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Rolf Merkle
So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen
144 S., EUR (D) 12,80
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Informationen und Hilfen einer Betroffenen
Enttäuschungen - wie damit umgehen?
Selbstliebe - warum sie so wichtig ist
Selbstliebe Lebensberatung
Selbstliebe lernen
Dr. Rolf Merkle - Diplom Psychologe, Psychotherapeut
Es ist der innere Zwang, kaufen zu müssen, die ständige Wiederholung der Kaufhandlung. Suchtkriterien sind: Kontrollverlust, Zwang zur Wiederholung, Dosissteigerung, Entzugserscheinungen wie etwa Schweißausbrüche, Zittern, innere Unruhe, Depressionen. Hinzukommen Schuldgefühle, dass man sich nicht im Griff hat. Durch die mit dem zwanghaften Kaufen verbundenen Geldausgaben kommt es häufig zu hohen Schulden bis hin zur Privatinsolvenz, Partnerschafts- und Arbeitsplatzproblemen.
Anfangs glaubt der Süchtige, durch materielle Dinge Anerkennung zu finden. Später löst nur noch das Kaufen selbst kurze Glücksgefühle aus - das Gefühl, wichtig zu sein.
Danach folgt der Absturz in tiefe Depressionen, Existenzängste, Scham- und Schuldgefühle. Der Süchtige lügt und kapselt sich ab.
Wie hinter jeder Sucht steckt auch hinter der Kaufsucht eine Sehnsucht - die Sehnsucht nach Anerkennung und Bestätigung und die Betäubung negativer Gefühle wie einer inneren Leere.
Der Betroffene kommt in einen Teufelskreis: Der Drang nach Anerkennung und Bestätigung oder Gefühle wie Ärger und Stress verführen zum Kaufen. Das Kaufen führt nach kurzer Zeit zu Schuldgefühlen und Depressionen. Diese unangenehmen Gefühle versuchen Betroffene dann wieder mit Käufen zu betäuben.
Die Wurzeln für das Suchtverhalten liegen in der Kindheit: Mangel an Zuwendung und Anerkennung, Mangel an Liebe und Geborgenheit. Betroffene mussten sich die Zuwendung der Eltern verdienen, durften Gefühle nicht frei äußern. Sie haben erlebt, dass sie als Person nicht wichtig sind. Als Entschädigung gab es sozusagen Spielzeug.
Als Erwachsene haben sie nicht gelernt, sich selbst ein gesundes Selbstwertgefühl zu verschaffen. Der Konsum ist für Kaufsüchtige der vergebliche Versuch, die Minderwertigkeitsgefühle auszugleichen.
Manche Menschen haben als Kind auch unter materieller Entbehrung gelitten und werden aus diesem Mangelempfinden heraus kaufsüchtig. Der Kauf bedeutet einen Ersatz an Zuwendung.
Kaufsuchtkranke haben nicht gelernt, sich mit Konflikten auseinanderzusetzen. Probleme in der Familie, Sorgen um den Arbeitsplatz, eine quälende innere Leere, Frustrationen oder Einsamkeit werden mit Konsum verdrängt. Besonders Frauen wollen mit dem Kaufen von Kleidung, Make-up und Schmuck ihre Unzufriedenheit mit ihrem Äußern bekämpfen - Männer häufen eher technische Geräte, wie Kameras und Computer, an.
Auch gesellschaftliche Bedingungen spielen eine Rolle: Das Kaufen ist gesellschaftlich akzeptiert und wird gefördert. Keditkarten erleichtern das Geldausgeben ebenso wie die Möglichkeit, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche Bestellungen über das Internet zu tätigen.
Eine Kaufsucht äußert sich in vielerlei Denk- und Handlungsweisen. Der Psychotest Kaufsucht gibt Ihnen erste Hinweise, ob Sie an einer Kaufsucht erkrankt sind oder kaufsuchtgefährdet sind.
60 Prozent sind Frauen, vor allem jüngere Frauen zwischen 20 und 30 Jahren. Die Sucht geht durch alle Schichten. Nach einer Untersuchung der Universität Hohenheim sind 9 Prozent der Bundesbürger kaufsüchtig, und 23 Prozent stark kaufsuchtgefährdet. Betroffene haben ein schwaches Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen und neigen zu Depressionen.
