Über eine Trennung hinwegkommen

Eine Trennung ist schmerzhaft. Selbstzweifel Ärger Wut Trauer und Schuldgefühle kommen hoch. Hilfe bei der Verarbeitung einer Trennung.

Über eine Trennung hinwegkommen

Fast jede zweite Ehe wird geschieden und fast immer ist die Trennung für den Verlassenen, aber meist auch für den, der sich trennt, sehr schmerzhaft. Wenn man verlassen wird, dann nagt das erst mal am Selbstbewusstsein. Unwillkürlich frägt man sich, ob mit einem vielleicht etwas nicht stimmt.

Man frägt sich, was die/der andere hat, was man selbst nicht hat. Es kommen Selbstzweifel auf und man ist verunsichert. Und sehr oft verspürt der Verlassene nach der Trennung eine gewisse Angst vor der Zukunft. Diese emotionale Reaktion ist völlig normal.

Nach einer Trennung müssen beide Partner viele Bereiche ihres Lebens neu ordnen:

  • Wer bin ich, wenn ich nicht mehr Partner und nicht mehr verheiratet bin?
  • Wer ist für mich da, wenn ich krank bin? Wem kann ich von meinem Ärger und Kummer erzählen?
  • Mit wem kann ich Sex haben? Wer kümmert sich um die Kinder?
  • Kann ich finanziell für mich sorgen? Wie kocht man für eine Person? Wer kümmert sich um den Haushalt?
  • Wer verhandelt mit Banken, Handwerkern, Versicherungen? Wer kümmert sich um das Auto, den Garten, das Haus?
  • Was verbringe ich die Abende und Wochenenden?

Wenn wir in einer Partnerschaft leben, dann machen wir uns gewöhnlich keine Gedanken, wie das Leben ohne Partner aussehen kann. Spricht ein Partner die Trennung aus, dann stehen wir erst mal vor einem großen Scherbenhaufen und einem Berg neuer Aufgaben und Herausforderungen.

Verständlich, dass wir erst mal darum kämpfen, dass der Partner zu uns zurückkehrt. Dies ist jedoch meist ein aussichtsloser Kampf. Erst wenn wir die Hoffnung aufgeben, können wir beginnen, neue Lebenspläne für uns (und die Kinder) zu schmieden. Dass eine Trennung auch eine Chance sein kann, können wir erst sehr viel später erkennen, dann, wenn wir die Trennung emotional überwunden und einen neuen Lebenspartner gefunden haben.

Rachegelüste nach der Trennung

Wenn wir von unserem Partner verlassen werden, dann fühlen wir uns gewöhnlich zutiefst verletzt und in unseren Grundfesten erschüttert. Unsere Gefühle sind in Aufruhr und es machen sich die unterschiedlichsten heftigsten Gefühle in uns breit. Zu ihnen gehören auch Wutgefühle. Wir sehen uns als Verlierer und Opfer.

Unser Ex-Partner wird dann in unseren Gedanken zu einem Feind, der uns zu Unrecht im Stich lässt, jahrelang ausgenutzt und getäuscht hat. Wir ziehen Bilanz, führen uns vor Augen, was wir unserem Ex-Partner zuliebe alles gemacht haben und welche Verluste er uns zugefügt hat.

Um uns aus der Opferrolle zu befreien, hegen wir gewöhnlich Rachephantasien und Rachegelüste. Unser Ex-Partner soll bestraft werden und bekommen, was er verdient. Wir wollen Vergeltung und unsere Würde zurückhaben.

Negative Auswirkungen von Rachephantasien

Ob Rachegedanken negative Auswirkungen auf uns haben, hängt davon ab, welchen Raum sie in unseren Gedanken einnehmen und ob sie in Rachehandlungen münden. Rachephantasien, denen wir tage- oder wochenlang unsere gesamte Aufmerksamkeit widmen, lähmen uns. Wir erzeugen in uns einen chronischen Zustand der Bedrohung, was zu Anspannungen, Schlafstörungen und Stresssymptomen führen kann.

Rachephantasien machen es wahrscheinlicher, dass wir auch zur Tat schreiten und sie umsetzen. Wir tun Dinge, die uns schaden und die wir später bereuen. Schwärzen wir unseren Ex-Partner z.B. beim Finanzamt an, kann dies auch auf uns zurückfallen.

