Haptische Wahrnehmung: Berühre und du wirst berührt

Im Alltag kommt der Tastsinn leider oft zu kurz. Dabei ist das bewusste Fühlen von Dingen ein guter Weg, um Achtsamkeit zu trainieren. Das geht übrigens nicht nur mit den Händen, sondern auch mit den Füßen – beim Barfußlaufen.

Haptische Wahrnehmung: Berühre und du wirst berührt
© Marina Reich, unsplash.com

Stell dir vor, du sitzt in einem bequem gepolsterten Stuhl. Er hat Lehnen aus Holz, die so fein gearbeitet sind, dass sie sich anfühlen wie Handschmeichler. Du schließt die Augen und deine Fingerkuppen gleiten leicht über die glatte Oberfläche. Samtig fühlt sie sich an und weich. Deine Handflächen umschließen die sanft gebogenen Seiten der Armlehnen. Du spürst den angenehmen Kontakt und mit jedem Atemzug entspannt sich dein Körper mehr. Berührungen berühren uns – und tragen dazu bei, das Leben intensiver zu machen.

Tasten, um zu fühlen

Mit unseren fünf Sinnen erfahren und erspüren wir die Welt. Wir sehen, hören, riechen, schmecken ... und tasten. Die sogenannte haptische Wahrnehmung beinhaltet alles, was wir mit unserer Körperoberfläche fühlen können. Dazu gehört der Tastsinn von Händen und Füßen ebenso wie das unangenehme Gefühl, wenn wir uns aus Versehen auf eine nasse Parkbank setzen.
Mithilfe verschiedener Arten von Sinneszellen, vor allem in der Haut, gelangen die Informationen über Temperatur, Druck, Vibration, Berührung oder Schmerz als elektrische Signale in unser Gehirn. Das bewertet sie und setzt eine passende Reaktion in Gang.

Die Welt begreifen

Bei Babys entsteht der Tastsinn früher als alle anderen Sinne – bereits in der siebten und achten Schwangerschaftswoche. Das Ungeborene braucht ihn, um seine eigenen Körpergrenzen zu erfahren. Babys fassen Menschen und Dinge an. Damit ertasten sie ihre Welt ... und „begreifen“ sie im wahrsten Sinne des Wortes. Und auch für uns Erwachsene ist der Tastsinn wichtig. Wenn wir nicht haptisch fühlen, entwickeln wir kein Gefühl für uns selbst.

Schließe einmal deine Augen. Dann führe erst die Kuppe deines rechten Zeigefingers an deine Nasenspitze, danach die des linken Zeigefingers. Wenn du magst, kannst du dabei auch noch ein paar Loopings in die Luft zeichnen. Ob auf direktem Wege oder mit Schleifen dazwischen – normalerweise triffst du deine Nasenspitze recht zuverlässig. Für unsere Eigenwahrnehmung ist hauptsächlich der Tastsinn verantwortlich. Ohne ihn könnten wir zum Beispiel gar nicht automatisch gehen. Wir müssten dauernd auf unsere Füße schauen, um nicht zu stürzen. Und im Dunklen könnten wir kein Licht anmachen, weil wir nicht wüssten, wo unsere Hände sind.

Fühlen – zu Unrecht das Stiefkind unter den Sinnen

Überlege einmal genau, wann – oder ob – du das letzte Mal bewusst Dinge gefühlt hast? Wann hast du den Wind in deinem Gesicht gespürt, die Wärme der Sonne auf deinen Armen oder spitze Kiesel unter deinen Füßen?

Sagst du jetzt: „Daran kann ich mich gar nicht erinnern"? Dann geht es dir wie vielen Menschen. Der Tastsinn ist so etwas wie das Stiefkind unter unseren Sinnen. Sehen, Hören, Schmecken und Riechen sind viel präsenter im Alltag. Das ist schade, denn bewusstes Fühlen kann deine Stimmung direkt und sehr positiv beeinflussen.
Warum ist das so? Weil du deine Aufmerksamkeit gezielt lenkst. Dein Fokus liegt auf der Sinneswahrnehmung und damit im Hier und Jetzt. Du kannst das gut vergleichen mit einem Scheinwerfer auf einer dunklen Bühne. Im Lichtkegel ist alles hell, der Rest  bleibt dunkel. Du fühlst etwas, während deine anderen Sinne und Gedanken zur Ruhe kommen. Diese Übung tut unglaublich gut, sie entspannt und erdet dich.

