleid überwinden zu können, ist Voraussetzung, dass wir uns bewusst für eine Veränderung entscheiden.

Hierbei helfen die folgenden Fragen:

TIPP 2: Dann gilt es unsere Bewertung zu überprüfen. Nicht ein Ereignis als solches verursacht unser Selbstmitleid und unsere anderen negativen Gefühle sondern unsere Bewertung.

Manchmal stimmt unsere Bewertung jedoch nicht mit den Tatsachen überein.

Wir übertreiben z.B. das Ausmaß eines Ereignisses oder schätzen unsere Lösungsmöglichkeiten gering ein.

Wir sehen nur das Negative in unserem Leben und bei anderen nur das Positive.

Überprüfen können wir unsere Bewertung mit zwei Fragen:

1. Entspricht mein Gedanke den Tatsachen? Ist es wirklich so, wie ich es sehe? Sehen es andere Menschen auch so?

Beispielsweise: Werde ich wirklich von niemandem geliebt? Geht es anderen wirklich in allen Bereichen besser? Bin ich immer nur Opfer?

Ist die Welt wirklich immer ungerecht? Muss ich von jedem geliebt werden und wenn nicht, mich auf Dauer bemitleiden?

Erleben alle anderen Menschen außer mir Gerechtigkeit in dieser Welt? Wurde mir Gerechtigkeit versprochen oder ist das nur mein Wunsch?

2. Und wenn es so ist, wie ich es sehe, ist es wirklich so, dass es mir nie mehr besser gehen kann?

TIPP 3: Wir können unseren Blick ganz bewusst auf die Bereiche in unserem Leben lenken, die funktionieren:

In welchen Punkten bin ich zufrieden?
Wo habe ich meine Ziele erreicht?
Was ist bisher gut gelaufen in meinem Leben?
Wofür kann ich dankbar sein?

Ein Mann, der in wenigen Monaten stirbt, der nicht mehr gehen, aufstehen, sich waschen, alleine auf die Toilette gehen kann, sagt:

Ich gestatte mir ein Mal am Tag, mich richtig zu bemitleiden, wenn ich das brauche. Dann konzentriere ich mich auf all die guten Dinge, die es noch in meinem Leben gibt.

Es ist wunderbar, wegen der vielen Zeit, die mir gewährt wird, um mich zu verabschieden. Nicht jeder hat so viel Glück.

aus dem Buch: Dienstags bei Morrie von Mitch Albom


selbstmitleid.html

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TIPP 4: Eine andere Möglichkeit ist, unseren Blick ganz gezielt in die Zukunft zu lenken:

Wie möchte ich mich in der Zukunft fühlen? Was muss ich tun, damit es mir in Zukunft besser geht? Wer oder was könnte mir helfen, dass es mir wieder besser geht?

Je lebendiger wir uns ausmalen, dass es uns in Zukunft besser gehen wird, umso stärker sind wir motiviert, dafür etwas zu tun.

Wir können uns aus der Lähmung des Selbstmitleids befreien und wieder aktiv unser Leben gestalten, statt uns als Opfer zu fühlen.

Das Leben geht weiter - the show must go on - ob mit uns oder ohne uns.

Seine eigenen Erfahrungen bedauern heißt, seine eigene Entwicklung aufhalten. Oscar Wilde

Wenn wir das Gefühl haben, zu kurz zu kommen, wenn wir uns vom Schicksal betrogen fühlen und mit ihm hadern, dann gibt es dafür nur eine Medizin: aktiv werden und dafür sorgen, dass sich unsere Lage zum Besseren ändert.

Hierzu ein starker Filmausschnitt aus: Der blutige Pfad Gottes 2

Werden Sie aktiv! Selbstmitleid bringt Sie nicht weiter.

Fühlen Sie sich häufig als Opfer? Dann könnte Ihnen der Artikel Opferrolle aufgeben weiterhelfen.

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Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.

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  1. Leserkommentar Karin Vietheer schreibt am 23.08.2016, 00.16 Uhr

