Auf PAL Homepage suchen

Ratgeber für Alkoholiker

Das Leben und die Probleme im Alltag meistern ohne Alkohol - Dr. Rolf Merkle gibt Tipps.

Ratgeber Alkoholsucht - Hilfe bei Alkoholproblemen

ratgeber alkoholsucht bestellen

Expertenempfehlung

BornDr. med. Kai Born
Facharzt für Psychosomatische Medizin, Wiesbaden

Ich empfehle die Ratgeber aus dem PAL Verlag, weil sie lebenspraktisch, einfach und inhaltlich auf den Punkt gebracht sind.

Lesenswerte Beiträge zum Thema Sucht

Alkoholismus Test
Bin ich suchtgefährdet oder bereits schon alkoholabhängig?

Medikamentenabhängigkeit

Arbeitssucht

Hilfe für Angehörige psychisch kranker Menschen

diesen artikel empfehlen

Lebensfreude Kalender 2015

Hilfe bei Alkoholproblemen - Leben ohne Alkohol

Mann mit Flasche Alkohol

Der Weg in die Alkoholsucht verläuft schleichend und fast unbemerkbar. Bis Betroffene erkennen, dass sie abhängig sind, vergehen oft viele Jahre. Bild © Yurok Aleksandrovich-Fotolia

Autor dieses Beitrags: , Diplom-Psychologe

"Alkoholsucht? Das kann mir nicht passieren. Ich brauche Alkohol nicht und kann jederzeit aufhören", so mögen Sie vielleicht denken.

Tatsache ist: etwa zehn Prozent der Bundesbürger haben einen riskanten Alkoholkonsum und rund 1,8 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig.

Der Weg in den Alkoholismus verläuft in 3 Stufen

1. Stufe Problemtrinken: Wir haben Langeweile, Schmerzen, fühlen uns deprimiert, ängstlich, unsicher oder sind angespannt und trinken Alkohol, um diese Probleme zu vergessen und um uns besser zu fühlen.

Vielfach sind unsere Eltern oder unser Freundeskreis für uns Vorbilder oder ermuntern uns sogar, Alkohol zu trinken, um geselliger und lockerer zu sein.

Und tatsächlich: schon nach einigen Schluck Alkohol lassen die Schmerzen nach, Anspannung und Unsicherheit lösen sich in Luft auf oder werden schwächer.

Wir lernen: Alkohol lindert unangenehme Gefühle. Mit Alkohol geht es uns besser. Wir ertragen die Probleme besser, haben weniger Angst.

2. Stufe Psychische Abhängigkeit: Wir greifen immer häufiger zum Alkohol als Problemlöser. Irgendwann kommen wir gar nicht mehr auf die Idee, unsere Probleme ohne Alkohol zu lösen.

Wir greifen automatisch zum Alkohol. Es ist sehr einfach, sich mit Suchtmitteln zur Entspannung zu verhelfen, seine Hemmungen abzubauen und quälende Sorgen zu vertreiben.

3. Stufe Körperliche Abhängigkeit: Schließlich gewöhnt sich unser Körper so stark an das Suchtmittel, dass wir körperlich abhängig werden. Er betrachtet das Suchtmittel als körpereigene Substanz und meldet, wenn sich zu wenig von dieser Substanz im Körper befindet.

Dies äußert sich dann durch Entzugserscheinungen wie etwa einem intensiven Verlangen nach Alkohol (Suchtdruck), innerer Unruhe, Zittern, Angstgefühlen und Schweißausbrüchen.

Wir fühlen uns erst dann leistungsfähig, wenn wir einen genügend hohen Alkoholspiegel haben.

Wir werden also zunächst erst psychisch abhängig, d.h. glauben, nur durch das Suchtmittel Alkohol unsere Probleme lösen zu können.

Dann folgt die körperliche Abhängigkeit. Wenn wir körperlich abhängig sind, trinken wir aus Angst vor den Entzugserscheinungen und um zu verhindern, dass der Partner, die Freunde und Arbeitskollegen merken, dass wir alkoholabhängig sind.

Liegt eine körperliche Abhängigkeit vom Alkohol vor, gibt es keinen Weg mehr zurück zu einem gemäßigten, kontrollierten Trinken.

Woran erkennt man eine Alkoholsucht?

Die psychische Abhängigkeit ist dann vorhanden, wenn wir glauben, nur noch durch den Alkohol Erleichterung zu bekommen bzw. eine bestimmte Situation nur mit Alkohol aushalten zu können.

Es geht nicht mehr um das Genießen eines Gläschen Weins in geselliger Runde, sondern wir trinken wegen der Wirkung auf unseren Körper. Wir trinken, bis die gewünschte entspannende Wirkung eintritt.

Da der Körper sich an den Alkohol gewöhnt, müssen wir die Alkoholdosis immer mehr erhöhen, um die gleiche Wirkung zu erzielen.

Die Tatsache, dass wir viel vertragen, ist also kein Grund, stolz zu sein, sondern eher ein Alarmzeichen, dass wir auf den Weg zur Sucht sind.

