Loslassen oder durchhalten?

Durchhalten oder Loslassen? Ziele und Träume sind wichtig wenn man Erfolg haben will. Manchmal ist es aber auch wichtig sich von Zielen zu verabschieden.

Loslassen oder durchhalten?

Ein Ziel oder Traum aufgeben oder daran festhalten? Nicht alle Ziele sind für uns erreichbar.

Wann macht es Sinn, hartnäckig an einem Ziel festzuhalten und durchzuhalten, wann sollte man besser aufgeben und loslassen?

Um Erfolg zu haben und Ziele zu erreichen, braucht man Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz und Ehrgeiz.

Es gibt jedoch Ziele und Träume, die sind unerreichbar für einen. Alles Bemühen und Kämpfen nützt nichts.

Wenn wir an unerreichbaren Zielen und Träumen festhalten, dann zahlen wir dafür einen hohen Preis.

Wir bezahlen das Festhalten mit Einbußen für unsere Gesundheit und unser seelisches Wohlbefinden.

Deshalb ist es manchmal wichtig, akzeptieren zu können, dass wir gescheitert sind, dass etwas, das wir uns vorgenommen haben, für uns unerreichbar ist - auch wenn das schmerzlich ist.

Nur wenn wir uns eingestehen können, dass wir uns falsch entschieden oder etwas falsch eingeschätzt haben, können wir wieder in Balance kommen.

Wie feststellen, ob es Sinn macht, ein Ziel weiter zu verfolgen oder ob es besser wäre, das Ziel fallen zu lassen? Durchhalten oder Loslassen?

Warum tun wir uns schwer, ein Ziel aufzugeben?

Wir klammern uns an ein Ziel, weil wir uns wichtige Gründe geben, weiter für unser Ziel zu kämpfen.

Solche Gründe können sein:

  • Wir wollen uns an die Devise unserer Eltern und Lehrer halten: "Durchhalten ist eine Tugend". Umgekehrt folgern wir, dass Aufgeben ein Zeichen von Versagen, Scheitern und Schwäche ist.
  • Wir reden uns ein, dass wir nicht aufgeben können, weil wir bereits so viel Zeit, Geld und Energie investiert haben.
  • Wir reden uns ein, dass wir anderer Menschen wegen, z.B. der Kinder oder der Eltern wegen, nicht aufgeben dürfen, da diese von uns enttäuscht wären.
  • Wir konzentrieren uns nur darauf, was wir erreichen wollen, und übersehen die Hinweise darauf, dass wir niemals dorthin gelangen können.
  • Wir reden uns ein, dass wir nur noch mehr Geduld und Einsatz benötigen, um ans Ziel zu kommen.
  • Wir sagen uns, dass es keine andere Möglichkeit gibt, weiterzuleben, unseren Lebensstandard zu halten, für unsere Kinder zu sorgen, ...
  • Wir haben Angst vor dem Risiko und dem Unbekannten, das auf uns zukommt, wenn wir aufgeben.
  • Wir könnten nicht mehr in den Spiegel schauen, würden uns Vorwürfe machen, wenn wir aufgeben.
  • Wir empfinden das Aufgeben des Zieles als Scheitern und Versagen und sehen uns als Versager, wenn wir akzeptieren, gescheitert zu sein.
  • Wir haben Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen.
  • Wir sind krankhaft ehrgeizig. Machen Sie den Test zum Ehrgeiz und schauen, wie es um Ihren Ehrgeiz steht.

Vielleicht ist Ihnen gerade der Einwand durch den Kopf gegangen: „Was ist denn so schlecht am Durchhalten?“

Sie haben Recht. Durchhalten ist nicht schlecht.

Wenn wir ein großes Durchhaltevermögen besitzen, dann ist dies eine positive Fähigkeit - vorausgesetzt wir setzen sie richtig und angemessen ein.

Ohne Durchhaltevermögen hätten wir nicht laufen, schwimmen, das 1x1, schreiben oder Rad fahren gelernt.

Ein großes Durchhaltevermögen zu besitzen, bedeutet, dass wir Geduld haben und uns lange vertrösten können, bis wir eine Belohnung einstreichen können.

Es bedeutet, dass wir unseren Blick immer wieder auf unser Ziel lenken und dadurch Hürden auf dem Weg zum Ziel überwinden und unseren Weg fortsetzen.

