Arbeitssucht – Ursache, Symptome, Therapie

Wenn Sie ein Workaholic sind und etwas gegen Ihre Arbeitssucht unternehmen möchten. In diesem Beitrag erhalten Sie konkrete Hilfestellungen.

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Was sind die Ursachen der Arbeitssucht? Welche Symptome verspürt man bei einer Arbeitssucht und wie wird eine Arbeitssucht behandelt? Welche Folgen hat die Arbeitssucht für die Partnerschaft? Arbeitssucht wird wie folgt definiert: Von Arbeitssucht oder Workaholismus spricht man, wenn Betroffene einen extrem hohen Arbeitseinsatz bringen und ihr Verhalten zwanghafte bzw. suchthafte Züge hat.

Das Denken und Verhalten der Arbeitssüchtigen ist nahezu ausschließlich auf ihre Arbeit gerichtet. Freizeit, Familie, Partnerschaft und das körperliche Wohlbefinden werden vernachlässigt. Wer viel und erfolgreich arbeitet, bekommt gewöhnlich sehr viel Anerkennung. Der Chef freut sich über engagierte und pflichtbewusste Mitarbeiter und er stellt diese lobend als Vorbild für andere hin.

Und hoher beruflicher Einsatz führt meist auch zu beruflichem und finanziellem Erfolg. Deshalb mag es für Sie nur schwer erkennbar sein, dass mit Ihrem Arbeitsverhalten etwas nicht stimmt, dieses krankhaft sein und einen Suchtcharakter haben soll. Vielleicht haben Sie einige warnende Stimmen aus Ihrem Freundes- und Kollegenkreis oder aus dem Mund Ihres Partners gehört, aber Sie konnten deren Meinung nicht teilen. Vielleicht verspüren Sie schon erste körperliche Anzeichen, dass Ihr Körper überlastet ist und eine Auszeit braucht.

Arbeitssucht und Burnout gehen oft Hand in Hand. Nehmen Sie die Arbeitssucht also nicht auf die leichte Schulter – Ihnen und Ihrer Familie zuliebe.

Arbeitssucht Ursachen

Die Arbeitssucht ist eine nichtstoffliche Sucht. Wie bei jeder Sucht hat das Suchtmittel – in diesem Fall die Arbeit – eine Funktion. Arbeitssüchtige erhoffen sich durch ihren enormen Arbeitseinsatz Anerkennung und Bestätigung, die sie in der Regel auch bekommen. Ihr Ansehen in der Firma steigt und dies tut ihrem Selbstwertgefühl gut.

Durch die verbale und vielleicht auch finanzielle Anerkennung wird ihre Arbeitssucht belohnt und verstärkt.

Arbeitssucht – Symptome und Folgen

Eine Arbeitssucht hat vielfältige Auswirkungen auf das körperliche Befinden und die Beziehung zum Partner. Zu den körperlichen Begleiterscheinungen der Arbeitssucht gehören etwa: hoher Blutdruck, Herzbeschwerden, ein nervöser Magen, Kopfschmerzen oder ein ständiges Pfeifen im Ohr (Tinnitus). Durch die körperlichen Beschwerden kommt es öfters zu krankheitsbedingten Ausfällen und Fehlzeiten. Die psychischen Folgen der Arbeitssucht sind oft ein Burnout.

Die Gedanken kreisen unentwegt um die Arbeit – auch in der Freizeit. Betroffene können am Abend und an den Wochenenden nicht abschalten und entspannen. Das soziale Umfeld und die Angehörigen der Betroffenen leiden in der Regel unter der Arbeitssucht. Partnerschaftprobleme und Streit mit dem Partner sind fast unumgänglich, da der Partner, die Familie und Freunde zu kurz kommen.

Eine Arbeitssucht belastet immer die sozialen Beziehungen.

Arbeitssucht – Tipps zur Selbsttherapie

 

Wenn die Arbeit zur Sucht wird, bleibt vieles auf der Strecke, vor allem die Lebensqualität, Freunde und die Partnerschaft. Tipps für den Umgang mit der Arbeitssucht.

TIPP 1:    Verschaffen Sie sich einen Überblick.

Beginnen Sie damit, den Arbeitssucht Test zu machen, um herauszufinden, welche Denk- und Verhaltensweisen im Augenblick Ihren Alltag bestimmen. Sie können hierzu auch Menschen in Ihrem Umfeld, zu denen Sie Vertrauen haben, fragen, ob diese Sie für arbeitssüchtig halten.

TIPP 2:   Suchen Sie nach den Ursachen für Ihre Arbeitssucht.

Hierzu bedarf es vielleicht therapeutischer Unterstützung. Hier einige mögliche Motive für Ihre Überarbeitung. Die Leitfrage, die Sie sich stellen sollten, ist: Was würde passieren, wenn ich täglich nur 8 Stunden arbeiten würde und die Wochenenden frei hätte?

Womit würden oder müssten Sie sich dann beschäftigen? Wie würden Sie sich dann fühlen? Was würde Ihnen dann fehlen? Generell entscheiden wir uns alle mehr oder weniger bewusst für diejenigen Verhaltensweisen, die uns einen Vorteil oder Gewinn versprechen. Auf die Arbeitssucht übertragen heißt dies: Sie sehen einen Gewinn darin, die Arbeit als oberstes Ziel für Ihr Leben zu wählen. Entweder sehen Sie in Ihrer Arbeitssucht keine Nachteile oder sind bereit, deren langfristige körperliche und familiäre Nachteile in Kauf zu nehmen.Umgekehrt sehen Sie Nachteile, wenn Sie nicht mehr übermäßig arbeiten.

