Auflage jetzt 37.000 Exemplare

Doris Wolf
Ab heute kränkt mich niemand mehr
![]()
Psychotest
Wie leicht bin ich gekränkt?
Dr. Doris Wolf, Diplom Psychologin, Psychotherapeutin
"Verzeih mir", unter diesem Titel flimmerte einige Monate lang eine Show über den Bildschirm, die viel Kritik erntete, aber auch sehr viel Anklang bei den Zuschauern fand. Offensichtlich fühlen sich viele Menschen befreit, wenn sie sehen, wie andere sich versöhnen.
Fast jeder Mensch hat irgendwo in seinem Innern ein paar "unerledigte Geschäfte". In nahezu jedem von uns existiert eine schwarze Liste, in die wir Ereignisse eingetragen, die wir anderen oder uns nicht verzeihen können. Solange wir diese Liste nur ab und zu einmal aufschlagen und uns dann wieder dem aktuellen Tagesgeschehen zuwenden, ist nicht allzuviel dagegen einzuwenden.
Viele Menschen befassen sich jedoch tagtäglich mit dieser Liste. Sie rufen sich immer wieder in Erinnerung, was der andere getan hat und dass sie ihm dies nicht verzeihen können. Sie quälen sich täglich damit, darüber zu grübeln: "Warum nur! Wie konnte er mir so etwas antun. Das kann ich ihm nicht vergeben." "So darf sie/er nicht mit mir umgehen."
Es können kleine Alltäglichkeiten sein, die wir nicht verzeihen können: Jemand hat unseren Geburtstag vergessen, sich nicht für unser Geschenk bedankt, uns nicht eingeladen oder uns nicht gegrüßt.
Unsere Gedanken können aber auch um ganz grundsätzliche Ereignisse kreisen: die lieblose Erziehung, die uns unsere Eltern angedeihen ließen, die Bevorzugung des Geschwisterchens oder die Aufteilung des Erbes.
Wir beschäftigen uns in Gedanken damit, dem anderen Schuld zuzuweisen, ihm sein Verhalten nachzutragen. Da jeder unserer Gedanken sich auch auf unseren Körper und unsere Gefühle auswirkt, bringen uns solche nachtragenden Gedanken aus unserem inneren Gleichgewicht und können sogar Krankheiten verursachen.
Unser Körper kann beispielsweise mit Erschöpfung, Anspannung, Bluthochdruck, Kopf- oder Magenschmerzen, Schlafstörungen, mit einem Absinken der Abwehrkräfte reagieren.
Wir fühlen Haß, Rache, Wut, Verbitterung, Verletzung, Enttäuschung, Ablehnung. Wir verspüren möglicherweise den Wunsch, es dem anderen heimzuzahlen, ziehen uns von ihm oder gar von allen Menschen zurück.
Wir sagen uns: "Sein Verhalten hat mich so stark getroffen. Das kann ich ihm nicht verzeihen!" Es ist eine Art Bestrafung, die wir damit bewirken wollen. Wenn wir jedoch genauer hinschauen, trifft uns die Bestrafung selbst. Wir finden keine Ruhe, haben schlaflose Nächte und sind angespannt.
Der andere, den wir bestrafen wollen, weiß meist gar nichts davon. Selbst wenn wir ihm aus dem Weg gehen und ihm dadurch unser Verletztsein zeigen, wird er meist lange nicht so be- und getroffen sein wie wir selbst. Wir beschäftigen uns damit, wie wir uns rächen, es ihm heimzahlen können. Wir berauben uns damit unserer Energie, die wir für Schöneres einsetzen könnten. Auch unser Stolz und der Glaube, unser Gesicht zu verlieren, stehen uns im Wege.
Die Angst, der andere könnte sich ermutigt fühlen, sein Verhalten zu wiederholen, ist ein weiteres Motiv, das uns vom Verzeihen abhält. Oder kommt Ihnen der Gedanke vertraut vor: Verzeihen heißt gutzuheißen, wie er sich verhalten hat?
Rufen Sie sich das Ereignis, das Sie nicht verzeihen können, in Erinnerung. Stellen Sie sich die Frage: "Was habe ich dazu beigetragen?"
Versetzen Sie sich in den anderen hinein. "Was hat aus seiner Perspektive dazu geführt, dass er sich so verhalten hat?"
Denken Sie daran, dass Verzeihen nichts mit Schwäche zu tun hat. Im Gegenteil, verzeihen ist ein Ausdruck von Stärke. Sie tun es in erster Linie für sich und Ihr seelisches Wohlbefinden.
Sie müssen das Verhalten des anderen nicht gutheißen. Es ist in Ordnung zu sagen: "Mir gefällt es nicht. Es hat mir wehgetan. Ich akzeptiere, dass er sich mir gegenüber so verhalten hat."
Überprüfen Sie noch einmal, ob aus der heutigen Sicht dieses eine Verhalten alle anderen positiven Erfahrungen, die Sie mit diesem Menschen gemacht haben, in Frage stellen kann.
Wenn Sie möchten, dann sprechen Sie diesem Menschen gegenüber, der Sie gekränkt hat, nochmals Ihre Gefühle aus oder schreiben ihm einen Brief. Vielleicht genügt es Ihnen sogar, diesen Brief nur für sich zu schreiben - ohne ihn abzuschicken.
Nehmen Sie ein Bild dieses Menschen und sagen Sie diesem Bild: "Ich bin bereit, Dir zu verzeihen" - auch wenn Sie zunächst innerlich heftigen Widerstand verspüren. Wenn Sie diese Worte öfter wiederholen, werden Sie mit der Zeit das Gefühl der Vergebung spüren.
Gehen Sie diese kleinen Schritte. Es lohnt sich, Sie können einen inneren Frieden finden.
Was hilft es Ihnen, stolz oder stark zu sein und recht zu behalten, wenn Ihr Körper und Ihre Seele leiden?
© 1999-2010 PAL Verlag - Verzeihen, vergeben lernen und sich aussöhnen ist wichtig
Suchthilfe bei Alkoholsucht - Probleme - small talk - Partnerschaftstest - Entspannung - Selbstbewusstsein - Mobbing Test - Erfolg haben - Entspannungsmethoden - Zufriedenheit Test - Sorgen - Gesundheitsratgeber - Gehen oder bleiben Test - Partner - Partnerseiten