Kleine Inseln der Achtsamkeit

So eine achtsame, haptische Minipause kannst du immer und überall einlegen. Das geht ganz einfach, zum Beispiel so: Berühre Oberflächen ganz bewusst. Probiere dabei aus, was angenehm für dich ist oder schöne Erinnerungen wachruft. Ist es die glatte Oberfläche eines Kieselsteins am Seeufer oder vielleicht ein weicher Kaschmirpulli? Ist dir eher eine sanfte Berührung angenehm oder eine kräftigere? Geben dir langsamere  oder schnellere Bewegungen, zum Beispiel bei der Rückenmassage, ein gutes Gefühl? Mit der Handfläche oder mit den Fingerspitzen?
Damit hast du es buchstäblich selbst in der Hand, dir kleine Inseln der Achtsamkeit zu erschaffen. Mit ein bisschen Routine wirst du dabei merken, wie du zunehmend immer mehr zu dir selbst und deinen Bedürfnissen findest.

5 Tipps, wie du dich barfuß neu wahrnehmen kannst

Haptisch fühlen kannst du nicht nur mit deinen Händen. Auch deine Füße eignen sich wunderbar dafür. Zieh einfach deine Schuhe aus.

Beim Barfußlaufen haben deine Fußsohlen direkten Kontakt zum Boden. Sie spüren, ob er weich oder hart ist, warm oder kalt, glatt oder uneben. Und bei jedem Schritt kann das anders sein. Außerdem arbeiten die Muskeln in den Füßen und Beinen intensiver, damit du das Gleichgewicht halten und deine Bewegungen abfedern kannst. Du achtest automatisch mehr darauf, wo du hintrittst. All das sorgt dafür, dass dich schon ein paar Minuten Barfußlaufen beleben und anregen.

Tipp 1:Starte auf weichen Oberflächen

Beginne mit dem Barfußlaufen auf weichen Untergründen wie Rasen, Sand oder Waldboden. Oder zieh einfach mal zu Hause deine Schuhe aus. So gewöhnst du dich langsam an das neue Gefühl beim Gehen.

Tipp 2:Steigere dich Schritt für Schritt

Starte mit kurzen Strecken und steigere dich schrittweise, sobald sich deine Füße an die neue Art des Gehens gewöhnt haben und stärker geworden sind. Aber wenn du merkst, dass dir zum Beispiel fünf Minuten am Tag genügen, dann bleib einfach dabei.

Tipp 3:Achte auf deine Technik

Beim Barfußlaufen ist es wichtig, deine Schritte bewusst zu setzen und deine Fußmuskulatur zu aktivieren. Das geht am besten, wenn du leicht mit dem Fußballen oder dem Mittelfuß aufsetzt und dann sanft abrollst.

Tipp 4:Stärke deine Fußmuskulatur

Indem du deine Fußmuskulatur gezielt stärkst, machst du das Barfußlaufen angenehmer und beugst Verletzungen vor. Du kannst zum Beispiel auf Zehenspitzen gehen, einen Massageball unter deinen Füßen abrollen oder einen Stift mit deinen Zehen aufheben.

Tipp 5:Schütze deine Füße

Deine Füße und Beine müssen sich erst an das Barfußlaufen gewöhnen. Das ist normal. Wenn du sehr empfindsam bist und sich der direkte Bodenkontakt für dich unangenehm anfühlt, dann sind Barfußschuhe eine gute Alternative. Sie haben eine dünne Sohle ohne Dämpfung. Diese schützt deine Füße und lässt dich trotzdem den Boden spüren. Sie macht das Laufen entspannt und anregend zugleich.

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 Tasten, um zu fühlen  
 Die Welt begreifen  
 Fühlen – zu Unrecht das Stiefkind unter den Sinnen  
 Kleine Inseln der Achtsamkeit  
 5 Tipps, wie du dich barfuß neu wahrnehmen kannst  
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