Liebeskummer in der Partnerschaft

Warum haben wir Liebeskummer?

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Liebeskummer in der Partnerschaft

Die Themen:
Was passiert in uns, wenn wir verlassen werden und Liebeskummer haben?
Wann ist die harte Phase des Liebeskummers vorbei?
Woher kommt dieser fast unerträgliche Schmerz nach einer Trennung, den man als Liebeskummer bezeichnet?

Dr. Doris Wolf, Expertin für Liebeskummer Dr. Doris Wolf - Diplom Psychologin, Psychotherapeutin

Was passiert in uns, wenn wir verlassen werden und Liebeskummer haben?

Traumhochzeit und danach immerwährende Liebe, Verständnis und Glücklichsein, so stellen sich die meisten von uns ihre Partnerschaft vor. Auch wenn nach der Statistik jede dritte Ehe vor dem Scheidungsrichter endet, reden wir uns ein,  niemals davon betroffen zu werden. „Es trifft andere Menschen, böse Menschen, aber doch nicht uns.....“, mit dieser Einstellung wiegen wir uns in Sicherheit. Wenn wir dann doch vor dem Scherbenhaufen unserer Beziehung stehen, fühlen wir uns absolut hilflos. Bis dahin nie erlebte Gefühle von Ohnmacht, Hilflosigkeit, Angst und Hass breiten sich in uns aus. Die ersten Tage, Wochen und Monate nach einer Trennung sind einfach nur grauenhaft schmerzlich.

Viele Menschen spielen sogar mit dem Gedanken, sich in dieser Krisensituation das Leben zu nehmen. Andere wiederum werden „blind vor Eifersucht“ oder reagieren mit körperlichen Beschwerden. Einige reagieren sogar extrem heftig, greifen zur Waffe und bedrohen den Partner oder denjenigen, der in die Partnerschaft eingedrungen ist, körperlich.

Um den Liebeskummer überwinden zu können, müssen wir, wie bei der Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen, mehrere Phasen durchlaufen.

1. Phase: Nicht-Wahrhaben-Wollen und Verleugnen

Wir glauben an einen bösen Traum, leben in der Hoffnung, dass alles wieder gut werden wird. Wir kämpfen um eine zweite Chance, alles zu ändern und den Partner umzustimmen. Wir erzählen niemanden von der Trennung und unserem Liebeskummer und sind besonders lieb zu unserem Partner. Von ihm hängt es nun ab, ob es noch eine Chance für die Partnerschaft gibt. Wenn er die Partnerschaft endgültig abbrechen will, kommen wir in die zweite Phase.

2. Phase: Aufbrechende Gefühle

Wenn die Hoffnung schwindet, brechen Verzweiflung bis hin zu Depressionen über uns herein. Wir glauben, ohne den Partner nicht weiterleben zu können. Unsere Gedanken kreisen um den Partner und daran, was alles „nie mehr“ sein wird. Nichts kann uns aus der Verzweiflung holen. Selbstzweifel, was andere haben und wir nicht, nagen an uns. „Warum nur?“ - mit dieser Frage zermartern wir uns das Gehirn und finden keine Antwort. Mit Vorwürfen, was wir alles hätten anders machen sollen während der Partnerschaft, quälen wir uns durch den Tag. Wir fühlen uns kraftlos und voller Angst, glauben das Leben alleine nicht bewältigen zu können.

Unser Körper lässt uns ebenfalls im Stich. Wir leiden unter den verschiedensten körperlichen Beschwerden wie etwa Schlafstörungen, Unruhe, Kopf- und Magenschmerzen, Herzrasen, zu viel oder zu wenig Appetit, Konzentrationsstörungen, etc.

Gegen Ende dieser zweiten Phase des Liebeskummers verspüren wir Wut und haben Rachegedanken und Rachegefühle. Wir beginnen aufzurechnen: „Ich habe doch so viel für ihn aufgegeben und für ihn getan, und er tut mir so etwas an. Das ist unfair!“

Manche Menschen ziehen sich ganz von anderen zurück, andere stürzen sich in Aktivitäten, sind keinen Abend zuhause. Den Griff zu Beruhigungstabletten oder Alkohol sehen viele als einzige Möglichkeit, mal kurzfristig abschalten zu können. Doch das ist natürlich keine Lösung, denn der Partner kommt dadurch auch nicht mehr zurück, und wenn die Wirkung des Suchtmittels nachlässt, werden die negativen Gefühle auch wieder verspürt. Schlimmstenfalls entwickelt man mit der Zeit noch eine Abhängigkeit von den Suchtmitteln.

3. Phase: Neuorientierung

So langsam sehen wir wieder Licht am Ende des Tunnels. Wir verspüren noch den Liebeskummer, können uns aber manchmal schon eine Zukunft ohne den Partner vorstellen. Verzweiflung und Wut sind nicht mehr unsere ständigen Begleiter. Wir beginnen, Bilanz zu ziehen, können sowohl Stärken als auch Schwächen von uns und unserem Partner besser erkennen.

