Angst vor Berührung und körperlicher Nähe

Die meisten Menschen genießen Berührungen und körperliche Nähe. Es gibt aber auch Menschen, die sich nach körperlicher Nähe sehnen, gleichzeitig aber davor sehr große Angst haben.

Die meisten Menschen genießen Berührungen und körperliche Nähe. Warum haben manche Menschen Angst vor Berührungen und was kann man dagegen tun? Dieses Video gibt Antwort.

Die Bedeutung der Berührungen

Bereits im Mutterleib spüren wir den Puls und den Herzschlag der Mutter. Nach der Geburt nehmen wir über unsere Haut gewöhnlich den ersten Kontakt zu unserer Umwelt auf. Unsere Mutter streichelt und stillt uns. Berührung ist ein wichtiges Mittel zur Kommunikation. Die Berührung reicht vom flüchtigen Händeschütteln bei der Begrüßung bis zur innigen Umarmung. Mit ihr drücken wir Liebe, Trost, Geborgenheit, Vertrauen und sexuelles Verlangen aus.

Wir bauen über Berührung unseren Stress und Ängste ab und stärken unser Immunsystem. Unser Körper setzt Glückshormone und das Liebeshormon Oxytocin frei. Körper und Seele werden positiv beeinflusst. Die meisten Menschen genießen Berührungen und die körperliche Nähe zu Menschen, denen sie sich nahe fühlen.

Da jedoch immer mehr Menschen Single sind und die Vereinsamung der Menschen zunimmt, mangelt es vielen an Begegnungen mit vertrauten Menschen und damit auch an Körperkontakt. Deshalb gibt es inzwischen in einigen Städten spezielle Kuschelgruppen, in denen Menschen ihr Bedürfnis nach Berührung und Körperkontakt stillen können.

Es gibt aber auch Menschen, die sich einerseits nach körperlicher Nähe sehnen, gleichzeitig aber davor sehr große Angst haben. Sie fühlen sich bei Berührungen bedroht und in die Enge getrieben. Sie haben den Impuls, die Hand wegzuziehen oder gar zu flüchten. Bei manchen Betroffenen bezieht sich die Angst nur auf die Berührung durch das andere Geschlecht, bei anderen auf alle Menschen.

Warum haben wir Angst vor Berührung und körperlicher Nähe?

Hinter der Angst vor Berührungen können sich vielfältige Ursachen verbergen.

Eine wichtige Rolle spielt, wie unsere Mutter – oder eine andere nahe Bezugsperson – mit uns umgegangen ist. Hat sie uns gestreichelt und geknuddelt? Konnte sie uns ihre Liebe durch körperliche Nähe zeigen oder war sie körperlich eher abweisend und kalt? Tat sie sich schwer, uns zu trösten, indem sie uns in den Arm nahm, und fiel es ihr schwer, mit uns zu kuscheln?

Hatten wir nicht die Chance, Vertrauen zu lernen, weil wir uns nicht auf unsere Eltern verlassen konnten, dann tun wir uns als Erwachsene schwer, uns fallen zu lassen. Gewalttätigkeiten und sexueller Missbrauch sind ebenfalls häufige und verständliche Gründe für die Angst vor Berührungen. Wir haben gelernt, unseren Körper zu hassen und anderen zu misstrauen und wollen deshalb niemanden nahe an uns heranlassen.

Und natürlich wirkt sich auch unser Selbstwertgefühl auf die Angst vor Berührung aus. Wenn uns unsere Eltern in der Kindheit abgelehnt, ständig kritisiert oder gehänselt haben, dann konnten wir nicht lernen, dass wir – und damit auch unser Körper – liebenswert sind. Wir lernten, unseren Körper und die körperliche Berührung anderer abzulehnen.

Was tun, wenn man Angst vor Berührung und körperlicher Nähe hat?

Wenn Sie sich nach Berührung und körperlicher Nähe sehnen, aber sie nicht zulassen können, dann suchen Sie Hilfe bei einem Psychotherapeuten. Gewöhnlich vergeht diese Angst nicht von alleine. In einer Therapie lernen Sie Schritt für Schritt, sich an Berührungen zu gewöhnen und diese trotz vielleicht aufkommender unguter Gefühle zulassen. Das Genießen kommt erst sehr viel später und mit zunehmender Übung.

Um die Angst vor Berührung zu überwinden, müssen Sie bei sich selbst ansetzen. Erst wenn Sie sich, ganz wörtlich genommen, in Ihrer Haut wohlfühlen, können Sie andere in Ihre Nähe lassen.

Um wieder Gespür für sich zu bekommen, ist es wichtig, Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren Berührungssinn zu richten. Liebevolles eincremen, sich selbst massieren, mit einem Handtuch zu rubbeln, die Wärme des Badewassers zu verspüren – das können kleine Schritte sein, den Berührungssinn zu schulen. 

Gleichzeitig benötigen Sie eine positive Einstellung zu sich selbst: Ich bin liebenswert und fühle mich wohl in meinem Körper. Um Ihre Angst vor Berührung abzubauen, kann es helfen, sich regelmäßig von einem Masseur eine Fuß-, Gesichts- oder Körpermassage geben zu lassen.

Auch eine Shiatsu-Behandlung kann hilfreich sein. Und in einem Massagekurs können Sie lernen, andere zu berühren und sich berühren zu lassen. Wenn Sie sich nach Berührung sehnen, Sie aber noch nicht bereit für menschliche Berührungen sind, dann können ein Hund oder eine Katze das Bedürfnis nach Berührung stillen.

Wenn die Angst vor Berührung Folge von Gewalt oder Missbrauch ist, dann empfehle ich Ihnen, eine Therapie zu machen, da wir solche Verletzungen aus eigener Kraft nicht heilen können.

Ich wünsche Ihnen den Mut zu mehr Nähe und Berührungen. Es tut seelisch und körperlich gut, berührt zu werden und andere zu berühren. Alles Gute für Sie.

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Kathy schreibt am 11.10.2021

Der Artikel beschreibt zumindest einen Teil meines Lebens ... Obwohl ich mich so furchtbar sehr nach einem einzigen Menschen sehne ( nicht viele, einer reicht ja), bei dem ich mich wohl fühle und mich anlehnen kann ... Ich habe so eine unfassbar heftige Angst vor körperlicher Nähe! Und keiner versteht es. OK, mein Therapeut und der Psychiater schon. Aber normale Mitmenschen nicht. Ich habe manchmal das Gefühl, ich ertrage es nicht mehr.
Aber danke, danke für den Artikel! Ich dachte schon, ich bin verrückt.


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 Die Bedeutung der Berührungen
 Warum haben wir Angst vor Berührung und körperlicher Nähe?
 Was tun, wenn man Angst vor Berührung und körperlicher Nähe hat?
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