Depressionen - Therapie und Behandlung


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Selbsthilfe Ratgeber zur Überwindung von Depressionen

Jetzt in der 14. überarbeiteten Auflage

Hilfe bei Depressionen - Ratgeber von Dr. Rolf Merkle

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Dr. Rolf Merkle Dr. Rolf Merkle - Diplom Psychologe, Psychotherapeut

Wenn Ihre Depressionen sehr stark sind und schon mehrere Wochen anhalten, dann sollten Sie sich psychotherapeutische Unterstützung bei einem psychologischen Psychotherapeuten holen. Sie benötigen keine Überweisung von Ihrem Hausarzt. Sie können direkt einen Termin mit einem Psychotherapeuten vereinbaren. Psychotherapeuten Anschriften und Informationen zum Ablauf einer Psychotherapie.

Es gibt zwei Therapieverfahren, die hauptsächlich in der Behandlung von Depressionen eingesetzt werden:

- die kognitive Verhaltenstherapie
Die kognitive Verhaltenstherapie (ohne medikamentöse Behandlung) wird hauptsächlich bei leichten bis mittelschweren Depressionen eingesetzt. Die Methoden der Kognitiven Verhaltenstherapie sind wirksame Mittel, um Ihre negativen Gedanken und Gefühle besser in den Griff zu bekommen. Mit ihrer Hilfe können Sie lernen, Schritt für Schritt Ihre negativen und belastenden Gedanken zu überwinden und so wieder mehr Freude in Ihr Leben zu bringen.

- die medikamentöse Behandlung
Bei sehr schweren Depressionen werden gewöhnlich zusätzlich zur Psychotherapie sogenannte Antidepressiva verordnet. Diese machen nicht abhängig und sie wirken gezielt auf die Veränderungen des Hirnstoffwechsels ein, die mit der Depression einhergehen.

Die Einnahme von Antidepressiva führt anfangs zu Nebenwirkungen, wie etwa zu Sehstörungen, Mundtrockenheit, Verstopfung, Herzrhythmusstörungen oder ständigem Harndrang. Mit der Zeit nehmen diese Nebenwirkungen meist ab. Bis eine Besserung der Depression eintritt, vergehen meist 2 bis 4 Wochen.

Auch Johanniskraut in hoher Dosis (zwischen 900 mg und 1800 mg Extrakt täglich) kann bei leichten und mittelschweren Depressionen gute Erfolge erzielen.

Manchmal ist es auch sinnvoll, Medikamente zu Beginn einer Psychotherapie zu nehmen. Medikamente können es depressiven Menschen nämlich erleichtern, in einer Psychotherapie besser mitzuarbeiten.

Auf keinen Fall jedoch sollten Sie sich damit abfinden, wenn Ihr Arzt Ihnen als einzige Therapie lediglich Medikamente verschreibt.

In einem solchen Fall sollten Sie sich zusätzlich unbedingt an einen Psychotherapeuten wenden. Medikamente alleine können in der Regel eine Depression nicht heilen, da die Medikamente nicht an den (psychischen) Ursachen ansetzen. Medikamente können lediglich die Symptome lindern, indem sie z.B. antriebssteigernd, stimmungsaufhellend oder angstdämpfend wirken.

Sehr wichtig: Die medikamentöse Behandlung der Depressionen gehört in die Hand eines Facharztes, d.h. eines Psychiaters bzw. Nervenarztes. Er hat die meisten Erfahrungen mit der Verordnung und Wirkung von Psychopharmaka. Hausärzte haben in der Regel zu wenig Erfahrung mit der Verabreichung von Antidepressiva. Die psychotherapeutische Behandlung gehört in die Hände eines psychologischen Psychotherapeuten, der mit den Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie arbeitet.

Bei schwersten Depressionen, bei denen weder Medikamente noch eine Psychotherapie Erfolg haben, setzt man auch die Elektrokrampftherapie und die transkranielle Magnetstimulation ein, bei denen bestimmte Bereiche des Gehirns mit elektrischem Wechselstrom bzw. starken Magnetfeldern beeinflusst werden.

Bei leichten bis mittelschweren Depressionen können Sie sich möglicherweise selbst therapieren, etwa mit Hilfe eines Selbsthilfe Ratgebers. Hier die wichtigsten Hilfestellungen und Tipps für die Überwindung depressiver Verstimmungen.