4. Phase: Neues Gleichgewicht

Wir haben unseren inneren Frieden wiedergefunden. Ab und zu empfinden wir noch Traurigkeit oder ein wenig Wut, doch die heftigen „Gefühlsstürme“, die wir zu Beginn unseres Liebeskummers verspürt haben, sind vorbei. Wir haben neue Ideen für die Zukunft entwickelt.

Wir alle durchlaufen diese verschiedenen Phasen, unterscheiden uns aber darin, wie heftig wir mit Liebeskummer reagieren und wie lange wir in den Phasen verharren. Je mehr wir uns von unserem Partner abhängig gemacht haben, umso härter wird für uns die Zeit nach der Trennung und umso größer ist der Liebeskummer. Wenn wir keinen eigenen Freundeskreis aufgebaut, keinen Beruf und keine finanzielle Absicherung haben, kleine Kinder haben, die wir dann alleine erziehen müssen und/oder unserem Partner die alltäglichen Pflichten (Umgang mit Handwerkern, Banken, Behörden) überlassen haben, dann haben wir jetzt nach der Trennung eine Menge zu lernen, um unser Leben selbst in die Hand zu nehmen- und das unglückerlicherweise zu einem Zeitpunkt, wo wir ohnehin keine Kraft haben.

Wie lange dauert die schmerzhafte Phase des Liebeskummers?

Jeder Betroffene braucht seine eigene Zeit. Es hängt auch von den Umständen ab. Wenn der Expartner schwankt und Anlass zur Hoffnung/ Versöhnung gibt, zögert sich der Prozess hinaus. Kommen noch andere Verluste hinzu, ebenfalls.

Nach einem Jahr sollte es zumindest schon zeitweise Momente geben, wo die Aufmerksamkeit nicht nur auf die Trennung und den Verlust gerichtet ist.

Liebeskummer ist wie ein Diamant: man sollte ihn mit Fassung tragen.
Marcel Pagnol

Leicht gesagt, wenn für einen eine Welt zusammenbricht.

Woher kommt dieser fast unerträgliche Schmerz nach einer Trennung, den man als Liebeskummer bezeichnet?

Der Liebesschmerz hat viele unterschiedliche Ursachen:

Es gibt in unserer Gesellschaft immer noch die romantische Vorstellung: Wir wollen mit unserem Partner zusammen bleiben, bis dass der Tod uns scheidet. Wir werden nicht darauf vorbereitet, dass uns eine Trennung widerfahren kann.

Wir setzen hohe Erwartungen in unseren Partner: Er soll dafür zuständig sein, dass wir uns glücklich und geliebt fühlen, .d.h. wir übertragen ihm die Verantwortung für unser Wohlbefinden. Dies bedeutet aber auch wiederum, wenn er geht, glauben wir, nicht liebenswert zu sein, bzw. nie mehr glücklich sein zu können.

Die Trennung konfrontiert uns mit zahlreichen Verlusten: dem Verlust des Partners, gemeinsamer Zukunftspläne, einer Beziehung, der Rolle als Partner, der Rolle als Liebhaber, des Status als Paar, der Kinder, evtl. des Hauses, evtl. eines Teils der finanziellen Absicherung, evtl. eines Teils der Freunde, evtl. unseres Lebenskonzepts, hundertprozentige Kontrolle zu haben.

Eine Trennung führt meist auch zu mehr oder weniger großen Selbstzweifeln. Wir stellen uns Fragen wie: „Was habe ich falsch gemacht?“ „Bin ich nicht gut genug“? „Was stimmt mit mir nicht“? Diese Selbstzweifel nagen am Selbstwertgefühl, verunsichern und tun weh.

Das Ausmaß des Liebesschmerzes und Liebeskummers ist abhängig von unserem Alter, unserer Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen, unseren bisherigen Erfahrungen mit Verlusten, unserem Selbstvertrauen, von unserem sozialen Netz, ob wir unsere Zufriedenheit aus anderen Quellen schöpfen können, unserer  finanzielle Situation, der beruflichen Situation, der Regelung von Betreuung und Sorgerecht für die Kinder, der Wohnsituation, der Notwendigkeit, Alltagspflichten neu einzuteilen.

Ganz entscheidend für den Liebeskummer ist, wie stark wir glauben, den Partner zu benötigen.

"Reden" wir uns ein, ohne den Partner nicht leben zu können, ohne diesen einen Partner nicht mehr glücklich sein zu können, dann ist unser Liebeskummer besonders stark. Dann klammern wir und unser Liebesschmerz ist besonders stark, wenn wir verlassen werden.

Informationen zum Umgang mit Liebeskummer

Hilfe bei Liebeskummer

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