Bei unserem Ex-Partner kann unser Racheakt bewirken, dass er mit ähnlichen Mitteln zurückschlägt, und der Konflikt zwischen ihm und uns eskaliert. Sind Wut und Verbitterung sehr hoch, laufen wir Gefahr, das Leben unseres Ex-Partners und vielleicht auch unser eigenes zu gefährden.

Was tun bei Rachegedanken?

Schauen Sie auf den Preis, den Sie zahlen.

Wenn Sie von Ihrem Partner verlassen wurden, dann gehen Ihnen vielleicht Gedanken durch den Kopf wie etwa: „Mein Leben ist eh vermasselt, was macht es aus, wenn ich in Schwierigkeiten komme.“ „Hauptsache, er leidet auch!“

Kurzfristig mögen Racheakte Sie zufriedenstellen. Doch ist es wahrscheinlich, dass Sie sich danach mit Schuldgefühlen quälen. Im Grunde sind Sie sicher kein schlechter Mensch, der anderen Schlechtes zufügen möchte.

Der Racheakt ist nicht wirklich ein Befreiungsschlag für Sie, sondern Sie sind, wenn Sie sich danach schämen und schuldig fühlen, immer noch mit Ihrer Vergangenheit beschäftigt. Ob Ihr Ex-Partner Ihr Verhalten wirklich als Bestrafung erlebt und es ihm dann wirklich mindestens so schlecht wie Ihnen geht, ist nicht sicher.

Sie zahlen noch einen weiteren Preis: Wenn Sie sich permanent mit Rachegedanken beschäftigen, verlieren Sie Ihr inneres Gleichgewicht und Ihre Lebensfreude. Wollen Sie diese opfern? Ist Ihr Ex-Partner das wert?

Denken Sie Ihre Rachephantasien zu Ende.

Fragen Sie sich, welche Konsequenzen Ihre Rachehandlung für Ihren Ex-Partner und für Sie kurz- und langfristig haben könnte. Manchmal ist der Preis zu hoch, den man für ein kurzfristiges Hochgefühl darüber, „es dem Ex gezeigt zu haben,“ langfristig zahlt.

Überlegen Sie sich andere Strategien, wie Sie Ihre Wut und Verbitterung ausdrücken können.

Da sind Ihrem Einfallsreichtum keine Grenzen gesetzt, aber Sie können Ihre Gefühle auch auf ganz normalem Weg äußern. Beispielsweise:

  • Schreiben Sie Ihrem Ex-Partner einen bösen Brief.
  • Verbrennen oder zerreißen Sie seine Bilder.
  • Stechen Sie Nadeln in eine Voodoo Puppe.
  • Schlagen Sie auf ein Kissen ein mit der Fantasie, Ihren Ex-Partner zu schlagen.
  • Fahren Sie mit Ihrem Wagen an einen einsamen Ort. Schließen Sie die Fenster und schreien Sie Ihre Wut heraus.

Sprechen Sie mit einem Freund über Ihre Rachephantasien.

Zum einen kann dies für Sie eine Möglichkeit sein, durch einen Außenstehenden eine Rückmeldung darüber zu erhalten, ob Ihre geplante Rachehandlung angemessen ist oder über das Ziel hinausschießt. Zum anderen können Sie mit der Freundin oder dem Freund zusammen nach kreativen Möglichkeiten suchen, sich zu rächen, die niemandem schaden.

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Anne schreibt am 01.03.2021

Als mein Ex-Mann und ich uns nach 20 Jahren Ehe haben scheiden lassen, brach für mich eine Welt zusammen. Obwohl auch ich die Scheidung wollte, fiel ich in eine tiefe seelische Krise. Ohne den Ratgeber "Wenn der Partner geht" wäre ich da nicht alleine herausgekommen. Ich habe das Buch immer und immer wieder gelesen und auch die Übungen absolviert. Zu wissen, dass die Gefühle und Gedanken, die bei einer Trennung aufkommen, vollkommen normal sind und Zeit brauchen, hat mir sehr geholfen. Die Vier-Phasen der Trennung, die im Buch beschrieben werden, gaben mir Hoffnung, dass auch ich es schaffen werde. Ich bin Frau Dr. Wolf unendlich dankbar für diesen Ratgeber, ohne sie hätte ich keinen Weg gewusst, aus dieser schlimmsten Krise meines Lebens herauszukommen.

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 Rachegelüste nach der Trennung
 Negative Auswirkungen von Rachephantasien
 Was tun bei Rachegedanken?
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