Bestseller zur Bewältigung persönlicher Probleme
Auflage über
230.000 Exemplare

Gefühle verstehen, Probleme bewältigen
Ein Problem zu lösen, heißt sich
vom Problem
zu lösen.
Goethe
Mit persönlichen Schwächen umgehen lernen
Dr. Rolf Merkle - Diplom Psychologe, Psychotherapeut
Wir alle genießen es, wenn wir am Ziel unserer Wünsche sind und unser Leben nach einer gewissen Vorhersagbarkeit und Ordnung verläuft. Die Kontrolle über unser Leben zu haben - das gibt uns ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit.
Doch leider - oder vielleicht sogar gottseidank - verläuft das Leben nicht immer nach unseren Wünschen. Ereignisse wie eine körperliche Erkrankung, eine Trennung, der Arbeitsplatzverlust, der Tod eines nahen Angehörigen, die Wohnungskündigung, der Umzug ins Altersheim stellen uns vor Herausforderungen.
In diesen Krisenzeiten verlieren wir leicht unseren Lebensmut, ja vielleicht sogar unseren Lebenswillen. Wir resignieren, fühlen uns überwältigt und hilflos. Wir bemitleiden uns vielleicht, wir hadern mit dem Schicksal und sind verbittert, dass es uns getroffen hat.
Solch negative emotionale Reaktionen auf Krisen sind in der Anfangsphase einer Lebenskrise normal. Schließlich wurden wir unerwartet aus der Bahn geworfen und müssen uns erst einmal darauf einstellen.
Das chinesische Schriftzeichen für Krise besteht aus zwei Teilen: der eine Teil symbolisiert Gefahr, der andere Chance. D.h. eine Krise ist eine gefährliche Chance.
Welche Chancen bieten uns Krisen?
Krisen reißen uns aus der Gleichgültigkeit, wecken Kraftreserven, helfen erkennen, dass unsere eigenen Grenzen noch lange nicht erreicht sind.
In Krisenzeiten lernen wir beispielsweise
das Leben, auch Alltägliches, wieder mehr zu schätzen,
dass wir uns wichtig nehmen müssen,
dass wir uns weniger wichtig nehmen müssen
dass wir nicht nach unseren Bedürfnissen gelebt haben
den Partner und Freunde wichtiger zu nehmen
was wirklich wichtig ist für uns im Leben
zum Glauben zu finden
mehr auf unsere Gesundheit zu achten
unsere Zeit behutsamer einzuteilen.
1. Akzeptieren Sie Ihre momentane Hilfslosigkeit und Ihre seelischen Schmerzen.
Je mehr Sie gegen Ihre Lage ankämpfen, je mehr Sie sich darüber ärgern, dass es Sie treffen musste, je mehr Sie mit dem Schicksal hadern, je mehr Sie sich dafür verurteilen, dass Sie nicht in der Lage sind, einen Weg aus der Krise zu finden, je mehr Sie von sich verlangen, stärker und zuversichtlicher sein zu müssen, umso länger dauert es, bis Sie einen Weg aus der Krise finden.
Wie würden Sie mit einem Freund umgehen, der sich in einer ähnlichen Lage befindet wie Sie? Sie würden mit ihm vermutlich liebevoll, verständnisvoll und rücksichtsvoll umgehen, richtig? Gehen Sie zu Beginn der Krise auch so mit sich selbst um. Zeigen Sie ein gewisses Mitgefühl für Ihre Lage. Wenn Sie das schaffen, sind Sie bereit für den zweiten Schritt.
2. Machen Sie sich zuversichtliche Gedanken.
Frägt man Menschen, was diesen für die Bewältigung von Krisen Kraft gegeben hat, dann kommt an erster Stelle die eigene positive Grundeinstellung. Ihre Verzweiflung ist um so größer, je schlimmer Sie die Krise bewerten und um so weniger Sie an eine Überwindung der Krise glauben. Gedanken wie "Ich komme da nie mehr raus", "Das Leben ist zuende" "Das kann ich nicht aushalten" rufen Verzweiflung und Mutlosigkeit in Ihnen hervor. Machen Sie sich stattdessen hoffnungsvolle Gedanken: "Ich habe bisher immer eine Lösung gefunden", "Es ging bisher immer irgendwie weiter", "Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere".