Wann ist es sinnvoll, vom Durchhalten auf Loslassen umzuschalten?

Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Es gibt keine generelle Regel. Wir müssen in jeder Situation neu entscheiden.

Auch andere Menschen sind kein Maßstab für uns. Eine Sicherheit, dass wir die richtige Entscheidung treffen, kann uns niemand geben.

Weiterhelfen, eine Entscheidung zu finden, können uns folgende Fragen:

  • Was ist mein Ziel, das ich anstrebe? Wie will ich mich fühlen? Wie will ich leben?
  • Ist mir dieses Ziel sehr wichtig?
  • Ist dieses Ziel wirklich mein Ziel oder will ich es nur wegen anderen erreichen?
  • Wie realistisch ist es, dass ich mein Ziel erreiche? Gibt es Hinweise, dass ich vorankomme bzw. sich die Situation bessert? Was habe ich bisher erreicht?
  • Haben sich die Umstände verändert, so dass es unwahrscheinlich geworden ist, mein Ziel zu erreichen?
  • Was gewinne ich kurzfristig und was langfristig, wenn ich mein Ziel weiterhin anstrebe? Welche Auswirkungen hat das Durchhalten auf Ihren Körper, Ihre Psyche und auf Ihr Umfeld (z.B. Ihre Familie) hat.
  • Was gewinne ich kurzfristig und langfristig, wenn ich mein Ziel aufgebe? Welche Auswirkungen hat das Loslassen auf Ihren Körper, Ihre Psyche und auf Ihr Umfeld (z.B. Ihre Familie) hat.
  • Wie fühle ich mich seelisch und körperlich? Habe ich den Eindruck, hilflos zu sein und keine Kontrolle zu haben?

Am besten ist es, wenn Sie einen bestimmten Zeitraum auswählen, während dessen Sie sich bewusst beobachten und die oben aufgeführten Fragen schriftlich beantworten.

Hilfreich ist es auch, Angehörige oder Freunde zu fragen, wie diese Ihre Situation einschätzen.

Wann wir ein Ziel loslassen und aufgeben sollten

Herr Z. hat sich seiner Eltern wegen einen Beruf ausgewählt, der nicht seinen Fähigkeiten entspricht und ihn überfordert.

Täglich quält ihn die Angst, den Anforderungen am Arbeitsplatz nicht gewachsen zu sein.

Immer häufiger überfallen ihn Panikattacken und er kommt nachts und am Wochenende nicht zur Ruhe.

Nur nach ein paar Glas Alkohol gelingt es ihm, abzuschalten.

Frau K. lebt seit elf Jahren mit einem Partner zusammen, der sie häufig beschimpft und mit Vorwürfen bombardiert.

Er nimmt keinerlei Rücksicht auf ihre Bedürfnisse und lässt sie bei der Erziehung ihrer beiden Kinder allein.

Sie schwankt in ihren Gefühlen zwischen Ärger, Verzweiflung und Hilflosigkeit und fühlt sich zunehmend kraftlos.

Hoffnung darauf, dass ihr Partner sich ändert, hat sie keine.

Wenn wir um jeden Preis durchhalten und verbissen an einem Ziel festhalten, dann zahlen wir oft einen hohen Preis.

Wir bezahlen das Durchhalten mit negativen Folgen für unsere Gesundheit und unser seelisches Befinden.

Hinweise, dass es besser ist, ein Ziel aufzugeben, können sein:

Körperliche Signale, die über einen längeren Zeitraum auftreten:

  • Schmerzen, die keine körperlichen Ursachen haben,
  • Schlafstörungen, sexuelle Unlust,
  • Anspannung, Erschöpfung,
  • Magen-Darm-Probleme, Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes
  • Unruhe, Konzentrations- und Merkfähigkeitsprobleme

Psychische Signale, die über einen längeren Zeitraum auftreten:

  • Panikattacken, Ängste,
  • Niedergeschlagenheit, Depressionen,
  • Reizbarkeit bis hin zu Aggressionen,
  • Weinkrämpfe,
  • Angst zu versagen, Zittern,
  • Burnout,
  • Schweißausbrüche, Kloßgefühle,
  • Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit, Erschöpfung, Grübeln

Verhaltensänderungen

  • Konsum von Suchtmitteln wie Alkohol, Beruhigungstabletten,
  • Rückzug von anderen,
  • Vermeidung von Verpflichtungen, kleine Unfälle und Ungeschicklichkeiten

Was bewirkt das Loslassen?