Weitere Alarmsignale für eine Alkoholsucht sind, wenn wir

Nach medizinischen Untersuchungen sind männliche Erwachsene gefährdet, wenn sie täglich mehr als 40 bis 50 g reinen Alkohol ( etwa 2-3 Flaschen Bier oder einen halben Liter Wein oder 4-5 Schnäpse) trinken, und Frauen, wenn sie mehr als 20g Alkohol trinken.

Regelmäßiger auch geringer Alkoholkonsum führt zu körperlichen Schädigungen.

Folgen des Alkoholmissbrauchs können sein: Bluthochdruck, Krebs der Mundhöhle, Leberschäden, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse und der Magenschleimhaut, Potenzprobleme.

Was tun, wenn man gefährdet oder bereits alkoholkrank ist?

Viele Menschen versuchen sich selbst zu beruhigen, dass sie jederzeit aufhören können und ihr Trinkverhalten ganz normal sei. Sie haben Angst davor, sich eingestehen zu müssen, "zu den Alkis oder Tippelbrüdern zu gehören".

Auch die Angehörigen versuchen meist, nach außen hin das Suchtproblem des Partners zu verbergen und herunterzuspielen und werden so zum "Mittäter" des Alkoholkranken. Man spricht auch von Co-Abhängigkeit.

Video - ein Komatrinker berichtet über seinen Weg aus der Sucht

Mittäter deshalb, weil sie den alkoholkranken Partner immer wieder davor bewahren, dass er die Konsequenzen seines exzessiven Alkoholkonsums zu spüren bekommt.

So entschuldigen sie den Partner beim Arbeitgeber, beseitigen die Schäden, die der Alkoholkranke im Rausch anrichtet, usw.

Der erste und wichtigste Schritt für Betroffene ist, sich einzugestehen, dass sie ein Alkoholproblem haben und Hilfe brauchen.

Wenn eine körperliche Abhängigkeit vorliegt, dann muss zuerst eine körperliche Entgiftung in einer Klinik stattfinden. Die körperliche Entgiftung dauert etwa 10 bis 14 Tage.


Wie bewerten Sie diesen Artikel?

4.5 stars
Leserbewertung: 4.5 Sterne (609 Besucher haben bewertet.)




Unmittelbar danach folgt eine psychotherapeutische Behandlung in einer psychosomatischen Klinik oder Suchtklink. Der Betroffene wird in dieser Zeit auf ein Leben ohne Alkohol vorbereitet, und er lernt, seine Probleme auf andere Weise, als durch Alkohol, zu lösen.

Im Anschluss an den Klinikaufenthalt empfiehlt sich der regelmäßige Besuch einer Selbsthilfegruppe (Anonyme Alkoholiker (AA), Guttempler-Orden, Kreuzbund oder Blaues Kreuz.

Leserzuschrift

Ein Angehöriger eines Alkoholkranken schrieb mir:
Mein Lebenspartner hat seit Jahren Alkoholprobleme und war schon zweimal zur Entgiftung. Nachdem er nun wieder heimlich trinkt, habe ich ihn gebeten, auszuziehen. Ich habe Angst, dass er gewalttätig wird. Er will jedoch nicht ausziehen und behauptet, nur in gewohnter Umgebung könne er seine Sucht besiegen, und droht mit Selbstmord. Wie sehen Sie die Situation?

Meine Antwort
So wie Ihnen ergeht es vielen Angehörigen von Suchtmittel abhängigen Menschen. Aus Mitleid und um ihren Partner vor noch größerem Elend zu schützen, verbleiben sie in einer Partnerschaft, die sie unglücklich macht oder gar selbst zerstört.

Sie wollen helfen und werden dabei selbst zum Opfer. Ihr Lebensgefährte hat schon mehrmals die Chance gehabt, etwas gegen seine Sucht zu unternehmen. Sie haben ihn bereits zweimal durch seine Entgiftung begleitet und sich wieder Hoffnung gemacht, dass alles in Ordnung kommen wird.

Er hat Ihre Unterstützung jedoch nicht genutzt, sondern Sie weiterhin belogen. Sie selbst sehen jetzt keine Chance auf Veränderung, denn sonst hätten Sie ihn nicht gebeten, auszuziehen.

Bleiben Sie bei Ihrer Forderung. Ihr Partner muss die Konsequenzen seines Handelns spüren. Bitten Sie ihn, sich an eine Suchtberatungsstelle zu wenden und sich einer Selbsthilfegruppe wie z.B. den Anonyme Alkoholikern oder dem Blauen Kreuz anzuschließen.

Seine alleinige Beteuerung, nichts mehr zu trinken, ist wertlos. Er muss konkrete Schritte einleiten und sie auch konsequent ausführen.

Wenn Sie Mitleid mit Ihrem Partner haben oder Angst davor haben, dass er sich oder Ihnen etwas antut, und ihn deshalb weiter unterstützen, dann machen Sie sich zum Co-Abhängigen.

Halten Sie sich vor Augen: selbst wenn er nach seinem Auszug immer weiter bzw. immer mehr trinken sollte, sind Sie nicht daran schuld.

Er ist für sein Handeln und Leben verantwortlich. Sie können ihn nicht retten. Das kann er nur selbst tun.

© 1999-2014 PAL Verlag - Der Weg in die Alkoholabhängigkeit - Alkoholismus - Suchthilfe bei Alkoholsucht
Impressum/Haftung/Copyright/Datenschutz