Die Formel heißt: Ich kaufe, also bin ich wer. Kaufen vermittelt das Gefühl, sich etwas Gutes zu tun. Beim Kaufen erlebt der Betroffene, beachtet und umworben zu werden. Er fühlt sich kurzfristig aufgewertet, sein Selbstwertgefühl steigt. Die Stimmung hellt sich wie bei der Einnahme einer Droge kurzfristig auf oder das Kaufen wirkt als Beruhigung bei unguten Gefühlen. Das Selbstwertgefühl wird gestärkt. Es entsteht der Eindruck, Kontrolle über das Leben zu haben.
Die Grenze zwischen Kaufrausch und dem Zwang zum Kaufen sind fließend. Viele Menschen gehen ab und zu zum Einkaufen, um sich zu trösten, kaufen aus Lust, Unzufriedenheit (Frustkäufe) oder Langeweile. Solange dies nur anfallsweise auftritt, besteht keine Sucht. Es ist eher ein Kaufrausch oder eine Kauflust.
Vor sich und anderen begründen Betroffene ihren Konsum mit Worten wie: Es sind nur Sonderangebote. Ich habe viel Geld gespart. Das Geld ist selbstverdient. Ich lasse mir keine Vorschriften machen, wofür ich mein Geld ausgebe. Schulden mache ich keine. Ich habe die Kontrolle über meine Käufe. Ich wollte nur mal bummeln und schauen gehen. Dafür spare ich jetzt in nächster Zeit.
Viele Kaufsüchtige verstecken ihre Einkäufe aus Schuldgefühlen oder Angst, für ihr ungezügeltes Konsumverhalten kritisiert zu werden oder verschenken das Gekaufte.
Ja, wenn man Kaufsüchtigen die Möglichkeit nimmt, einkaufen zu gehen und die Ursachen (s.o.) nicht beseitigt, werden sie sich ein anderes Suchtverhalten zulegen.
Die Entwöhnung kann manchmal aus eigenen Kräften geschafft werden. Oft verschwindet der Kaufzwang, wenn die Ursachen - frustrierende Arbeitsbedingungen, schwierige Beziehung, Konflikte mit den Eltern und vor allem das negative Selbstwertgefühl - beseitigt werden.
Die Leitfrage lautet dabei: Was brauche ich wirklich? Was fehlt mir? Zuwendung, Bestätigung, Selbstbewusstsein, eine sinnvolle Aufgabe? Wie kann ich mich mehr befriedigt und ausgefüllt fühlen, ohne den Umweg über das Kaufen zu gehen?
Auf jeden Fall muss man sich zuerst eingestehen, dass man süchtig ist und mit seiner Sucht etwas kompensieren will. Erst dann ist der Weg frei für eine Heilung.
Wer unter einer Kaufsucht leidet, ist meist nicht in der Lage, sich selbst davon zu befreien. Dem Kaufzwang zu widerstehen erleben die meisten Betroffenen als zu schwer. Deshalb ist eine psychotherapeutische Unterstützung und/oder der Besuch einer Selbsthilfegruppe meist die einzige Möglichkeit, eine Kaufsucht zu überwinden.
Betroffene sollten ihre Kredit- und Kundenkarten abschaffen, nur mit Einkaufszettel und Bargeld einkaufen, Spontankäufe vermeiden, den Dispositionskredit herabsetzen, nur in Begleitung des Partners einkaufen. Hilfreich ist es auch, Sachen für einige Stunden oder einen Tag zurücklegen zu lassen und die Kaufentscheidung nochmals zu überschlafen.
Wie bei jedem Suchtverhalten ist der Weg zweigleisig:
1. Unterbrechen des Suchtverhaltens
2. die Ursachen des Suchtverhaltens beseitigen durch z.B.:
- Erarbeitung eines gesunden Selbstwertgefühls
- Erlernen von Konfliktlösestrategien
- Aufbau von befriedigenden Interessen
- Erlernen von Selbstbehauptungsstrategien
© 1999-2010 PAL Verlag - Kaufsucht - wenn Kaufen zum Zwang und zur Sucht wird - die Kontrolle über das Kaufverhalten verlieren
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