Wenn wir uns von einem für uns unerreichbaren Ziel lösen, dann fühlen wir uns einerseits erleichtert und von einer riesigen Last befreit.

Wenn Sie die Bemühungen um ein bestimmtes Zeil einstellen, ergeht es Ihnen so:

Stellen Sie sich vor, Ihr Ziel sei es, einen störrischen Esel mit aller Macht vom Fleck zu bewegen.

Sie ziehen und zerren immer wieder an dem Seil, an dem er angeleint ist. Sie schieben ihn von hinten und locken ihn mit Leckereien und guten Worten von vorne. Doch er bewegt sich nicht von der Stelle.

Sie sind sauer auf den Esel und auf sich, ihn nicht bezwingen zu können. Trotz immer intensiverer Bemühungen haben Sie keinen Erfolg. Sie werden zunehmend erschöpft und mutlos.

Irgendwann entscheiden Sie, aufzugeben und den Esel stehen zu lassen.

Was passiert, wenn wir ein Ziel fallen lassen?

Wie wir an dem Beispiel mit dem Esel sehen, werden wir nach dem Aufgeben eines Zieles nicht unmittelbar belohnt.

Es ist gewöhnlich ein schmerzhafter Prozess, sich von einem Traum oder Ziel zu verabschieden.

Ganz unterschiedliche Gedanken und Gefühle können auftreten:

Vorwürfe, Wut und Schuldgefühle
Wir machen uns Vorwürfe, dass wir dieses Ziel gewählt haben, Warnsignale übersehen oder zu lange daran festgehalten haben.

Wir werfen uns vor, andere mit hineingezogen und diesen mit unserem Verhalten geschadet zu haben.

Vielleicht stellen wir im Nachhinein unsere Entscheidung immer wieder in Frage, ob es richtig war, aufzugeben, oder ob wir nicht noch länger hätten durchhalten sollen.

Selbstzweifel und Minderwertigkeitsgefühle
Wir sehen uns als Versager, der unfähig ist, Ziele zu erreichen.

Scham
Wir schämen uns, dieses Ziel verfolgt zu haben bzw. dieses Ziel nicht erreicht zu haben.

Niedergeschlagenheit
Wir sind enttäuscht und traurig, dass wir unser Ziel nicht erreicht haben.

Hoffnungslosigkeit
Wir glauben, nie mehr glücklich und zufrieden sein zu können.

Zunächst werden wir uns in unseren Gedanken immer wieder mit dem unerreichten Ziel befassen, bis wir unseren Blick in die Zukunft richten und eine neue Perspektive finden können.

Wie loslassen lernen?

Wir benötigen Zeit, von Zielen und Träumen Abschied zu nehmen. Folgende Strategien können hilfreich sein:

TIPP 1:    Begegnen Sie quälenden Gedanken mit der Affirmation: "Ich bin bereit loszulassen, ich habe getan, was mir möglich war."

Denken Sie daran: Stark sein bedeutet nicht nur, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Es bedeutet auch, Vorhaben und Pläne loslassen und scheitern zu können. Das ist wahre Stärke und Größe!

TIPP 2:   Rufen Sie sich in Erinnerung, welche Nachteile Ihr Ziel hatte bzw. lenken Sie Ihren Blick darauf, welche Chancen sich Ihnen nach dem Loslassen und der Formulierung neuer Ziele bieten.

TIPP 3:   Wenn Sie sich als Versager fühlen, wenn Sie Ihr Ziel aufgeben, dann machen Sie sich klar: Aufgeben ist keine Schande. Im Gegenteil: Zu erkennen, dass man eine falsche Entscheidung getroffen hat und sich neu orientieren, das ist ein Zeichen von Stärke.

Verzeihen Sie sich Ihre Fehlerhaftigkeit.

TIPP 4:   Lesen Sie Biographien von Menschen, die sich in einer ähnlichen Lage wie Sie befanden und eine Lösung gefunden haben.

