Einschlafstörungen

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Einschlafstörungen - ihre Ursachen

Dr. Rolf Merkle Dr. Rolf Merkle - Diplom Psychologe, Psychotherapeut

Von einer Einschlafstörung spricht man in der Regel dann, wenn Sie als Erwachsener mittleren Alters mehr als 30 Minuten brauchen, um einzuschlafen – und dies über 4 und mehr Wochen hinweg und mehrmals in der Woche.

Zu Einschlafstörungen kommt es in der Regel durch unbewältigte Probleme und Konflikte, Stress und belastende Ereignisse, die Sie mit ins Bett nehmen. Man kann zwar das Licht ausschalten, nicht aber seine Gedanken. Die Folge ist, Sie fühlen sich innerlich unruhig oder angespannt und kommen so nicht zur Ruhe.

Wenn Sabine ins Bett geht, kann sie nicht abschalten und liegt eine und mehr Stunden wach, ehe sie in einen unruhigen Schlaf fällt. Tausend Dinge gehen ihr durch den Kopf: Der Streit mit der Arbeitskollegin, die unerwartet große Heizkostennachzahlung, die Schulprobleme ihres Sohnes, die Krankheit ihrer Mutter, ihre Schlafprobleme und die Angst, aufgrund ihrer Unausgeschlafenheit am nächsten Tag Probleme bei der Arbeit zu haben. Morgens fühlt sie sich wie gerädert, kann sich schlecht auf ihre Arbeit konzentrieren und geht schnell an die Decke, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es sich vorstellt.

Oft sind die Probleme so normal und alltäglich, dass sie uns gar nicht mehr auffallen. Einige meiner Patienten waren über viele Jahre beruflich chronisch überlastet und wunderten sich, dass sie Schlafprobleme bekamen. Es war doch alles so wie immer.

Herr Robert W. ist 55 Jahre alt. In seiner Firma stellt er die Arbeitspläne für die Mitarbeiter auf und organisiert deren Tätigkeit. Er stellt seine Belastung folgendermaßen dar:

Ich habe Schwierigkeiten, abzuschalten und mich einmal wieder so richtig unbeschwert zu fühlen. Und genau das zeigt sich auch im Bett. Anstatt mich wohl zu fühlen, bin ich innerlich unruhig und denke schon an den nächsten Tag und daran, was dieser mir wieder bringen wird. Gerade sonntags, wenn ich nicht weiß, was Montag morgen auf meinem Schreibtisch liegt, und wer sich für die Woche krank gemeldet hat, schlafe ich sehr schlecht ein. Mir gehen alle möglichen Gedanken im Kopf herum: „Was ich mache, wenn der eine oder andere Mitarbeiter krank ist; wie ich den Arbeitsplan dann aufstellen soll; wie ich unter der Bedingung die Maschinen optimal auslaste und so weiter. Ich habe mir schon einzureden versucht, dass das jetzt egal ist. Aber ich komme immer wieder darauf zurück. Die anderen erwarten von mir, dass alles funktioniert. Sie sind gar nichts anderes von mir gewohnt. Wenn es nicht mehr so klapp, denken die vielleicht, dass ich langsam alt werde.

Wie Herr W. machen sich viele Menschen Sorgen. Sie haben Angst, zu versagen, nicht „ihren Mann zu stehen“ und deshalb entlassen zu werden. Es beginnt ein Teufelskreis, aus dem die Betroffenen nur schwer herausfinden. Dieser sieht so aus:

Teufelskreis Probleme-nicht abschalten können-Sorgen-unruhiger Schlaf

Eine weitere Ursache von Einschlafstörungen kann körperlicher Art sein, wie etwa Muskelzuckungen, Schmerzen oder lästige Empfindungen an den Beinen (Juckreiz, Bewegungsdrang, Kribbeln). Es gibt auch eine ganze Reihe organischer Erkrankungen, die zu Ein- und Durchschlaf-problemen führen können. Deshalb sollten Sie bei Schlafstörungen immer einen Arzt aufsuchen und abklären lassen, ob eine organische Erkrankung vorliegt.

Nehmen Sie Medikamente zur Behandlung organischer Erkrankungen ein? Diese können auch Ein- und Durchschlafprobleme verursachen. Lesen Sie bitte den Beipackzettel oder fragen Sie Ihren Arzt. Auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente wie Appetitzügler, Aufputsch- und Grippemittel können für Ihre Schlafprobleme verantwortlich sein.

Vielleicht aber gehen Sie auch zu früh ins Bett, weil Sie Schlaf nachholen oder zusammen mit Ihrem Partner schlafen gehen wollen, Sie aber noch nicht die nötige Bettschwere haben.

So erzählte mir eine Patientin, dass sie Probleme mit dem Einschlafen habe. Es stellte sich heraus, dass sie andere Schlafgewohnheiten hatte als ihr Mann. Dieser wurde abends früh müde und ging früh schlafen, während sie spät müde wurde. Im Gegensatz zu ihrem eigenen inneren Rhythmus ging sie meist mit ihrem Mann zu Bett. Dann lag sie lange Zeit neben ihm und ärgerte sich, wie gut er einschlafen konnte, während sie damit große Probleme hatte.

Sie hatte jedoch genauso wenig Schlafprobleme wie ihr Mann. Ihr einziges Problem war, dass sie von sich forderte, zu einer bestimmten Zeit müde sein zu müssen, nur weil ihr Mann um diese Zeit müde wurde und sie mit dem Abend allein nicht viel anzufangen wusste.

Natürlich können auch äußere Störfaktoren für Einschlafprobleme verantwortlich sein wie Lärm, Wetterumschwung oder Föhn, das Schnarchen des Partners, eine uralte oder falsche Matratze, usw.

Ebenso können Einschlafstörungen auch Begleiterscheinungen oder Vorboten depressiver Verstimmungen sein. Das bedeutet nicht, dass Sie auch unter Depressionen leiden oder Ihre Schlafstörungen eine Depression ankündigen. Die Möglichkeit besteht jedoch.

Im höheren Alter nehmen Einschlafprobleme bei allen Menschen zu. Diese sind jedoch meist ein ganz normaler Bestandteil des Alterungsprozesses und stellen keine Schlafstörung im Sinne einer Erkrankung dar.

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