Selbsthilfe Strategien bei Depressionen

1. Akzeptieren Sie Ihre Depressionen - für den Augenblick
Sie sind momentan seelisch und körperlich nicht auf der Höhe. Ihre Leistungsfähigkeit hat nachgelassen und vieles fällt Ihnen, im Vergleich zu früher, schwerer. Vermutlich sagen Sie sich öfters: "Jetzt schaffst du noch nicht einmal mehr das. Du bist zu nichts mehr zu gebrauchen". Verständlich, dass Sie von sich enttäuscht und deprimiert sind. Mit solch negativen und selbstabwertenden Gedanken verschlimmern Sie Ihre Depressionen. Haben Sie Nachsicht mit sich. Es gibt keinen Grund, sich wegen Ihrer Depressionen zu verurteilen. Sagen Sie sich, dass Sie im Augenblick traurig oder verzweifelt sind und dass Ihre Depressionen wieder vorübergehen werden. Nehmen Sie Ihre depressive Verstimmung zum Anlass, sich zu fragen, was Sie in Ihrem Leben als ausweglos und unerträglich ansehen, und suchen Sie nach Lösungsmöglichkeiten.

2. Setzen Sie sich kleine Ziele für den Tag
Haben Sie Geduld mit sich. Selbstvorwürfe, weil Ihnen alles nicht mehr so leicht von der Hand geht, und Überforderung, weil Sie mehr von sich verlangen, als Sie im Moment bewältigen können, verschlimmern Ihre Depressionen. Geben Sie sich "mildernde Umstände" und treffen Sie keine großen Entscheidungen.

Hilfreich ist es, sich kleine Tagesziele zu setzen, sich kleine Aktivitäten vorzunehmen und sich dafür zu loben und zu belohnen. Stellen Sie sich vor, Sie hätten ein Gipsbein. Würden Sie dann von sich verlangen, genauso schnell gehen können zu müssen, als hätten Sie keinen Gips? Wahrscheinlich nicht. Ihre Depressionen sind im Moment wie ein Gips. Sie verhindern, dass Sie wie früher denken, handeln und fühlen können. Haben Sie also Geduld mit sich! Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem Ihr Gips abgenommen wird und Sie wie früher wieder frei und unbeschwert gehen können.

3. Lenken Sie Ihren Blick auf Positives oder Neutrales
Wenn Sie depressiv sind, kreisen Ihre Gedanken um die Situation, die Sie als hoffnungslos und unerträglich bewerten. Immer wieder wiederholen Sie in Ihren Gedanken, wie schlimm die Situation ist und dass Sie so nicht weiterleben können. Sie stellen immer wieder Fragen wie etwa: Warum musste das mir passieren? Wie soll ich ohne ... weiterleben? Wie soll ich das aushalten?

Neue Fragen können Ihnen dabei helfen, eine neue Blickrichtung und Lösungen für Ihre Situation zu finden. Solche Fragen könnten sein: Was genau kann ich tun, um meine Situation zu meiner Zufriedenheit zu ändern? Wer kann mir dabei helfen? Wie haben andere diese Situation bewältigt? Wo habe ich früher schon einmal eine solche Situation gut bewältigt? Was hat mir damals geholfen?

4. Setzen Sie sich in Bewegung - besonders hilfreicher Tipp
Körperliche Bewegung verbessert Ihre Stimmung. Untersuchungen weisen darauf hin, dass wir allein durch regelmäßige körperliche Bewegung Depressionen lindern können. Körperliche Bewegung verschafft Ihnen das Gefühl, etwas bewirken zu können. Sie haben vielleicht nach langer Zeit wieder mal ein Erfolgserlebnis - auch wenn die ersten Schritte beschwerlich waren und Ihnen schon nach kurzer Zeit die Puste ausging. Sie erleben, dass Sie etwas schaffen können, was Sie sich vorher nicht zugetraut haben. Mit jedem Schritt bekommen Sie mehr Selbstvertrauen und neuen Mut. Sie kommen auf andere Gedanken. Ihre Gedanken kreisen nicht mehr um Ihre Probleme und Ihre Freudlosigkeit, sondern darum, was in Ihrem Körper passiert. Und schließlich tanken Sie im Freien auch Licht, was die Stimmung aufhellt. Besonders geeignet sind Gartenarbeiten, Spaziergänge, Radfahren, Joggen oder Walken (mindestens zwei Stunden pro Woche, 30 Minuten pro Einsatz).

