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Arbeitssucht - was tun als Partner oder Angehöriger?

Dr. Doris Wolf, Diplom Psychologin Dr. Doris Wolf - Diplom Psychologin, Psychotherapeutin

Unter Arbeitssucht oder Workaholismus versteht man, dass Betroffene einen überdurchschnittlichen Arbeitseinsatz bringen und ihr Arbeitsverhalten zwanghafte Züge hat. Ihr Denken und Verhalten ist nahezu ausschließlich auf ihre Arbeit gerichtet. Freizeit, Familie, Partnerschaft, das körperliche Wohlbefinden kommen zu kurz.

Betroffenen ist ihr schädliches Verhaltensmuster meist nicht bewusst. Selbst wenn sie es ändern wollen, schaffen sie es häufig nicht alleine.

Ein betroffener Partner sagte in der Therapie:
Ich habe das Gefühl, unsere Partnerschaft geht langsam aber sicher kaputt. Was habe ich nicht alles versucht, damit er mehr für mich und die Kinder da ist. Es hat nichts gebracht. Mein Partner hält sich nicht an Absprachen, er geht nicht auf Kompromissvorschläge ein, ständig findet er neue Ausflüchte, warum er so viel arbeiten muss.

Wenn ich ihm sage, dass er arbeitssüchtig ist und seine Gesundheit, mich und die Kinder total vernachlässigt, dann blockt er ab und sagt, ich übertreibe, ich sei hysterisch, ich hätte keine Ahnung, ich sei intolerant, u.v.m.

Empfinden Sie ähnlich? Fühlen Sie sich ähnlich hilflos? Wenn Sie einen arbeitssüchtigen Menschen in Ihrem Umfeld haben, dann wissen Sie, wie hilflos man ihm gegenüberstehen kann. Sie haben wahrscheinlich schon alle Ihnen zur Verfügung stehenden Mittel genutzt, um ihn zur „Einsicht“ zu bringen.

Vielleicht haben Sie logische Argumente in die Waagschale geworfen und ihm vermittelt, dass er Raubbau mit seinem Körper treibt und er irgendwann zusammenbrechen wird. Sie haben versucht, ihn davon zu überzeugen, das er Ihretwegen nicht so lange und so viel arbeiten muss. Vielleicht haben Sie ihm auch unter Tränen Ihre Gefühle offenbart, dass Sie sich abgewertet, vernachlässigt und ausgenutzt fühlen.

Wahrscheinlich sind Sie auch schon mal richtig wütend geworden und haben ihm mit Trennung gedroht. Es könnte auch sein, dass Sie sich innerlich immer mehr zurückgezogen haben – in der Hoffnung, dass er Ihre Veränderung bemerkt und Sie irgendwann nach den Gründen für Ihren Rückzug frägt.

All dies hat wahrscheinlich nichts gefruchtet, weil Ihr Partner seine Gründe hat, weshalb er so viel arbeitet. Informieren Sie sich zunächst über die Ursachen und Symptome der Arbeitssucht, damit Sie die Beweggründe Ihres Partners für sein Suchtverhalten verstehen.

Was tun, wenn Ihr Partner arbeitssüchtig ist?

Arbeitssucht ist eine Krankheit.
Ihr Partner kann sich nicht einfach so ändern. Könnte er das, dann würde er nicht unter einer Arbeitsssucht leiden. Behalten Sie diese Tatsache bei all Ihren Hilfeangeboten und Ermahnungen im Hinterkopf. Verständlich, dass Sie gefrustet sind, wenn Ihr Partner Ihre Bemühungen, ihm zu helfen, in den Wind schlägt und immer wieder Ausreden für seine häufigen Überstunden und sein vieles Arbeiten findet.

Ihr Partner stürzt sich nicht in die Arbeit, um Sie zu ärgern oder zu verletzen. Er ist arbeitssüchtig und wie jeder Süchtige kann er sein Suchtverhalten nicht so einfach kontrollieren. Wenn er sich anders verhalten könnte, würde er es tun. Sprechen Sie mit ihm möglichst neutral über Ihre Beobachtungen, also ohne Vorwürfe und Abwertung.

Bieten Sie ihm immer wieder Ihre Unterstützung an, wenn er sein Verhalten verändern möchte. Besprechen Sie mit ihm konkrete Schritte und helfen Sie ihm, diese einzuhalten.

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Sorgen Sie für sich selbst.
Erinnern Sie sich immer wieder daran, dass Sie Ihren Partner nicht retten können. Sie können lediglich für sich selbst etwas tun. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Wenn er den Rettungsring, den Sie ihm zuwerfen, nicht ergreift, dann ist das bedauerlich, aber nicht zu ändern. Mit ihm gemeinsam unterzugehen, ist auch keine Lösung. Deshalb: sorgen Sie für sich und schauen Sie, dass es Ihnen gut geht.

Stehen Sie zu Ihrer Unzufriedenheit mit Ihrem Leben.
Ihre Partnerschaft ist nicht so, wie Sie es sich wünschen. Sie haben also das Recht, unzufrieden und enttäuscht zu sein, sich zu ärgern und sich einsam zu fühlen.

Lassen Sie sich nicht von Ihrem Partner einreden, dass Sie übertreiben und hysterisch sind. Lassen Sie sich auch nicht von dem Argument „Das tue ich nur für dich“ beeindrucken oder auf eine ferne Zukunft vertrösten, auf einen Zeitpunkt, „an dem alles anders werden wird.“ Dieser Zeitpunkt wird nie kommen, wenn Ihr Partner unter einer Arbeitssucht leidet.

Übernehmen Sie Verantwortung für Ihr Leben.
Geben Sie Ihrem Partner nicht die Schuld, wenn Sie nicht den Mut aufbringen, die Dinge zu machen, die Ihnen Spaß machen. Befreien Sie sich aus der Opferrrolle und werden aktiv.

Wenn Ihr Partner sich keine Zeit für gemeinsame Unternehmungen nehmen möchte, dann werden Sie alleine aktiv. Dann haben Sie zumindest etwas getan, um Ihre Bedürfnisse zu stillen. Pflegen Sie Ihren Freundeskreis und Ihre Interessen.

© 2011-2012 PAL Verlag - Arbeitssucht - Tipps für Angehörige und den Partner
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