Weihnachtsstress und Streit vermeiden

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Weihnachten - wenn das Fest der Liebe im Streit endet

Dr. Doris Wolf, Expertin für Familie, Partnerschaft und Ehe Dr. Doris Wolf, Diplom Psychologin

Wenn es Ihnen wie vielen Menschen geht, dann sehen Sie Weihnachten mit Bangen und vielleicht sogar Angst und Grauen entgegen. So lange Sie sich erinnern können, endete das Fest immer mit Enttäuschung, Streit und Verbitterung. Obwohl Sie sich immer so viel Mühe geben, es jedem recht zu machen und eine friedliche und harmonische Stimmung zu zaubern, konnten Sie bisher Streit und Nörgeleien unter Ihren Lieben nicht vermeiden. Ihre Mutter nörgelt an der Weihnachtsgans, Ihr Partner macht sich Luft, indem er die Haustür krachend ins Schloß fallen läßt, die Kinder wollten den Heiligabend ohnehin nicht "wie Spießer" mit Ihnen verbringen, der Enkelsohn mault, weil Sie ihm nicht das richtige Computerspiel geschenkt haben, die Enkeltochter weigert sich beharrlich, zur Christmette mitzugehen. Gründe genug, uns ein paar Gedanken zum Weihnachtsfest zu machen.

Warum Weihnachten häufig in einem Streit endet

Angeblich leiden die meisten Menschen unter Weihnachten, weil sie es als extrem stressig erleben. Das beginnt schon in der Vorweihnachtszeit. Männer geraten in Stress, weil sie sich mit der Geschenkesuche schwertun, Frauen setzen sich unter Druck, weil sie alles so planen und organisieren wollen, dass es ein harmonisches Weihnachtsfest gibt und alle stehen unter Zeitdruck, weil Weihnachten mal wieder so unerwartet schnell vor der Tür steht. Folge des Stress: viele Familien streiten sich schon vor Weihnachten, nämlich über das eigentliche Weihnachtsfest.

Viele unterschiedliche Punkte tragen zu den Konflikten, zu Wut und Enttäuschung bei:

Wie Sie eine friedliche Stimmung fördern und Streit vermeiden können

TIPP 1. Sprechen Sie bereits lange vor dem Fest mit den Angehörigen ab, wie sich jeder das Fest vorstellt. Teilen Sie ein, wer wofür zu welchem Zeitpunkt zuständig ist und geben Sie auch Aufgaben ab. Wer kauft den Christbaum und schmückt ihn? Wer ist für das Dessert, wer für den Hauptgang zuständig? Wer besorgt die Getränke? Womöglich gibt es Diskussionen und Kompromisse müssen gefunden werden. Besser jedoch, es gibt bei der Planung Auseinandersetzungen, als am Fest.

TIPP 2. Erlauben Sie sich, aus Traditionen auszubrechen. Wenn niemand bereit ist, Sie in Ihren Vorbereitungen zu unterstützen, dann gibt es eben nur ein kaltes Buffet (zu dem auch jeder etwas beisteuern kann).

TIPP 3. Lassen Sie Freiräume. Wer überhaupt nicht zum Fest kommen möchte, den sollten Sie auch ziehen lassen. Er verdirbt Ihnen nur die Stimmung, wenn er an Heiligabend muffig und widerwillig unterm Christbaum sitzt.

TIPP 4. Überlegen Sie, ob Sie wirklich alle Angehörige zum gleichen Zeitpunkt einladen wollen. Wenn zwei sich absolut nicht vertragen, sollte man sich getrennt mit ihnen treffen.

TIPP 5. Nehmen Sie nicht gerade Weihnachten zum Anlass, um ernsthafte Grundsatzdiskussionen mit Ihren Angehörigen zu führen. Sollte sich dennoch eine Diskussion ergeben, dann üben Sie sich in Toleranz. Lassen Sie dem anderen seine Sichtweise. Sie haben das Recht, dieser nicht zuzustimmen. "Ach, so siehst du das. Ich denke da anders".

TIPP 6. Überlegen Sie sich, welche Aktivitäten Sie an Weihnachten anbieten könnten: spielen, spazierengehen, etwas vorlesen. Tatenloses Herumsitzen fördert nur die Unzufriedenheit.

TIPP 7. Erlauben Sie den Gästen, sich auch mal zwischendurch zu einem Spaziergang "abzuseilen".


Eine Leserin schrieb mir:

Weihnachten steht vor der Tür und mir graut schon davor. Ich stehe tagelang zuvor alleine vorbereitend in der Küche. Meine Schwiegereltern erwarten wie selbstverständlich, dass sie zu einem Festessen eingeladen werden. Meine Mutter wird wieder an meiner Weihnachtsgans nörgeln. Meinem Mann wird es irgendwann zu bunt und er zieht sich in den Hobbykeller zurück. Am liebsten würde ich mit meinem Mann ganz gemütlich alleine feiern. Darf ich mir das erlauben?

Ich habe ihr geantwortet:

Gewöhnlich verbinden wir mit Weihnachten große romantische Erwartungen. Wir wünschen uns intensive Gespräche mit unseren Angehörigen, Harmonie, Genuss und eine allgemeine Zufriedenheit. Gleichzeitig steht Weihnachten aber auf der Stress-Skala sehr weit oben. Besonders wir Frauen sind darum bemüht, es jedem Recht zu machen, die unterschiedlichsten Erwartungen zu erfüllen und unsere eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen. 

Doch Sie sind nun an dem Punkt angelangt, an dem Sie die Weihnachtsrituale in Frage stellen. Die Frage, ob Sie dies tun dürfen, hilft da nicht weiter. Dahinter verbirgt sich die Angst, dass Ihre Familienangehörigen verletzt und enttäuscht sein könnten. Diese Angst ist nicht ganz unberechtigt, denn Ihre Angehörigen wollen wohl eher alles beim Alten belassen, als etwas Neues ausprobieren. Vielleicht wäre eine schrittweise Veränderung für sie leichter zu verkraften. Sie könnten z.B. Ihre Vorbereitungen reduzieren. Hierzu besprechen Sie am besten lange vor dem Fest mit den Angehörigen, dass jeder einen Teil der Vorbreitungen übernehmen sollte oder es sonst nur ein kaltes Buffet geben wird. Sie könnten auch gemeinsame Spiele oder einen Spaziergang einplanen, um mal einen anderen Ablauf zu haben. Wenn Sie wirklich einen radikalen Schnitt machen und mit Ihrem Mann alleine feiern möchten, dann könnten Sie Ihren Angehörigen anbieten, sich z.B. schon an einem Adventssonntag oder an Sylvester zu treffen. Vermitteln Sie ihnen, dass Sie sich einfach mal ein kuscheliges Weihnachten nur mit Ihrem Mann wünschen, sie aber dennoch mögen.



Frohe Weihnachten - Ihre Dr. Doris Wolf

© 1999-2010 PAL Verlag - Weihnachten stressfrei gestalten - Streit an Weihnachten vermeiden
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