5. Nehmen Sie Johanniskrautpräparate - sehr zu empfehlen
Pflanzliche Präparate wie das Johanniskraut sind bei leichteren bis mittelschweren Depressionen wirksam, haben gleichzeitig aber weniger Nebenwirkungen wie klassische Antidepressiva. Bereits nach zwei bis drei Wochen ist meist eine Verbesserung der depressiven Verstimmung zu spüren. Kaufen Sie das Johanniskraut-Präparat nicht in der Drogerie oder im Internet. Suchen Sie einen Psychiater oder einen auf Naturheilkunde spezialisierten Hausarzt auf. In den Johanniskraut-Präparaten, die man im Supermarkt erhält, ist die Konzentration meist zu gering.

6. Sorgen Sie für eine gesunde Ernährung
Untersuchungen haben gezeigt, dass sich eine eiweißarme, kohlenhydratreiche Ernährung mit viel Fisch und Olivenöl positiv auf die Stimmung auswirken.

7. Verzichten Sie darauf, sich tagsüber hinzulegen und zu schlafen
Wenn Sie schlecht einschlafen können, dann sollten Sie tagsüber nicht schlafen. Gehen Sie abends erst ins Bett, wenn Sie müde sind - also nicht, weil es dafür „Zeit ist“ oder Sie sonst nichts mit sich anzufangen wissen. Begrenzen Sie Ihre Schlafenszeit auf insgesamt 7 Stunden pro Tag. Mehr zu Schlafstörungen.

Auf keinen Fall sollten Sie ausschließlich Medikamente zur Überwindung Ihrer Depressionen nehmen. Medikamente können unterstützend helfen, setzen jedoch - außer bei endogenen Depressionen - nicht an den Ursachen Ihrer Depression an. Machen Sie begleitend zur medikamentösen Therapie auf jeden Fall eine Psychotherapie bei einem psychologischen Psychotherapeuten.

Es gibt Hilfe, wirkungsvolle Hilfe. Machen Sie von einer Psychotherapie Gebrauch, auch wenn Sie das Gefühl haben, nicht alleine mit Ihrer depressiven Stimmung fertig zu werden. Wenn Sie daran zweifeln, dass Ihnen zu helfen ist, dann denken Sie bitte daran: Ihre Zweifel sind ein Symptom Ihrer Krankheit. Sie sind kein Beweis dafür, dass es keine Hilfe für Sie gibt. Depressionen sind heilbar.

In einer Therapie lernen Sie, mit beruflichen, familiären und persönlichen Belastungen umzugehen. Sie werden seelisch belastbarer, lernen Probleme zu lösen und mit negativen Gefühlen umzugehen. Mehr darüber erfahren Sie hier Depressionen als Folge ungenügender Bewältigungsstrategien.


Eine Leserfrage eines Angehörigen
Wie kann ich meiner depressiven Frau helfen?
Meine Frau leidet seit 3 Monaten unter einer schweren Depression. Sie liegt fast nur im Bett und vernachlässigt den Haushalt. Sie isst kaum noch und starrt die Wand an.

Ich habe ihm geantwortet.
Ihre Frau benötigt dringend eine psychotherapeutische Behandlung. Von Ihnen braucht Sie viel Verständnis und Geduld. Sie hat Angst, nie mehr glücklich sein zu können. Sprechen Sie ihr Mut zu, dass sie wieder aus den Depressionen herauskommen wird. Stellen Sie ihr immer wieder kleine Aufgaben, die sie erfüllen kann. Denken Sie daran, schon das Aufstehen oder Einkaufen kostet sie viel Kraft. Ihre Frau braucht Erfolgserlebnisse und das Gefühl, noch nützlich zu sein und gemocht zu werden. Ermutigen Sie Ihre Frau immer wieder, eine Therapie zu machen und machen ihr klar, dass es Hilfe gibt, auch wenn sie äußert, dass doch alles sinnlos sei und ihr nicht zu helfen sei.


Alles Gute für Sie. Werden Sie wieder gesund.

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