Informationen zum Waschzwang
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Gerade ist hinter Frau K. die Haustür ins Schloss gefallen, als sie voller Panik wieder aufschließt und die Treppen hinaufstürmt. Ist der Herd auch wirklich abgedreht, der Stecker des Föns aus der Steckdose gezogen? Sie muss es einfach nochmals überprüfen, obwohl sie diese Zeremonie heute schon dreimal hinter sich gebracht hat. Es wird immer schlimmer. Anfangs genügte es, einmal zu kontrollieren. Jetzt kommt sie erst zur Ruhe, wenn sie viermal in die Wohnung zurückgekehrt ist. Sie braucht immer länger, bis sie morgens im Büro ankommt. Sie weiß, dass ihr Verhalten nicht normal ist, doch alle Willenskraft scheint nicht ausreichend, den Kreislauf zu durchbrechen. Zweifel quälen sie, eines Tages wirklich verrückt zu werden. Deshalb setzt sie alles daran, ihr merkwürdiges Verhalten vor der Umwelt zu verbergen.
Marotten und etwas ungewöhnliche Eigenheiten kennen die meisten Menschen in irgendeiner Form. Sie glauben an Glückszahlen, klopfen auf Holz, brauchen eine bestimmte Ordnung am Schreibtisch.
Wir sprechen von einer Zwangserkrankung, wenn
die Betroffenen stark unter ihrem Verhalten leiden,
sie in ihrem Alltag stark beeinträchtigt sind,
sie sehr viel Zeit und Energie durch dieses Verhalten verlieren,
sie ihr Verhalten als sinnlos und unbeeinflussbar ansehen.
Betroffene wissen oft nicht, dass es sich bei ihren Zwängen um eine chronische Erkrankung handelt. Deshalb dauert es auch 7 bis 10 Jahre, bis sie therapeutische Hilfe suchen. Neben Depressionen, Angststörungen und Süchten sind Zwänge die vierthäufigste psychische Erkrankung.
Neben dem Zwang, wie Frau K. etwas kontrollieren zu müssen, treten Zwangsgedanken sehr häufig auf. Herr L. bekommt beispielsweise die Idee nicht mehr aus dem Kopf, dass er seine Frau mit einem Messer umbringen könnte. Er ist ein friedliebender Mensch und deshalb erschreckt ihn diese Vorstellung ganz besonders. Um seine Frau nicht in Gefahr zu bringen, schließt er die Messer nachts ein, geht Messern und Scheren, so gut es geht, aus dem Weg. Eine andere Variante der Zwangsgedanken sind Grübelgedanken. So malt sich Frau J. beispielsweise immer wieder aus, dass sie an Aids erkranken und jämmerlich sterben wird. Herr W. quält die Phantasie, er könnte mit dem Auto jemanden überfahren und es nicht bemerken.
Sicher ist, dass die Erfahrungen in der Kindheit eine Rolle spielen. Wenn ein Mensch als Kind hohe Anforderungen an Leistung, Perfektion oder Sauberkeit erfüllen muss und für Fehler nur Kritik und Vorwürfe zu hören bekommt, kann er als Erwachsener sehr verunsichert sein. Er hält dann das gesamte Leben für gefährlich und misstraut den Menschen. In einer Krise, z.B. ausgelöst durch Überforderung, Tod eines nahen Angehörigen oder Trennung des Partners, neigt er dann dazu, sich gegen alle möglichen Gefahren absichern zu wollen. Die Ordnung und Sicherheit, die er in der Welt vermisst, versucht er durch Rituale und starre Handlungsabläufe zu schaffen. Ist der Zwang erst einmal entstanden, bleibt er von selbst weiter bestehen. Da der Betroffene glaubt, wenn er sein Ritual aufgeben würde, würde Schlimmes passieren, behält er es bei.
Manchmal genügt eine Anleitung zur Selbsthilfe, um den Zustand zu verbessern. Manchmal, abhängig von der Art, Schwere und Langwierigkeit der Zwangserkrankung, ist eine Psychotherapie unerlässlich. Der wirkungsvollste Therapieansatz in der Behandlung von Zwangshandlungen und Zwangsgedanken ist die Verhaltenstherapie.
Der Betroffene muss lernen, mit den Situationen, die seine Ängste und Zwangshandlungen auslösen, wieder normal umzugehen. Er muss sich unter Anleitung des Therapeuten den Situationen stellen, in denen er sich zwanghaft verhält und sein zwanghaftes Verhalten unterlassen. Das erfordert Durchhaltevermögen. Manchmal wird die Therapie für eine befristete Zeit auch durch Medikamente unterstützt. In den meisten Fällen ist eine wirksame Hilfe möglich und der Betroffene kann seine Zeit wieder mit Handlungen verbringen, die ihm Spaß machen.
© 1999-2010 PAL Verlag - Zwänge verstehen - Hilfe bei Zwangsgedanken und Zwangshandlungen - Tipps für Angehörige
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