Adoption - worauf kinderlose Paare achten und womit sie rechnen sollten

Worauf Eltern bei einer Adoption achten und mit welchen Problemen sie rechnen sollten. Die Psychotherapeutin Dr. Doris Wolf gibt Antwort auf häufige Fragen zur Adoption.

Adoption - worauf kinderlose Paare achten und womit sie rechnen sollten

Eine Adoption ist eine Entscheidung, die einen großen Einfluss auf das Leben der Adoptiveltern hat.

Aus psychologischer Sicht werden häufig gestellte Fragen zur Adoption beantwortet.

Welche Motive der Adoptiveltern sprechen gegen eine Adoption?

  • Sie wollen endlich auch eine normale Familie sein.
  • Sie wollen nach außen hin dokumentieren, dass man eine normale Familie ist.
  • Sie wollen ihre Ehe retten.
  • Sie wollen sich selbst verwirklichen.
  • Sie wollen jemanden haben, dessen Dankbarkeit man sich sicher sein kann.

Warum sprechen diese Motive eher gegen eine Adoption?

Hinter dem Motiv, endlich eine "normale" Familie zu sein, steckt das Gefühl, man sei ohne Kind nicht vollwertig.

Es wäre besser für das Paar und das Kind, das Paar würde zunächst lernen, sich auch ohne Kind vollwertig zu fühlen. Sonst missbraucht man das Kind für etwas, was es einem nie geben kann - ein positives Selbstwertgefühl.

Kinder retten in den wenigsten Fällen eine Ehe oder Beziehung. Sie verschärfen in der Regel die Probleme zwischen dem Paar.

Dankbarkeit von einem Kind zu erwarten ist oft gleichbedeutend mit enttäuscht zu werden.

Kinder sind nicht dazu da, Eltern dankbar zu sein und schon gar nicht, wenn die Eltern aus egoistischen Gründen oder vermeintlich persönlichen Defiziten (sich nicht vollwertig fühlen ohne Kind) sich für eine Adoption oder ein Kind entscheiden.

Welche Fragen sollte man sich vor einer Adoption stellen?

  • Bin ich bereit, bis zum Erwachsenenalter für dieses Kind da zu sein und auf eigene Wünsche zu verzichten?
  • Könnte ich damit umgehen, dass die Entwicklung des Kindes möglicherweise nicht meinen Vorstellungen entspricht?
  • Steht mein Partner auch voll und ganz hinter der Adoption?
  • Kann ich damit umgehen, dass das Adoptivkind mich vielleicht ablehnt?
  • Kann ich dem Kind ausreichende finanzielle Sicherheit geben?
  • Warum will ich ein Adoptivkind? (s. Welche Motive sprechen eher gegen eine Adoption?)
  • Bin ich bereit, auch ein Kind zu adoptieren, das nicht besonders hübsch ist, eine andere Hautfarbe hat oder sogar verhaltensauffällig ist? Welche Konsequenzen hat das möglicherweise für mich und das Kind? Bin ich dieser Belastung gewachsen?

Letztendlich sollte man sich auch alle Fragen stellen, die man sich vor der Entscheidung zu einem Kind stellen sollte: welche Umstellungen wird es in meinem Leben geben, in der Partnerschaft, in den Finanzen, usw.?

Welche Eigenschaften sollten Eltern mitbringen?

  • Sie sollten die Fähigkeit besitzen, zu unterstützen und mit Konflikten umgehen können.
  • Sie sollten eine funktionierende Partnerschaft haben, in der viele Bedürfnisse beider Partner erfüllt sind.
  • Sie sollten fähig sein, Gefühle zu äußern, über Konflikte zu sprechen, Kompromisse einzugehen.
  • Ihre Grundeinstellungen sollten lauten: Ich bin o.k., du bist o.k., wir suchen nach einer Lösung.
  • Sie sollten bereit sein, zu geben, ohne Dankbarkeit zu erwarten.
  • Sie sollten die Bereitschaft haben, Grenzen zu setzen und nicht überbehüten.
  • Die Eltern sollten sich auch ohne Kind vollwertig fühlen.

Was spricht gegen eine Adoption?

  • wenn einer der beiden Adoptiveltern alkohol- oder drogensüchtig ist.
  • Die Einstellung: "Ohne Kind bin ich nichts wert".

Welche Schwierigkeiten kann es nach der Adoption geben?

Die Schwierigkeiten sind abhängig vom Alter des Kindes, in dem die Eltern das Kind adoptieren.

  • Das Kind kann aufgrund von Erfahrungen in der Herkunftsfamilie verhaltensgestört sein oder eine Verhaltensstörung entwicklen, die Eltern ablehnen, ununterbrochen Aufmerksamkeit von den Eltern fordern, straffällig werden.
  • Es kann Schwierigkeiten mit den eigenen Kindern geben, z.B. dass diese sich benachteiligt fühlen oder sagen: "Du bist ja gar nicht unser Geschwisterchen".
  • Das Kind droht, wegzulaufen, wieder ins Heim zu gehen, nimmt Drogen, usw.
  • In der Pubertät lehnt es die Eltern ab, weil diese nicht die leiblichen Eltern sind.
  • Das Kind betont immer wieder, dass die Eltern es nur aus Mitleid oder Egoismus adoptiert haben, und nicht, weil sie es lieben.
  • Das Kind zweifelt ständig an der Liebe der Eltern und die Eltern fühlen sich hilflos.