3. Erinnern Sie sich an schwierige Situationen und Herausforderungen, die Sie bewältigt haben.
Das Wissen, im Leben schon viele Herausforderungen gemeistert zu haben, gibt Kraft und Selbstvertrauen für die Bewältigung zukünftiger Krisen. Ganz sicher haben Sie in Ihrem Leben schon viele Herausforderungen erfolgreich gemeistert. Rufen Sie sich diese Erfolge ins Gedächtnis und machen sich klar, dass diese Kräfte noch immer in Ihnen stecken und Sie diese wieder aktivieren können.
Hilfreiche Fragen, die Ihnen helfen, Ihre Kräfte zum Leben zu erwecken: Was hat mir damals die Kraft für die Bewältigung der Krise gegeben? Was habe ich mir damals an aufmunternden Worten gesagt? Was habe ich getan, wen habe ich um Unterstützung gebeten?
4. Suchen Sie nach Vorbildern.
Für viele von uns ist es tröstlich, Menschen zu treffen, die in einer ähnlichen Situation waren und sie überwunden haben. "Wenn er dies geschafft hat, dann könnte es mir auch möglich sein."
Gibt es in Ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis einen Menschen mit ähnlichen Erfahrungen? Warum rufen Sie ihn nicht an? Schauen Sie sich auch mal die Leistungen behinderter Menschen an. Viele von diesen vollbringen Leistungen, die sich viele Unversehrte nicht zutrauen. Diese Menschen sind der Beweis dafür, dass in uns mehr Kräfte und Energien für die Meisterung von Krisen stecken, als wir es für möglich halten.
5. Suchen Sie sich Vertraute wie etwa Freunde, mit denen Sie über Ihre Situation sprechen.
Freunde können in Krisenzeiten sehr viel Kraft für die Bewältigung der Krise geben. Manchmal steigern wir uns in eine Situation, die wir als bedrohlich und negativ erleben, so stark hinein, dass wir nur noch die Probleme sehen und unfähig sind, unseren Blick auf potentielle Lösungen zu richten. Wir übertreiben das Ausmaß unserer Probleme maßlos und fühlen uns dann auch entsprechend elend. Andere Menschen, insbesondere enge Freunde, die wir ins Vertauen ziehen, können uns wieder auf den Boden der Tatsachen holen und unseren Blick in eine andere Richtung lenken. Außerdem tut es unserer Seele gut, uns auszusprechen. Falls Sie ziehmlich einsam auf weiter Flur sind, können Sie Ihre Gedanken auch einem Tagebuch anvertrauen.
6. Lesen Sie mutmachende Bücher, in denen Sie Trost finden.
Um sich auf andere Gedanken zu bringen, sich neue Sichtweisen und Lösungswege zu erschließen oder um sich Mut zu machen, können Sie sich auch in ein Buch vertiefen. Manche Menschen lesen in psychologischen Ratgebern oder Biographien, andere lesen Gedichte oder in der Bibel.
7. Leben Sie von einem Tag auf den anderen.
Ein manches Mal fühlen wir uns so überwältigt, dass wir uns nicht vorstellen können, ein Leben lang diesen Schmerz aushalten zu können. Dann ist es hilfreich, sich immer nur einen überschaubaren Tag oder gar nur eine Stunde zum Überleben vorzunehmen: "Heute kann ich es schaffen. Was kann ich heute für mich tun?"
8. Stellen Sie sich die Frage: Was kann ich aus dieser Krise lernen?
Sobald Sie der Krise einen Sinn für Ihr Leben geben, fühlen Sie sich nicht mehr als ihr Opfer und erlangen eine neue Lebensperspektive. Suchen Sie also bewusst nach dem Positiven, das diese Krise für Ihr weiteres Leben haben könnte.
© 1999-2010 PAL Verlag - Persönliche Krisen bewältigen, Krisen als Chancen sehen lernen
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