TIPP 5: Holen Sie sich psychotherapeutische Unterstützung, um sich das Loslassen zu erleichtern oder um entscheiden zu können, ob durchalten oder loslassen angesagt ist.

Erfolg ist auch, wenn Sie ein Ziel aufgeben, weil der Preis zu hoch oder es unerreichbar ist.

Durch das Loslassen machen Sie den Weg frei für neue Ziele.

Bei was sind Sie unsicher, ob Sie loslassen sollten?

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Zipfel schreibt am 28.09.2020

Ich habe alle meine Lebensräume begraben müssen: ich habe kein Zuhause, keinen Partner, keine Kinder. Ich habe so dafür gekämpft, in meinen Möglichkeiten alles versucht. Ich verstehe es bis heute nicht. Nun ist der letzte Traum endgültig geplatzt: mein Vater hat mich entfernt. Mein toller, erfolgreicher Bruder wird Alleinerbe sein und uch mit einer kleinen Summe abgefunden werden. Auf defragmentieren " wieso? Es war doch anders besprochen?" Erhalte uch keine Antwort. Es war die letzte Chance, mir damit ein Zuhause zu schaffen. In dem ich nicht mehr abhängig vom Wohlwollen anderer bin. Jetzt ust such dieser Traum geplatzt... Ich bin Mitte 50, ich habe so viel in meinem Leben einstecken müssen, auch divers Schicksalsschläge. Mittlerweile bin ich traurig, verbittert und hoffnungslos. Es hat einfach nie sufgevört. Ein Leben besteht doch aus Höhen und (!) Tiefen... ich weiß nicht mehr weiter...

Marianne schreibt am 24.07.2019

Ich habe mich 14 Tage exakt mit dem Thema Durchhalten oder Loslassen regelrecht gequält... dann habe ich entschieden und meinen Traum losgelassen... es gab auch Zweifel und Gründe...aber nun fühle ich mich als Versager ..weil ich nicht länger durchgehalten habe....nun muss ich Loslassen... und weiß nicht wie das gehen soll....M

Manuela Luchetts schreibt am 02.07.2019

Ich schaffe es nicht meinen Partner loszulassen! Wir lebten seit 7 Jahren zusammen, jetzt hat jeder seine Wohnung und es fällt mir unheimlich schwer loszulassen. Obwohl ich sicher bin, dass es notwendig ist!!

Judith schreibt am 01.07.2019

Ich bin 67 Jahre und seit einigen Jahren verwitwet, lebe jetzt allein im eigenen Haus und Garten. Dass ich darin wohnen bleiben kann gibt mir Kraft, die anstehenden Aufgaben (mit Abstrichen) zu tun. Perfektionismus ade! Mehr und mehr lerne ich, meine Kräfte einzuteilen und andere um Hilfe zu bitten. Aber ich schaffe auch Dinge, die ich mir vorher nie zugetraut hätte. Das macht mich ein bisschen stolz.

an den unglücklichen Single schreibt am 01.07.2019

Sehr nachvollziehbar ist dein Zweifeln und die Zeilen lösten in mir Mitgefühl aus. In der Partnerfindung hört man immer wieder, dass es mit dem "Suchen" so eine Sache ist... Wenn man die starken Energien des Universums betrachtet und ich all meine eigenen Lernerfahrungen damit, ist es für dich vielleicht hilfreich, dir täglich 1x in Gedanken vorzustellen, dass du einen neuen Partner hast, wie schön sich das anfühlt und wie gut ihr zusammenpasst. Sage dir jeden Abend vor dem Schlafengehen: "Mein neuer Partner wird mir begegnen, wenn die Zeit dafür reif ist. Ich vertraue darauf." Höre auf, intensiv zu suchen --> jeder bekommt das, woran er glaubt! Ich drücke dir ganz fest die Daumen. Herzlich, Marit

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 Warum tun wir uns schwer, ein Ziel aufzugeben?
 Wann ist es sinnvoll, vom Durchhalten auf Loslassen umzuschalten?
 Wann wir ein Ziel loslassen und aufgeben sollten
 Was bewirkt das Loslassen?
 Was passiert, wenn wir ein Ziel fallen lassen?
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 Bei was sind Sie unsicher, ob Sie loslassen sollten?
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