Welche Ängste und Erwartungen können Adoptiveltern haben?

  • Die Einstellung: "Andere dürfen nicht erkennen, dass das Kind nicht von uns ist.(dahinter verbirgt sich die Einstellung, dass es ein Makel ist, keine Kinder zu haben)
  • Die Frage: "Wann sagen wir dem Kind, dass wir nicht seine leiblichen Eltern sind?
  • Die Frage: "Was tue ich, wenn das Kind wieder zu seiner leiblichen Mutter will?
  • Die Angst "Das Kind wird uns nicht lieben und kein Vertrauen gewinnen".
  • Die Angst "Das Kind wird straffällig und wir sind schuld".
  • Kann ich damit umgehen, dass das Adoptivkind mich vielleicht ablehnt?
  • Kann ich dem Kind ausreichende finanzielle Sicherheit geben?
  • Warum will ich Adoptivkind? (s. Welche Motive sprechen eher gegen eine Adoption?)
  • Bin ich bereit, ein Kind zu adoptieren, das nicht besonders hübsch ist, eine andere Hautfarbe hat oder sogar verhaltensauffällig ist?

    Welche Konsequenzen hat das möglicherweise für mich und das Kind? Bin ich dieser Belastung gewachsen?

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Xy schreibt am 09.01.2020

"Nicht besonders hübsch, eine andere Hautfarbe oder gar verhaltensauffällig"... sprachlich erinnert diese Aufzählung an eine Steigerung... das finde ich sehr unpassend. Wenn man dazu schreiben würde" komme ich damit klar, wenn das Kind mir nicht ähnlich sieht", würde es nicht mehr so scheinen, als gebe es hier eine negative Wertung der Hautfarbe... vielleicht versteht jemand, was ich meine.

Jaqueline schreibt am 22.11.2018

Hallo,wir haben schon ein Sohn,sind auch verheiratet.Wir möchten uns trotzdem entscheiden ein Kind zu adoptieren.Familie ist für mich Zusammenhalt,Liebe und Geborgenheit,klar finanziell sollte es auch stimmen,aber manche Anforderungen finde ich sehr weit hergeholt. Natürlich hat das Jugendamt ein Auge drauf,aber ich finde man könnte das Pozedere auch evtl. mal ein wenig Auffrischen.Liebste Grüße

Nikol schreibt am 17.10.2018

Eine Nachricht an Melanie:Ja, die Messlatte ist hoch, aber absolut realistisch. Man sollte sich als "zukünftige Eltern" seiner Verantwortung, und der besonderen Herausforderung als "Adoptiv-Eltern" absolut bewusst und dazu bereit sein, sich mit sich selbst und seiner Umwelt positiv auseinander setzen zu wollen, um selbst eine beständige Basis zu haben und damit auch bieten zu können. Ein Kind braucht diese stabile Basis, eine Sicherheit.Dazu muss man aber kein Übermensch sein... :-) Liebe Grüße

Nikol schreibt am 17.10.2018

Liebe Frau Dr. Wolf,endlich schreibt einmal jemand, der 'vom Fach' ist, Tacheles über dieses, häufig noch tabuisierte, Thema: "Adoption". Ich bin selbst adoptiert und weiß, wie komplex die Schwierigkeiten im Miteinander sein können, für die Adoptiv-Eltern, sowie für die adoptierten Kinder. Glücklicherweise habe ich mit meinen 'Eltern' einen guten Weg u. Umgang gefunden. Ohne eine psychotherapeutische Aufarbeitung und Unterstützung wäre dies jedoch nicht möglich gewesen. - Ich finde, eine detaillierte, selbst- reflektierte u. -kritische Auseinandersetzung seitens der 'werdenden Eltern' absolut wichtig, bevor sie ein Kind, wahrscheinlich aus besten idealistischen und wünschenswerter-weise liebevollen - aber vielleicht auch unrealistischen - Absichten u. Vorstellungen heraus, annehmen. Für Ihre Fragen und Anregungen an zukünftige Adoptiv-Eltern danke ich Ihnen ganz herzlich! Nikol (Dipl.-Heilpädagogin, 45 J.)

Melanie schreibt am 02.10.2018

Sie legen die Messlatte ja sehr hoch... Welche Eltern kommen denn da für eine Adoption überhaupt noch in Frage??? Übermenschen...?

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 Welche Eigenschaften sollten Eltern mitbringen?
 Welche Schwierigkeiten kann es nach der Adoption geben?
 Welche Ängste und Erwartungen können Adoptiveltern haben?
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