Was könnte der Gewinn für Ihre Arbeitssucht sein?

Ihre Flucht in die Arbeit könnte ein Versuch sein,

  • sich nicht mit Problemen und Konflikten in der Partnerschaft oder Familie auseinandersetzen zu müssen.
  • Ihr geringes Selbstwertgefühl zu stärken.
  • Aufmerksamkeit, Lob und Anerkennung zu bekommen.
  • eine innere Leere zu betäuben.
  • eine Lebenskrise (z.B. Trennung, Trauer, Kränkung, Midlife-Crisis) zu bewältigen.
  • Ihrem Leben einen Sinn zu geben.
  • Ihre Versagensangst zu mildern.

TIPP 3:   Akzeptieren Sie, ein Problem mit Ihrem Arbeitsverhalten zu haben.

Besonders dann, wenn Sie gerne immer perfekt sein möchten, fällt es Ihnen wahrscheinlich schwer, zuzugeben, dass Sie im Augenblick Verhaltensweisen haben, die Ihnen schaden. Bitte verurteilen Sie sich nicht dafür. Sie haben sich für diese in bester Absicht entschieden und keine gesehen, die Ihnen geeigneter erschienen. Satt sich für Ihre Arbeitssucht zu verurteilen oder Schuldgefühle zu machen, entscheiden Sie sich dafür, alles zu tun, um dieses schädliche Verhalten in Zukunft zu ändern.

TIPP 4:   Suchen Sie nach alternativen Verhaltensweisen.

Ihre Arbeitssucht lässt sich nicht einfach durch die Entscheidung, von nun an mehr Zeit für Familie, Freizeit und Entspannung einzusetzen, überwinden. Das haben Sie vielleicht selbst schon am eigenen Leib bemerkt. Sie müssen ganz bewusst nach Wegen suchen, wie Sie das, was Sie durch Ihr Suchtverhalten gewinnen, auf gesunde Weise erreichen können. Vielleicht müssen Sie lernen, Ihr Selbstwertgefühl zu stärken, um von der Anerkennung und Bestätigung durch andere unabhängiger zu werden. Vielleicht müssen Sie sich aktiv auf die Suche nach einem Hobby machen, das Sie ausfüllt und befriedigt.

TIPP 5: Erstellen Sie eine Werteliste.

Überlegen Sie sich, welche Werte in Ihrem Leben am wichtigsten sind - beispielsweise

  • Gesundheit,
  • Lebensfreude,
  • beruflicher Erfolg,
  • Liebe,
  • finanzielle Sicherheit,
  • Freiheit,
  • Weiterentwicklung,
  • Freundschaft,
  • Spaß,
  • Abwechslung, usw.

Schauen Sie sich das Video Die Kunst zu leben und die Weisheit für ein erfülltes Leben an. Möglicherweise entdecken Sie Werte, die Ihnen von nun an nicht mehr so wichtig sind wie Karriere und Erfolg.

TIPP 6: Erstellen Sie einen konkreten Plan.

Überlegen Sie sich, was Sie im Augenblick tun, um diese Werte von Punkt 5, die Ihnen am wichtigsten sind, in Ihrem Leben zu verwirklichen bzw. was Sie in Zukunft dafür ganz konkret tun möchten.

TIPP 7: Suchen Sie nach hilfreichen Einstellungen.

Fragen Sie sich: Welche Einstellungen benötige ich, um mich in Zukunft anders verhalten zu können? Beispielsweise: "Mein Körper ist mein Begleiter, um den ich mich in Zukunft kümmern möchte. Ich achte darauf, wann er eine Pause braucht, und werde sie dann auch machen." Oder: "Ich möchte meine Partnerschaft erhalten. Deshalb nehme ich mir die Wochenenden frei, um mit meiner Familie etwas zu unternehmen."

TIPP 8: Folgen Sie Ihrem Plan.

Nehmen Sie sich z. B. bewusst täglich eine halbe Stunde Zeit für die Mittagspause und gehen Sie in die Kantine, auch wenn Sie von Ihrem Gefühl her glauben, die Zeit dafür nicht zu haben. Mit zunehmender Übung wird es für Sie (wieder) ganz natürlich sein, sich unter Tage eine Auszeit zu gönnen. Eine andere Strategie ist ein Entspannungsverfahren oder eine Atemübung zu erlernen und diese täglich einmal vormittags und einmal nachmittags in der Firma (etwa in den Pausen) einzusetzen.

TIPP 9: Holen Sie sich Unterstützung.

Beispielsweise können Sie mit Ihrem Partner oder einem Kollegen über Ihren Plan sprechen und fragen, wie diese Ihnen bei der Einhaltung und Umsetzung helfen können. Sie können sich aber auch an eine Arbeitssucht-Selbsthilfegruppe oder einen Psychotherapeuten wenden. In seiner Arbeit aufgehen und daran Spaß haben ist ein Geschenk. Wenn die Arbeit jedoch der einzige Lebensinhalt ist, wenn man die Arbeit wie ein Süchtiger braucht, dann ist das ein Warnzeichen!

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