    Ich kenne einen sehr wertvollen Menschen, der durch Schickssalsschläge, Arbeitslosigkeit depressiv geworden ist. Er lebt von Hartz IV und leidet immens unter seiner Situation und unter Einsamkeit. Leider ist er für keinen Rat, wie er seine Situation ändern kann, zugänglich. Er vergleicht sich ständig mit anderen, die sich mehr leisten können. Er sitzt weitgehend vor dem PC oder liegt auf dem Bett und grübelt. Sagt selbst, dass Facebook seine einzige Verbindung zur Außenwelt sei. Dabei gibt es Menschen, die bereit sind, ihn bei einer Veränderung zu unterstützen. Es kommen jedoch ständig Einwände, warum dies oder jenes eben nicht geht. Er jammert ständig und wiederholt sich darin. Er hat nur eine feste Beziehung im Leben gehabt, die vermutlich aus diesem Grund vor 14 Jahren gescheitert ist. Er fühlt sich in seinem Umfeld gefangen, trauert seinem früheren Leben hinterher. Ich bin dabei, ihn mit Zuneigung und Verständnis aus seiner negativen Schleife heraus zu holen, weiß aber noch nicht, ob es mir gelingt. Statt immer nur darauf zu warten, dass andere sich für ihn bewegen, muss er selbst aktiv werden, um wieder Selbstvertrauen zu bekommen.

  2. Leserkommentar Karsten schreibt am 28.07.2016, 00.31 Uhr

    Völliges blödes Gefühl, dieses Selbstmitleid, leider wird es zum Hemmnis, um selber aktiv zu werden. Und man will eigentlich davon weg, aber es bremst einen aus. Erst einmal sollte jeder erst einmal das Geschehene und die Ursache so akzeptieren wie sie ist. Denn ohne dieses ist ein Neuanfang nicht möglich. Oft dient dieses Selbstmitleid nur zur persönlichen Tarnung, als Argument vor der Angst, etwas Neues zu beginnen. Kann man sich prima hinter verstecken. Denn hinter jeden Veränderung steckt ein Risiko, welches jeder natürlich minimieren möchte. Das Alte ist gewohnt und erprobt, man trauert um dieses. Und jeder möchte natürlich einen Fortschritt in seinen Leben, dieses geht aber nicht von heute auf Morgen, ist nicht auf andere abschiebbar und kostet Kraft. Also sich immer und immer wieder in den Hintern treten, irgendwann wird sich schon ein Erfolg einstellen, nur weiß keiner, wo und wann.

  3. Leserkommentar Jenny schreibt am 08.07.2016, 20.33 Uhr

    Nicht ich aber jemand in meinem früheren Umfeld suhlt sich regelrecht in seinem Selbstmitleid. Aus diesem Grund hat weder eine Beziehung noch eine Freundschaft zu ihm funktioniert. Ehrlich gesagt mag ihn niemand leiden und will länger mit ihm befreundet sein, was dazu führt das er sich in seinem Selbstmitleid bestärkt fühlt. Ich denke auch nicht das er etwas daran ändern möchte. Er sagt es zwar tut dann aber nichts. Versucht man ihn zu unterstützen ist man der/die böse und wird in den Arsch getreten. Er wird dann sogar aggressiv, zornig und beleidigend. Es geht sogar soweit das man komplett aus seinem Leben gestrichen wird. Seine Bestätigungen bekommt er dann von seinen online Freunden mit denen er World of warcraft und dergleichen spielt. Die geben ihm natürlich recht in seinem tun und handeln. Ich habe 4 Jahre meines Lebens an diesen Menschen VERSCHWENDET!

  4. Leserkommentar JoeCooker schreibt am 25.06.2016, 16.59 Uhr

    Ich bedaure mich selbst über meinen lauten Tinnitus und den daraus resultierenden Schlafstörungen!

  5. Leserkommentar Froggy schreibt am 06.05.2016, 19.30 Uhr

    Ich gestatte mir gerne mal eine gute Dosis Selbstmitleid. Stellen wir uns folgende Situation vor: Mir geht es heute dreckig und es ist wiedermal niemand da, der mir zuhören und mich aufbauen will. Alle haben gerade jetzt soooo viel im Haushalt zu tun. Und wahrscheinlich haben die einfach keine Lust, meine Jammertiraden anzuhören. Da ist es doch gut, wenn ich mir erstmal selber beistehen, mich trösten und - ja, mich ein wenig bemitleiden und bemuttern kann.

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Leserstimme Luciana schreibt am 8.11.2015

Ich habe nie gedacht, dass ein Buch mein Leben so positiv ändern könnte. Dank des Buchs "Gefühle verstehen, Probleme bewältigen" kann ich heute mein Leben positiv und glücklich gestalten.

Das wichtigste für mich ist zu wissen, dass ich selber meine negativen Gefühle losbekommen kann. Diese ist die Botschaft, die mein Leben geändert hat.

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Diplom Psychologin, Wiesbaden

Ich empfehle meinen Patienten die Bücher aus dem PAL Verlag, weil sie die Selbstveränderung auf hervorragende Weise unterstützen. Viele Menschen finden leicht Zugang zu den Inhalten durch die gut verständliche Sprache.

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